Wiesenhummel
Die Wiesenhummel, Bombus pratorum (Linnaeus, 1761), gehört zu den ersten Hummelarten, die im Jahr aktiv werden. Schon Anfang März lassen sich überwinterte Jungköniginnen an den ersten blühenden Pflanzen beobachten, oft noch vor vielen anderen Hummelarten. In England trägt die Art wegen dieses frühen Erscheinens den Namen Early bumblebee. Weil sie so zeitig unterwegs ist, zählt die Wiesenhummel zu den wichtigen Bestäuberinnen früh blühender Obstbäume wie Pfirsich, Apfel und Birne.
Größe und Färbung
Mit höchstens 17 Millimeter Körperlänge bei den Königinnen und 14 beziehungsweise 13 Millimeter bei Arbeiterinnen und Männchen gehört die Wiesenhummel zu den kleinsten heimischen Hummelarten. Die Grundfarbe ist schwarz. Bei allen drei Kasten sind die Tergite 4 bis 6 des Hinterleibs orangerot gefärbt, ein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal. Königinnen und Männchen tragen außerdem zwei gelbe Querbinden: eine am Thorax direkt hinter dem Kopf und eine zweite auf dem zweiten Hinterleibsabschnitt. Bei Arbeiterinnen fällt diese zweite Binde meist schwach aus oder fehlt ganz, auch die orangerote Färbung am Hinterleibsende kann bei ihnen blasser sein. Männchen lassen sich zusätzlich am Gesicht erkennen: Ihre Behaarung dort ist leuchtend gelb, während Königinnen und Arbeiterinnen ein schwarzes Gesicht haben.
Königin
- Körperlänge: 15–17 mm
- Flügelspannweite: 28–32 mm
- Rüssellänge: 12–14 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 9–14 mm
- Flügelspannweite: 18–26 mm
- Rüssellänge: 8–12 mm
Männchen
- Körperlänge: 11–13 mm
- Flügelspannweite: 23–26 mm
- Rüssellänge: 8–10 mm
Nistweise und Lebensraum
Die Wiesenhummel bevorzugt oberirdische Neststandorte. Sie baut ihr Nest unter Reisig, Moos und Grasbüscheln, nutzt hohle Bäume, verlassene Vogel- und Eichhörnchennester sowie Vogelnistkästen und nimmt auch das Innere von Gebäuden an. Hummelnistkästen werden ebenfalls gerne bezogen. Nur selten legt sie ihr Nest unterirdisch an, etwa in verlassenen Mäusebauten. Als Lebensraum dienen ihr Wiesen, Viehweiden, Böschungen, Gärten und Parks genauso wie Gebüsch, Heckenzonen, Waldränder und lichte Wälder. Diese Anpassungsfähigkeit macht sie zu einem Kulturfolger, der praktisch überall zurechtkommt, wo Nistplatz und Nahrung zusammenkommen.
Ein Hummelvolk mit kurzer Lebensdauer
Ein Volk der Wiesenhummel bleibt klein und besteht aus 50 bis 120 Tieren. Die Königin gründet ihr Nest je nach Witterung ab Mitte März, die ersten Arbeiterinnen erscheinen etwa drei Wochen später. Jungköniginnen und Drohnen fliegen ab Juni. Bereits gegen Ende Juli stirbt das Volk, deutlich früher als bei vielen anderen Hummelarten, deren Nester bis in den Herbst bestehen. Die Wiesenhummel bildet damit nur eine Generation pro Jahr. Die Drohnen sterben nach der Paarung, die begatteten Jungköniginnen ziehen sich spätestens im August in ihr Winterquartier zurück. Königinnen und Arbeiterinnen fliegen auch bei sehr niedrigen Temperaturen: Königinnen wagen sich selbst bei Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt aus dem Nest, Arbeiterinnen sammeln bereits ab 5 Grad. Ihre Sammelflüge beginnen vor Sonnenaufgang und enden erst in der Abenddämmerung, wobei sie meist nur 50 bis 100 Meter um den Neststandort herum unterwegs sind.
Kurzrüsselige Nahrungssuche und Nektarraub
Mit einem Rüssel von 8 bis 14 Millimetern zählt die Wiesenhummel zu den kurzrüsseligen Hummelarten. Sie besucht deshalb vor allem Blüten mit leicht zugänglichem Nektar. Insgesamt wurden Besuche an mehr als 130 Pflanzenarten nachgewiesen, darunter über 20 Kulturpflanzen. Rosengewächse spielen eine besondere Rolle: Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Himbeeren und Brombeeren gehören zu den bevorzugten Trachtpflanzen, was die Wiesenhummel zu einer wichtigen Bestäuberin des Obstbaus macht. Ist die Kronröhre einer Blüte zu lang für ihren Rüssel, weicht sie auf Nektarraub aus: Sie beißt seitlich ein Loch in Blütenkrone oder Nektarblatt, etwa beim Beinwell oder bei der Akelei, und gelangt so von außen an den Nektar. Solche Löcher werden anschließend häufig auch von anderen kurzrüsseligen Arten genutzt.
Kuckuckshummeln als Nestparasiten
Die Wiesenhummel wird vor allem von der Wald-Kuckuckshummel (Bombus sylvestris) parasitiert. Gelegentlich befällt auch die Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris) ihre Völker, obwohl deren Hauptwirt die Ackerhummel ist. Die Kuckuckshummel besitzt keine eigene Arbeiterinnenkaste, sondern dringt in ein bestehendes Nest ein, verdrängt oder tötet die Wirtskönigin und lässt die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes ihre eigene Brut aufziehen.
Verbreitung und Schutzstatus
Die Wiesenhummel kommt in fast ganz Europa vor, mit Ausnahme des südlichen Teils der Iberischen Halbinsel. In Deutschland gehört sie zu den häufigen Hummelarten und gilt aktuell als nicht gefährdet. Wie alle heimischen Wildbienenarten steht sie nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz: Es ist verboten, ihre Nester zu beschädigen oder zu zerstören sowie einzelne Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Gefährdet wird sie vor allem durch den Verlust geeigneter Nistplätze in Siedlungsbereichen, durch unsachgemäßen Einsatz von Insektiziden in der Nähe blühender Pflanzen und durch den Rückgang blütenreicher Wiesen und Streuobstbestände in der Kulturlandschaft.
Zur Herkunft des deutschen Namens
Der Name Wiesenhummel geht auf den lateinischen Artnamen pratum für Wiese zurück, den Linné bei der Erstbeschreibung wählte. Der Bienenkundler Paul Westrich hält diesen Namen für irreführend, da der Hauptlebensraum der Art eher gehölzreiche Landschaften sind als offene Wiesen. Er schlägt stattdessen die Bezeichnung Kleine Waldhummel vor und reserviert den Namen Wiesenhummel für Bombus sylvarum, eine Art, die tatsächlich eine typische Offenlandbewohnerin ist. Verbindlich bleibt in jedem Fall der wissenschaftliche Name Bombus pratorum, während sich die deutschen Bezeichnungen je nach Quelle unterscheiden können.
Quellen
- Westrich, P. (2018): Die Wildbienen Deutschlands. Ulmer, Stuttgart.
- Martin, H.-J. & Neumayer, J.: Hummel-Arten, Bombus pratorum. wildbienen.de/b-prator.htm
- Biodiversität und Schönheit: Wiesenhummel (Bombus pratorum), Die Frühe Honigbiene. biodiversität-und-schönheit.de, Rubrik Tiervielfalt
- NABU Berlin: Artenporträt Wiesenhummel. berlin.nabu.de, Rubrik Insekten/Hautflügler/Hummeln
- Imkerverein Dresden e.V.: Die Wiesenhummel (Bombus pratorum) – Das Frühchen. imkerverein-dresden.de
- Westrich, P.: Anmerkung zur Verwendung deutscher Hummelnamen. paul-westrich.de/forschung/beobachtung20070310.php
- Hagen, E. von & Aichhorn, A.: Hummeln, bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Fauna Verlag, ISBN 3-935980-28-0
- Hintermeier, H. & Hintermeier, M.: Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. Obst- und Gartenbauverlag, München, ISBN 3-87596-098-X
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Stefan aktualisiert.
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