Keusche Kuckuckshummel (Bombus Psithyrus vestalis)

Weibchen der Keuschen Kuckuckshummel mit bräunlichgelbem Kragen und weißem Hinterleibsende an einer blauen TraubenhyazintheDie Keusche Kuckuckshummel (Bombus vestalis), auch Gefleckte Kuckuckshummel genannt, ist die Kuckuckshummel der Dunklen Erdhummel. Ihr Weibchen dringt im Frühjahr in ein junges Erdhummelvolk ein, übernimmt dort die Eiablage und lässt die eigene Brut von den Arbeiterinnen der Erdhummel aufziehen. Geoffroy beschrieb die Art 1785. Früher führte man sie als Psithyrus vestalis in einer eigenen Gattung, heute gilt Psithyrus als Untergattung von Bombus. In Deutschland ist sie weit verbreitet, mäßig häufig und ungefährdet.

Aussehen

Das Weibchen ähnelt seiner Wirtin. Anders als die Dunkle Erdhummel hat es aber nur eine gelbe Querbinde, und zwar vorn an der Brust, wo sie eher bräunlichgelb ist. Die zweite Binde am Hinterleibsanfang fehlt. Der vierte Tergit ist an der seitlichen Basis deutlich gelblich, das Hinterleibsende weiß. Wie bei allen Kuckuckshummeln fehlt das Pollenkörbchen an den Hinterbeinen. Weibchen werden 20 bis 22 Millimeter lang bei 40 bis 43 Millimetern Flügelspannweite, Männchen 15 bis 17 Millimeter bei 30 bis 35 Millimetern. Die Männchen tragen am ersten Tergit eine leichte gelbliche Behaarung, und es gibt helle Varianten mit noch mehr Gelb.

Am leichtesten zu verwechseln ist sie mit der Böhmischen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus), die die Thünen-Bestimmungshilfe mit ihr zu einem Komplex zusammenfasst. Die orangegelbe Färbung ist nach Thünen bei der Keuschen Kuckuckshummel eher etwas dunkler.

Auf Korsika und Sardinien leben auffällig andere Formen. Der europäische Hummelatlas beschreibt für Sardinien die Unterart sorgonis ohne gelbe Brustbinde und für Korsika die Form perezi, ganz schwarz mit rotem Hinterleibsende, die oft als eigene Art angesehen wird.

Wirt und Nestübernahme

Weibchen der Keuschen Kuckuckshummel mit gelbem Kragen an den violetten Blüten des WiesensalbeisWirt ist vor allem die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), auf wildbienen.de wird vermutet, dass auch die Helle Erdhummel befallen wird. Die überwinterten Weibchen fliegen ab Mitte April, wenn die Erdhummelköniginnen ihre Völker schon gegründet haben.

Den richtigen Moment zu treffen, ist für die Kuckuckshummel überlebenswichtig. Šrámková und Ayasse haben 2009 Weibchen in Erdhummelvölker unterschiedlicher Größe eingesetzt. Bei Völkern mit fünf Arbeiterinnen überlebten alle Eindringlinge, bei Völkern mit 50 Arbeiterinnen keiner. Nach dem Einzug tötete die Kuckuckshummel gezielt die älteren Arbeiterinnen, die schon vor ihrer Ankunft geschlüpft waren, während alle später geschlüpften überlebten. Erkennen kann sie die älteren Tiere am Duft: Diese geben mehr Duftstoffe ab und in anderer Zusammensetzung. Die Autoren deuten das so, dass die Kuckuckshummel ihre Stellung als einzige Eierlegerin sichert, indem sie genau die Arbeiterinnen beseitigt, die ihr bei der Fortpflanzung Konkurrenz machen könnten.

Wie die Weibchen ein Wirtsnest finden, haben Kreuter und Kollegen 2010 verglichen. Die spezialisierte Keusche Kuckuckshummel und die weniger wählerische Böhmische Kuckuckshummel nutzen dabei unterschiedliche Duftsignale, um zum Nest der Erdhummel zu finden.

Wie häufig sind Erdhummelvölker befallen?

Erler und Lattorff haben 2010 mit genetischen Markern rekonstruiert, welche Tiere aus welchen Nestern stammen. Danach war etwa 42 Prozent der Erdhummelvölker in ihrem Untersuchungsgebiet von der Keuschen Kuckuckshummel befallen, je nach Teilgebiet 33 bis 50 Prozent. Die Population der Kuckuckshummel war kleiner und genetisch einheitlicher als die ihres Wirts, unter ihren Königinnen fanden sich mehr Vollschwestern. Die Autoren schließen daraus, dass Weibchen und Männchen nicht weit wandern, und sehen die Möglichkeit einer Anpassung an die örtlichen Wirtspopulationen.

Carvell und Kollegen stellten 2008 für einen Versuch 48 Erdhummelvölker in der Agrarlandschaft auf. Völker in der Nähe blühender Rapsfelder und früh gegründete Völker wurden deutlich häufiger von Kuckuckshummeln und anderen Hummeln übernommen. Ein reiches Nahrungsangebot und ein früher Start helfen einem Volk also nicht nur, sie ziehen auch Parasiten an.

Der Duftschild der Männchen

Hell gefärbtes Männchen der Keuschen Kuckuckshummel an der blauen Blüte einer OchsenzungeAuch die jungen Männchen müssen im Wirtsnest überleben, bevor sie ausfliegen. Lhomme und Kollegen haben 2015 untersucht, womit sie sich vor den Arbeiterinnen der Erdhummel schützen. Sechs Stoffe aus ihren Ausscheidungen lösten eine Reaktion an den Fühlern der Arbeiterinnen aus. In Fütterungsversuchen wirkte eine Mischung dieser Stoffe abschreckend, ebenso reines Tetradecylacetat und schwächer ein zweiter Stoff. Die Autoren vermuten, dass Tetradecylacetat die Hauptrolle in diesem Duftschild spielt.

info hummelAuf Sardinien wachsen zwei Ragwurz-Orchideen, Ophrys chestermanii und Ophrys normanii, die beide von Männchen der Keuschen Kuckuckshummel bestäubt werden. Die Blüten ahmen den Sexuallockstoff der Weibchen nach, die Männchen versuchen sich mit ihnen zu paaren und nehmen dabei Pollen mit. Nach Gögler und Kollegen (2009) stammen die beiden Orchideen von verschiedenen Vorfahren ab und haben unabhängig voneinander denselben Duft entwickelt. Obwohl sie nebeneinander wachsen, zur selben Zeit blühen und denselben Bestäuber haben, fanden die Forscher keine Hinweise auf Vermischung.

Jahreslauf und Blütenbesuch

Männchen der Keuschen Kuckuckshummel mit gelber Binde am ersten Tergit an einer OchsenzungeDie überwinterten Weibchen fliegen von Mitte April bis Mitte Juni, junge Weibchen und Männchen von Mitte Juli bis Ende August. Es gibt eine Generation im Jahr. Die Keusche Kuckuckshummel besucht Blüten vieler Pflanzenfamilien, nach wildbienen.de vor allem Korbblütler. Auf den Fotos ist sie an Traubenhyazinthe, Wiesensalbei und Ochsenzunge zu sehen, auf wildbienen.de an Klette und Scheinalant.

Verbreitung und Bestand

Nach dem europäischen Hummelatlas reicht das Areal von Nordmarokko bis Südschweden und Lettland und von Irland und Portugal bis zum Ural. In Südschweden hat sie sich in jüngerer Zeit ausgebreitet. In Irland galt sie lange als verschollen: Nach dem letzten Nachweis 1926 bei Bagenalstown wurde sie erst 2014 in einem Dubliner Park wiedergefunden, entdeckt bei einer Beobachtung für das irische Hummelmonitoring. Als Kuckuckshummel ist sie viel seltener als ihre Wirtin, kann aber örtlich häufig sein.

In Deutschland gilt sie nach der Roten Liste von 2011 als ungefährdet, ihr Bestand als mäßig häufig und stabil, europaweit ebenfalls als ungefährdet. Der europäische Hummelatlas von Pierre Rasmont und Kollegen (2015) rechnet bis 2100 mit dem Verlust von 36 bis 84 Prozent des Gebiets mit passendem Klima, im stärksten Szenario im ganzen Tiefland südlich des 52. Breitengrads, dafür mit neuem Gebiet bis zum Polarkreis. Weil sie auf eine einzige Wirtsart spezialisiert ist, dürfte sie trotz ihrer Häufigkeit spürbar unter der Erwärmung leiden.

Quellen

  • Martin, H.-J. & Neumayer, J.: Kuckuckshummel-Arten, Bombus vestalis. wildbienen.de/b-vestal.htm
  • Šrámková, A. & Ayasse, M. (2009): Chemical ecology involved in invasion success of the cuckoo bumblebee Psithyrus vestalis and in survival of workers of its host Bombus terrestris. Chemoecology 19 (1), S. 55 bis 62. doi.org/10.1007/s00049-009-0009-7
  • Kreuter, K., Twele, R., Francke, W. & Ayasse, M. (2010): Specialist Bombus vestalis and generalist Bombus bohemicus use different odour cues to find their host Bombus terrestris. Animal Behaviour 80 (2), S. 297 bis 302. doi.org/10.1016/j.anbehav.2010.05.010
  • Erler, S. & Lattorff, H. M. G. (2010): The degree of parasitism of the bumblebee (Bombus terrestris) by cuckoo bumblebees (Bombus (Psithyrus) vestalis). Insectes Sociaux 57 (4), S. 371 bis 377. doi.org/10.1007/s00040-010-0093-2
  • Carvell, C., Rothery, P., Pywell, R. F. & Heard, M. S. (2008): Effects of resource availability and social parasite invasion on field colonies of Bombus terrestris. Ecological Entomology 33 (3), S. 321 bis 327. doi.org/10.1111/j.1365-2311.2007.00961.x
  • Lhomme, P., Ayasse, M., Valterová, I., Lecocq, T. & Rasmont, P. (2015): A scent shield to survive: identification of the repellent compounds secreted by the male offspring of the cuckoo bumblebee Bombus vestalis. Entomologia Experimentalis et Applicata 157 (3), S. 263 bis 270. doi.org/10.1111/eea.12366
  • Gögler, J., Stökl, J., Šrámková, A., Twele, R., Francke, W., Cozzolino, S., Cortis, P., Scrugli, A. & Ayasse, M. (2009): Ménage à trois, two endemic species of deceptive orchids and one pollinator species. Evolution 63 (9), S. 2222 bis 2234. doi.org/10.1111/j.1558-5646.2009.00712.x
  • Jones, C. (2014): Lost bumblebee rediscovered in Dublin after 88 years. Ireland’s Wildlife, 26. Juni 2014. irelandswildlife.com/?p=5169
  • Ogan, S., Grabener, S., Sommerlandt, F. & Dieker, P. (2023): Feld-Bestimmungshilfe für Hummeln in Deutschland, Version 2023.2. Thünen-Institut für Biodiversität. wildbienen.thuenen.de
  • Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 373 bis 416. PDF: wildbienen.info/downloads/rote_liste_bienen_fassung_5.pdf
  • Rasmont, P., Franzen, M., Lecocq, T., Harpke, A., Roberts, S., Biesmeijer, K., Castro, L., Cederberg, B., Dvorak, L., Fitzpatrick, U., Gonseth, Y., Haubruge, E., Mahe, G., Manino, A., Michez, D., Neumayer, J., Odegaard, F., Paukkunen, J., Pawlikowski, T., Potts, S., Reemer, M., Settele, J., Straka, J. & Schweiger, O. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, S. 1 bis 236, Bombus vestalis S. 136. doi.org/10.3897/biorisk.10.4749
  • Nieto, A., Roberts, S. P. M., Kemp, J., Rasmont, P., Kuhlmann, M., García Criado, M., Biesmeijer, J. C., Bogusch, P., Dathe, H. H., De la Rúa, P., De Meulemeester, T., Dehon, M., Dewulf, A., Ortiz-Sánchez, F. J., Lhomme, P., Pauly, A., Potts, S. G., Praz, C., Quaranta, M., Radchenko, V. G., Scheuchl, E., Smit, J., Straka, J., Terzo, M., Tomozii, B., Window, J. & Michez, D. (2014): European Red List of bees. Publication Office of the European Union, Luxemburg. doi.org/10.2779/51181
  • Fotos von hummelfoto.de: Martin (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-vestalis-an-salvia-pratensis.jpg, Weibchen an Wiesensalbei; www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-vestalis-drohn-helle-variante.jpg und www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-vestalis-drohn-helle-variante-bild-3.jpg, helle Männchen an Ochsenzunge)
  • Foto: Esmi69, Mitglied im Hummelforum auf pollenhoeschen.de, Thema “Welche Hummel ist denn das?” (20.04.2021), pollenhoeschen.de/Hummelforum/Thema/welche-hummel-ist-denn-das/. Das Bild zeigt: Weibchen der Keuschen Kuckuckshummel mit bräunlichgelbem Kragen und weißem Hinterleibsende an einer blauen Traubenhyazinthe

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  • #62050
    osmia
    Forenmitglied
      • 30539
      • 80m

      Sind das auf den Fotos Drohnen? Die haben so viel gelb.

       

      #62051
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller

        Gut auf gepasst! :ja:

        Klicke auf das jeweilige Bild, dann kommst Du zu den Originalen! Wenn jemand Bilder von Königinnen hat die ich verwenden darf tausche ich die Bilder aus bzw. ergänze.

        #62066
        Esmi69
        Forenmitglied

          @Stefan
          ich hatte mal ein Foto von einer Königin hoch geladen… Findest du das :doh: Falls das was taugt… Gerne

          #62070
          Stefan
          Admin
          Beitragsersteller

            Danke, gefunden und eingefügt! :blume:

            #62079
            osmia
            Forenmitglied
              • 30539
              • 80m

              Super, da bin ich ja beruhigt, das es Drohnen sind. Hatte ja letztes Jahr auch viel Besuch von den Königinnen und war von den Bilder etwas verwundert/verunsichert. Im Text steht ja auch das die hintere gelbe Querbinde fehlt (bei der Königin)

              #75025
              Iris

                Hallo seit drei Tagen sitzt eine Königin? Bei mir an der Kapuzinerkresse. Kann ich was für sie tun? Oder in Ruhe lassen? 8O

                #75028
                Christian
                Forenmitglied
                  • A-4800, 4851
                  • 420, 510 m

                  Hallo Iris, hast Du ein Foto? Würde uns interessieren.

                  #75032
                  janfo
                  Moderator
                    • DE 34233
                    • 246 m

                    @Iris

                    Ich persönlich würde sie in Ruhe lassen

                    #75125
                    Kathinka

                      Hallo! Ich glaube eine Königin von der Straße aufgelesen zu haben (gestern15.11.22) ichvgab sie gewärmt und mit Kastanienhonig gefüttert. Wie kann ich ihr jetzt helfen zu überwintern? Aktuell liegt sie auf einem kleinen Tellerchen mit Küchenrolle als antirutsch Unterlage. Nachdem sie heute wieder Honig bekam,habe ich sie locker mit einem Kaffeefilter abgedeckt und in eine abgedunkelte Ecke gestellt. Habe auch ein Foto von ihr. Wie könnt Ch es hochladen?

                      LG Kathinka

                       

                      #75126
                      osmia
                      Forenmitglied
                        • 30539
                        • 80m

                        Hi kathinka,

                        am besten legst du die Hummel morgen an eine sonnige Stelle.(Vielleicht auf eine Blüte) von der Sonne erwärmt sollte sie losfliegen und sich ein Winterquartier suchen.

                        Viel Erfolg

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