Milben
Kaum eine Tiergruppe an Hummelnestern wird so uneinheitlich behandelt wie die Milben. Unter diesem einen Wort verstecken sich völlig verschiedene Lebensweisen, von der echten inneren Parasitierung bis zur reinen Mitfahrgelegenheit. Eine Untersuchung kommerzieller Hummelnester in polnischen Gewächshäusern fand allein sieben verschiedene Milbenarten aus drei Familien in Hummelnestern, von denen die meisten mit dem Nest selbst mehr zu tun haben als mit der Hummel als Wirt.
Die echte Parasitin: Locustacarus buchneri
Die einzige Milbenart, die bei Hummeln tatsächlich als innerer Parasit gilt, ist die Trachealmilbe Locustacarus buchneri. Sie lebt in den Luftröhren und Luftsäcken der Hummel und ernährt sich dort von der Hämolymphe ihres Wirts. Die Weibchen dringen bei überwinternden Jungköniginnen in die Tracheen ein und beginnen im folgenden Frühjahr, kurz nachdem die Königin aus dem Winterquartier geschlüpft ist, mit der Eiablage. Der Befall schwächt die Hummel, ohne sie in der Regel sofort zu töten, bei dichter besiedelten Völkern verstärkt sich der Effekt jedoch. Die Milbe ist heute weltweit verbreitet und wurde unter anderem durch den internationalen Handel mit Zuchthummeln über Kontinente hinweg verschleppt, etwa mit Nachweisen in Japan, Südkorea, Chile und Argentinien bei Populationen, die ursprünglich von europäischen Zuchtvölkern abstammen.
Die Mitreisenden: Milben der Gattung Parasitellus
Ganz anders leben die häufig auf dem Hummelkörper zu findenden Milben der Gattung Parasitellus, früher Parasitus genannt. Sie sitzen sichtbar auf dem Panzer, überwiegend am Hinterleib, ohne selbst von der Hummel zu fressen. Stattdessen nutzen sie die Hummel als Transportmittel zwischen Nestern, eine Fortbewegungsform, die als Phoresie bezeichnet wird. Im Nest selbst ernähren sich erwachsene Weibchen von der äußeren Schicht der eingetragenen Pollenvorräte, ohne diese wesentlich zu schädigen, während andere Entwicklungsstadien räuberisch von kleineren Milben und anderen Gliedertieren im Nest leben und dabei sogar nützlich für die Hummel sein können. Bevorzugt reisen die Milben auf jungen Königinnen mit, weil nur diese den Winter überleben und im Frühjahr ein neues Nest gründen.
Der Rest der Nestgemeinschaft
Die zahlenmäßig häufigste Milbenart in untersuchten Hummelnestern war in der polnischen Studie allerdings weder Locustacarus noch Parasitellus, sondern die Vorratsmilbe Tyrophagus putrescentiae aus der Familie Acaridae, die vor allem verschmutzte, organische Reste und Pollenvorräte besiedelt und in landwirtschaftlich genutzten Lagerräumen ebenfalls als Vorratsschädling bekannt ist. Daneben fanden sich räuberische Milben der Gattung Hypoaspis, die sich von anderen kleinen Nestbewohnern ernähren. Ein Hummelnest beherbergt also in der Regel eine ganze kleine Lebensgemeinschaft aus Milben mit sehr unterschiedlichen Rollen, nicht eine einzelne Bedrohung.
Quellen
- E. Rożej, W. Witaliński, H. Szentgyörgyi, M. Wantuch, D. Moroń, M. Woyciechowski (2012): Mite species inhabiting commercial bumblebee (Bombus terrestris) nests in Polish greenhouses. Experimental and Applied Acarology, 56, S. 271–282
- Bee Mite ID (USDA / University of Michigan): Locustacarus. idtools.org/bee_mite
- Laura Smith: Bumblebee symbionts (parasites, mutualists and commensals). bumblebee.org/Symbionts.htm
- M. Yoneda, H. Furuta, K. Tsuchida, K. Okabe, K. Goka (2008): Commercial colonies of Bombus terrestris (Hymenoptera: Apidae) are reservoirs of the tracheal mite Locustacarus buchneri (Acari: Podapolipidae). Applied Entomology and Zoology, 43, S. 73–76


