Bombus burmensis

Bombus burmensis trägt ihren heutigen Namen erst seit 2020. Davor galt sie 22 Jahre lang überhaupt nicht als eigene Art, sondern als Synonym einer anderen.

Beschrieben wurde das Tier 1937 von Alexander Skorikow, nach Königinnen aus Myanmar, damals Burma. Er stellte es in die Untergattung Diversibombus und nannte es malaisei, nach dem Sammler des Materials.

Ein Name, der zweimal vergeben war

Bombus burmensisDas Problem lag darin, dass der Name malaisei innerhalb der Gattung Bombus schon besetzt war. Bischoff hatte ihn 1930 für ein anderes Tier verwendet, für eine Hummel, die heute als Synonym von Bombus czerskianus geführt wird.

Nach den Nomenklaturregeln ist der jüngere der beiden Namen damit nicht verwendbar. Paul Williams schlug 2020 in einer zweiseitigen Notiz burmensis als Ersatznamen vor, mit Bezug auf das Herkunftsland des Typenmaterials.

info hummelDie Königinnen, nach denen Skorikow die Art beschrieb, sind verschollen. Sie sollten im Zoologischen Institut in Sankt Petersburg liegen, wurden dort aber nicht gefunden. Das bedeutet: Wer heute prüfen will, ob ein Tier zu dieser Art gehört, kann es mit keinem Belegexemplar vergleichen, sondern nur mit der Beschreibung von 1937.

22 Jahre als Synonym

Bombus burmensisWilliams selbst hatte den Namen 1998 vorläufig zu Bombus trifasciatus gezogen, einer weit verbreiteten Art Ost- und Südasiens, und diese Einschätzung 2009 in der Bearbeitung der Hummeln Sichuans bestätigt. Damit war malaisei keine Art mehr, sondern ein Eintrag in einer Synonymliste.

Diesem Sammelbecken ging es wie vielen anderen: Es löste sich wieder auf. In die damalige Fassung von Bombus trifasciatus waren mindestens fünf weitere Namen eingegangen, darunter albopleuralis, das Friese 1916 aus Indien beschrieben hatte. In der Weltartenliste von 2026 stehen albopleuralis und burmensis wieder als eigene Arten, unmittelbar nebeneinander.

Solche Auflösungen sind der Normalfall geworden, seit Genvergleiche zur Verfügung stehen. Was aussieht wie eine veränderliche weit verbreitete Art, erweist sich häufig als mehrere ähnliche Arten mit kleineren Gebieten.

Wie dünn die Grundlage ist

Der Nachweis, auf den sich der Artstatus von 2026 stützt, ist eine einzige Gensequenz, ein Abschnitt des Gens COI mit der Kennung KP671668. Weitere Sequenzen für die fünf anderen im Stammbaum ausgewerteten Gene liegen für diese Art nicht vor.

Der alte Weltkatalog der Hummeln, der für die meisten Arten wenigstens eine grobe Region nennt, führt zu diesem Namen nichts als den Namen selbst. Keine Verbreitungsangabe, keine Zahl geprüfter Belegtiere, keinen Hinweis auf Körpermerkmale.

Was nicht bekannt ist

Bombus burmensisKein Nest dieser Art ist beschrieben. Es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf, keine beobachtete Paarung, keine Liste besuchter Blüten und keine Höhenangabe. Das Verbreitungsgebiet ist über die Typuslokalität in Myanmar hinaus nicht umrissen.

Der Grund liegt weniger bei der Art als bei der Region. Myanmar gehört zu den entomologisch am schlechtesten bearbeiteten Ländern Asiens. Systematische Aufsammlungen von Hummeln stammen dort überwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und langjährige Kartierungsprogramme, wie sie in Europa und Nordamerika seit Jahrzehnten laufen, gibt es nicht.

Was helfen würde

Der naheliegende Schritt wäre die Durchsicht von Museumsmaterial aus Nordmyanmar und dem angrenzenden Yunnan, das bislang unter dem Namen Bombus trifasciatus abgelegt ist. Genau dort dürften Belege dieser Art liegen.

Weil die Typuskönigin fehlt, wäre zusätzlich die Festlegung eines Ersatztypus nötig, damit der Name überhaupt an einem greifbaren Tier hängt. Solange das aussteht, bleibt Bombus burmensis eine Art, die vor allem auf dem Papier existiert.

Quellen

  • Williams P.H. 2020. Bombus burmensis replaces B. malaisei (Skorikov). Journal of Natural History 53: 2737 bis 2738
  • Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190
  • Williams P.H. 1998. An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, London (Entomology) 67: 79 bis 152
  • Williams P.H. 2021. Not just cryptic, but a barcode bush: PTP re-analysis of global data for the bumblebee subgenus Bombus s. str. Journal of Natural History 55: 271 bis 282
  • Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540
  • Foto: Simba (simbason), Beobachtung vom 13.10.2025, 中国云南省丽江市玉龙纳西族自治县. inaturalist.org/observations/324676539, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Ziyang Liu (mrapatura), Beobachtung vom 02.09.2025, 中国云南省保山市隆阳区. inaturalist.org/observations/316435680, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Lukasz Madrzynski 孟巨石 (lukaszmadrzynski), Beobachtung vom 20.10.2018, Lijiang, CN-YN, CN. inaturalist.org/observations/28416248, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus patagiatus

Bombus patagiatus war lange ein Sammelbegriff. Unter diesem Namen liefen viele Hummeln mit weißem Hinterteil aus halb Ostasien mit, darunter eine, die sich 2012 als eigene Art erwies und heute Bombus lantschouensis heißt. Auch Bombus minshanensis galt zeitweise als bloße Unterart.

Inzwischen sind die Grenzen geklärt, und die verbliebene Art hat sich zu einem der wichtigsten Bestäuber im chinesischen Gartenbau entwickelt. Anfang 2026 wurden die Genome beider Arten gemeinsam veröffentlicht.

Eckdaten

  • Untergattung Bombus im engeren Sinn, Art beschrieben von Nylander im Jahr 1848
  • Artengruppe weißschwänzige Arten
  • Verbreitung Nordosten des europäischen Russland bis Karelien, Mongolei, Nord- und Zentralchina
  • Nachweise in China Innere Mongolei, Gansu, Qinghai, Sichuan
  • Nistplätze Nagerbaue und Hohlräume unter Baumwurzeln
  • Nutzung kommerzielle Bestäubung im Gewächshaus, vor allem Auberginen
  • Genom 240,28 Millionen Basenpaare auf 18 Chromosomen

Eine brauchbare Beschreibung der Färbung lässt sich nicht geben. Die Arten dieser Gruppe gleichen sich äußerlich so stark, dass sich selbst Fachleute jahrzehntelang uneins waren, wie viele Arten überhaupt darunter stecken. Sichere Bestimmung erfordert genetische Methoden oder die Untersuchung von Genitalmerkmalen.

Verbreitung und Nistweise

Bombus patagiatusDas Areal reicht vom Nordosten des europäischen Russland ostwärts über die Mongolei bis nach Nord- und Zentralchina. In China stammen Nachweise aus der Inneren Mongolei, aus Gansu, Qinghai und Sichuan, also überwiegend aus Steppen-, Grasland- und Hochlandregionen.

Aus dem Südural, dem westlichen Rand des Areals, liegen Angaben zur Nistweise vor. Dort besiedelt die Art Lichtungen in Mischwäldern und legt ihre Nester in Nagerbauen und unter Baumwurzeln an. Ob das für das gesamte Areal gilt, ist offen, denn aus den zentralasiatischen Vorkommen fehlen vergleichbare Beobachtungen.

Bemerkenswert ist ein Nachweis aus der Inneren Mongolei: Auf der Renaturierungsfläche eines Braunkohletagebaus trat die Art als kennzeichnende Insektenart eines bestimmten Wiederbesiedlungsstadiums auf. Für eine Hummel, deren natürlicher Lebensraum offenes Grasland ist, sind solche Flächen offenbar früh nutzbar.

Der Name, der zu viele Arten umfasste

Bombus patagiatus2012 nahm eine Arbeitsgruppe um Paul Williams die weißschwänzigen Hummeln weltweit mit genetischen Barcodes unter die Lupe, also mit einem standardisierten Abschnitt des Gens für die Cytochrom-c-Oxidase-Untereinheit I. Dabei löste sich der weit gefasste Begriff Bombus patagiatus auf. Die nordchinesischen Tiere, die dort mitliefen, erwiesen sich als eigenständige Linie und tragen seither den Namen Bombus lantschouensis.

Praktische Folgen hatte das sofort. Beide Arten wurden zu diesem Zeitpunkt bereits für den Gewächshauseinsatz vermehrt. Wer Hummelvölker über Landesgrenzen verkauft, muss wissen, welche Art er verschickt, sonst lässt sich weder beurteilen, ob sie am Zielort heimisch ist, noch welche Krankheitserreger sie mitbringt.

info hummelChina beherbergt 125 Hummelarten und damit etwa die Hälfte der weltweit bekannten Artenvielfalt dieser Gattung. 22 davon kommen nirgendwo sonst vor. Zum Vergleich: In Deutschland leben je nach Zählung gut drei Dutzend Arten.

Zucht und Auberginenbestäubung

Bombus patagiatusZwischen 1998 und 2017 wurden in China sechs einheimische Hummelarten für die Zucht ausgewählt und erprobt: Bombus lucorum, Bombus ignitus, Bombus pyrosoma, Bombus picipes, Bombus lantschouensis und Bombus patagiatus. Zwei davon haben es bis zur kommerziellen Nutzung gebracht, nämlich die letzten beiden.

Der Schwerpunkt liegt bei Bombus patagiatus auf Auberginen. Diese geben ihren Pollen nur bei Vibration frei, weshalb Honigbienen als Bestäuber ausfallen. Hummeln erzeugen die nötige Erschütterung, indem sie ihre Flugmuskulatur einsetzen, ohne die Flügel zu bewegen. Ohne Bestäuber muss im Gewächshaus mit Wuchsstoffen nachgeholfen oder von Hand bestäubt werden, was Arbeitszeit kostet und regelmäßig zu weniger Samen und kleineren Früchten führt.

Zwei Genome nebeneinander

Anfang 2026 erschienen die Genome von Bombus patagiatus und Bombus lantschouensis gemeinsam in einer Arbeit. Verwendet wurden lange Lesestücke der PacBio-Technik, kurze Illumina-Lesestücke zur Absicherung und ein Hi-C-Verfahren zur Zuordnung auf Chromosomen.

Die Assemblierung für Bombus patagiatus umfasst 240,28 Millionen Basenpaare, von denen 94,38 Prozent 18 Chromosomen zugeordnet werden konnten. Vorhergesagt wurden 17.351 proteinkodierende Gene. Bei Bombus lantschouensis liegen die Werte bei 241,30 Millionen Basenpaaren und 16.023 proteinkodierenden Genen. Die Genomgrößen sind also praktisch gleich, die Genzahlen unterscheiden sich um gut acht Prozent. Wie viel davon biologisch begründet ist und wie viel auf Unterschiede in der Auswertung zurückgeht, lässt sich aus den Zahlen allein nicht sagen.

Der Zweck solcher Daten ist praktisch. Wer Hummeln züchtet, will wissen, welche genetische Vielfalt in seinen Zuchtstämmen steckt und ob Zuchttiere sich von wilden Beständen entfernen. Dafür braucht es ein Referenzgenom als Vergleichsmaßstab.

Die eingeführte Konkurrenz

Wie in vielen Ländern wird auch in Ostasien für Gewächshäuser überwiegend die europäische Bombus terrestris gehandelt. Eine Untersuchung von 2018 hat modelliert, wo in Ostasien klimatisch geeignete Flächen für diese Art liegen und wie stark sie sich mit den Vorkommen einheimischer chinesischer Hummeln überschneiden. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Überlappung ist erheblich.

Genau darin liegt der Grund, warum China einheimische Arten für die Zucht entwickelt. Eine Art, die bereits im Land vorkommt, kann keine fremde Art einschleppen, keine unbekannten Krankheitserreger mitbringen und sich nicht mit lokalen Beständen zu etwas vermischen, das vorher nicht da war. Bombus patagiatus ist dafür einer von zwei Kandidaten, die den Sprung in die Praxis geschafft haben.

Quellen

  • Chromosome-level genome assembly and annotation of two Asian bumble bees (2026). Scientific Data 13, 248. nature.com/articles/s41597-026-06568-x
  • Williams, P. H., Brown, M. J. F., Carolan, J. C. et al. (2012): Unveiling cryptic species of the bumblebee subgenus Bombus s. str. worldwide with COI barcodes. Systematics and Biodiversity 10(1), 21 bis 56.
  • Huang, J., An, J. (2018): Species diversity, pollination application and strategy for conservation of the bumblebees of China. Biodiversity Science 26(5), 486 bis 497. biodiversity-science.net/EN/10.17520/biods.2018068
  • Habitat suitability for the invasion of Bombus terrestris in East Asian countries. A case study of spatial overlap with local Chinese bumblebees (2018). Scientific Reports 8, 11028. nature.com/articles/s41598-018-29414-6
  • Williams, P. H., Tang, Y., Yao, J., Cameron, S. (2014): The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830(1), 1 bis 89.
  • Survey and diversity assessment of key insect communities in different grassland types in Inner Mongolia (2025). pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12219844
  • Investigation of Insect Diversity in the Restoration Area of Yimin Surface Mine in Inner Mongolia (2025). Diversity 17(9), 635. mdpi.com/1424-2818/17/9/635
  • Foto: Anastasiia Merkulova (anastasiiamerkulova), Beobachtung vom 31.08.2025, Дск “территория” улица, Магадан, Магаданская область, RU. inaturalist.org/observations/310416171, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: mihailivanov, Beobachtung vom 03.09.2025, Иркутский р-н, Иркутская обл., Россия. inaturalist.org/observations/311412408, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: naturalisttt, Beobachtung vom 13.07.2025, Вилюйск, Респ. Саха (Якутия), Россия, 678202. inaturalist.org/observations/329449476, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus bellicosus

In den offenen Grasländern zwischen dem Nordwesten Argentiniens und dem brasilianischen Bundesstaat Paraná flog bis in die 1980er Jahre eine Hummel mit gelbem Bruststück und orangefarbenem Hinterleibsende. Am nördlichen Rand dieses Gebietes fehlt sie heute vollständig.

Bombus bellicosus gehört zu den wenigen Hummelarten der Südhalbkugel, bei denen sich ein regionales Aussterben nicht nur vermuten lässt. Sammlungsbelege und gezielte Nachsuchen zeichnen den Vorgang nach.

Verbreitung und Lebensraum

Bombus bellicosus  Das Areal der Art reicht vom Nordwesten Argentiniens über Uruguay bis in den Süden Brasiliens. In Paraná lag die nordöstliche Grenze. Besiedelt werden offene Graslandschaften und Flächen mit Strauchbewuchs, also die Campos und die Pampa, nicht der geschlossene Wald.

Wie stark sich das Bild schon verschoben hat, zeigt eine Bestandsaufnahme in Uruguay. Sechs Bombus-Arten waren für das Land gemeldet, bestätigen ließen sich nur zwei: Bombus pauloensis, verbreitet über alle Landesteile, und Bombus bellicosus, beschränkt auf den Süden.

Erkennungsmerkmale

Bombus bellicosusKopf, Fühler und Augen sind durchgehend schwarz behaart. Das Bruststück trägt oben gelbe Haare, in der Mitte bleibt eine haarlose schwarze Fläche frei. Am Hinterleib sind die vorderen Segmente schwarz, die hinteren orange. Diese Kombination macht die Art im Feld gut ansprechbar, was bei den südamerikanischen Hummeln keineswegs selbstverständlich ist. In Brasilien läuft sie wie andere große Bienen unter dem Sammelnamen mamangava. Systematisch gehört sie zur Untergattung Thoracobombus.

Eine Wachsdecke über der Brut

Bombus bellicosusEin Detail aus dem Nestbau hat die Forschung aufhorchen lassen. Völker dieser Art überziehen ihre Brutzellen mit einer Wachsschicht. Innerhalb der Gattung kennt man dieses Verhalten sonst vor allem von Arten kühler Regionen, wo die Decke Wärme im Nest hält.

Bei einer Hummel, die in subtropischen Grasländern lebt, wirft das eine naheliegende Frage auf. Steigen die Temperaturen, könnte eine Bauweise, die Wärme zurückhält, von einem Vorteil zu einer Belastung werden. Bewiesen ist dieser Zusammenhang nicht. Er gilt als eine der plausiblen Erklärungen dafür, warum gerade diese Art aus dem wärmeren Norden ihres Areals verschwand.

info hummelDer letzte gesicherte Fund im brasilianischen Bundesstaat Paraná stammt aus den frühen 1980er Jahren. Zwischen 2002 und 2005 suchten Forscher gezielt an den historischen Fundorten und fanden kein einziges Tier. Damit gehört Bombus bellicosus zu den ganz wenigen Hummelarten weltweit, deren regionales Verschwinden mit Datum und Ort dokumentiert ist.

Das Verschwinden aus Paraná

Bis Anfang der 1980er Jahre war die Art in Paraná noch vergleichsweise häufig. Aus dieser Zeit stammen die letzten Belegexemplare. Als zwischen 2002 und 2005 an denselben Stellen erneut gesammelt wurde, kam kein Nachweis mehr zusammen.

Als Ursachen kommen mehrere Entwicklungen in Betracht, die zeitlich zusammenfielen. Die Campos wurden großflächig in Acker und Siedlungsfläche umgewandelt. Dazu kommen Belastungen durch Schadstoffe und die Erwärmung. Welcher Anteil auf welchen Faktor entfällt, lässt sich im Nachhinein nicht auseinanderrechnen.

Was die Modelle vorhersagen

Bombus bellicosusEine Arbeit von 2015 hat berechnet, wo die Art unter künftigen Klimabedingungen noch geeignete Verhältnisse vorfinden würde. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die passenden Räume wandern nach Süden. Übrig blieben Restflächen im Süden Brasiliens sowie Teile Argentiniens und Uruguays.

Für eine Art, die an offene Graslandschaften gebunden ist, hat das eine unangenehme Nebenbedingung. Sie kann nur dorthin ausweichen, wo solche Flächen noch existieren. Genau daran mangelt es in der Pampa, die zu großen Teilen unter dem Pflug liegt.

Eingeschleppte Konkurrenz

Seit den 1990er Jahren breitet sich der aus Europa nach Chile eingeführte Bombus terrestris über den Süden des Kontinents aus. Aus Chile schwappte er nach Argentinien über, obwohl dort ein Einfuhrverbot galt. Neue Fundorte in Río Negro und La Pampa markieren die Ostbewegung.

Für Bombus dahlbomii im Süden Chiles und Argentiniens sind die Folgen dieser Ausbreitung inzwischen gut dokumentiert. Für Bombus bellicosus fehlt ein entsprechender Nachweis. Der Ausbreitungskorridor über die argentinische Pampa Richtung Uruguay und Südbrasilien führt allerdings mitten durch das verbliebene Restareal.

Was noch fehlt

Zur Nistplatzwahl, zur Volksgröße und zum Jahreslauf der Art liegen bis heute kaum veröffentlichte Daten vor. Wer nach Angaben sucht, findet meist Werte verwandter Arten, die sich nicht ohne Weiteres übertragen lassen.

Ein Fortschritt kam 2024 mit der Entschlüsselung des Kern- und Mitochondriengenoms. Solche Daten erlauben es, genetische Vielfalt und Verwandtschaftsverhältnisse in den verbliebenen Vorkommen zu messen. Bei einer Art, deren Bestände auseinandergerissen wurden, ist das die Grundlage für jede belastbare Schutzplanung. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus bellicosus bislang unter der Kategorie ungenügende Datengrundlage.

Quellen

  • Martins, A. C. & Melo, G. A. R. (2010): Has the bumblebee Bombus bellicosus gone extinct in the northern portion of its distribution range in Brazil? Journal of Insect Conservation 14(2), S. 207 bis 210. link.springer.com/article/10.1007/s10841-009-9237-y
  • Martins, A. C., Silva, D. P., De Marco, P. & Melo, G. A. R. (2015): Species conservation under future climate change: the case of Bombus bellicosus, a potentially threatened South American bumblebee species. Journal of Insect Conservation 19, S. 33 bis 43. link.springer.com/article/10.1007/s10841-014-9740-7
  • Santos, K., Arbulo, N., Salvarrey, S. & Invernizzi, C. (2017): Distribución de las especies del género Bombus Latreille (Hymenoptera, Apidae) en Uruguay. Revista de la Sociedad Entomológica Argentina 76(1). scielo.org.ar/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0373-56802017000100003
  • The nuclear and mitochondrial genomes of the bellicose bumblebee (Bombus bellicosus, Hymenoptera: Apidae), a threatened pollinator in a changing South American landscape. Genome (2024), DOI 10.1139/gen-2024-0166. cdnsciencepub.com/doi/10.1139/gen-2024-0166
  • Aizen, M. A. et al. (2019): Invasion dynamics of the European bumblebee Bombus terrestris in the southern part of South America. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8316498
  • Smith, F. (1879): Descriptions of new species of Hymenoptera in the collection of the British Museum. London (Erstbeschreibung von Bombus bellicosus).
  • Foto: basiliojimichtz, Beobachtung vom 09.04.2026, M22J+PR, Rocamora, Entre Ríos, Argentina. inaturalist.org/observations/350170445, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Camila Abril von Rebeur Paschwitz (camila_von_rebeur), Beobachtung vom 22.03.2026, 1741, Plomer, Provincia de Buenos Aires, Argentina. inaturalist.org/observations/346041844, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Rosario Douglas (argonauta), Beobachtung vom 15.02.2026, Colón Department, Córdoba Province, Argentina. inaturalist.org/observations/343067405, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert
  • Foto: Eduardo Nadal (ejnadal), Beobachtung vom 13.02.2026, 5X4X+P3, San Huberto, Córdoba, Argentina. inaturalist.org/observations/338470082, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus robustus

Oberhalb der Waldgrenze der nördlichen Anden liegt ein Lebensraum, den es sonst nirgends gibt. Der Páramo ist eine feuchte, kühle Graslandschaft zwischen Baumgrenze und Schneeregion, geprägt von Schopfrosettenpflanzen und starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Bombus robustus gehört zu den Hummeln, die dort oben bestäuben.

Einordnung und Erscheinung

Bombus robustusBeschrieben wurde die Art 1854 von Frederick Smith. Heute wird sie zur Untergattung Cullumanobombus gestellt, ältere Arbeiten führen sie unter dem eigenen Namen Robustobombus. Innerhalb der kolumbianischen Hummelfauna zählt sie zur Gruppe der kurzgesichtigen Arten, die vor allem Bergökosysteme ab etwa 2.100 Metern besiedeln.

Eine ausführliche Beschreibung der Behaarung sucht man in der zugänglichen Literatur vergeblich. Der Artname verweist auf einen kräftigen Körperbau, gemessene Vergleichswerte zu anderen Andenarten liegen dazu aber nicht vor.

Verbreitung in den nördlichen Anden

Das Areal reicht von Venezuela über Kolumbien bis nach Ecuador. Aus Venezuela liegen Nachweise aus Mérida vor, aus Kolumbien unter anderem aus dem Hauptstadtdistrikt, aus Magdalena, Meta, Nariño und Putumayo, aus Ecuador aus Azuay, Manabí, Pichincha und Tungurahua. In Kolumbien ist die Art aus allen drei Kordilleren belegt.

Bei den Höhenangaben gehen die Quellen auseinander. Genannt werden Spannen von 762 bis 3.800 Metern, von 2.100 bis 3.800 Metern und, in der aktuellen ecuadorianischen Bestandsaufnahme, von 500 bis 4.000 Metern. Der Schwerpunkt liegt eindeutig im Hochland. Belegtiere stammen etwa aus dem Nationalpark Chingaza zwischen 2.900 und 3.100 Metern, aus dem Nationalpark Tatamá von 3.579 Metern und aus dem Nationalpark Los Nevados von 3.300 Metern.

info hummelEine Bestandsaufnahme der Hummeln Ecuadors aus dem Jahr 2025 wertete aus, welche Art an wie vielen Pflanzen sammelt. Bombus robustus kam auf 53 besuchte Pflanzenarten, davon 21 einheimische, und war damit die zweitaktivste Hummel des Landes. Für eine Art, die die Rote Liste mangels Daten überhaupt nicht einstufen kann, ist das eine bemerkenswerte Bilanz.

Was sie anfliegt

Aus Kolumbien liegen Beobachtungen an Lupinen und an Dahlien vor, beides Pflanzengruppen mit Schwerpunkt in den amerikanischen Gebirgen. Die ecuadorianische Übersicht nennt darüber hinaus Dalea coerulea, einen Schmetterlingsblütler des Andenhochlands, sowie mehrere Salbeiarten.

Dass gut ein Drittel der besuchten Pflanzen nicht einheimisch ist, sagt etwas über den Zustand des Lebensraums. Der Páramo grenzt vielerorts direkt an Weiden, Kartoffeläcker und Siedlungen, und die Hummeln sammeln an dem, was dort blüht.

DNA aus dem Museumsschrank

Bombus robustusFür Arten, von denen niemand systematisch Bestände zählt, sind alte Sammlungsbelege oft die einzige Zeitreihe, die existiert. Eine kolumbianische Arbeitsgruppe hat 2020 geprüft, ob sich aus solchen Tieren noch brauchbares Erbgut gewinnen lässt.

Das Verfahren funktionierte. Aus Beinen von Belegtieren gelang die Extraktion zuverlässig bei Material ab dem Sammeljahr 1982, die untersuchten Stücke waren zwischen sieben und zweiundzwanzig Jahre alt. Aus dem Markergen COI ließen sich Abschnitte von 407 Basenpaaren gewinnen, für Bombus robustus wurden mehrere verschiedene Haplotypen unterschieden.

Der praktische Nutzen liegt auf der Hand. Wer heutige Tiere mit Museumsbelegen desselben Ortes vergleicht, kann messen, ob eine Population genetisch verarmt ist, ohne dreißig Jahre warten zu müssen. Für die kolumbianischen Hummeln fehlt bis heute jede Schätzung, wie sich die Bestände entwickelt haben.

Eine zerrissene Karte

Eine Nischenmodellierung für Kolumbien kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die potenziell geeigneten Flächen für einen Teil der Arten stark zersplittert sind. Das liegt in der Natur des Lebensraums. Páramos sitzen wie Inseln auf den Gipfelregionen, getrennt durch tiefer gelegene, wärmere Täler.

Für eine Hochlandart bedeutet Erwärmung deshalb nicht Ausweichen, sondern Aufsteigen, und über dem Gipfel ist Schluss. Die Weltnaturschutzunion führt Bombus robustus bislang unter ungenügender Datengrundlage und vermerkt, dass sie im gesamten Areal natürlicherweise selten zu sein scheint. Diese beiden Feststellungen zusammen beschreiben das eigentliche Problem: Ein Rückgang wäre bei dieser Art kaum zu bemerken.

Quellen

  • Lotta-Arévalo, I. A., Vargas-Ramírez, M., Nates-Parra, G., Matta, N. E. & Ospina-Torres, R. (2020): Accediendo al pasado: uso de especímenes de colección como fuentes de información genética para el género Bombus. Revista de Biología Tropical 68(2), S. 394 bis 414. scielo.sa.cr/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0034-77442020000200394
  • Moreno-Coellar, E. A., García-Ruilova, A. B., Salazar-Buenaño, F. et al. (2025): Bumble bees (Hymenoptera: Apidae) of Ecuador. bioRxiv, DOI 10.1101/2025.10.15.682676
  • Rojas-Arias, L., Gómez-Morales, D., Stiegel, S. & Ospina-Torres, R. (2023): Niche modeling of bumble bee species (Hymenoptera, Apidae, Bombus) in Colombia reveals highly fragmented potential distribution for some species. Journal of Hymenoptera Research 95, S. 231 bis 244. DOI 10.3897/jhr.95.87752
  • Abrahamovich, A. H., Díaz, N. B. & Morrone, J. J. (2004): Distributional patterns of the Neotropical and Andean species of the genus Bombus (Hymenoptera: Apidae). Acta Zoológica Mexicana 20(1), S. 99 bis 117. scielo.org.mx/pdf/azm/v20n1/v20n1a9.pdf
  • Global Biodiversity Information Facility: Bombus robustus Smith, 1854. gbif.org/species/1340459
  • Smith, F. (1854): Catalogue of hymenopterous insects in the collection of the British Museum, Teil 2, London (Erstbeschreibung).
  • Foto: Kevin Metcalf (kevinemetcalf), Beobachtung vom 27.03.2026, Metropolitan District of Quito, Ecuador. inaturalist.org/observations/362937706, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: capepolly, Beobachtung vom 23.06.2026, Quito, Pichincha, EC. inaturalist.org/observations/374716437, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus kashmirensis

Bombus kashmirensisBombus kashmirensis ist eine Hummelart der asiatischen Hochgebirge. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf den Himalaya und angrenzende Gebirgsregionen beschränkt. Dort besiedelt sie Lebensräume, die für viele andere Insekten bereits zu kalt und zu unwirtlich sind. Die Art gehört zur Untergattung Alpigenobombus, deren Vertreter durch auffallend kräftige Mundwerkzeuge gekennzeichnet sind.

Innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes lebt Bombus kashmirensis überwiegend oberhalb der Baumgrenze. Die Tiere werden meist in Höhen zwischen etwa 2300 und 4800 Metern nachgewiesen. In diesen Regionen prägen kurze Sommer, starke Temperaturschwankungen, intensive Sonneneinstrahlung und häufige Wetterumschwünge den Lebensraum. Die Art ist an diese Bedingungen angepasst und kann auch bei niedrigen Temperaturen noch aktiv Blüten besuchen.

Kennzeichen

Bombus kashmirensisEin charakteristisches Merkmal von Bombus kashmirensis sind die ungewöhnlich kräftigen Mandibeln. Die Weibchen besitzen breite Oberkiefer mit mehreren deutlich ausgeprägten Zähnen. Dieses Merkmal ist typisch für die Untergattung Alpigenobombus und unterscheidet sie von zahlreichen anderen Hummelarten.

Die Körperfärbung variiert je nach Herkunftsgebiet. Viele Tiere zeigen einen hellen Vorderkörper, während die mittleren Hinterleibssegmente schwarz behaart sind. Die Hinterleibsspitze ist je nach Population weißlich oder rötlich gefärbt. In verschiedenen Regionen des Himalayas treten unterschiedliche Farbformen auf. Solche Farbmusterunterschiede werden bei Hummeln allgemein mit regionalen Mimikry-Systemen in Verbindung gebracht, innerhalb derer mehrere Arten ein ähnliches Erscheinungsbild zeigen.

info hummelBombus kashmirensis gehört zur Untergattung Alpigenobombus, einer kleinen Gruppe von Hummeln mit außergewöhnlich großen Mandibeln, die in den Hochgebirgen Europas und Asiens vorkommen. Die kräftigen Mundwerkzeuge sind so auffällig, dass sie namensgebend für die gesamte Untergattung wurden und als Anpassung an das Leben im Hochgebirge gelten.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet umfasst den Norden Indiens mit Kaschmir, Himachal Pradesh, Uttarakhand und Sikkim sowie Pakistan, Nepal und Teile des Tibetischen Hochlandes in China. Die Art kommt vor allem auf alpinen Wiesen, in felsigen Hochlagen und auf offenen Bergmatten vor. Viele Fundorte liegen deutlich oberhalb der geschlossenen Waldgrenze.

Beobachtungen aus dem Himalaya zeigen, dass Bombus kashmirensis selbst bei winterlichen Bedingungen noch Blüten besucht. Einzelne Königinnen wurden während Schneefällen in Höhen um 4000 Meter beim Nahrungserwerb beobachtet. Solche Beobachtungen verdeutlichen die außergewöhnliche Anpassung der Art an das raue Hochgebirgsklima.

Nahrungsaufnahme

Die kräftigen Mandibeln dienen nicht nur zum Bearbeiten von Pflanzenmaterial. Bombus kashmirensis kann mit ihnen die Blütenröhre bestimmter tiefblütiger Pflanzen von außen öffnen, um direkt an den Nektar zu gelangen. Dieses Verhalten wird als Nektarraub bezeichnet. Dabei entsteht ein kleines Loch an der Blüte, durch das der Nektar erreicht werden kann, ohne den normalen Zugang der Blüte zu nutzen.

Nicht jede Blütenpflanze wird auf diese Weise genutzt. Bei vielen offen zugänglichen Blüten sammelt die Art Pollen und Nektar auf gewöhnlichem Weg und trägt damit weiterhin zur Bestäubung bei. Welche Pflanzen bevorzugt besucht werden, hängt vom regionalen Blütenangebot der jeweiligen Hochgebirgsregion ab.

Forschung

Über Bombus kashmirensis ist deutlich weniger bekannt als über viele europäische Hummelarten. Insbesondere zum Nestbau, zur Entwicklung der Völker und zur Larvenaufzucht liegen bislang nur wenige gesicherte wissenschaftliche Beobachtungen vor. Viele Angaben, die in älteren oder populären Darstellungen zu finden sind, konnten bisher nicht eindeutig bestätigt werden. Die Art bleibt deshalb ein interessantes Forschungsobjekt für die Hummelkunde.

Quellen

  • Williams, P. H., An, J., Dorji, P., Huang, J. & Jaffar, S. (2023): Bumblebees with big teeth: revising the subgenus Alpigenobombus with the good, the bad and the ugly of numts (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Taxonomy 892 (1): 1 bis 65. https://europeanjournaloftaxonomy.eu/index.php/ejt/article/view/2283
  • Williams, P. H. (1991): The Bumble Bees of the Kashmir Himalaya (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Bulletin of the British Museum (Natural History), Entomology.
  • Suhail, A., Sabir, A. M., Asghar, M., Rafi, M. A. & Qadir, A. (2009): Geographic distributional patterns of the genus Bombus (Bombini: Apidae) in northern Pakistan. Biological Diversity and Conservation 2 (1): 1 bis 9.
  • Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, Entomology.
  • Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): Bumble Bees of North America. An Identification Guide. Princeton University Press. Enthält grundlegende Informationen zur Systematik und Morphologie der Gattung Bombus.
  • Williams, P. H. (2022): The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, Royal Belgian Institute of Natural Sciences, Brüssel.
  • Foto: hilyshao, Beobachtung vom 03.07.2013, 中国云南省迪庆藏族自治州香格里拉市小雪山靠近大雪山. inaturalist.org/observations/174388808, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Homemountain/Shan Gui (homemountain), Beobachtung vom 22.07.2019, 中国四川省甘孜藏族自治州色达县. inaturalist.org/observations/42370717, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus ephippiatus

bombus ephippiatusWährend viele Hummelarten in den gemäßigten und kalten Regionen der Nordhalbkugel verbreitet sind, hat sich Bombus ephippiatus an die besonderen Bedingungen der tropischen und subtropischen Bergregionen Mittelamerikas angepasst. Die Art gehört zu den charakteristischen Bestäubern der dortigen Bergwälder und zeigt einige bemerkenswerte evolutionäre Anpassungen, besonders bei ihrer Färbung und ihrer geografischen Verbreitung.

Bombus ephippiatus fällt vor allem durch ihre außergewöhnliche Farbvielfalt auf. Innerhalb der Art existieren zahlreiche Farbformen, deren Auftreten stark vom jeweiligen geografischen Gebiet abhängt. Dieses Phänomen wird als Polymorphismus bezeichnet. Die typische Farbform besitzt einen gelb behaarten Brustabschnitt mit einem dunklen Bereich in der Mitte. Der Hinterleib ist häufig vorn gelb gefärbt, geht anschließend in rötlich orange Bereiche über und endet mit einer schwarzen Spitze. Andere Populationen können jedoch deutlich anders gefärbt sein.

Die unterschiedlichen Farbmuster sind nicht zufällig entstanden. In den verschiedenen Gebirgsregionen Mittelamerikas treten bestimmte Farbformen von Bombus ephippiatus gemeinsam mit ähnlich gefärbten Hummelarten auf. Besonders bekannt ist die Ähnlichkeit mit Bombus wilmattae. Da beide Arten über einen wirksamen Stachel verfügen und dadurch für viele Fressfeinde eine ernstzunehmende Beute darstellen, profitieren sie von gemeinsamen Warnmustern. Dieses Prinzip wird als Müllerische Mimikry bezeichnet. Räuber lernen schneller, bestimmte Farbkombinationen zu meiden, wenn mehrere wehrhafte Arten dasselbe Signal verwenden.

info hummelBombus ephippiatus gehört zu den Hummelarten mit einer der größten bekannten Farbvariabilitäten. In den Gebirgen Mittelamerikas können Populationen derselben Art so unterschiedlich aussehen, dass sie lange Zeit teilweise für verschiedene Arten gehalten wurden.

Verbreitung und Lebensraum in den Bergen Mittelamerikas

Das Verbreitungsgebiet von Bombus ephippiatus erstreckt sich über große Teile Mittelamerikas. Die Art kommt von Mexiko über Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua bis nach Costa Rica und Panama vor. Dabei ist sie eng an höher gelegene Regionen gebunden und besiedelt vor allem Bergwälder mit feuchtem Klima.

Typische Lebensräume sind Nebelwälder sowie feuchte Eichen und Kiefernwälder in Höhenlagen von etwa 1.000 bis über 3.000 Metern. Dort herrschen besondere Bedingungen mit häufigem Nebel, niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. An diese Umgebung ist Bombus ephippiatus spezialisiert. Die Art ist deshalb vor allem in den kühleren Bergregionen zu finden, während die heißen tropischen Tiefländer keine geeigneten Lebensräume darstellen.

Die isolierten Gebirgsregionen Mittelamerikas haben die Entwicklung verschiedener Farbformen begünstigt. Durch die räumliche Trennung einzelner Populationen konnten sich regionale Besonderheiten herausbilden, die heute zu den auffälligsten Merkmalen dieser Hummelart gehören.

Fortpflanzung und Nestökologie

bombus ephippiatusDie Lebensweise von Bombus ephippiatus unterscheidet sich in einigen Punkten von der vieler Hummelarten aus gemäßigten Klimazonen. Da ihre Lebensräume keine ausgeprägte Winterruhe wie in nördlicheren Regionen aufweisen, können Kolonien in manchen Gebieten über längere Zeiträume aktiv sein. Die Entwicklung der Völker hängt jedoch stark von den örtlichen Regen und Trockenzeiten ab.

Die Nestgründung erfolgt häufig nach den besonders regenreichen Perioden, wenn ausreichend Nahrungspflanzen zur Verfügung stehen. Für den Nestbau nutzt Bombus ephippiatus meist geschützte Hohlräume im Boden. Dazu gehören beispielsweise verlassene Kleinsäugernester oder natürliche Hohlräume unter Wurzeln und dichter Vegetation. Diese Standorte bieten Schutz vor starken tropischen Niederschlägen und schwankenden Umweltbedingungen.

Nahrung und Bedeutung als Bestäuberin

Bombus ephippiatus besitzt einen vergleichsweise kurzen Rüssel und besucht deshalb bevorzugt Pflanzen mit offen zugänglichen Blüten. In den Bergwäldern Mittelamerikas nutzt sie ein breites Spektrum verschiedener Pflanzenarten. Dazu gehören unter anderem Vertreter der Korbblütler und Heidekrautgewächse.

Durch ihre regelmäßigen Blütenbesuche trägt die Art wesentlich zur Bestäubung vieler Pflanzen in den montanen Ökosystemen bei. Besonders in den artenreichen Nebelwäldern spielt sie eine wichtige Rolle, da viele Pflanzen auf die Bestäubungsleistung spezialisierter Insekten angewiesen sind.

Auch für landwirtschaftlich genutzte Bergregionen besitzt Bombus ephippiatus eine Bedeutung. In höheren Lagen Mittelamerikas können Hummeln aufgrund ihrer Fähigkeit, bei niedrigeren Temperaturen aktiv zu sein, wichtige Bestäubungsleistungen übernehmen. Für einzelne Kulturpflanzen, darunter auch Kaffee in Bergregionen, wird die Rolle einheimischer Bestäuber zunehmend untersucht. Die genaue Bedeutung von Bombus ephippiatus für einzelne Anbausysteme ist jedoch regional unterschiedlich und hängt von den jeweiligen Bedingungen ab.

Evolutionäre Besonderheiten einer Bergwald Hummel

bombus ephippiatusBombus ephippiatus zeigt eindrucksvoll, wie stark sich eine Art an besondere Umweltbedingungen anpassen kann. Ihre vielfältigen Farbmuster, die enge Verbindung zu den mittelamerikanischen Gebirgswäldern und ihre flexible Lebensweise spiegeln die lange evolutionäre Entwicklung dieser Hummel wider.

Die Art ist zugleich ein Beispiel dafür, wie geografische Isolation die Entwicklung von Tierarten beeinflussen kann. Die zahlreichen Bergketten Mittelamerikas wirken wie natürliche Inseln, in denen sich Populationen teilweise unabhängig voneinander verändern konnten. Dadurch entstand eine bemerkenswerte Vielfalt innerhalb einer einzigen Hummelart.

Quellen

    • Duenas, M. A., Lozier, J. D., Hines, H. M. & Cameron, S. A. (2012): Geographical patterns of genetic divergence in the widespread Mesoamerican bumble bee Bombus ephippiatus (Hymenoptera: Apidae). Molecular Phylogenetics and Evolution 64(1): 219 bis 231. https://doi.org/10.1016/j.ympev.2012.03.018
    • Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): The Bumble Bees of North America. An Identification Guide. Princeton University Press.
    • Chatelain, P., Elias, M., Fontaine, C., Villemant, C., Dajoz, I. & Perrard, A. (2023): Müllerian mimicry among bees and wasps: a review of current knowledge and future avenues of research. Biological Reviews 98(4): 1310 bis 1328. https://doi.org/10.1111/brv.12955
    • Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum London (Entomology) 67: 79 bis 152.
    • Labougle, J. M. (1990): Bombus of Mexico and Central America. The University of Kansas Science Bulletin 54: 35 bis 73.
    • Cameron, S. A., Hines, H. M. & Williams, P. H. (2007): A comprehensive phylogeny of the bumble bees (Bombus). Biological Journal of the Linnean Society 91: 161 bis 188.
    • Foto: Kuassy (jd-kuassy), Beobachtung vom 15.04.2026, Juchitepec, MX-MX, MX. inaturalist.org/observations/350083295, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
    • Foto: cristobal_sandoval, Beobachtung vom 26.05.2026, Manzana 024, Universitaria, 50110 Toluca de Lerdo, Méx., México. inaturalist.org/observations/366517997, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
    • Foto: Alonso Flores Peredo (lonsooo), Beobachtung vom 27.04.2026, San Gabriel, MX-JA, MX. inaturalist.org/observations/355833436, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus ternarius

Während viele Hummelarten durch ein schlichtes Farbmuster geprägt sind, zieht eine nordamerikanische Art durch ihr auffälliges Farbenkleid alle Blicke auf sich: Bombus ternarius, im englischen Sprachraum treffend Orange-belted bumblebee (Orangen-Gürtel-Hummel) genannt. Diese Hummelart ist auf die kühlen Klimazonen Nordamerikas spezialisiert. Ihr charakteristisches Merkmal ist die auffällige, dreifarbige Musterung, die einer fast geometrischen Anordnung folgt. Der Kopf ist überwiegend schwarz, gefolgt von einem gelben Thorax, der in der Mitte einen charakteristischen, schwarzen, keilförmigen Fleck aufweist. Am Hinterleib sind die mittleren Segmente (die Tergite 2 und 3) orange gefärbt, gefolgt von einem weiteren gelben Band und einer schwarzen Spitze.

Dieses auffällige Muster ist ein klassisches Beispiel für eine “aposematische Färbung” (Warnfärbung), die in den dichten, oft dunklen Nadelwäldern Nordamerikas als weithin sichtbares Stoppsignal für potenzielle Fressfeinde wie Vögel oder kleine Säugetiere dient.

Spezialistin für die Taiga und den borealen Nadelwald

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich quer durch den gesamten Norden des amerikanischen Kontinents, vom subarktischen Kanada (Yukon, Northwest Territories) entlang der großen Seen bis in die Neuengland-Staaten und die höher gelegenen Appalachen der USA.

ternariusSie ist an das raue, kühl-feuchte Klima der borealen Nadelwälder (Taiga), der Moore und der alpinen Zonen angepasst. Dadurch ist ihre Aktivitätsphase komprimiert: Nestgründung, Aufzucht und die Produktion von Jungköniginnen finden in den kurzen, intensiven nordischen Sommern statt.

Nahrungsspezialistin für Beerensträucher der Heidekrautgewächse

Die Ökologie von Bombus ternarius ist eng mit der nordamerikanischen Flora verknüpft. Als Hummel mit einer verhältnismäßig kurzen Rüssellänge hat sie sich auf flache, offene Blütenformen spezialisiert. Sie gilt als eine der wichtigsten Bestäuber von wirtschaftlich und ökologisch bedeutenden Pflanzen der nördlichen Hemisphäre:

  • Heidelbeeren und Preiselbeeren (Vaccinium): In den riesigen kanadischen Wildheidelbeer-Anbaugebieten gilt sie als wichtiger Bestäuber.
  • Goldruten (Solidago) und Astern: Diese Pflanzen dienen ihr im Spätsommer als Energiequelle, um die neuen Königinnen für den langen Winterschlaf vorzubereiten.
  • Rubus-Arten: Auch wilde Himbeeren und Brombeeren gehören zu ihren Hauptnahrungsquellen.

Wirt der Kuckuckshummel Bombus insularis

bombus ternariusBombus ternarius zählt zu den bekannten Wirtsarten der Kuckuckshummel Bombus insularis. Diese sozialparasitische Art besitzt selbst keine Arbeiterinnen; ihre Weibchen legen die Eier in fremden Nestern ab, deren Nachkommen dann ausschließlich aus Königinnen und Männchen bestehen.

Quellen

  • Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): The Bumble Bees of North America. An Identification Guide.
  • Gibson, S. D., Bennett, K., Brook, R. W., Langer, S. V., MacPhail, V. J. & Beresford, D. V. (2018): New records and range extensions of bumble bees (Bombus spp.) in a previously undersampled region of North America’s boreal forest. Journal of the Entomological Society of Ontario, 149: 1–14.
  • Javorek, S. K.; Mackenzie, K. E.; Vander Kloet, S. P. (2002): Comparative pollination effectiveness among bees visiting lowbush blueberry. Annals of the Entomological Society of America.
  • Foto: jstrumsmith, Beobachtung vom 07.06.2026, Algoma District, ON, Canada. inaturalist.org/observations/369543488, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Fig (bigfig), Beobachtung vom 07.06.2026, Caytyon Crt, Halifax, NS, CA. inaturalist.org/observations/369687376, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus pauloensis

Bombus pauloensis zählt zu den am weitesten verbreiteten Hummelarten Südamerikas. Ihr Vorkommen reicht von Venezuela und Kolumbien über Peru, Bolivien und Brasilien bis nach Argentinien und Uruguay. Sie besiedelt dabei ein außergewöhnlich breites Höhenspektrum: Nachweise liegen zwischen 150 und 3500 Metern über dem Meeresspiegel, die meisten Beobachtungen stammen jedoch aus Lagen zwischen 1800 und 2800 Metern in den Anden. Die Art gilt als anpassungsfähig und besiedelt neben naturnahen Habitaten auch stark veränderte Flächen wie Stadtgärten, Parks und Weideland.

Der heute gültige Name Bombus pauloensis geht auf eine Beschreibung des Entomologen Heinrich Friese aus dem Jahr 1913 zurück. Über weite Teile des 20. Jahrhunderts war die Art unter dem Namen Bombus atratus bekannt, einer Bezeichnung, die ebenfalls 1913 vergeben wurde, jedoch schon 1911 für eine andere Hummelart verwendet worden war. Wegen dieser Doppelbelegung setzten brasilianische Forscher 2012 den älteren, zulässigen Namen pauloensis als gültige Bezeichnung durch. In älterer Fachliteratur taucht die Art deshalb noch häufig unter Bombus atratus auf. Innerhalb der Gattung Bombus gehört sie zur Untergattung Thoracobombus und ist dort eng mit Bombus transversalis und Bombus pullatus verwandt.

Färbung und Bestimmung

Bombus pauloensis zeigt eine für Hummeln ungewöhnlich große Variationsbreite in der Körperfärbung. Innerhalb der Art kommen vollständig schwarze (melanische) Tiere ebenso vor wie Individuen mit gelben Bändern an Thorax und Hinterleib (flavinische Form) und solche mit rötlichen Bändern an den hinteren Hinterleibssegmenten (ferruginöse Form). Diese Vielfalt macht die Art zur am stärksten polytypischen Hummel Brasiliens und erschwert eine Bestimmung allein nach dem äußeren Erscheinungsbild, da sich Populationen aus unterschiedlichen Regionen deutlich in ihrer Farbausprägung unterscheiden können.

info hummelBombus pauloensis war die erste Hummelart weltweit, bei der Wissenschaftler einen Wechsel zwischen polygynen und monogynen Nestzyklen innerhalb derselben Kolonie nachweisen konnten.

Nestbiologie und Königinnenzahl

Bombus pauloensisEine Kolonie von Bombus pauloensis beginnt in der Regel mit einer einzelnen begatteten Königin, die ein Nest gründet und die ersten Arbeiterinnen aufzieht. Im weiteren Verlauf kann die Kolonie jedoch zwischen einer monogynen Phase mit nur einer Königin und einer polygynen Phase mit mehreren gleichzeitig eierlegenden Königinnen wechseln. Untersuchungen an Nestern in den Anden Kolumbiens und Ecuadors registrierten zwischen einer und acht aktiven Königinnen sowie bis zu 80 Arbeiterinnen pro Nest. In tieferen Lagen Südamerikas wachsen die Kolonien noch deutlich größer und erreichen häufig 400 Arbeiterinnen, ein Wert, den die meisten anderen Hummelarten nicht annähernd erreichen. In polygynen Phasen bildet sich eine Rangordnung unter den Königinnen aus. Ranghohe Tiere sitzen bevorzugt im Zentrum des Brutklumpens und legen die meisten Eier, während rangniedrigere Königinnen an den Rand gedrängt werden und dort Aufgaben übernehmen, die sonst Arbeiterinnen erledigen.

Perennierende Kolonien

Anders als die meisten Hummelarten gemäßigter Breiten, deren Völker jeden Winter absterben, können Kolonien von Bombus pauloensis über Jahre hinweg bestehen bleiben. Diese Perennität hängt eng mit dem Wechsel zwischen den Fortpflanzungsphasen zusammen: Stirbt eine Königin, kann eine andere Königin aus der bestehenden Kolonie ihre Rolle übernehmen, ohne dass das Nest aufgegeben wird. Auch verlassene Nester werden gelegentlich von neuen Königinnen wieder besiedelt und reaktiviert. Diese Fähigkeit zur Nestreaktivierung dürfte für den Fortpflanzungserfolg der Art von Bedeutung sein, da neu gegründete Nester in den ersten Wochen besonders anfällig für Räuber und Parasiten sind.

Bedeutung als Nutzhummel

Bombus pauloensis ist die am gründlichsten erforschte Hummelart Südamerikas und wird inzwischen ähnlich wie Bombus terrestris in Europa gezielt gezüchtet. Kolonien werden in Kolumbien und Uruguay in kleinerem Maßstab und in Argentinien bereits im kommerziellen Rahmen aufgezogen. Eingesetzt werden die Tiere vor allem zur Bestäubung von Tomaten und Paprika in Gewächshäusern sowie zur Saatgutproduktion von Rotklee. In Argentinien gilt sie als die häufigste der acht dort vorkommenden Hummelarten, in Uruguay bildet sie gemeinsam mit der selteneren Bombus bellicosus die einzigen beiden im Land nachgewiesenen Hummelarten.

Parasiten und Krankheitserreger

Wie andere Hummelarten wird auch Bombus pauloensis von einer Reihe von Parasiten und Krankheitserregern befallen. Untersuchungen an wilden und in Gefangenschaft gehaltenen Tieren aus Uruguay wiesen mehrere Milbenarten sowie den Mikrosporidien-Erreger Nosema ceranae nach, der bei frei fliegenden Arbeiterinnen besonders häufig auftrat. Zusätzlich ließen sich vier verschiedene RNA-Viren feststellen, darunter das Virus der schwarzen Königinnenzelle und das Flügeldeformationsvirus. Bei Königinnen wurde die höchste Zahl unterschiedlicher Milbenarten gefunden, außerdem waren nur bei ihnen parasitische Fliegen der Familie Conopidae sowie der Fadenwurm Sphaerularia bombi nachweisbar. Da Hummelkolonien zwischen Ländern verschifft werden, um sie als Bestäuber einzusetzen, wächst die Sorge, dass sich Krankheitserreger auf diesem Weg auch auf wildlebende Populationen übertragen könnten.

Quellen

  • Abrahamovich, A. H. & Díaz, N. B. (2002): Bumble bees of the Neotropics (Hymenoptera: Apidae: Bombini)
  • Pinilla-Gallego, M. S. et al. (2017): Distribution and morphological variation of Bombus pauloensis
  • Salvarrey, S. et al. (2021): Parasites and RNA viruses in wild and laboratory reared bumble bees Bombus pauloensis (Hymenoptera: Apidae) from Uruguay. PLOS ONE 16(4): e0249842, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0249842
  • Springer Nature Link (2024): The Gut Microbiome of Two Wild Bumble Bee Species Native of South America: Bombus pauloensis and Bombus bellicosus. Microbial Ecology, https://link.springer.com/article/10.1007/s00248-024-02430-y
  • Oxford Academic / G3 Genes|Genomes|Genetics (2026): First genome assemblies of Neotropical Thoracobombus bumblebees Bombus pauloensis and Bombus pullatus, https://academic.oup.com/g3journal/article/16/3/jkaf305
  • Chavarría, L. & Ramírez, W. (Ecology and Nesting Behavior of Bombus atratus Franklin in Andean Highlands, Hymenoptera: Apidae), ResearchGate, https://www.researchgate.net/publication/252644618
  • CASAS Global: Colony development and dynamics of neotropical Bombus atratus, https://www.casasglobal.org/colony-development-of-neotropical-bombus-atratus/
  • GBIF: Bombus pauloensis Friese, 1913, Artenprofil, https://www.gbif.org/species/165629914
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
  • Foto: Gustavo Fernando Durán (trekman), Beobachtung vom 15.11.2021, Ciudad de Santa Fe, Provincia de Santa Fe, Argentina. inaturalist.org/observations/101365132, Lizenz CC BY-NC-SA 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0, unverändert

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Bombus pensylvanicus

Bombus pensylvanicus, im englischen Sprachraum als American bumble bee bekannt, gehörte bis in die späten 1990er Jahre zu den häufigsten Hummelarten im Osten und in der Mitte der Vereinigten Staaten. In musealen Sammlungen machte sie über weite Strecken des 20. Jahrhunderts oft mehr als zehn Prozent aller registrierten Hummel-Exemplare aus. Ihr historisches Verbreitungsgebiet reichte von Québec bis nach Florida, westlich bis South Dakota und südlich bis in die zentralen Gebirgsregionen Mexikos. Im Nordosten ihres Areals und westlich bis etwa Illinois gilt sie inzwischen als sehr selten oder ausgerottet. Beständiger vorhanden ist sie im Süden ihres früheren Verbreitungsgebiets, von Florida über Texas und New Mexico bis nach Colorado.

bombus pensylvanicus2021 reichten das Center for Biological Diversity und die Bombus Pollinator Association of Law Students der Albany Law School bei der US-amerikanischen Fish and Wildlife Service einen Antrag ein, die Art unter dem Endangered Species Act zu schützen. Die Behörde stellte daraufhin ein positives 90-Tage-Gutachten aus und leitete eine formale Statusprüfung ein. Ein gesetzlicher Schutzstatus besteht bislang weder auf Bundesebene noch in einem Einzelstaat der USA.

Merkmale zur Bestimmung

Taxonomisch wird die Art der Untergattung Thoracobombus zugeordnet, zu der auch die nahe verwandten Arten Bombus fervidus und Bombus californicus zählen. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 22 bis 26 Millimetern, Arbeiterinnen bleiben mit 13 bis 19 Millimetern deutlich kleiner, Männchen liegen mit 16 bis 22 Millimetern dazwischen. Der Kopf ist schwarz behaart, der Rücken des Brustabschnitts trägt gelbe Behaarung, das dahinterliegende Schildchen ist meist schwarz, gelegentlich mit einzelnen gelben Haaren durchmischt. Am Hinterleib sind das zweite und dritte Segment sowie der hintere Teil des ersten Segments gelb gefärbt, die übrigen Segmente schwarz. Die Behaarung ist kurz und gleichmäßig, das Gesicht auffallend lang gestreckt. Diese Kombination aus Farbmuster und Kopfform erlaubt eine Unterscheidung von den ähnlich gefärbten Arten Bombus fervidus und Bombus auricomus, wobei Verwechslungen im Feld häufig vorkommen. Manche Autoren führen die im Südwesten der USA verbreitete Bombus sonorus als Synonym von Bombus pensylvanicus, andere als eigenständige Art.

info hummelBombus pensylvanicus war bis in die 1990er Jahre eine der häufigsten Hummelarten Nordamerikas. In den vergangenen zwanzig Jahren ist ihre Häufigkeit um schätzungsweise 89 Prozent zurückgegangen, ein Ausmaß, wie es nur wenige nordamerikanische Hummelarten erreichen.

Nistweise und Koloniegröße

bombus pensylvanicusDie Art nistet bevorzugt oberirdisch in Büscheln aus hohem Gras, seltener unterirdisch in verlassenen Nagetierbauten. Begattete Jungköniginnen überwintern einzeln, meist unterirdisch oder in morschem Holz. Die Kolonien bleiben mit 60 bis 120 Individuen vergleichsweise klein gegenüber vielen anderen Hummelarten. Der Jahreszyklus verläuft kürzer als bei vielen verwandten Arten, vermutlich als Anpassung an die wärmeren Regionen, in denen die Art vorkommt. Im späten Frühjahr gründet die Königin allein ein Nest, im Sommer folgt die Produktion von Arbeiterinnen, in der Mitte bis zum Ende des Sommers die Produktion von Männchen und neuen Königinnen.

Nahrungspflanzen und Bestäubungsleistung

Bombus pensylvanicus gilt als Nahrungsgeneralist und besucht ein breites Spektrum an Blütenpflanzen, darunter Wicken, Klee, Goldruten, Johanniskraut, Wasserdost, Tragant, Disteln, Hartriegel, Prärieklee und Sonnenblumen. Der vergleichsweise lange Rüssel erlaubt ihr den Zugang zu tiefen Blütenkelchen. Wie andere Hummeln beherrscht die Art die Vibrationsbestäubung, bei der schnelles Anspannen der Flugmuskulatur Pollen aus den Staubbeuteln schüttelt. Diese Technik ist bei Tomaten und Auberginen erforderlich, deren Pollen sich nicht durch Wind oder einfaches Anfliegen lösen lässt, und macht die Art zu einer wichtigen Bestäuberin in der Landwirtschaft. Bei der Rückkehr zum Nest wurden einzelne Tiere aus bis zu 2,4 Kilometern Entfernung beobachtet, wobei die tatsächliche Reichweite je nach Individuum stark schwankt.

Der Sozialparasit Bombus variabilis

Nester von Bombus pensylvanicus werden von der Kuckuckshummel Bombus variabilis befallen. Deren Weibchen dringen in fremde Nester ein, töten die dortige Königin und übernehmen deren Platz, sodass die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes fortan den Nachwuchs der Parasitin aufziehen. Bombus variabilis besitzt keine Pollenkörbchen mehr, da die Art selbst keinen Pollen zur Versorgung von Nachwuchs sammelt. Mit dem Rückgang von Bombus pensylvanicus ist auch diese auf sie spezialisierte Art selten geworden: Seit über zwanzig Jahren liegen aus den USA keine gesicherten Nachweise mehr vor, die Art gilt möglicherweise als regional ausgestorben.

Ursachen des Rückgangs

Für den Bestandsrückgang werden mehrere Faktoren diskutiert, deren jeweiliger Anteil sich schwer trennen lässt. Dazu zählen die Umwandlung von Grasland und Brachflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen, der Einsatz von Pestiziden, insbesondere Neonicotinoiden, sowie die Ausbreitung von Krankheitserregern wie dem Mikrosporidium Nosema bombi. Ein möglicher Übertragungsweg dieses Erregers wird im Import kommerziell gezüchteter Hummeln zur Bestäubung von Gewächshaustomaten vermutet.

Quellen

  • U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://www.fws.gov/species/american-bumble-bee-bombus-pensylvanicus
  • U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee Field Guide (PDF), https://www.fws.gov/sites/default/files/documents/American%20Bumble%20Bee%20Field%20Guide.pdf
  • NatureServe Explorer: Bombus pensylvanicus, https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.744953/Bombus_pensylvanicus
  • Michigan Natural Features Inventory: Bombus pensylvanicus, https://mnfi.anr.msu.edu/species/description/365143/Bombus-pensylvanicus
  • Montana Field Guide: American Bumble Bee, https://fieldguide.mt.gov/speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24260
  • USDA Forest Service: The American Bumble Bee, Pollinator of the Month, https://www.fs.usda.gov/wildflowers/pollinators/pollinator-of-the-month/american-bumble-bee.shtml
  • Xerces Society: The American Bumble Bee Takes an Important Step Toward Federal Protection, https://xerces.org/press/american-bumble-bee-takes-important-step-toward-federal-protection
  • National Wildlife Federation: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://nwlfd.org/species/american-bumble-bee
  • Foto: Gregory Steiger (steigerg), Beobachtung vom 08.06.2026, Eldorado at Santa Fe. inaturalist.org/observations/369864916, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: JLackey (jlackey), Beobachtung vom 08.06.2026, Creek County, US-OK, US. inaturalist.org/observations/369740702, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Bombus diversus

Bombus diversus wurde 1869 von Frederick Smith beschrieben und gehört zur Untergattung Megabombus, jener Gruppe langrüsseliger Hummeln, zu der in Europa etwa die Gartenhummel zählt. Die Art tritt in zwei Unterarten auf: Bombus diversus diversus besiedelt die Hauptinseln Honshu, Shikoku und Kyushu, während Bombus diversus tersatus auf Hokkaido vorkommt. Außerhalb Japans reicht das Verbreitungsgebiet bis in angrenzende Regionen Ostasiens, darunter Teile Koreas und des russischen Fernen Ostens.

Bombus diversusIn Japan trägt die Art den Namen Tora-Maruhanabachi, wörtlich Tigerhummel, nach der Silbe „tora“ für Tiger. Der Name bezieht sich auf die kontrastreiche Fellzeichnung: Kopf, Mittelkörper sowie das erste und zweite Hinterleibssegment und ein Teil des dritten sind bei der Nominatform dicht rötlich-orange behaart, teils von dunklen Querstreifen zwischen den Segmenten unterbrochen, während der restliche Hinterleib schwarz gefärbt ist. Bei der Unterart tersatus fällt dieses Muster gleichmäßiger gelblich statt orange aus, was eine Unterscheidung der beiden Unterarten im Feld erlaubt.

Ein Rüssel für Blüten, die andere Hummeln nicht erreichen

Bombus diversus gilt unter den japanischen Hummelarten als die mit dem längsten Rüssel. Messungen fallen je nach Studie und untersuchter Population unterschiedlich aus: Eine Untersuchung an Populationen, die Clematis stans bestäubten, ermittelte im Mittel 14,0 Millimeter, während eine andere Arbeit an anderen Tieren einen Mittelwert von 11,7 Millimetern feststellte. In beiden Fällen übertraf der Rüssel von Bombus diversus jenen der kurzrüsseligeren Vergleichsart Bombus honshuensis um etwa ein Drittel bis knapp die Hälfte.

Die Kopfform folgt dieser Spezialisierung: Der Bereich zwischen Auge und Mandibel ist bei Bombus diversus so stark verlängert, dass Fachliteratur den Kopf mit einem Pferdekopf vergleicht. Die Mundwerkzeuge sind zudem schmaler als bei kurzrüsseligen Verwandten wie Bombus ignitus, die mit kräftigeren Mandibeln gelegentlich Blüten von außen aufbeißen, um an Nektar zu gelangen, statt sie regulär zu befliegen. Bombus diversus ist auf diese Art des Nektarraubs nicht angewiesen, da der lange Rüssel den Zugang durch den vorgesehenen Weg der Blütenkrone ermöglicht.

Blütenpartner mit passender Kronröhrenlänge

Die Rüssellänge bestimmt, welche Pflanzenarten Bombus diversus effizient nutzen kann, und umgekehrt hat sie auf einige Pflanzen einen nachweisbaren Selektionsdruck ausgeübt. Bei der Glockenblume Campanula punctata wurde gezeigt, dass eine größere Blütenkrone den Pollentransfer durch Bombus diversus verbessert: Die Hummel muss tiefer in die Blüte eindringen, um an den Nektar zu gelangen, und streift dabei Staubblätter und Narbe intensiver.

Bombus diversusEin weiteres Beispiel liefert die Waldrebenart Clematis stans. Ihre Kelchröhre ist bei jungen Blüten lang und verkürzt sich im Laufe der Blütezeit. In der langen Phase wird die Blüte bevorzugt von Bombus diversus besucht, die dabei mehr Pollen entfernt; sobald die Röhre kürzer geworden ist, übernimmt die kurzrüsselige Bombus honshuensis den Großteil der Besuche. Beide Bestäuberphasen führten in Versuchen zu einem höheren Fruchtansatz an den kürzeren Blüten, was darauf hindeutet, dass die zeitliche Verkürzung der Kelchröhre die Bestäubungsleistung auf zwei Hummelarten mit unterschiedlicher Rüssellänge verteilt, statt von einer einzigen Art abhängig zu bleiben.

Auch bei Lippenblütlern wie Rabdosia longituba zeigt sich diese Aufteilung: Die tiefen Blüten passen zur Rüssellänge mittelgroßer Bombus-diversus-Arbeiterinnen, während die kleinblütige Verwandte Rabdosia trichocarpa eher von Bombus honshuensis und der Östlichen Honigbiene beflogen wird. Zusätzlich wurde die Art als Besucherin von Springkrautarten wie Impatiens noli-tangere und Impatiens textori dokumentiert.

info hummelIn einer vierjährigen Kamerastudie an einer Population von Cremastra appendiculata in einem Wald in Zentraljapan wurden zwischen 2019 und 2022 an 151 Blütenständen insgesamt 2707 Beobachtungstage und 885 Videos besuchender Insekten ausgewertet. In keinem einzigen Fall trug ein anderes Insekt als eine Bombus-diversus-Königin die Pollinien der Orchidee, und Fruchtansatz entstand ausschließlich an Blütenständen, die von dieser Art besucht worden waren.

Bestäuberin spezialisierter Orchideen

Die Orchidee Cremastra appendiculata bietet Nektar als Belohnung und verströmt einen intensiven Duft, dem in einer Untersuchung mit Gaschromatographie und Elektroantennographie sieben Duftstoffe zugeordnet werden konnten, die bei Königinnen von Bombus diversus tersatus eine Antennenreaktion auslösen, darunter Nerol sowie mehrere Fettsäureester. In anschließenden Verhaltenstests mit einem Y-Rohr-Olfaktometer bevorzugten unerfahrene, also noch nie an Blüten gewesene Königinnen sowohl den Blütenextrakt als auch eine künstlich hergestellte Mischung dieser Duftstoffe gegenüber einem geruchlosen Lösungsmittel. Die Anziehung durch den Duft ist demnach angeboren und nicht erst durch Erfahrung erlernt.

Bombus diversusEine frühere Freilandbeobachtung in Kobe bestätigt die enge Bindung: Von den insgesamt fünf Insektenarten, die die Blüten von Cremastra appendiculata var. variabilis besuchten, trugen ausschließlich Bombus-diversus-Königinnen die Pollinien, angeheftet am vorderen Oberschenkel. Die Besuchsfrequenz war dabei insgesamt sehr gering, und eine Holzbiene der Art Xylocopa appendiculata circumvolans beraubte die Blüten regelmäßig, indem sie ein Loch am Blütengrund anbiss und den Nektar ohne Bestäubungsleistung entnahm.

Auch die epiphytisch wachsende Orchidee Sedirea japonica wird von der Nominatform Bombus diversus diversus bestäubt. Die tief liegenden Nektarien dieser Orchideen lassen sich nur mit einem entsprechend langen Rüssel erreichen, wodurch beide Pflanzenarten in ihrer Bestäubung stark von dieser einen Hummelart abhängen.

Untergattung Megabombus und Lebensraum

Als Vertreterin der Untergattung Megabombus zählt Bombus diversus zu den sogenannten Pocketmakern. Bei dieser Fortpflanzungsstrategie verarbeiten die Arbeiterinnen gesammelten Pollen zu Taschen unterhalb der Brutzellen, aus denen sich die gemeinsam heranwachsenden Larven bedienen, statt einzeln in getrennten Wachsnäpfen versorgt zu werden wie bei Pollenlagerern etwa der Gattung Bombus terrestris. Diese Fütterungsweise führt zu einem Wettbewerb zwischen den Larven innerhalb einer Tasche und gilt als Ursache für die im Vergleich zu Pollenlagerern größere Schwankungsbreite der Körpergröße innerhalb einer Kolonie.

In einer Auswertung von Bürgerfotografien aus den Jahren 2013 bis 2015 zählte Bombus diversus neben Bombus ardens zu den Arten mit der breitesten Habitatnutzung: Beide kommen sowohl in Siedlungsgebieten als auch in naturnahen Landschaften vor. Das unterscheidet sie von Bombus hypocrita und Bombus honshuensis, die stärker an höher gelegene Regionen gebunden sind, sowie von der im Tiefland verbreiteten und als gefährdet eingestuften Bombus ignitus. Die weite ökologische Toleranz von Bombus diversus, gepaart mit ihrer Rolle als einzige effektive Bestäuberin mehrerer spezialisierter Pflanzenarten, macht sie zu einer ökologisch bedeutsamen, aber bislang wenig im deutschsprachigen Raum beschriebenen Art.

Quellen

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  • Suetsugu, K. & Tanaka, K. (2013): Pollination of Sedirea japonica (Orchidaceae) by Bombus diversus diversus (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Entomology, 110(3), doi:10.14411/eje.2013.074
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