Die Berglandhummel (Bombus monticola)
Die Berglandhummel besiedelt ein Gebiet, das sich von Nordeuropa bis in die Arktis erstreckt. In den Gebirgen Mitteleuropas hält sie sich in lichten Gehölzen und offenen Hochlagen zwischen etwa 700 und 2700 Metern auf. In Deutschland kommt sie ausschließlich in den bayerischen Alpen vor, dort in der Unterart Bombus monticola hypsophilus. Außerhalb der Gebirge findet man sie auch in Mooren und Feuchtheiden der Tieflagen, etwa auf schottischen Heideflächen mit Glockenheide.
Als kälteangepasste Art hat sich die Berglandhummel nach den Eiszeiten mit der Erwärmung Europas in den Norden und in die Höhenlagen zurückgezogen. Durch diese Trennung der Lebensräume konnten sich in den einzelnen Gebirgszügen über lange Zeiträume unterschiedliche Formen entwickeln.
Taxonomie und Artabgrenzung
Die wissenschaftliche Benennung der Berglandhummel ist bis heute nicht einheitlich geklärt. Smith beschrieb sie 1849 als Bombus monticola, während Fabricius bereits 1793 den Namen Bombus lapponicus für eine nahe verwandte Form aus Skandinavien vergeben hatte. Der Taxonom Svensson trennte 1979 beide als eigenständige Arten: monticola als Bewohnerin der Alpen, lapponicus als reine Art Skandinaviens. Die Verbreitungsgebiete beider Formen überlappen sich jedoch, und in den Übergangszonen treten Mischformen auf. Eine Sequenzierung des Gens Cytochromoxydase I aus dem Jahr 1999 sprach eher für eine einzige Art mit fließendem Genaustausch zwischen den Populationen.
Eine 2018 veröffentlichte DNA-Studie eines internationalen Forscherteams um Baptiste Martinet ordnete die Frage neu. Die Autoren untersuchten Populationen aus den Alpen, dem Balkangebirge, den Pyrenäen, dem Apennin und der Arktis und fanden dabei deutliche genetische Unterschiede. Nach ihrer Einteilung besteht der bisherige Sammelbegriff monticola tatsächlich aus drei Arten: Bombus konradini, eine seltene, auf den zentralen Apennin beschränkte Art oberhalb von 1800 Metern, Bombus monticola mit fünf Unterarten sowie Bombus lapponicus. Für den Naturschutz hat diese Neuordnung praktische Folgen: Die neu abgegrenzte Art konradini besitzt ein so kleines Verbreitungsgebiet, dass sie eine eigene Gefährdungseinstufung benötigt, während die weit verbreitete Berglandhummel im engeren Sinn davon unberührt bleibt.
Nistplatzwahl und Volksentwicklung
Überwinterte Königinnen erscheinen zwischen Ende März und Anfang Mai und suchen nach der ersten Nahrungsaufnahme einen Nistplatz. Die Berglandhummel zählt zu den Nestbeziehern: Sie bezieht verlassene Mäusegänge im Boden, nutzt aber auch Baumhöhlen, Vogelnester oder Scheunen oberirdisch. Aus Wachs formt die Königin eine Nestkugel, einen Nektartopf als Futterreserve für kalte Nächte und eine Eiwiege für die ersten Eier. Mitte April schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, die anschließend die Futterbeschaffung übernehmen. Ab August treten nur noch Drohnen und Jungköniginnen aus den Kokons, bis das Nest Anfang September abstirbt. Ein Volk erreicht meist 50 bis 120 Tiere und bringt pro Jahr nur eine Generation hervor.
Gesammelten Pollen lagert die Berglandhummel nicht in aktiven Brutzellen, sondern in leeren Waben oder eigens gebauten Pollentönnchen. Sie gehört damit zu den sogenannten Pollenstorern.
Aussehen und Merkmale
Die Grundfärbung der Berglandhummel ist schwarz. Auf dem kopfnahen Thorax verläuft eine gelbliche bis hellgraue Querbinde, am Thorax-Ende eine zweite, V-förmige Binde in gleicher Farbe. Am Hinterleib ist das erste Tergit weißlich-gelb, das zweite schwarz, die Tergite drei bis sechs orangerot. Kopf und Rüssel sind vergleichsweise kurz.
Königinnen
- Körperlänge: 18-23 mm
- Flügelspannweite: 33-35 mm
- Rüssellänge: 12-13 mm
Arbeiterinnen
- Körperlänge: 9-16 mm
- Flügelspannweite: 25-28 mm
- Rüssellänge: 9-12 mm
Drohnen
- Körperlänge: 14-15 mm
- Flügelspannweite: 25-28 mm
- Rüssellänge: 8-10 mm
In den Alpen sind Verwechslungen mit der Wiesenhummel und der Höhenhummel möglich, im Flachland mit der dort verbreiteten Obsthummel. Die deutlich größere Alpenhummel unterscheidet sich zusätzlich durch ihre Fähigkeit, die Körpertemperatur über Muskelzittern aktiv zu regulieren, und kommt nur in den höchsten alpinen Lagen vor.
Trachtpflanzen
Die Berglandhummel besucht viele verschiedene Pflanzenfamilien und gilt daher als polylektisch. Eine Vorliebe zeigt sie für folgende Arten:
- Alpensteinquendel
- Wundklee und Hornklee
- Alpenrose
- Steinbrech
- Taubenkropf
- Alpen-Kratzdistel
Außerhalb der Hochgebirgslagen nutzt sie auch Heidelbeere und Brombeere als Nahrungsquelle.
Sozialparasiten
Als möglicher Sozialparasit der Berglandhummel gilt die Gelbe Kuckuckshummel Bombus flavidus, in den Alpen vermutlich in Form der Unterart lutescens. Wiederholte historische Hummelerhebungen in den Alpen zeigten in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang dieser Kuckuckshummel, während die Wirtsart selbst nur einen leichten Rückgang der relativen Häufigkeit aufweist.
Gefährdung
Die Rote Liste der Bienen Deutschlands stuft die Berglandhummel bundesweit als ungefährdet ein. Ihr aktueller Bestand gilt allerdings als selten, der langfristige wie der kurzfristige Bestandstrend werden als gleichbleibend beschrieben. Diese vergleichsweise günstige Einstufung beruht wesentlich darauf, dass die Art in ihrem gesamten nordischen und alpinen Verbreitungsgebiet noch weit verbreitet ist, obwohl sie in Deutschland auf einen kleinen Ausschnitt der bayerischen Alpen beschränkt bleibt.
Für die Zukunft sehen Forscher der Universität Würzburg dennoch ein Risiko. In einer Untersuchung im Nationalpark Berchtesgaden verglichen Bernhard Hoiß, Jochen Krauss und Ingolf Steffan-Dewenter Wildbienenarten aus verschiedenen Höhenlagen und stellten fest, dass an kühle Bedingungen angepasste Arten wie die Berglandhummel typischerweise in sozialen Völkern leben, unterirdisch nisten und größere Körper besitzen. Diese Anpassungen sichern das Überleben im Gebirge, gehen jedoch auf Kosten der Konkurrenzfähigkeit. Rücken mit steigenden Temperaturen wärmeliebende, durchsetzungsstärkere Arten aus tieferen Lagen in die alpinen Lebensräume vor, könnten die Hochgebirgsspezialisten dort verdrängt werden.
Quellen
- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Berglandhummel – B. monticola/B. lapponicus, wildbienen.de/b-montic.htm
- Berglandhummel, Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Berglandhummel
- Martinet, B. et al. (2018): Following the cold: geographical differentiation and speciation in the arcto-alpine species complex
- Bombus monticola, referenziert nach bienen-nachrichten.de/2018/es-gibt-mehr-als-nur-eine-berglandhummel/262
- Hoiß, B., Krauss, J., Steffan-Dewenter, I. (2012), Proceedings of the Royal Society B, referenziert nach scinexx.de/news/geowissen/klimawandel-gefaehrdet-wildbienen-im-hochgebirge
- Rote-Liste-Zentrum Deutschland: Bombus monticola, rote-liste-zentrum.de (Quelle: Westrich, Frommer, Mandery, Riemann, Ruhnke, Saure und Voith 2011)
- Rote Liste der Hummeln (Bombus spp.) Österreichs, umweltbundesamt.at
- Nordische Hummel (Bombus monticola), naturadb.de/tiere/bombus-monticola
Bewerte diesen Beitrag
- Dieses Thema hat 0 Antworten sowie 1 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 5 Jahren, 2 Monaten von
Stefan aktualisiert.
- Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.


