Erdhummel (Bombus terrestris)

Bombus terrestris gehört zu einer Gruppe von vier eng verwandten Arten, die als terrestris-lucorum-Komplex bezeichnet wird. Neben der Dunklen Erdhummel zählen dazu die Helle Erdhummel (Bombus lucorum), die Große Erdhummel (Bombus magnus) und die Kryptarum-Erdhummel (Bombus cryptarum). Die vier Arten ähneln sich in der Grundzeichnung so stark, dass eine Bestimmung im Feld oft nur als Gruppe möglich ist.

Ein brauchbares Unterscheidungsmerkmal liegt am Thorax: Die dunkelgelbe Querbinde endet bei Bombus terrestris bereits am Flügelansatz. Bei der Kryptarum-Erdhummel und der Großen Erdhummel reicht die Binde deutlich weiter nach unten. Sicherer lässt sich Bombus terrestris von der Hellen Erdhummel über den Abstand der drei Punktaugen auf dem Kopf abgrenzen, ein Merkmal, das sich nur mit Lupe oder Fotoaufnahme zuverlässig prüfen lässt.

Innerhalb der Art werden neun Unterarten beschrieben: Bombus terrestris africanus, audax, calabricus, canariensis, dalmatinus, lusitanicus, sassaricus, terrestris und xanthopus. Die Unterart xanthopus kommt nur auf Korsika vor und fällt durch eine deutlich hellere, fast orange Behaarung auf.

Entwicklung im Volk

Der Zoologe Peter Frank Rösler hat 1967 die Entwicklungsdauer der drei Kasten unter Laborbedingungen bei 30 Grad Celsius gemessen. Die Werte zeigen, warum Arbeiterinnen im Volk immer zuerst erscheinen: Ihre Entwicklung vom Ei bis zum Schlupf dauert im Schnitt gut eine Woche kürzer als die einer Königin.

Arbeiterin

  • Ei: 3,5 Tage
  • Larve: 7,3 Tage
  • Puppe: 9,4 Tage
  • Gesamtdauer: 20,2 Tage

Königin

  • Ei: 3,5 Tage
  • Larve: 10,5 Tage
  • Puppe: 13,2 Tage
  • Gesamtdauer: 27,2 Tage

Drohn

  • Ei: 3,5 Tage
  • Larve: 10,0 Tage
  • Puppe: 11,0 Tage
  • Gesamtdauer: 24,5 Tage
info hummelDie begatteten Jungköniginnen der Dunklen Erdhummel zählen zu den frühesten Hummeln, die in einem Jahr überhaupt zu beobachten sind. Bei milder Witterung sind sie bereits im Februar auf Nistplatzsuche, lange bevor die meisten anderen Hummelarten aus der Winterruhe erscheinen.

Nistplatz und Neststandort

Erdhummel KöniginDie Nester liegen überwiegend unterirdisch in verlassenen Mäuse- oder Maulwurfbauten, gelegentlich bis zu 1,5 Meter tief. Seltener bezieht die Art Hohlräume nahe der Erdoberfläche, etwa in Mauerlöchern oder unter Dielen. Im unmittelbaren Nestbereich reagiert Bombus terrestris deutlich reizbarer als andere Erdhummelarten und verteidigt den Eingang entsprechend energisch.

Die Keusche Kuckuckshummel, Psithyrus vestalis, dringt regelmäßig in bestehende Nester ein und gibt sich dort als Königin aus. Die Arbeiterinnen der Dunklen Erdhummel ziehen die fremde Brut anschließend wie ihre eigene auf. Nester können außerdem stark von Wachsmottenraupen befallen werden, die im Wabenbau der Kolonie erhebliche Schäden anrichten.

Nahrungssuche und Nektarraub

Mit einem Saugrüssel von nur 8 bis 10 Millimetern zählt die Dunkle Erdhummel zu den kurzrüsseligen Arten. Blüten mit tiefliegendem Nektar sind für sie mit dem Rüssel allein kaum zu erreichen. Bei Pflanzen wie der Gefleckten Taubnessel beißt die Königin deshalb die Kronröhre unterhalb der Lippe an und gelangt so von außen an den Nektar. Dieses Verhalten wird als Nektarraub bezeichnet und lässt sich im Frühjahr gut beobachten. Bei der Nahrungssuche selbst ist die Art wenig wählerisch und besucht Blüten aus vielen verschiedenen Pflanzenfamilien.

   Erdhummel Königin im Frühjahr auf einer Krokusblüte  

Verbreitung und weltweite Zucht

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst ganz Europa sowie Teile Nordafrikas und Kleinasiens. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit und ihrer Effizienz als Bestäuberin wird Bombus terrestris heute in eigenen Zuchtbetrieben vermehrt und von Island bis Neuseeland an landwirtschaftliche Betriebe verschickt, vor allem zur Bestäubung von Tomaten in Gewächshäusern.

Aus solchen Zuchten entwichene Tiere haben inzwischen eigenständige Populationen in Japan und Südamerika begründet, die sich teils deutlich negativ auf die einheimische Wildbienenfauna auswirken. Auch aus Tasmanien liegen Berichte über etablierte Populationen vor, wenngleich diese Angabe bislang schwächer belegt ist als die Funde in Japan und Südamerika.

Quellen

  • Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten: Bombus terrestris, wildbienen.de, https://www.wildbienen.de/b-terres.htm (enthält u. a. die Entwicklungsdaten nach Peter Frank Rösler, 1967)
  • FONA: Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), https://www.fona.de/de/wildbienen/arten/dunkle-erdhummel-bombus-terrestris.php
  • Familiengarten-Tipps: Dunkle Erdhummel, Lebensraum und Vermehrung, https://www.familiengarten-tipps.de/wildtiere/bienen-hummeln/hummeln/hummelarten/dunkle-erdhummel/
  • Wildenatur: Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), https://www.wildenatur.com/de/insekten/dunkle-erdhummel-bombus-terrestris
  • Helmut und Margrit Hintermeier: Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft
  • Eberhard von Hagen – Ambros Aichhorn: Hummeln, bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen
  • Günter R. Witte & Juliane Seger: Hummeln brauchen blühendes Land
    Peter-Frank Röseler: Der Hummelgarten, Lebensraum und Biologie der Hummeln

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