Cullumanushummel (Bombus cullumanus)

Königinnen und Arbeiterinnen der Cullumanushummel sind schwarz gefärbt und tragen einen rötlichen Hinterleibsabschluss. Dadurch lassen sie sich kaum von der weit verbreiteten Steinhummel (Bombus lapidarius) unterscheiden. Hinterbeine und Pollenkorb bleiben bei beiden Arten vollständig schwarz. Männchen zeigen dagegen ein deutlich kontrastreicheres Muster, das eine sichere Bestimmung erlaubt. Im Gesicht sitzt ein heller Fleck, der Kragen ist beige gefärbt, der mittlere Rückenbereich beige mit einem schwarzen Band darüber. Der vordere Teil des Hinterleibs ist ebenfalls beige und wird von einem schwarzen Querband abgeschlossen, bevor ein rotes Hinterleibsende folgt. Dieses Muster ähnelt dem einiger heller gefärbter Männchen der Ruderalhummel (Bombus ruderarius).

Namensgeschichte und Taxonomie

bombus cullumanusBeschrieben wurde die Art 1802 durch den britischen Entomologen William Kirby, und zwar allein anhand eines einzelnen gelbbändrigen Männchens aus Witnesham in der englischen Grafschaft Suffolk. Ihren Namen erhielt sie nach Sir Thomas Cullum, einem Arzt und Naturforscher aus derselben Region. Erst 1926 stellte sich heraus, dass die auffällig gefärbten Männchen und die schwarzen Weibchen mit rotem Hinterleib zur gleichen Art gehören.

Bombus cullumanus gehört zu einer Gruppe eng verwandter Formen, der sogenannten Cullumanus-Gruppe. Innerhalb dieser Gruppe variiert das Farbmuster außergewöhnlich stark. Genetische Untersuchungen mittels DNA-Barcoding klärten, dass vier Hummeln, die lange als eigenständige Arten galten, tatsächlich Farbvarianten von Bombus cullumanus sind:

  • Bombus serrisquama, eine gelbbändrige Form aus Spanien, Russland und Zentralasien
  • Bombus apollineus, eine weißbändrige Form aus der Türkei und Armenien
  • Bombus tenuifasciatus, mit dunkleren gelben Bändern aus Zentralasien
  • Bombus nigrotaeniatus, ebenfalls aus Zentralasien, ohne gelbes Band am Hinterleib

Nach heutigem Kenntnisstand umfasst die gesamte Cullumanus-Gruppe nur noch drei Arten: Bombus semenoviellus, Bombus unicus und Bombus cullumanus mit seinen zahlreichen Farbformen.

info hummelZwischen der Erstbeschreibung des bunten Männchens 1802 und der Erkenntnis, dass die schwarzen Weibchen zur selben Art gehören, vergingen 124 Jahre. So lange hielt man beide Formen für unterschiedliche Hummelarten.

Lebensraum und Nahrungspflanzen

Die Cullumanushummel bevorzugt kalkreiche Blumenwiesen, trockene sonnige Sandflächen sowie blütenreiche Wegsäume und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Beobachtungen liegen unter anderem von Skabiosen-Flockenblumen und Brombeersträuchern vor. Ältere Männchen wurden außerdem an Flockenblumen, Weißklee, Dost und Distelarten wie der Eberwurz nachgewiesen, während Arbeiterinnen vor allem Schmetterlingsblütler wie Klee aufsuchen. Nester der Art wurden bislang nicht gefunden. Vermutet wird eine unterirdische Anlage, etwa in verlassenen Mäuse- oder Wühlmausbauten.

Der Rückgang der Art in Westeuropa wird vor allem auf den Verlust von Kleeflächen zurückgeführt, dem wichtigsten Nahrungshabitat, das durch veränderte landwirtschaftliche Praktiken verschwand. Allein innerhalb eines Jahrzehnts sank der europäische Bestand dadurch um mehr als 80 Prozent.

Verbreitung und heutiger Bestand

In Westeuropa reichte das Verbreitungsgebiet früher von den Pyrenäen nordwärts bis nach Schweden. Mittlerweile ist die Art aus weiten Teilen dieses Gebiets verschwunden, darunter aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland, Schweden und Dänemark. In Großbritannien liegt der letzte gesicherte Nachweis noch weiter zurück, ein Männchen von den Berkshire Downs aus dem Jahr 1941. Das letzte bestätigte Exemplar aus Frankreich stammt aus dem Jahr 2004 aus dem Zentralmassiv, seither fehlen weitere Nachweise aus der Region. In Deutschland gilt die Art als ausgestorben, europaweit wird sie in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Außerhalb Westeuropas sieht die Lage deutlich günstiger aus. Größere Bestände kommen unter anderem in Russland, der Ukraine, Rumänien, Moldau, der Türkei, Armenien, dem Iran sowie in mehreren zentralasiatischen Staaten bis nach China und in die Mongolei vor. In Teilen Sibiriens zählt Bombus cullumanus stellenweise noch zu den häufigeren Hummelarten. Die gelbbändrige Farbform serrisquama hält sich außerdem im Kaukasus, entlang der Wolga und an wenigen Standorten in Spanien.

Weil die Art in Asien vergleichsweise verbreitet bleibt, gilt innerhalb der Cullumanus-Gruppe inzwischen eine andere Art als vorrangiges Schutzanliegen: Bombus unicus, der nur im äußersten Osten Russlands vorkommt und dort bislang lediglich in geringer Zahl nachgewiesen wurde.

Quellen

  • gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K, via Wikimedia Commons, CC BY
  • G. Holmström: Humlor – Alla Sveriges arter. 2007, ISBN 978-91-7139-776-8
  • Paul Williams, Darryl Cox: Bumblebees of the World Blog Series #5, Bombus cullumanus. bumblebeeconservation.org
  • Williams, P.H., Byvaltsev, A., Sheffield, C., Rasmont, P.: Bombus cullumanus – an extinct European bumblebee species? Apidologie 44, 2013, S. 121–132
  • IUCN: Bad news for Europe’s bumblebees. iucn.org
  • Cullumanushummel, Wikipedia, de.wikipedia.org

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