Bombus fervidus
Bombus fervidus, im Englischen golden northern bumble bee genannt, zählt zu den mittelgroßen bis großen Hummelarten Nordamerikas. Königinnen erreichen eine Länge von 18 bis 21 Millimetern, Arbeiterinnen bleiben mit 11 bis 17 Millimetern deutlich kleiner. Kopf und Scheitel tragen schwarze Behaarung. Der Brustabschnitt und die ersten vier Hinterleibssegmente sind durchgehend gelb gefärbt, zwischen den Flügelansätzen verläuft ein schmales schwarzes Band. Das fünfte Hinterleibssegment ist wieder schwarz, die Flügel wirken dunkel bis rauchgrau.
Diese Kombination aus vier gelben Hinterleibssegmenten, schwarzem Kopf und größtenteils gelben Seitenteilen des Brustabschnitts erlaubt im Osten Nordamerikas eine recht zuverlässige Bestimmung im Feld. Schwieriger wird es im Westen des Kontinents bei der Abgrenzung zu Bombus californicus. Beide Formen bilden einen taxonomisch ungeklärten Artenkomplex. In Gebieten, in denen ihre Vorkommen sich überlappen, zeigen einzelne Tiere jeweils das Farbmuster der anderen Art, sodass eine Bestimmung allein nach der Behaarung nicht zuverlässig möglich ist. Genetische Untersuchungen weisen zwei getrennte Linien nach, die sich nach heutigem Kenntnisstand vor weniger als einer Million Jahren auseinanderentwickelt haben, ohne dass bislang ein verlässliches äußeres Unterscheidungsmerkmal gefunden wurde. Auch mit Bombus pensylvanicus, deren Männchen ähnlich gefärbt sind, und mit Bombus auricomus kann es zu Verwechslungen kommen.
Nistplatz und Nestbau
Anders als die meisten anderen Hummelarten legt die Königin von Bombus fervidus ihr Nest bevorzugt oberflächlich an, seltener unterirdisch. Als Standort dienen offene, grasbewachsene Flächen wie Wiesen, Waldlichtungen oder Straßenränder. Das Baumaterial besteht aus einer lockeren Masse trockenen Grases, die mit Vogelkot vermischt ist. Beides scheinen die Tiere selbst zusammenzutragen und zu einem Polster anzuordnen. Innerhalb dieses Polsters legt die Königin die ersten Wachszellen an und errichtet einen Honigtopf, in dem sie bei kühlem Frühjahrswetter Nektarreserven speichert, bevor die ersten Arbeiterinnen schlüpfen.
Ein ausgewachsenes Volk kann 100 bis 200 Arbeiterinnen umfassen, eine für Hummeln vergleichsweise große Koloniegröße.
Verteidigungsverhalten
Störungen am Nest lösen bei Bombus fervidus eine ausgeprägte Reaktion aus. Eine frühe Studie zum Nistverhalten der Art beschreibt sie als äußerst angriffslustig bei der Nestverteidigung; Angreifer wurden dabei über mehrere hundert Meter verfolgt. Neben der Verfolgung nutzen die Arbeiterinnen das Übergießen mit Honig gegen eindringende Psithyrus-Weibchen, insbesondere gegen die auf Bombus fervidus spezialisierte Art Bombus insularis. In einer Untersuchung in Kanada wurden zudem zwei Psithyrus-Weibchen in Nestern von Bombus fervidus gefunden, ohne dass daraus Nachkommen hervorgingen; zwei Königinnen fielen dort stattdessen der parasitischen Fliege Physocephala texana zum Opfer.
Nahrungssuche
Bombus fervidus gehört zu den langrüsseligen Hummelarten und kann dadurch auch Blüten mit tiefen Kronröhren nutzen, die für kurzrüsselige Arten unzugänglich bleiben. Zu den regelmäßig besuchten Pflanzengattungen zählen Geißblatt (Lonicera), Kratzdisteln (Cirsium), Klee (Trifolium), Bartfaden (Penstemon), Blutweiderich (Lythrum) und Wicken (Vicia). Insgesamt wurden Besuche an mehr als 20 Pflanzengattungen dokumentiert, darunter auch Goldruten und Heidelbeeren. Damit übernimmt die Art eine Rolle als Bestäuberin sowohl in naturnahen Lebensräumen als auch in der Landwirtschaft, insbesondere bei Kulturen, die auf Vibrationsbestäubung angewiesen sind.
Bestandsentwicklung
Die Internationale Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) stuft Bombus fervidus als gefährdet (vulnerable) ein. In weiten Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebiets sind die Bestände zurückgegangen; als Hauptursache gilt der Verlust von Lebensraum durch die Intensivierung der Landwirtschaft. In Vermont etwa wird die Art inzwischen als selten eingestuft und möglicherweise weiter rückläufig, während sie in anderen Teilen des Nordostens der USA noch vergleichsweise häufig beobachtet wird. Programme wie der California Bumble Bee Atlas erfassen die Bestände mithilfe von Bürgerwissenschaft, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Montana Field Guide, Montana Natural Heritage Program: Golden Northern Bumble Bee — Bombus fervidus, https://fieldguide.mt.gov/speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24580 (unter anderem mit Bezug auf Koch et al. 2018, Phylogeny and population genetic analyses reveals cryptic speciation in the Bombus fervidus species complex, PLOS One 13(11): e0207080)
- BeeSpotter, University of Illinois: Bombus fervidus, https://beespotter.org/topics/bio/Bombus/fervidus/index.html (unter anderem mit Bezug auf Medler, J. T. & Carney, D. W., 1963)
- Animal Diversity Web, University of Michigan: Bombus fervidus, https://animaldiversity.org/accounts/Bombus_fervidus/
- bugswithmike.com: Bombus fervidus (golden northern bumble bee), https://bugswithmike.com/guide/arthropoda/hexapoda/insecta/hymenoptera/apidae/apinae/bombini/bombus/fervidus
- Discover Life: Bombus fervidus, https://www.discoverlife.org/20/q?search=Bombus+fervidus (unter anderem mit Bezug auf Hobbs, G. A., 1966a, und Laverty, T. M. & Harder, L. D., 1988, The Bumble Bees of Eastern Canada, Canadian Entomologist 120: 965-987)
- Vermont Atlas of Life, Vermont Center for Ecostudies: Bombus fervidus, https://val.vtecostudies.org/projects/bumble-bee-atlas/bombus-fervidus/
- Illinois Department of Natural Resources: golden northern bumble bee, https://dnr.illinois.gov/education/wildaboutpages/wildaboutinvertebrates/wildaboutnativebees/family-apidae/wabwgoldennorthernbumblebee.html
- Bild: discoverlife.org
- Bild: discoverlife.org
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Marylou aktualisiert.
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