Ackerhummel

Die Ackerhummel (Bombus pascuorum) trägt einen gelblich- bis rötlichbraun behaarten Thorax. Am Übergang zu den Flügelansätzen bilden dunkle Haare häufig ein umgekehrtes Dreieck, das sich deutlich vom übrigen rotbraunen Rücken abhebt. Der erste bis vierte Hinterleibsring ist graubraun bis schwarz behaart, der fünfte und sechste Ring dagegen wieder gelblich- bis rötlichbraun. Die einzelnen Segmente besitzen einen hellen Haarsaum, der die Ringe optisch voneinander abgrenzt.

Verwechslungen sind vor allem mit der Veränderlichen Hummel (Bombus humilis) möglich, deren Färbung ähnlich variabel ausfällt. Dort fehlt jedoch die dreieckige Anordnung der schwarzen Haare auf dem Thorax, und die Hinterleibsringe zeigen keinen hellen Haarsaum. Männchen lassen sich zusätzlich am Gesicht erkennen: Sie tragen dort eine gelbe Zeichnung, während Weibchen ein schwarzes Gesicht haben.

Königin

  • Körperlänge: 15–18 mm
  • Flügelspannweite: 28–32 mm
  • Rüssellänge: 13–15 mm

Arbeiterin

  • Körperlänge: 9–15 mm
  • Flügelspannweite: 20–28 mm
  • Rüssellänge: 12–13 mm

Drohn

  • Körperlänge: 12–14 mm
  • Flügelspannweite: 24–27 mm
  • Rüssellänge: 10–11 mm

Verbreitung und Lebensraum

Die Ackerhummel gehört zu den häufigsten Hummelarten Deutschlands und besiedelt das gesamte Gebiet von der Küste bis in Höhen von rund 1700 Metern in den Alpen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht über ganz Europa, seit spätestens 2010 auch bis Island. Als Ubiquist stellt sie geringe Ansprüche an ihren Lebensraum: Wegränder, Wiesen, Weiden, Waldsäume, Böschungen sowie Gärten und Parkanlagen werden gleichermaßen angenommen.

Nistweise

Anders als viele andere Hummelarten ist die Ackerhummel bei der Neststandortwahl nicht auf verlassene Mäusenester angewiesen, auch wenn sie solche gelegentlich bezieht. Meist legt sie ihr Nest oberirdisch an, unter Moospolstern, in der Krautschicht, in Baumhöhlen oder in Hohlräumen von Gebäuden, etwa auf Dachböden. Nistkästen werden ebenfalls gut angenommen, weshalb die Art unter Hummelhaltern als besonders geeignet für die Ansiedlung in Nistkästen gilt.

Die Königin baut zunächst einen Nektartopf zur Vorratshaltung und eine mit Pollen gefüllte Brutzelle, in die sie 8 bis 16 Eier legt und mit Wachs verschließt. Bei Bedarf wärmt sie die Zelle durch Muskelzittern. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Larven gemeinsam aus dem Pollenvorrat; ist dieser aufgebraucht, werden zusätzliche Pollentaschen angebaut. Damit gehört die Ackerhummel zu den sogenannten Pocketmakern, die den Larven laufend frischen Pollen nachliefern, statt ihn wie die Pollenstorer unter den Hummeln getrennt zu lagern.

info hummelDie Ackerhummel hält unter allen mitteleuropäischen Hummelarten am längsten durch. Während die meisten Völker spätestens im September absterben, wurden Ackerhummelvölker in Nistkästen schon bis in den Dezember hinein aktiv beobachtet, wenn sie zusätzlich mit Zuckerwasser versorgt wurden. Ein Volk soll auf diese Weise sogar noch zu Weihnachten in einem Heizungskeller gelebt haben.

Entwicklung des Nestes über die Saison

Etwa 21 Tage nach der Eiablage schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Durch die begrenzte Menge an verfügbarem Futter fallen sie meist nur halb so groß aus wie die Königin. Sie übernehmen anschließend Nektar- und Pollensammlung, während die Königin im Nest bleibt und sich auf Eiablage und Nestausbau konzentriert. Im Hochsommer erreicht das Volk seine größte Ausdehnung mit meist 30 bis 40, selten auch über 100 Arbeiterinnen.

Ist genug Nahrung eingetragen, zieht das Volk eine neue Generation von bis zu 35 Jungköniginnen sowie eine ähnliche Anzahl an Drohnen auf. Beide verlassen im Herbst das Nest, um sich zu verpaaren. Nur die verpaarten Jungköniginnen suchen anschließend ein geschütztes Winterquartier auf; alte Königin, Arbeiterinnen und Drohnen sterben noch vor Ablauf der Saison. Die Art bildet damit nur eine Generation pro Jahr. Überwinterte Königinnen fliegen ab Mitte April bis Ende Mai, Arbeiterinnen von Ende April bis Mitte Oktober, Jungköniginnen und Drohnen von Mitte August bis Ende Oktober.

Nahrung und Trachtpflanzen

Die Ackerhummel gilt als polylektisch und besucht Blüten aus vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Ihr kräftiger Körperbau und die lange Zunge begünstigen vor allem den Besuch von Lippenblütlern wie Taubnessel und Salbei. Regelmäßig lässt sie sich außerdem an Rotklee, Wicken, Hornklee, Klappertopf, Wiesenplatterbse, Flockenblumen, Disteln, Lungenkraut, Beinwell, Natternkopf, Thymian, Himbeer- und Brombeersträuchern sowie an Obstbaumblüten beobachten. Zum Sammeln des Pollens dient bei Königinnen wie Arbeiterinnen ein Pollenkörbchen an den Hinterbeinen, ein verbreitertes, haarloses Beinsegment, das von langen, gebogenen Haaren umgeben wird.

Feinde und Parasiten

Als Nestparasit tritt vor allem die Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris) auf, deren Hauptwirt die Ackerhummel ist. Sie legt ihre Eier in fremden Nestern ab und lässt deren Arbeiterinnen die eigene Brut versorgen.

Daneben kann der kleine Käfer Antherophagus nigricornis, auf Deutsch Schimmelkäfer genannt, Ackerhummelnester besiedeln. Die Käfer heften sich beim Blütenbesuch an Beine, Fühler oder Zunge heimkehrender Hummeln und lassen sich so ins Nest tragen. Dort legen sie ihre Eier ab, und die Larven ernähren sich von organischen Abfallstoffen im Nest, nicht von der Brut oder den eingetragenen Pollenvorräten. Die Art gilt seit einer Untersuchung aus dem Jahr 1921 als für das Hummelvolk unschädlicher Kommensale.

Bestand und Gefährdung

Die Ackerhummel gilt in Deutschland als ungefährdet und zählt zu den am weitesten verbreiteten Hummelarten überhaupt. Ihre Anpassungsfähigkeit zeigt sich auch darin, dass sie bei einer Trachtlücke im Spätsommer flexibel auf andere Blütenpflanzen umstellt. Da sie weder auf Mäusenester noch auf enge Habitatstrukturen festgelegt ist, kommt sie auch in stark genutzten Siedlungsbereichen gut zurecht. Gleichwohl profitiert sie wie andere Wildbienenarten von blütenreichen Wiesen, ungemähten Randstreifen und geeigneten Nistmöglichkeiten in Gärten.

Quellen

  • Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten – Bombus pascuorum, wildbienen.de/b-pascuo.htm
  • S. Bigalk: Flauschige Frühjahrsbotin – Die Ackerhummel (Bombus pascuorum), BUND Region Stuttgart, Kreisverband Rems-Murr, bund-region-stuttgart.de
  • FONA – Forschung für Nachhaltigkeit: Ackerhummel (Bombus pascuorum), fona.de/de/wildbienen/arten/ackerhummel-bombus-pascuorum.php
  • Gokcezade, J., Gereben-Krenn, B. & Neumayer, J. (2018): Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, 2. Auflage, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim
  • Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands, 2. Auflage, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart
  • T. H. Frison (1921): Antherophagus ochraceus Mels. in the nests of bumblebees. The American Naturalist, 55, S. 188–192

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  • #97487
    Dohlenvogel
    Forenmitglied
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      • 12

      Hallo!
      Um wie viel Uhr fliegen sie denn los? :?
      @Stefan :weißt du es vielleicht?

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