Keusche Kuckuckshummel (Bombus Psithyrus vestalis)
Bombus vestalis, im Deutschen als Keusche Kuckuckshummel oder Gefleckte Kuckuckshummel bekannt, wurde 1785 von Étienne Louis Geoffroy als Apis vestalis erstbeschrieben. Lange führte man die Art in einer eigenen Gattung Psithyrus, heute gilt diese als Untergattung von Bombus.
Königinnen erreichen eine Körperlänge von bis zu 21 Millimetern und eine Flügelspannweite von rund 37 Millimetern. Männchen bleiben mit etwa 16 Millimetern deutlich kleiner, tragen dafür aber längere Fühler. Der Körper ist überwiegend schwarz gefärbt, am ersten Segment des Rumpfabschnitts sitzt ein orangefarbener Kragen. Das dritte Tergit des Hinterleibs trägt seitlich gelbe Behaarung, das vierte und meist auch das fünfte Tergit sind größtenteils weiß.
Von der nah verwandten Böhmischen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus) lässt sich die Art anhand der Fühlerglieder unterscheiden: Bei B. vestalis ist das dritte Glied nur wenig länger als das fünfte, bei B. bohemicus deutlich länger. Zusätzlich fällt bei B. bohemicus das dritte Tergit seitlich heller bis weiß aus, und die gelbe Binde am Rumpfabschnitt wirkt blasser. Weibchen von Kuckuckshummeln fehlen die Pollenkörbchen an den Hinterbeinen, wodurch sie sich schon äußerlich von anderen Hummelarten unterscheiden lassen.
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet reicht von Südschweden im Norden bis Nordafrika im Süden und von Irland im Westen bis in den Nordiran im Osten. 2009 gelang der erste Nachweis in Schottland, in Irland blieb die Art über Jahrzehnte verschollen, bis 2014 eine Sichtung nach 88 Jahren folgte. In Deutschland kommt B. vestalis weit verbreitet und mäßig häufig vor. Die Schweiz und Belgien führen sie in ihren Roten Listen als gefährdet, Ungarn als potenziell gefährdet, im übrigen Verbreitungsgebiet gilt sie als ungefährdet.
Der Lebensraum folgt dem Vorkommen des Wirts: lichte Wälder, Wiesen, Ruderalflächen und landwirtschaftlich genutzte Flächen, überall dort, wo Bombus terrestris nistet. Als Nahrungspflanzen dienen unter anderem Klee, Vogel-Wicke, Flockenblumen, Taubnesseln, Weiden, Schlehdorn und Löwenzahn.
Wirtsfindung und Nestübernahme
Nahezu ausschließlich Bombus terrestris, die Dunkle Erdhummel, dient als Wirt. Überwinterte Weibchen von B. vestalis verlassen ihr Winterquartier erst im April, mehrere Wochen später als die Wirtskönigin. Bis dahin hat diese bereits die erste Generation von Arbeiterinnen aufgezogen. Gesucht werden bevorzugt früh gegründete, noch kleine Nester in der Nähe ergiebiger Trachtquellen.
Die Größe des Wirtsnestes entscheidet über Erfolg oder Scheitern der Übernahme. Sind erst fünf Arbeiterinnen geschlüpft, überlebt die eindringende Kuckuckshummel nahezu immer. Bei 20 Arbeiterinnen sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit auf etwa 30 Prozent, bei 50 Arbeiterinnen werden eindringende Weibchen praktisch ausnahmslos von den Wirtsarbeiterinnen getötet. Für B. vestalis bleibt damit nur ein kurzes Zeitfenster im Frühjahr, in dem eine Übernahme gelingen kann.
Gelingt der Einbruch, tötet die Kuckuckshummel meist die Wirtskönigin und übernimmt die Eiablage. Aus diesen Eiern schlüpfen ausschließlich neue Weibchen und Männchen von B. vestalis, eine eigene Arbeiterinnenkaste bildet die Art nicht. Bleibt die Wirtskönigin am Leben, beginnen mitunter ältere, unverpaarte Wirtsarbeiterinnen selbst mit der Eiablage. Da ihnen die Begattung fehlt, schlüpfen aus diesen Eiern nur Männchen der Wirtsart.
Chemische Strategien im Wirtsnest
Wirtsarbeiterinnen hinterlassen beim Verlassen des Nestes am Eingangsbereich Duftspuren, sogenannte Footprints. Spezialisierte Kuckuckshummeln wie B. vestalis nutzen zur Erkennung des Wirtsnestes das komplette artspezifische Duftbouquet dieser Footprints, während die generalistische B. bohemicus nur die Verbindungen erkennt, die bei mehreren Wirtsarten gemeinsam vorkommen.
Nach dem Eindringen tötet die Kuckuckshummel gezielt ältere Wirtsarbeiterinnen: Tiere, die älter als zwei Tage sind, werden zu über 50 Prozent getötet, frisch geschlüpfte dagegen nur zu etwa 30 Prozent. Arbeiterinnen, die erst nach der Übernahme schlüpfen, überleben durchweg. Erkannt werden ältere Arbeiterinnen an der Menge der Duftstoffe auf ihrer Kutikula, die mit dem Alter zunimmt, weil nur sie entwickelte Eierstöcke besitzen und damit als Konkurrenz infrage kommen.
Sobald das Weibchen mit der eigenen Eiablage beginnt, gleicht sich sein Duftbouquet dem der brutaktiven Wirtskönigin an, insbesondere bei bestimmten Wachsestern, die als Fertilitätssignal fungieren. Die Wirtsarbeiterinnen reagieren darauf mit einem Rückzugsverhalten, wie es sonst gegenüber der eigenen Königin gezeigt wird, und ziehen die fremde Brut wie ihre eigene auf. Die Eierstockentwicklung frisch geschlüpfter Arbeiterinnen lässt sich dabei nur unterdrücken, wenn direkter Körperkontakt zur Kuckuckshummel besteht, ein Hinweis auf eine direkte Übertragung chemischer Signale.
Männchen von B. vestalis produzieren eigene Abwehrstoffe auf ihrer Körperoberfläche, die sie vor Angriffen der Wirtsarbeiterinnen schützen.
Parasitierungsraten und Populationsstruktur
Eine genetische Untersuchung im Botanischen Garten der Universität Halle-Wittenberg bezifferte die Parasitierungsrate von B.-terrestris-Nestern durch B. vestalis auf etwa 42 Prozent, in einzelnen Teilpopulationen zwischen 33 und 50 Prozent. Freilanduntersuchungen in England kamen zu deutlich höheren Werten: Dort waren fast 79 Prozent der untersuchten Nester betroffen, bei oberirdisch angelegten Nestern in Rapsfeldern sogar rund 92 Prozent.
Dieselbe Untersuchung aus Halle zeigte, dass B. vestalis eine geringere effektive Populationsgröße als sein Wirt aufweist und entsprechend weniger genetische Vielfalt besitzt. Unter den nachgewiesenen Königinnen fanden sich mehr Vollschwestern als bei B. terrestris, was auf eine geringe Ausbreitung der Weibchen über weite Strecken hindeutet. Für die Art eröffnet dies die Möglichkeit einer lokalen Anpassung an bestimmte Wirtspopulationen.
Quellen
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osmia aktualisiert.
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