Bombus digressus

Von dieser Hummel sind 72 Fundmeldungen bekannt. Nicht 72 aus einer Saison, sondern 72 aus der Zeit seit 1867. 59 davon stammen aus den Jahren bis 2004, die übrigen 13 aus dem Jahrzehnt danach.

Bombus digressus lebt im Bergland von Costa Rica. Henry Milliron beschrieb sie 1962 in einer Reihe taxonomischer Anmerkungen zu amerikanischen Hummeln. Männchen kannte er keine.

22 Jahre bis zum ersten Männchen

Bombus digressusErst 1984 beschrieben Terence Laverty, Robert Plowright und Paul Williams das Männchen. In derselben Arbeit stellten sie für die Art eine eigene Untergattung auf, Digressobombus, weil sie sich nirgends recht einordnen ließ.

Durchgesetzt hat sich das nicht. Die neotropische Artenliste von 2002 folgt der Einteilung von Williams aus dem Jahr 1998 und führt die Art unter Fervidobombus. Eine Untergattung, die für ein einziges Tier geschaffen wird, hält sich selten lange.

Ein Typusfundort, den niemand mehr betreten kann

Das Verbreitungsgebiet umfasst fünf Provinzen Costa Ricas: Cartago, Heredia, San José, Limón und Puntarenas. Dazu kommt ein einziger Nachweis aus Guatemala, und zwar vom Typusfundort am Volcán de Fuego im Departement Escuintla.

Von dort ist seither kein weiteres Tier gemeldet worden, und das aus einem handfesten Grund: Der Vulkan ist aktiv, der Fundort lässt sich nicht besuchen. Die Art trägt ihren Namen also von einer Stelle, an der niemand nachsehen kann, ob sie dort noch vorkommt.

Die Höhenangaben in der neotropischen Artenliste reichen von 1360 bis 3300 Metern. Die Fläche, die alle bekannten Fundorte umschließt, gibt die Rote-Liste-Bewertung mit 1558 Quadratkilometern an. Das ist gut die Hälfte der Fläche des Saarlands, und es ist eine Hüllfläche, nicht die tatsächlich besiedelte Fläche. Die liegt darunter.

info hummelCosta Rica lieferte 30 Prozent aller historischen Hummelbelege Mittelamerikas, aber nur 1,4 Prozent der neueren Aufsammlungen. Wer dort heute eine Art nicht findet, hat womöglich nur nicht gesucht.

Warum die Einstufung heruntergesetzt wurde

Die Bewertung vergleicht 59 alte mit 13 neuen Fundmeldungen und kommt auf drei Kennzahlen:

  • Die heutige Ausdehnung des Verbreitungsgebiets beträgt 72,23 Prozent der historischen.
  • Von den früher besetzten Flächen sind 120,94 Prozent besetzt.
  • Die heutige relative Häufigkeit liegt bei 16,68 Prozent des früheren Wertes.

Der Mittelwert ergibt einen Rückgang von 30,05 Prozent. Nach den Kriterien der Weltnaturschutzunion reicht das für die Einstufung als gefährdet. Eingestuft wurde die Art trotzdem nur als potenziell gefährdet, eine Stufe darunter.

Den Grund nennen die Bearbeiter selbst. Der Sammelaufwand hat sich verschoben: Aus Costa Rica stammen 30 Prozent aller historischen Belege Mittelamerikas, aber nur 1,4 Prozent der Aufsammlungen aus den Jahren 2005 bis 2014. Eine Art mit kleinem Areal ausgerechnet in diesem Land wird dabei zwangsläufig unterrepräsentiert. Dass sie seltener gemeldet wird, kann also am Sammeln liegen und nicht am Bestand. Dazu kommt, dass bei einem Areal dieser Größe schon wenige zusätzliche Funde die Rechnung kippen können.

Wo sie lebt und wo sie geschützt ist

Die Fundgebiete entsprechen Flächen, die früher von Tropenwald und Gebüsch bedeckt waren und heute stark verändert sind. Was die Art konkret an Lebensraum braucht, ist nicht veröffentlicht.

Immerhin liegen die meisten costa-ricanischen Fundorte innerhalb des Schutzgebiets Cordillera Volcánica Central, zu dem die Nationalparks Braulio Carrillo, Volcán Poás, Volcán Irazú und Volcán Turrialba gehören. Auch der Typusfundort in Guatemala liegt in einem Schutzgebiet. Für eine Art mit derart kleinem Areal ist das ein günstiger Umstand.

Was ihr zusetzt

Genannt werden der Verlust von Lebensraum durch flächige Landwirtschaft mit Plantagen und Rinderweiden, Kahlschlag und die Belastung des Bodens mit Pflanzenschutzmitteln. Wegen der geologischen Lage und des kleinen Areals gelten außerdem Vulkanausbrüche, Dürren und Überschwemmungen als ernstzunehmende Gefährdung.

Für die Zukunft erwartet die Bewertung Folgen des Klimawandels sowie Krankheitserreger und Konkurrenz durch eingeführte Zuchthummeln. Letzteres ist in Mittelamerika kein theoretisches Problem, weil Völker für die Bestäubung in Gewächshäusern gehandelt werden.

Sechs Hummelarten in einem ganzen Land

Für Costa Rica führt die neotropische Artenliste sechs Hummelarten insgesamt, für Guatemala zehn. Hummeln sind Tiere kühler Klimazonen, und in den Tropen bleiben ihnen nur die Gebirge. Bombus digressus ist eine dieser sechs.

Was über ihr Leben fehlt

Es gibt keine Beschreibung eines Nestes, keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Ablauf eines Nestjahres und keine Liste der besuchten Blüten. Die Bewertung empfiehlt, Bodennester zu schützen und die einheimische Flora zu erhalten, besonders die blühenden Pflanzen der Ruderalvegetation. Sie setzt damit voraus, dass die Art unterirdisch nistet und an Ruderalfluren gebunden ist. Beschrieben ist beides nicht.

Der Grund liegt im Zuschnitt der Forschung vor Ort. Costa Rica hat eine gut ausgebaute biologische Forschung, aber sie richtet sich auf die artenreichen Gruppen der Tropen, auf stachellose Bienen, Orchideenbienen und Bestäuber der Tieflandwälder. Eine Hummel, die nur oberhalb von 1360 Metern vorkommt und im ganzen Land eine von sechs Arten ist, steht dabei selten im Mittelpunkt.

Quellen

  • Vandame R. & Martínez López O.G. 2013. Bombus digressus. The IUCN Red List of Threatened Species, Kennung T21215163A21215205, veröffentlicht am 25. Mai 2013, Fassung 2016-1. Abrufbar über iucnredlist.org
  • Milliron H.E. 1962. Taxonomic notes on some American bumblebees (Hymenoptera: Apidae; Bombinae). The Canadian Entomologist 94: 728 bis 735
  • Laverty T.M., Plowright R.C. & Williams P.H. 1984. Digressobombus, a new subgenus with a description of the male of Bombus digressus (Hymenoptera: Apidae). The Canadian Entomologist 116: 1051 bis 1056
  • Abrahamovich A.H. & Díaz N.B. 2002. Bumble bees of the Neotropical Region (Hymenoptera: Apidae). Biota Colombiana 3: 199 bis 214. Frei abrufbar über revistas.humboldt.org.co
  • Abrahamovich A.H., Díaz N.B. & Morrone J.J. 2004. Distributional patterns of the Neotropical and Andean species of the genus Bombus (Hymenoptera: Apidae). Acta Zoológica Mexicana (n.s.) 20: 99 bis 117. Frei abrufbar über scielo.org.mx
  • Labougle J.M. 1990. Bombus of México and Central America (Hymenoptera, Apidae). The University of Kansas Science Bulletin 54: 35 bis 73
  • Foto: Marshal Hedin (mhedin), Beobachtung vom 02.08.2023, San José Province, Rivas, Costa Rica. inaturalist.org/observations/179371870, Lizenz CC BY-NC-SA 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus anachoreta

Zwischen 2005 und 2012 sammelte ein chinesisch-britisches Team im Norden Chinas 21.636 Hummeln. Aus diesem Berg Material stammen von Bombus anachoreta zwölf Tiere: sieben Arbeiterinnen und fünf Männchen, gefangen an zwei Stellen. Diese zwölf Tiere waren zugleich der erste Nachweis der Art für Nordchina überhaupt.

Beschrieben 1914, in Nordchina gefunden 2014

Andrej Skorikov vergab den Namen 1914 in einer Reihe von Aufsätzen über neue Hummelformen; er stellte das Tier damals in die heute nicht mehr gebräuchliche Gattung Agrobombus. Bekannt war die Art also seit hundert Jahren, als sie in der großen Bestandsaufnahme der Hummeln Nordchinas von 2014 zum ersten Mal für dieses Gebiet gemeldet wurde. Neu war nicht das Tier, neu war das Vorkommen.

Sieben Arten standen in dieser Arbeit als Erstnachweis für Nordchina, neben anachoreta unter anderem die Deichhummel Bombus distinguendus und die Feldkuckuckshummel Bombus campestris. Insgesamt erfasste die Untersuchung 77 Arten aus zehn Untergattungen, verteilt auf Höhen zwischen 65 und 4011 Metern.

Zwei Fundstellen am Rand der Felder

Die beiden Fundorte liegen im Tal des Nenjiang im Nordosten der Inneren Mongolei, auf 215 und 240 Metern über dem Meer. Dort gilt die Art nach den Angaben der Bearbeiter als häufig, was sich mit zwölf Belegtieren zunächst seltsam liest. Gemeint ist der Vergleich innerhalb der Fundstelle: Wo sie vorkommt, ist sie nicht selten, aber sie kommt eben fast nirgendwo vor.

Der Lebensraum wird als Rand landwirtschaftlicher Flächen beschrieben. Für China insgesamt ist die Art aus der Inneren Mongolei und aus Heilongjiang belegt, also aus dem äußersten Nordosten des Landes. In der Fundmeldungsdatenbank GBIF stehen 35 Nachweise, davon 23 aus China, sechs aus Korea und einer aus der Mongolei. Das Areal reicht damit über China hinaus in den russischen Fernen Osten und auf die koreanische Halbinsel.

info hummelAls besuchte Blüte ist für diese Art in ganz Nordchina eine einzige Pflanze verzeichnet: das Schmuckkörbchen Cosmos bipinnatus, eine aus Mexiko stammende Gartenblume. Die Bestandsaufnahme führt für alle Hummeln Nordchinas zusammen 337 Pflanzenarten aus 49 Familien auf. Dass bei anachoreta nur eine übrig bleibt, sagt mehr über die Zahl der Beobachtungen als über den Geschmack der Art.

Warum sie leicht übersehen wird

Bombus anachoreta trägt ein gelbes Farbmuster, das im Norden Chinas mindestens vier weitere Arten ebenfalls tragen: Bombus amurensis, Bombus distinguendus, Bombus laesus und Bombus filchnerae. Die Bearbeiter der Monographie führen alle fünf im selben Bestimmungsschritt nebeneinander auf.

Für die Erfassung hat das Folgen. Wer im Feld eine gelbe Hummel sieht, kann sie nicht sicher zuordnen, und ältere Meldungen aus der Region lassen sich nur dann verwerten, wenn die Belegtiere noch vorhanden sind und nachbestimmt werden können. Ein Teil der scheinbaren Seltenheit dieser Art dürfte darauf beruhen, dass sie in Sammlungen unter dem Namen einer der Verwechslungsarten liegt.

Die Untergattung Thoracobombus

Die Art gehört zu den Thoracobombus, einer artenreichen Gruppe, zu der auch mitteleuropäische Arten wie die Ackerhummel und die Veränderliche Hummel zählen. Kennzeichnend sind mittellange bis lange Zungen und ein häufig überwiegend braunes oder gelbliches Haarkleid ohne die scharf abgesetzten Binden der Erdhummelverwandtschaft. Wie lang die Zunge bei anachoreta ist, wurde allerdings nie gemessen.

Was über diese Art nicht bekannt ist

Es gibt keine Beschreibung eines Nestes, keine Angabe zur Zahl der Arbeiterinnen in einem Volk, keine Daten zum Flugzeitraum über die Saison und keine Aussage zum Bestandstrend. Auch der Frage, ob eine bestimmte Kuckuckshummel diese Art als Wirt nutzt, ist niemand nachgegangen.

Der Nordosten Chinas und der angrenzende russische Ferne Osten haben keine flächendeckenden, über Jahrzehnte laufenden Erfassungsprogramme, wie sie für Hummeln in Westeuropa und Nordamerika bestehen. Die Bestandsaufnahme von 2014 war für diese Region der erste Versuch dieser Größenordnung, und sie war als Momentaufnahme angelegt, nicht als Wiederholungsmessung. Ohne eine zweite Erhebung nach demselben Muster lässt sich für Bombus anachoreta nicht einmal sagen, ob die Art zu- oder abnimmt.

Quellen

  • An J., Huang J., Shao Y., Zhang S., Wang B., Liu X., Wu J. & Williams P. H. 2014: The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830 (1): 1 bis 89. Artkapitel zu Bombus (Thoracobombus) anachoreta auf Seite 36
  • Taxonomische Bearbeitung derselben Arbeit, frei zugänglich als Einzelkapitel über Plazi TreatmentBank und das Biodiversity Literature Repository bei Zenodo
  • Skorikov A. S. 1914: Les formes nouvelles des bourdons (Hymenoptera, Bombidae) VI. Russkoe éntomologicheskoe Obozrênie 14: 119 bis 129 (Erstbeschreibung als Agrobombus anachoreta, Seite 121)
  • Williams P. H. u. a. 2026: Weltartenliste der Hummeln, Insects 17: 540, Supplementary Table S1
  • Williams P. H.: Bumblebees of the World, archivierter Weltkatalog des Natural History Museum London, Untergattung Thoracobombus, abgerufen über das Internet Archive
  • GBIF, Global Biodiversity Information Facility, Fundmeldungen zu Bombus anachoreta, abgerufen im September 2026, gbif.org

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus polaris

Bombus polarisBombus polaris besiedelt ringförmig den hohen Norden der Erde. Die Art kommt im arktischen Alaska und Kanada vor, auf Inseln wie Ellesmere Island und Baffin Island, in Grönland, in Nordskandinavien sowie im arktischen Russland von der Nenzen-Region bis nach Tschukotka. Damit reicht ihr Verbreitungsgebiet deutlich weiter nach Norden als das der meisten anderen Hummelarten, und sie ist eine der am weitesten nördlich vorkommenden Hummelarten der Welt.

Wärmehaushalt in der Kälte

Bombus polarisAls Insekt ist Bombus polaris wechselwarm und kann ihre Körpertemperatur nicht dauerhaft konstant halten wie ein Säugetier. Trotzdem fliegt sie bei Lufttemperaturen, die für die meisten anderen arktischen Insekten noch zu kalt sind. Durch schnelles Zittern ihrer Flugmuskulatur erzeugt sie genug Wärme, um ihre Flugtemperatur von etwa 30 Grad Celsius zu erreichen, selbst wenn die Umgebungsluft deutlich kälter ist. Ihr dichtes Haarkleid, dichter als das der meisten anderen Hummelarten, hält diese Wärme im Körper zurück.

An sonnigen Tagen nutzt sie zusätzlich die Sonne. Dazu setzt sie sich in die trichterförmigen Blüten des Arktischen Mohns (Papaver radicatum), deren Blütenblätter das Sonnenlicht wie kleine Spiegel in die Blütenmitte lenken. So erwärmt sich ihr Körper schneller, als es allein durch Muskelzittern möglich wäre. Selbst wenn sie mit angelegten Flügeln ruhend auf einer Blüte sitzt, erzeugt sie durch das Zittern ihrer Flugmuskeln weiterhin Wärme.

info hummelDurch Muskelzittern kann Bombus polaris ihren Brustkorb um bis zu 33 Grad Celsius über die Lufttemperatur aufheizen und ihre Körpertemperatur auf bis zu 38 Grad Celsius steigern, einen Wert, der ungefähr der Körpertemperatur eines Menschen entspricht.

Erwachen und erste Brut

Nach mindestens neun Monaten Winterruhe in einem verlassenen Mäusebau oder einem ähnlichen unterirdischen Versteck verlässt die bereits begattete Königin im Mai ihr Winterquartier. Sie ist die einzige Überlebende ihrer Kolonie aus dem Vorjahr und muss von nun an allein für den Aufbau eines neuen Nestes sorgen. Zunächst besucht sie früh blühende Pflanzen wie Läusekraut und die Kätzchen der Weiden, um Kräfte zu sammeln, bevor sie einen geeigneten Nistplatz sucht.

Die kurze arktische Vegetationsperiode lässt der Königin wenig Zeit. Der Entomologe Bernd Heinrich, der die Art über Jahre erforscht hat, beschreibt, dass Bombus polaris den gesamten sozialen Zyklus innerhalb von einem, höchstens zwei Monaten abschließen muss, während sich manche anderen arktischen Insekten über mehrere Jahre entwickeln können. Um diesen Zeitdruck auszugleichen, inkubiert die Königin ihre Eier bereits im Hinterleib, statt die Wärme wie andere Hummelarten im Brustkorb zu speichern. Das beschleunigt die Entwicklung der Eier und lässt die erste Brut aus Arbeiterinnen schneller heranwachsen.

Zweite Brut und Koloniezyklus

Bombus polarisAus der ersten Brut gehen ausschließlich Arbeiterinnen hervor, kleine unfruchtbare Weibchen, die das Nest vergrößern, Nahrung sammeln und die Königin bei der Aufzucht unterstützen. Erst im Spätsommer legt die Königin eine zweite Brut an. Aus ihr gehen Drohnen und bis zu hundert fruchtbare Weibchen hervor, von denen manche im folgenden Jahr als Königin eine neue Kolonie gründen können. Die einzige Aufgabe der Drohnen besteht darin, diese Weibchen zu begatten.

Mit dem Wintereinbruch endet die Kolonie. Die alte Königin, ihre Arbeiterinnen, die Drohnen und die meisten der jungen Weibchen sterben. Im Durchschnitt überlebt pro Kolonie nur eine einzige der neuen Königinnen den Winter und setzt im folgenden Frühjahr den Zyklus fort.

Bombus hyperboreus als Nestparasit

Nördlich des Polarkreises lebt neben Bombus polaris nur eine weitere Hummelart dauerhaft, ihr Sozialparasit Bombus hyperboreus. Dessen Königinnen dringen nach Art einer Kuckuckshummel in fremde Nester von Bombus polaris ein, übernehmen die Kolonie und legen dort ihre eigenen Eier ab. Die Arbeiterinnen von Bombus polaris ziehen anschließend die fremde Brut groß, während ihre eigene Königin dabei nicht überlebt.

Bestäubung und Nahrungspflanzen

Weil Bombus polaris schon bei niedrigen Temperaturen fliegen kann, gehört sie zu den ersten Bestäubern des arktischen Frühlings, noch bevor die meisten Blüten geöffnet sind. Später im Jahr besucht sie unter anderem:

  • Arktische Weide
  • Arktische Rose
  • Rote Johannisbeere
  • Arktischer Mohn

Als Nahrung dienen ihr außerdem die Blüten mehrerer Beerensträucher, darunter Alpen-Bärentraube, Schwarze Krähenbeere, Moorbeere und Preiselbeere.

Fressfeinde

Trotz ihrer Größe und ihres dichten Pelzes hat Bombus polaris natürliche Feinde. Grasläufer, Eiderente und Eisente erbeuten sie und verfüttern sie auch an ihren Nachwuchs.

Herkunft der Population in Grönland

Wie die grönländische Population von Bombus polaris entstanden ist, war lange unklar. Eine molekulargenetische Untersuchung eines Weibchens aus Nordgrönland (82° 48′ N) verglich das mitochondriale Gen Cytochrom-Oxidase I mit Proben aus anderen Teilen des Verbreitungsgebiets. Das Ergebnis zeigt eine engere Verwandtschaft zur kanadischen Population als zu Tieren aus Skandinavien oder Russland. Die geografische Nähe zu Ellesmere Island und die vorherrschende Windrichtung gelten als wahrscheinliche Erklärung dafür, wie die Art den Sprung nach Grönland geschafft hat. In den untersuchten grönländischen Proben fanden die Forscher fünf verschiedene Haplotypen, ein Hinweis auf eine moderat hohe genetische Vielfalt in dieser abgelegenen Population.

Quellen

  • Sutton, A.: The Brief Busy Life of the Arctic Bumblebee. In: Alaska Fish and Wildlife News, Juni 2012, Alaska Department of Fish and Game. https://www.adfg.alaska.gov/index.cfm?adfg=wildlifenews.view_article&articles_id=558
  • World Ocean Review: The queen of the tundra. https://worldoceanreview.com/en/wor-6/polar-flora-and-fauna/living-in-the-cold/the-queen-of-the-tundra/
  • Statman-Weil, Z.; Wojcik, V. (Pollinator Partnership): The Arctic Bumblebee (Bombus polaris). USDA
  • Forest Service, Celebrating Wildflowers, Pollinator of the Month. https://www.fs.usda.gov/wildflowers/pollinators/pollinator-of-the-month/bombus_polaris.shtml
  • Namin, S. M.; Park, T.-Y.; Jung, C.; Meyer-Rochow, V. B. (2021): Molecular characteristics of Bombus (Alpinobombus) polaris from North Greenland with comments on its general biology and phylogeography. Polar Biology 44, S. 2209–2216. https://link.springer.com/article/10.1007/s00300-021-02952-y
  • Foto: beaucheminalex, Beobachtung vom 23.06.2024, Herschel Island – Qikiqtaruk Territorial Park, Old Crow, YT, CA. inaturalist.org/observations/224832154, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: beaucheminalex, Beobachtung vom 03.08.2024, Herschel Island – Qikiqtaruk Territorial Park, Yukon, Unorganized, YT, CA. inaturalist.org/observations/233662410, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: a_anctil, Beobachtung vom 12.07.2025, Quaqtaq, QC J0M, Canada. inaturalist.org/observations/313899157, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus amurensis

Als die Bearbeiter der Untergattung Subterraneobombus 2011 nach dem Typustier von Bombus amurensis suchten, fanden sie in der Sammlung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau zwei Tiere mit dem Etikett amurensis. Es waren Arbeiterinnen der südamerikanischen Riesenhummel Bombus dahlbomii.

Die Verwechslung ist beträchtlich. Bombus dahlbomii lebt in Chile und Argentinien, Bombus amurensis in Sibirien, der Mongolei und Nordchina. Die Etiketten stammen möglicherweise von Radoszkowski selbst, der die Art 1862 beschrieben hatte.

Die Spur führte nach London

Bombus amurensisRadoszkowskis Sammlung ging nach seinem Tod nach Krakau, viele Typen kamen im Tausch nach Berlin. Seine Erstbeschreibung ist im Singular verfasst, als bezöge sie sich auf eine einzige Königin von 38 Millimetern Länge. Eine solche Königin war in Krakau nicht auffindbar.

Zwei mögliche Typustiere fanden sich anderswo. Das eine, 25 Millimeter lang, liegt in London und trägt in einer Handschrift des 19. Jahrhunderts die Etiketten “Nor. Gob.”, vermutlich für die nördliche Gobi, und “amurensis Rad.”. Im Zugangsverzeichnis des Museums fand sich ein Brief Radoszkowskis vom 11. März 1890, in dem genau dieses Tier erwähnt wird. Das zweite Tier liegt in Berlin, ist über 24 Millimeter lang und hat die Hinterleibsringe fünf und sechs verloren.

info hummelZwei weitere Namen wurden 2011 als Synonyme dieser Art eingezogen: Bombus fragrans mongol, den Skorikow 1912 aus der Mongolei beschrieb, und Bombus chaharensis, den Yasumatsu 1940 aus der Inneren Mongolei beschrieb. Der Holotypus des zweiten Namens gilt als verschollen.

Wie sie aussieht

Das Haar ist überwiegend zitronengelb, auf der Oberseite des Bruststücks eher goldgelb. Schwarzes Haar ist am Kopf eingemischt, besonders am Rand des Kopfschilds und entlang des inneren Augenrands, manchmal auch als kleiner Fleck zwischen den Flügelbasen und an den Beinen.

Ein feines Merkmal trennt sie von der westlichen Schwesterart: Die Hinterleibsringe drei bis sechs tragen jeweils vorn nahe der Mittellinie einen gut abgegrenzten, meist unauffälligen kleinen dreieckigen Fleck aus schwarzem Haar, dessen Spitze nach hinten zeigt. Der siebte Ring ist in seiner mittleren Hälfte schwarz.

Die Größe des schwarzen Flecks zwischen den Flügelbasen schwankt: Bei Arbeiterinnen ist er am größten, bei Königinnen kleiner, bei vielen Männchen fehlt er ganz. Ein geografisches Muster dieser Schwankung ist nicht erkennbar, wohl aber möglicherweise ein Zusammenhang mit der Körpergröße.

Wo sie lebt

Untersucht wurden 18 Königinnen, 68 Arbeiterinnen und 13 Männchen aus neun Sammlungen, elf davon mit DNA-Barcode. Sie stammen aus China, der Mongolei und Russland, aus Höhen zwischen 266 und 2600 Metern.

Es ist eine Art der offenen Tieflandsteppe. Sie vertritt im Osten die westliche Bombus fragrans, und beide kommen am Nord- und Südrand des breiten zentralasiatischen Trockengürtels vor.

Warum die Schwesterart Anlass zur Sorge gibt

Über Bombus fragrans schreiben die Bearbeiter 2011 einen Satz, der aufhorchen lässt: Die südliche Steppenart scheint in ihrem gesamten Gebiet von Südosteuropa bis Sibirien ausgestorben oder äußerst selten geworden zu sein und lässt sich verlässlich nur noch in der Türkei finden.

Für Bombus amurensis gibt es keinen vergleichbaren Befund. Die Bearbeiter formulieren das genau: Für Asien liegen ihnen keine Belege für ähnliche Veränderungen vor. Das ist keine Entwarnung, sondern die Feststellung, dass die Erhebungen fehlen, mit denen man es merken würde. Erhebungen in Nordchina wurden angekündigt und sollten die Lage weiter beobachten.

Was nicht bekannt ist

Kein Nest dieser Art ist beschrieben, es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf und keine Liste besuchter Blüten. Für eine Steppenart, deren nächste Verwandte im Westen zusammengebrochen ist, wäre gerade eine wiederholbare Erfassung das Naheliegendste.

Quellen

  • Williams P.H., An J. & Huang J. 2011. The bumblebees of the subgenus Subterraneobombus: integrating evidence from morphology and DNA barcodes (Hymenoptera, Apidae, Bombus). Zoological Journal of the Linnean Society 163: 813 bis 862
  • Pesenko Y.A. & Astafurova Y.V. 2003. Annotated bibliography of Russian and Soviet publications on the bees (Hymenoptera: Apoidea) excluding Apis mellifera. Denisia 8: 1 bis 616
  • Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540
  • Foto: Макарiй Игоревичъ Лоскутовъ (makarii_loskutov), Beobachtung vom 06.07.1971, Онгон, Сүхбаатар, Монголия. inaturalist.org/observations/344163422, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus albopleuralis

Diese Hummel gilt erst seit 2015 als eigene Art. Und ihr Entdecker schreibt sieben Jahre später selbst, dass man sie von ihrer nächsten Verwandten ohne genetische Daten nicht zuverlässig unterscheiden kann.

Heinrich Friese führte den Namen 1916 ein, allerdings nur als Abart einer anderen Hummel. Owen Richards beschrieb dieselben Tiere 1931 noch einmal unter einem neuen Namen. Bohuslav Tkalců legte 1974 eine Königin aus Frieses Material als Namensträgerin fest, sie liegt im Museum für Naturkunde in Berlin.

Ein Name, der 100 Jahre lang falsch verwendet wurde

Bombus albopleuralisBis vor Kurzem liefen diese Tiere unter dem Namen Bombus trifasciatus. Vier Arbeiten führen sie so: Paul Williams in seinem Werk über die Hummeln des Kaschmir-Himalaya von 1991, eine Arbeit über die Hummeln Nepals von 2009, eine über die Hummeln des nepalesischen Himalaya von 2010 und das indische Standardwerk von 2015.

Bemerkenswert daran ist, dass Williams zu den Autoren gehört, die den Fehler später selbst aufgedeckt haben. Es ging nicht um Nachlässigkeit, sondern darum, dass die Merkmale ohne genetische Daten nicht ausreichen.

Zwei Aufspaltungen in drei Jahren

Der Weg zur heutigen Art verlief in zwei Schritten. 2012 trennten Heather Hines und Paul Williams anhand von DNA-Daten Bombus montivagus von Bombus trifasciatus ab. 2015 spalteten Huang Jiaxing und seine Mitarbeiter, ebenfalls über DNA, Bombus albopleuralis von Bombus montivagus ab.

Fortlaufende Auswertungen von COI-Abschnitten stützen alle drei als getrennte Arten. Der Bestimmungsführer von 2022 schreibt dazu zwei Sätze, die man sich merken sollte: Die Unterscheidung sei mit den derzeit verfügbaren Angaben schwierig und unzuverlässig, und das Verständnis der beiden Arten im Himalaya werde sich wahrscheinlich erheblich ändern, sobald mehr Daten vorliegen.

info hummelDer Anteil schwarzer Haare auf den Hinterleibsringen drei bis fünf nimmt von West nach Ost stetig zu. Ein westliches und ein östliches Tier derselben Art sehen deshalb unterschiedlicher aus als zwei benachbarte Tiere verschiedener Arten.

Woran man es dennoch versuchen kann

Drei Merkmale nennt der Führer für die Weibchen. Der Kopfschild ist dicht und grob punktiert, besonders im unteren Teil, bei der Verwechslungsart dagegen spärlich und fein. Vorn in der Mitte des dritten Hinterleibsrings stehen einige gelbe Haare, die dort sonst fehlen. Und das erste Glied des Mittelbeintarsus läuft hinten in einen spitzen Winkel von weniger als 45 Grad aus, der als schmaler Dorn vorsteht.

Königinnen messen 16 bis 19 Millimeter, Arbeiterinnen 11 bis 16, Männchen 15 bis 16.

Lange Zungen, enge Blütenwahl

Die Art gehört zur Untergattung Megabombus. Zu ihr zählen die langzüngigsten Hummeln der Welt, und viele ihrer Arten sind auf einen engen Kreis zweiseitig symmetrischer Blüten festgelegt. Die Nester liegen meist unterirdisch, die Larven wachsen gemeinsam in Wachstaschen heran, und die Männchen fliegen feste, mit Duftstoffen markierte Bahnen ab.

Was offen bleibt

Zum Lebensraum heißt es, die Art scheine in tief und mittelhoch gelegenen Wäldern häufig zu sein, doch müsse die Artzugehörigkeit der Belege erst bestätigt werden. Das Verbreitungsgebiet reicht weit über den Himalaya bis nach Nordburma.

Ein Nest dieser Art ist nicht beschrieben, eine Volksstärke nicht bekannt, ein Nestjahr nicht dokumentiert und eine Liste der besuchten Blüten nicht veröffentlicht. Solange die Bestimmung an genetischen Daten hängt, lässt sich auch keine Beobachtung im Gelände sicher dieser Art zuordnen. Damit steht diese Hummel an einem Punkt, an dem zuerst die Taxonomie weiterkommen muss, bevor die Biologie anfangen kann.

Quellen

  • Williams P.H. 2022. The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, CEBioS und Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel. Frei abrufbar über abctaxa.naturalsciences.be
  • Hines H.M. & Williams P.H. 2012. Mimetic colour pattern evolution in the highly polymorphic Bombus trifasciatus (Hymenoptera: Apidae) species complex and its comimics. Zoological Journal of the Linnean Society 166: 805 bis 826
  • Huang J.-X., An J.-D., Wu J. & Williams P.H. 2015. Extreme food-plant specialisation in Megabombus bumblebees as a product of long tongues combined with short nesting seasons. PLoS ONE 10 (8): e0132358. Frei abrufbar über journals.plos.org
  • Friese H. 1916. Über einige neue Hummelformen. Bombus 1916: 107 bis 110
  • Richards O.W. 1931. A new species of Indian humble-bee in the collection of the British Museum (Hymenoptera, Bombidae). Annals and Magazine of Natural History Serie 10, 8: 529 bis 533
  • Williams P.H., Ito M., Matsumura T. & Kudo I. 2010. The bumblebees of the Nepal Himalaya (Hymenoptera: Apidae). Insecta Matsumurana 66: 115 bis 151
  • Foto: Dinesh Sharma (dineshs), Beobachtung vom 04.05.2025, Dudhli, Himachal Pradesh 171003, India. inaturalist.org/observations/278457063, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus abnormis

Bei den meisten Hummeln sind die Männchen kleiner als die Königin und größer als die Arbeiterinnen. Bei Bombus abnormis fällt der Abstand ungewöhnlich aus: Königinnen messen 17 Millimeter, Männchen 15, Arbeiterinnen dagegen nur 11 bis 12.

Bohuslav Tkalců beschrieb die Art 1968 nach einer Königin, die im Naturkundemuseum London liegt. Es ist eine Art, die im östlichen Himalaya endemisch ist und dort als selten gilt.

Eine Trennung, die erst die Gene bestätigten

Die nächste Verwandte ist Bombus bryorum, eine Art derselben Untergattung. Ob beide getrennt sind oder nicht, war lange offen. Auswertungen von COI-Genabschnitten haben den Artstatus inzwischen bestätigt.

Wie eng die beiden beieinander liegen, zeigt das Merkmal, über das man sie trennt. Es sitzt am Kopf, auf der Fläche zwischen der Vertiefung um das seitliche Punktauge und dem Innenrand des Facettenauges. Bei Bombus abnormis ist diese Fläche fast auf ganzer Breite sehr dicht mit kleinen Punkten übersät, bei der Vergleichsart nicht. Dasselbe Merkmal gilt für Weibchen und Männchen.

info hummelIn einer Arbeit über die Hummeln Nepals von 2009 laufen Tiere dieser Art unter dem Namen einer anderen Hummel aus einer weiteren Untergattung. Wer Verbreitungsangaben aus dieser Zeit nutzt, muss die Belege nachbestimmen lassen.

Kleine Völker, früher Abschluss

Die Art gehört zur Untergattung Pyrobombus. Deren Völker bleiben meist klein und haben ihre Entwicklung schon im früheren Teil des Sommers abgeschlossen. Nester liegen unterirdisch, an der Oberfläche oder in Hohlräumen über dem Boden. Ältere Larven werden einzeln in getrennten Zellen aufgezogen, nicht gemeinsam in Wachstaschen. Die Männchen fliegen feste, mit Duftstoffen markierte Bahnen ab.

Die Zunge ist kurz, entsprechend werden flache Blüten angeflogen. Arbeiterinnen dieser Untergattung sind oft besonders klein und besuchen kleine Blüten, an denen sie kopfüber hängen.

Verbreitung

Die Art ist im östlichen Himalaya endemisch. Ihr Kernlebensraum ist blütenreiches Grasland der subalpinen Stufe, und dort ist sie selten.

Endemisch und selten zugleich bedeutet, dass der weltweite Bestand dieser Hummel an einem Landschaftsgürtel in einer einzigen Gebirgsregion hängt.

Was fehlt

Die eben genannten Merkmale der Untergattung sind für Bombus abnormis nicht überprüft. Es gibt kein beschriebenes Nest, keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Nestjahresablauf, keine beobachtete Paarung und keine Liste besuchter Blüten. Ein Bestandstrend liegt nicht vor.

Im östlichen Himalaya gibt es keine Arbeitsgruppe, die Hummelnester sucht, und keine über Jahre laufende Kartierung. Bei einer seltenen Art im subalpinen Grasland kommt hinzu, dass die Vegetationszeit dort wenige Wochen dauert und die Fundorte schwer erreichbar sind. Was vorliegt, sind Sammlungsbelege und die daraus abgeleitete Verbreitungskarte.

Quellen

  • Williams P.H. 2022. The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, CEBioS und Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel. Frei abrufbar über abctaxa.naturalsciences.be
  • Tkalců B. 1968. Neue Arten der Unterfamilie Bombinae der paläarktischen Region (Hymenoptera, Apoidea). Sborník entomologického oddelení Národního musea v Praze 65: 21 bis 51
  • Williams P.H., Ito M., Matsumura T. & Kudo I. 2010. The bumblebees of the Nepal Himalaya (Hymenoptera: Apidae). Insecta Matsumurana 66: 115 bis 151
  • Burger F., Creutzburg F., Hartmann J. & Hartmann M. 2009. Die Hummeln von Nepal (Insecta: Hymenoptera: Apidae: Bombus). In: Hartmann M. & Weipert J. (Hrsg.) Biodiversität und Naturausstattung im Himalaya III, Erfurt: 455 bis 462
  • Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus burmensis

Bombus burmensis trägt ihren heutigen Namen erst seit 2020. Davor galt sie 22 Jahre lang überhaupt nicht als eigene Art, sondern als Synonym einer anderen.

Beschrieben wurde das Tier 1937 von Alexander Skorikow, nach Königinnen aus Myanmar, damals Burma. Er stellte es in die Untergattung Diversibombus und nannte es malaisei, nach dem Sammler des Materials.

Ein Name, der zweimal vergeben war

Bombus burmensisDas Problem lag darin, dass der Name malaisei innerhalb der Gattung Bombus schon besetzt war. Bischoff hatte ihn 1930 für ein anderes Tier verwendet, für eine Hummel, die heute als Synonym von Bombus czerskianus geführt wird.

Nach den Nomenklaturregeln ist der jüngere der beiden Namen damit nicht verwendbar. Paul Williams schlug 2020 in einer zweiseitigen Notiz burmensis als Ersatznamen vor, mit Bezug auf das Herkunftsland des Typenmaterials.

info hummelDie Königinnen, nach denen Skorikow die Art beschrieb, sind verschollen. Sie sollten im Zoologischen Institut in Sankt Petersburg liegen, wurden dort aber nicht gefunden. Das bedeutet: Wer heute prüfen will, ob ein Tier zu dieser Art gehört, kann es mit keinem Belegexemplar vergleichen, sondern nur mit der Beschreibung von 1937.

22 Jahre als Synonym

Bombus burmensisWilliams selbst hatte den Namen 1998 vorläufig zu Bombus trifasciatus gezogen, einer weit verbreiteten Art Ost- und Südasiens, und diese Einschätzung 2009 in der Bearbeitung der Hummeln Sichuans bestätigt. Damit war malaisei keine Art mehr, sondern ein Eintrag in einer Synonymliste.

Diesem Sammelbecken ging es wie vielen anderen: Es löste sich wieder auf. In die damalige Fassung von Bombus trifasciatus waren mindestens fünf weitere Namen eingegangen, darunter albopleuralis, das Friese 1916 aus Indien beschrieben hatte. In der Weltartenliste von 2026 stehen albopleuralis und burmensis wieder als eigene Arten, unmittelbar nebeneinander.

Solche Auflösungen sind der Normalfall geworden, seit Genvergleiche zur Verfügung stehen. Was aussieht wie eine veränderliche weit verbreitete Art, erweist sich häufig als mehrere ähnliche Arten mit kleineren Gebieten.

Wie dünn die Grundlage ist

Der Nachweis, auf den sich der Artstatus von 2026 stützt, ist eine einzige Gensequenz, ein Abschnitt des Gens COI mit der Kennung KP671668. Weitere Sequenzen für die fünf anderen im Stammbaum ausgewerteten Gene liegen für diese Art nicht vor.

Der alte Weltkatalog der Hummeln, der für die meisten Arten wenigstens eine grobe Region nennt, führt zu diesem Namen nichts als den Namen selbst. Keine Verbreitungsangabe, keine Zahl geprüfter Belegtiere, keinen Hinweis auf Körpermerkmale.

Was nicht bekannt ist

Bombus burmensisKein Nest dieser Art ist beschrieben. Es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf, keine beobachtete Paarung, keine Liste besuchter Blüten und keine Höhenangabe. Das Verbreitungsgebiet ist über die Typuslokalität in Myanmar hinaus nicht umrissen.

Der Grund liegt weniger bei der Art als bei der Region. Myanmar gehört zu den entomologisch am schlechtesten bearbeiteten Ländern Asiens. Systematische Aufsammlungen von Hummeln stammen dort überwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und langjährige Kartierungsprogramme, wie sie in Europa und Nordamerika seit Jahrzehnten laufen, gibt es nicht.

Was helfen würde

Der naheliegende Schritt wäre die Durchsicht von Museumsmaterial aus Nordmyanmar und dem angrenzenden Yunnan, das bislang unter dem Namen Bombus trifasciatus abgelegt ist. Genau dort dürften Belege dieser Art liegen.

Weil die Typuskönigin fehlt, wäre zusätzlich die Festlegung eines Ersatztypus nötig, damit der Name überhaupt an einem greifbaren Tier hängt. Solange das aussteht, bleibt Bombus burmensis eine Art, die vor allem auf dem Papier existiert.

Quellen

  • Williams P.H. 2020. Bombus burmensis replaces B. malaisei (Skorikov). Journal of Natural History 53: 2737 bis 2738
  • Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190
  • Williams P.H. 1998. An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, London (Entomology) 67: 79 bis 152
  • Williams P.H. 2021. Not just cryptic, but a barcode bush: PTP re-analysis of global data for the bumblebee subgenus Bombus s. str. Journal of Natural History 55: 271 bis 282
  • Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540
  • Foto: Simba (simbason), Beobachtung vom 13.10.2025, 中国云南省丽江市玉龙纳西族自治县. inaturalist.org/observations/324676539, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Ziyang Liu (mrapatura), Beobachtung vom 02.09.2025, 中国云南省保山市隆阳区. inaturalist.org/observations/316435680, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Lukasz Madrzynski 孟巨石 (lukaszmadrzynski), Beobachtung vom 20.10.2018, Lijiang, CN-YN, CN. inaturalist.org/observations/28416248, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher

Bombus patagiatus

Bombus patagiatus war lange ein Sammelbegriff. Unter diesem Namen liefen viele Hummeln mit weißem Hinterteil aus halb Ostasien mit, darunter eine, die sich 2012 als eigene Art erwies und heute Bombus lantschouensis heißt. Auch Bombus minshanensis galt zeitweise als bloße Unterart.

Inzwischen sind die Grenzen geklärt, und die verbliebene Art hat sich zu einem der wichtigsten Bestäuber im chinesischen Gartenbau entwickelt. Anfang 2026 wurden die Genome beider Arten gemeinsam veröffentlicht.

Eckdaten

  • Untergattung Bombus im engeren Sinn, Art beschrieben von Nylander im Jahr 1848
  • Artengruppe weißschwänzige Arten
  • Verbreitung Nordosten des europäischen Russland bis Karelien, Mongolei, Nord- und Zentralchina
  • Nachweise in China Innere Mongolei, Gansu, Qinghai, Sichuan
  • Nistplätze Nagerbaue und Hohlräume unter Baumwurzeln
  • Nutzung kommerzielle Bestäubung im Gewächshaus, vor allem Auberginen
  • Genom 240,28 Millionen Basenpaare auf 18 Chromosomen

Eine brauchbare Beschreibung der Färbung lässt sich nicht geben. Die Arten dieser Gruppe gleichen sich äußerlich so stark, dass sich selbst Fachleute jahrzehntelang uneins waren, wie viele Arten überhaupt darunter stecken. Sichere Bestimmung erfordert genetische Methoden oder die Untersuchung von Genitalmerkmalen.

Verbreitung und Nistweise

Bombus patagiatusDas Areal reicht vom Nordosten des europäischen Russland ostwärts über die Mongolei bis nach Nord- und Zentralchina. In China stammen Nachweise aus der Inneren Mongolei, aus Gansu, Qinghai und Sichuan, also überwiegend aus Steppen-, Grasland- und Hochlandregionen.

Aus dem Südural, dem westlichen Rand des Areals, liegen Angaben zur Nistweise vor. Dort besiedelt die Art Lichtungen in Mischwäldern und legt ihre Nester in Nagerbauen und unter Baumwurzeln an. Ob das für das gesamte Areal gilt, ist offen, denn aus den zentralasiatischen Vorkommen fehlen vergleichbare Beobachtungen.

Bemerkenswert ist ein Nachweis aus der Inneren Mongolei: Auf der Renaturierungsfläche eines Braunkohletagebaus trat die Art als kennzeichnende Insektenart eines bestimmten Wiederbesiedlungsstadiums auf. Für eine Hummel, deren natürlicher Lebensraum offenes Grasland ist, sind solche Flächen offenbar früh nutzbar.

Der Name, der zu viele Arten umfasste

Bombus patagiatus2012 nahm eine Arbeitsgruppe um Paul Williams die weißschwänzigen Hummeln weltweit mit genetischen Barcodes unter die Lupe, also mit einem standardisierten Abschnitt des Gens für die Cytochrom-c-Oxidase-Untereinheit I. Dabei löste sich der weit gefasste Begriff Bombus patagiatus auf. Die nordchinesischen Tiere, die dort mitliefen, erwiesen sich als eigenständige Linie und tragen seither den Namen Bombus lantschouensis.

Praktische Folgen hatte das sofort. Beide Arten wurden zu diesem Zeitpunkt bereits für den Gewächshauseinsatz vermehrt. Wer Hummelvölker über Landesgrenzen verkauft, muss wissen, welche Art er verschickt, sonst lässt sich weder beurteilen, ob sie am Zielort heimisch ist, noch welche Krankheitserreger sie mitbringt.

info hummelChina beherbergt 125 Hummelarten und damit etwa die Hälfte der weltweit bekannten Artenvielfalt dieser Gattung. 22 davon kommen nirgendwo sonst vor. Zum Vergleich: In Deutschland leben je nach Zählung gut drei Dutzend Arten.

Zucht und Auberginenbestäubung

Bombus patagiatusZwischen 1998 und 2017 wurden in China sechs einheimische Hummelarten für die Zucht ausgewählt und erprobt: Bombus lucorum, Bombus ignitus, Bombus pyrosoma, Bombus picipes, Bombus lantschouensis und Bombus patagiatus. Zwei davon haben es bis zur kommerziellen Nutzung gebracht, nämlich die letzten beiden.

Der Schwerpunkt liegt bei Bombus patagiatus auf Auberginen. Diese geben ihren Pollen nur bei Vibration frei, weshalb Honigbienen als Bestäuber ausfallen. Hummeln erzeugen die nötige Erschütterung, indem sie ihre Flugmuskulatur einsetzen, ohne die Flügel zu bewegen. Ohne Bestäuber muss im Gewächshaus mit Wuchsstoffen nachgeholfen oder von Hand bestäubt werden, was Arbeitszeit kostet und regelmäßig zu weniger Samen und kleineren Früchten führt.

Zwei Genome nebeneinander

Anfang 2026 erschienen die Genome von Bombus patagiatus und Bombus lantschouensis gemeinsam in einer Arbeit. Verwendet wurden lange Lesestücke der PacBio-Technik, kurze Illumina-Lesestücke zur Absicherung und ein Hi-C-Verfahren zur Zuordnung auf Chromosomen.

Die Assemblierung für Bombus patagiatus umfasst 240,28 Millionen Basenpaare, von denen 94,38 Prozent 18 Chromosomen zugeordnet werden konnten. Vorhergesagt wurden 17.351 proteinkodierende Gene. Bei Bombus lantschouensis liegen die Werte bei 241,30 Millionen Basenpaaren und 16.023 proteinkodierenden Genen. Die Genomgrößen sind also praktisch gleich, die Genzahlen unterscheiden sich um gut acht Prozent. Wie viel davon biologisch begründet ist und wie viel auf Unterschiede in der Auswertung zurückgeht, lässt sich aus den Zahlen allein nicht sagen.

Der Zweck solcher Daten ist praktisch. Wer Hummeln züchtet, will wissen, welche genetische Vielfalt in seinen Zuchtstämmen steckt und ob Zuchttiere sich von wilden Beständen entfernen. Dafür braucht es ein Referenzgenom als Vergleichsmaßstab.

Die eingeführte Konkurrenz

Wie in vielen Ländern wird auch in Ostasien für Gewächshäuser überwiegend die europäische Bombus terrestris gehandelt. Eine Untersuchung von 2018 hat modelliert, wo in Ostasien klimatisch geeignete Flächen für diese Art liegen und wie stark sie sich mit den Vorkommen einheimischer chinesischer Hummeln überschneiden. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Überlappung ist erheblich.

Genau darin liegt der Grund, warum China einheimische Arten für die Zucht entwickelt. Eine Art, die bereits im Land vorkommt, kann keine fremde Art einschleppen, keine unbekannten Krankheitserreger mitbringen und sich nicht mit lokalen Beständen zu etwas vermischen, das vorher nicht da war. Bombus patagiatus ist dafür einer von zwei Kandidaten, die den Sprung in die Praxis geschafft haben.

Quellen

  • Chromosome-level genome assembly and annotation of two Asian bumble bees (2026). Scientific Data 13, 248. nature.com/articles/s41597-026-06568-x
  • Williams, P. H., Brown, M. J. F., Carolan, J. C. et al. (2012): Unveiling cryptic species of the bumblebee subgenus Bombus s. str. worldwide with COI barcodes. Systematics and Biodiversity 10(1), 21 bis 56.
  • Huang, J., An, J. (2018): Species diversity, pollination application and strategy for conservation of the bumblebees of China. Biodiversity Science 26(5), 486 bis 497. biodiversity-science.net/EN/10.17520/biods.2018068
  • Habitat suitability for the invasion of Bombus terrestris in East Asian countries. A case study of spatial overlap with local Chinese bumblebees (2018). Scientific Reports 8, 11028. nature.com/articles/s41598-018-29414-6
  • Williams, P. H., Tang, Y., Yao, J., Cameron, S. (2014): The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830(1), 1 bis 89.
  • Survey and diversity assessment of key insect communities in different grassland types in Inner Mongolia (2025). pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12219844
  • Investigation of Insect Diversity in the Restoration Area of Yimin Surface Mine in Inner Mongolia (2025). Diversity 17(9), 635. mdpi.com/1424-2818/17/9/635
  • Foto: Anastasiia Merkulova (anastasiiamerkulova), Beobachtung vom 31.08.2025, Дск “территория” улица, Магадан, Магаданская область, RU. inaturalist.org/observations/310416171, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: mihailivanov, Beobachtung vom 03.09.2025, Иркутский р-н, Иркутская обл., Россия. inaturalist.org/observations/311412408, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: naturalisttt, Beobachtung vom 13.07.2025, Вилюйск, Респ. Саха (Якутия), Россия, 678202. inaturalist.org/observations/329449476, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

(2 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)

Bombus bellicosus

In den offenen Grasländern zwischen dem Nordwesten Argentiniens und dem brasilianischen Bundesstaat Paraná flog bis in die 1980er Jahre eine Hummel mit gelbem Bruststück und orangefarbenem Hinterleibsende. Am nördlichen Rand dieses Gebietes fehlt sie heute vollständig.

Bombus bellicosus gehört zu den wenigen Hummelarten der Südhalbkugel, bei denen sich ein regionales Aussterben nicht nur vermuten lässt. Sammlungsbelege und gezielte Nachsuchen zeichnen den Vorgang nach.

Verbreitung und Lebensraum

Bombus bellicosus  Das Areal der Art reicht vom Nordwesten Argentiniens über Uruguay bis in den Süden Brasiliens. In Paraná lag die nordöstliche Grenze. Besiedelt werden offene Graslandschaften und Flächen mit Strauchbewuchs, also die Campos und die Pampa, nicht der geschlossene Wald.

Wie stark sich das Bild schon verschoben hat, zeigt eine Bestandsaufnahme in Uruguay. Sechs Bombus-Arten waren für das Land gemeldet, bestätigen ließen sich nur zwei: Bombus pauloensis, verbreitet über alle Landesteile, und Bombus bellicosus, beschränkt auf den Süden.

Erkennungsmerkmale

Bombus bellicosusKopf, Fühler und Augen sind durchgehend schwarz behaart. Das Bruststück trägt oben gelbe Haare, in der Mitte bleibt eine haarlose schwarze Fläche frei. Am Hinterleib sind die vorderen Segmente schwarz, die hinteren orange. Diese Kombination macht die Art im Feld gut ansprechbar, was bei den südamerikanischen Hummeln keineswegs selbstverständlich ist. In Brasilien läuft sie wie andere große Bienen unter dem Sammelnamen mamangava. Systematisch gehört sie zur Untergattung Thoracobombus.

Eine Wachsdecke über der Brut

Bombus bellicosusEin Detail aus dem Nestbau hat die Forschung aufhorchen lassen. Völker dieser Art überziehen ihre Brutzellen mit einer Wachsschicht. Innerhalb der Gattung kennt man dieses Verhalten sonst vor allem von Arten kühler Regionen, wo die Decke Wärme im Nest hält.

Bei einer Hummel, die in subtropischen Grasländern lebt, wirft das eine naheliegende Frage auf. Steigen die Temperaturen, könnte eine Bauweise, die Wärme zurückhält, von einem Vorteil zu einer Belastung werden. Bewiesen ist dieser Zusammenhang nicht. Er gilt als eine der plausiblen Erklärungen dafür, warum gerade diese Art aus dem wärmeren Norden ihres Areals verschwand.

info hummelDer letzte gesicherte Fund im brasilianischen Bundesstaat Paraná stammt aus den frühen 1980er Jahren. Zwischen 2002 und 2005 suchten Forscher gezielt an den historischen Fundorten und fanden kein einziges Tier. Damit gehört Bombus bellicosus zu den ganz wenigen Hummelarten weltweit, deren regionales Verschwinden mit Datum und Ort dokumentiert ist.

Das Verschwinden aus Paraná

Bis Anfang der 1980er Jahre war die Art in Paraná noch vergleichsweise häufig. Aus dieser Zeit stammen die letzten Belegexemplare. Als zwischen 2002 und 2005 an denselben Stellen erneut gesammelt wurde, kam kein Nachweis mehr zusammen.

Als Ursachen kommen mehrere Entwicklungen in Betracht, die zeitlich zusammenfielen. Die Campos wurden großflächig in Acker und Siedlungsfläche umgewandelt. Dazu kommen Belastungen durch Schadstoffe und die Erwärmung. Welcher Anteil auf welchen Faktor entfällt, lässt sich im Nachhinein nicht auseinanderrechnen.

Was die Modelle vorhersagen

Bombus bellicosusEine Arbeit von 2015 hat berechnet, wo die Art unter künftigen Klimabedingungen noch geeignete Verhältnisse vorfinden würde. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die passenden Räume wandern nach Süden. Übrig blieben Restflächen im Süden Brasiliens sowie Teile Argentiniens und Uruguays.

Für eine Art, die an offene Graslandschaften gebunden ist, hat das eine unangenehme Nebenbedingung. Sie kann nur dorthin ausweichen, wo solche Flächen noch existieren. Genau daran mangelt es in der Pampa, die zu großen Teilen unter dem Pflug liegt.

Eingeschleppte Konkurrenz

Seit den 1990er Jahren breitet sich der aus Europa nach Chile eingeführte Bombus terrestris über den Süden des Kontinents aus. Aus Chile schwappte er nach Argentinien über, obwohl dort ein Einfuhrverbot galt. Neue Fundorte in Río Negro und La Pampa markieren die Ostbewegung.

Für Bombus dahlbomii im Süden Chiles und Argentiniens sind die Folgen dieser Ausbreitung inzwischen gut dokumentiert. Für Bombus bellicosus fehlt ein entsprechender Nachweis. Der Ausbreitungskorridor über die argentinische Pampa Richtung Uruguay und Südbrasilien führt allerdings mitten durch das verbliebene Restareal.

Was noch fehlt

Zur Nistplatzwahl, zur Volksgröße und zum Jahreslauf der Art liegen bis heute kaum veröffentlichte Daten vor. Wer nach Angaben sucht, findet meist Werte verwandter Arten, die sich nicht ohne Weiteres übertragen lassen.

Ein Fortschritt kam 2024 mit der Entschlüsselung des Kern- und Mitochondriengenoms. Solche Daten erlauben es, genetische Vielfalt und Verwandtschaftsverhältnisse in den verbliebenen Vorkommen zu messen. Bei einer Art, deren Bestände auseinandergerissen wurden, ist das die Grundlage für jede belastbare Schutzplanung. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus bellicosus bislang unter der Kategorie ungenügende Datengrundlage.

Quellen

  • Martins, A. C. & Melo, G. A. R. (2010): Has the bumblebee Bombus bellicosus gone extinct in the northern portion of its distribution range in Brazil? Journal of Insect Conservation 14(2), S. 207 bis 210. link.springer.com/article/10.1007/s10841-009-9237-y
  • Martins, A. C., Silva, D. P., De Marco, P. & Melo, G. A. R. (2015): Species conservation under future climate change: the case of Bombus bellicosus, a potentially threatened South American bumblebee species. Journal of Insect Conservation 19, S. 33 bis 43. link.springer.com/article/10.1007/s10841-014-9740-7
  • Santos, K., Arbulo, N., Salvarrey, S. & Invernizzi, C. (2017): Distribución de las especies del género Bombus Latreille (Hymenoptera, Apidae) en Uruguay. Revista de la Sociedad Entomológica Argentina 76(1). scielo.org.ar/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0373-56802017000100003
  • The nuclear and mitochondrial genomes of the bellicose bumblebee (Bombus bellicosus, Hymenoptera: Apidae), a threatened pollinator in a changing South American landscape. Genome (2024), DOI 10.1139/gen-2024-0166. cdnsciencepub.com/doi/10.1139/gen-2024-0166
  • Aizen, M. A. et al. (2019): Invasion dynamics of the European bumblebee Bombus terrestris in the southern part of South America. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8316498
  • Smith, F. (1879): Descriptions of new species of Hymenoptera in the collection of the British Museum. London (Erstbeschreibung von Bombus bellicosus).
  • Foto: basiliojimichtz, Beobachtung vom 09.04.2026, M22J+PR, Rocamora, Entre Ríos, Argentina. inaturalist.org/observations/350170445, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Camila Abril von Rebeur Paschwitz (camila_von_rebeur), Beobachtung vom 22.03.2026, 1741, Plomer, Provincia de Buenos Aires, Argentina. inaturalist.org/observations/346041844, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Rosario Douglas (argonauta), Beobachtung vom 15.02.2026, Colón Department, Córdoba Province, Argentina. inaturalist.org/observations/343067405, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert
  • Foto: Eduardo Nadal (ejnadal), Beobachtung vom 13.02.2026, 5X4X+P3, San Huberto, Córdoba, Argentina. inaturalist.org/observations/338470082, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

(2 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)

Bombus robustus

Oberhalb der Waldgrenze der nördlichen Anden liegt ein Lebensraum, den es sonst nirgends gibt. Der Páramo ist eine feuchte, kühle Graslandschaft zwischen Baumgrenze und Schneeregion, geprägt von Schopfrosettenpflanzen und starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Bombus robustus gehört zu den Hummeln, die dort oben bestäuben.

Einordnung und Erscheinung

Bombus robustusBeschrieben wurde die Art 1854 von Frederick Smith. Heute wird sie zur Untergattung Cullumanobombus gestellt, ältere Arbeiten führen sie unter dem eigenen Namen Robustobombus. Innerhalb der kolumbianischen Hummelfauna zählt sie zur Gruppe der kurzgesichtigen Arten, die vor allem Bergökosysteme ab etwa 2.100 Metern besiedeln.

Eine ausführliche Beschreibung der Behaarung sucht man in der zugänglichen Literatur vergeblich. Der Artname verweist auf einen kräftigen Körperbau, gemessene Vergleichswerte zu anderen Andenarten liegen dazu aber nicht vor.

Verbreitung in den nördlichen Anden

Das Areal reicht von Venezuela über Kolumbien bis nach Ecuador. Aus Venezuela liegen Nachweise aus Mérida vor, aus Kolumbien unter anderem aus dem Hauptstadtdistrikt, aus Magdalena, Meta, Nariño und Putumayo, aus Ecuador aus Azuay, Manabí, Pichincha und Tungurahua. In Kolumbien ist die Art aus allen drei Kordilleren belegt.

Bei den Höhenangaben gehen die Quellen auseinander. Genannt werden Spannen von 762 bis 3.800 Metern, von 2.100 bis 3.800 Metern und, in der aktuellen ecuadorianischen Bestandsaufnahme, von 500 bis 4.000 Metern. Der Schwerpunkt liegt eindeutig im Hochland. Belegtiere stammen etwa aus dem Nationalpark Chingaza zwischen 2.900 und 3.100 Metern, aus dem Nationalpark Tatamá von 3.579 Metern und aus dem Nationalpark Los Nevados von 3.300 Metern.

info hummelEine Bestandsaufnahme der Hummeln Ecuadors aus dem Jahr 2025 wertete aus, welche Art an wie vielen Pflanzen sammelt. Bombus robustus kam auf 53 besuchte Pflanzenarten, davon 21 einheimische, und war damit die zweitaktivste Hummel des Landes. Für eine Art, die die Rote Liste mangels Daten überhaupt nicht einstufen kann, ist das eine bemerkenswerte Bilanz.

Was sie anfliegt

Aus Kolumbien liegen Beobachtungen an Lupinen und an Dahlien vor, beides Pflanzengruppen mit Schwerpunkt in den amerikanischen Gebirgen. Die ecuadorianische Übersicht nennt darüber hinaus Dalea coerulea, einen Schmetterlingsblütler des Andenhochlands, sowie mehrere Salbeiarten.

Dass gut ein Drittel der besuchten Pflanzen nicht einheimisch ist, sagt etwas über den Zustand des Lebensraums. Der Páramo grenzt vielerorts direkt an Weiden, Kartoffeläcker und Siedlungen, und die Hummeln sammeln an dem, was dort blüht.

DNA aus dem Museumsschrank

Bombus robustusFür Arten, von denen niemand systematisch Bestände zählt, sind alte Sammlungsbelege oft die einzige Zeitreihe, die existiert. Eine kolumbianische Arbeitsgruppe hat 2020 geprüft, ob sich aus solchen Tieren noch brauchbares Erbgut gewinnen lässt.

Das Verfahren funktionierte. Aus Beinen von Belegtieren gelang die Extraktion zuverlässig bei Material ab dem Sammeljahr 1982, die untersuchten Stücke waren zwischen sieben und zweiundzwanzig Jahre alt. Aus dem Markergen COI ließen sich Abschnitte von 407 Basenpaaren gewinnen, für Bombus robustus wurden mehrere verschiedene Haplotypen unterschieden.

Der praktische Nutzen liegt auf der Hand. Wer heutige Tiere mit Museumsbelegen desselben Ortes vergleicht, kann messen, ob eine Population genetisch verarmt ist, ohne dreißig Jahre warten zu müssen. Für die kolumbianischen Hummeln fehlt bis heute jede Schätzung, wie sich die Bestände entwickelt haben.

Eine zerrissene Karte

Eine Nischenmodellierung für Kolumbien kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die potenziell geeigneten Flächen für einen Teil der Arten stark zersplittert sind. Das liegt in der Natur des Lebensraums. Páramos sitzen wie Inseln auf den Gipfelregionen, getrennt durch tiefer gelegene, wärmere Täler.

Für eine Hochlandart bedeutet Erwärmung deshalb nicht Ausweichen, sondern Aufsteigen, und über dem Gipfel ist Schluss. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus robustus bislang unter ungenügender Datengrundlage und vermerkt, dass sie im gesamten Areal natürlicherweise selten zu sein scheint. Diese beiden Feststellungen zusammen beschreiben das eigentliche Problem: Ein Rückgang wäre bei dieser Art kaum zu bemerken.

Quellen

  • Lotta-Arévalo, I. A., Vargas-Ramírez, M., Nates-Parra, G., Matta, N. E. & Ospina-Torres, R. (2020): Accediendo al pasado: uso de especímenes de colección como fuentes de información genética para el género Bombus. Revista de Biología Tropical 68(2), S. 394 bis 414. scielo.sa.cr/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0034-77442020000200394
  • Moreno-Coellar, E. A., García-Ruilova, A. B., Salazar-Buenaño, F. et al. (2025): Bumble bees (Hymenoptera: Apidae) of Ecuador. bioRxiv, DOI 10.1101/2025.10.15.682676
  • Rojas-Arias, L., Gómez-Morales, D., Stiegel, S. & Ospina-Torres, R. (2023): Niche modeling of bumble bee species (Hymenoptera, Apidae, Bombus) in Colombia reveals highly fragmented potential distribution for some species. Journal of Hymenoptera Research 95, S. 231 bis 244. DOI 10.3897/jhr.95.87752
  • Abrahamovich, A. H., Díaz, N. B. & Morrone, J. J. (2004): Distributional patterns of the Neotropical and Andean species of the genus Bombus (Hymenoptera: Apidae). Acta Zoológica Mexicana 20(1), S. 99 bis 117. scielo.org.mx/pdf/azm/v20n1/v20n1a9.pdf
  • Global Biodiversity Information Facility: Bombus robustus Smith, 1854. gbif.org/species/1340459
  • Smith, F. (1854): Catalogue of hymenopterous insects in the collection of the British Museum, Teil 2, London (Erstbeschreibung).
  • Foto: Kevin Metcalf (kevinemetcalf), Beobachtung vom 27.03.2026, Metropolitan District of Quito, Ecuador. inaturalist.org/observations/362937706, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: capepolly, Beobachtung vom 23.06.2026, Quito, Pichincha, EC. inaturalist.org/observations/374716437, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

(1 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)