Veränderliche Hummel

veränderliche hummelDie Veränderliche Hummel besiedelt vor allem offene Landschaften außerhalb geschlossener Siedlungen. Im Flachland und im Mittelgebirge kommt sie bis etwa 1200 Meter Höhe vor. Zu ihren Lebensräumen zählen offenes Gelände, Waldränder, Streuobstwiesen, Böschungen und Wegränder, seltener auch Gärten und Parkanlagen. Heute findet man sie vor allem an ungemähten Wegböschungen und an ungestörten Säumen verwilderter Gehölze oder Ruderalflächen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand besonders in Nord- und Westdeutschland stark zurückgegangen, in Norddeutschland gilt die Art inzwischen fast als verschwunden. Stabilere Vorkommen bleiben vor allem in wenig industrialisierten Gebieten Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz erhalten. Insgesamt ist Bombus humilis in Mitteleuropa, aber auch in weiten Teilen Asiens verbreitet, ohne dabei häufig zu sein.

Nistweise

Bombus humilis nistet oberirdisch, meist unter Grasbüscheln, in einer dicht verfilzten Krautschicht oder unter Moospolstern. Sie baut ihre Nester überwiegend selbst aus Gras, Moos und dürrem Laub und tritt damit als Nestbauerin auf. Nur selten bezieht sie vorhandene Hohlräume wie Baumhöhlen oder verlassene Mäusenester.

Diese Nistweise macht die Art besonders anfällig für Pflegemaßnahmen in der Landschaft: Frühes Mähen oder Mulchen von Böschungen und Säumen zerstört die oberirdisch angelegten Nester häufig vollständig. Eine aufgeräumte Landschaft ohne Altgrasbestände oder Gestrüpp bietet der Veränderlichen Hummel kaum noch Nistmöglichkeiten.

Aussehen und Bestimmung

Der deutsche Name verweist auf die außergewöhnlich große Farbvielfalt dieser Art. Thorax und Abdomen können bei verschiedenen Individuen schwarz, dunkel- oder hellbraun sowie weißlich gefärbt sein, oft auch in unterschiedlichen Kombinationen. Sogar innerhalb eines einzigen Nestes treten Tiere mit deutlich abweichender Färbung nebeneinander auf. Die Körbchenhaare an den Hinterbeinen sind schmutziggelb gefärbt. Bei den Drohnen findet sich häufig ein auffallender gelber Haarbüschel im Clypeus, dazu kann bei ihnen ein Gemisch aus allen genannten Farbvarianten auftreten.

Diese Variabilität erschwert die Bestimmung im Feld erheblich. Bräunlich gefärbte Exemplare lassen sich leicht mit der Ackerhummel (Bombus pascuorum) oder der Mooshummel (Bombus muscorum) verwechseln. Eine sichere Artbestimmung gelingt daher meist nur durch die mikroskopische Untersuchung präparierter Tiere.

Körpermaße in mm Königin Arbeiterin Drohn
Körperlänge 16 bis 18 9 bis 15 12 bis 14
Flügelspannweite 30 bis 32 20 bis 28 23 bis 27
Kopf und Rüssel lang lang lang

Bombus humilis ist ein Pocketmaker: Zwischen den Brutzellen legt die Kolonie eigene Pollentaschen an, die ausschließlich der Vorratshaltung dienen. Ein Volk umfasst in der Regel zwischen 50 und 120 Tiere. Die überwinterten Königinnen erscheinen ab April und suchen bis in den Juni hinein nach Nistplätzen, Arbeiterinnen sind von Mitte Mai bis Mitte Oktober unterwegs. Jungköniginnen und Drohnen schlüpfen ab Anfang Juli bis in den August.

info hummelDie Gefährdung der Veränderlichen Hummel fällt regional sehr unterschiedlich aus. Bundesweit führt sie das Rote-Liste-Zentrum in der Kategorie „Gefährdet”, in Nordrhein-Westfalen dagegen gilt sie bereits als vom Aussterben bedroht, der höchsten Gefährdungsstufe überhaupt.

Gefährdung

Veränderliche HummelBundesweit wird Bombus humilis in der Roten Liste der Bienen Deutschlands als gefährdet eingestuft, nachdem sie zuvor auf der Vorwarnliste stand. Der langfristige Bestandstrend gilt als starker Rückgang. Regional fällt die Situation deutlich schlechter aus als der bundesweite Status vermuten lässt: In stark landwirtschaftlich geprägten und dicht besiedelten Regionen wie Nordrhein-Westfalen zählt die Art bereits zu den vom Aussterben bedrohten Arten, während sich in wärmebegünstigten und wenig industrialisierten Gebieten noch stabilere Populationen halten.

Ursache für den Rückgang sind vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft, großflächige Monokulturen, ein reduzierter Fruchtwechsel sowie Flurbereinigungen, die auf möglichst große Schläge zielen. Hinzu kommt die Rodung von Hecken und Gehölzstreifen. In der Summe hat das zu einer stark ausgeräumten Landschaft geführt, in der Wildbienen kaum noch Rückzugsräume finden. Auch das regelmäßige Kurzhalten von Böschungen und Wegrändern zerstört die oberirdisch angelegten Nester der Art.

Trachtpflanzen

Die Veränderliche Hummel sammelt an vielen verschiedenen Pflanzenfamilien und gilt damit als polylektisch, mit einer leichten Präferenz für Lippenblütler (Lamiaceae), Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und Rachenblütler (Scrophulariaceae). Beobachtet wurde sie unter anderem an Günsel, Taubnesseln, Flockenblume, Rot- und Weißklee, Hornklee, Wicken, Disteln, Wildrosen, Obstbäumen, Luzerne, Wiesensalbei, Wiesen-Knautie und Wegwarte. Beim Blütenbesuch duldet sie andere Hummelarten an ihrer gewählten Trachtquelle nur ungern in unmittelbarer Nähe.

Die Feld-Kuckuckshummel als Brutparasit

veränderlicheBombus humilis wird von der Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris) parasitiert. Deren Weibchen sind ab Mai oder Juni auf Blüten zu beobachten. Nach dem Verlassen des Winterquartiers nehmen sie zunächst Nektar und Pollen auf, bevor sie mit der Suche nach einem geeigneten Wirtsnest beginnen. Neben der Veränderlichen Hummel befallen sie auch Nester der Ackerhummel, der Obsthummel, der Wiesenhummel und der Grashummel.

Dringt eine Feld-Kuckuckshummel in ein Nest ein, wird sie von den Nestbesitzern meist toleriert. Sie legt ihre Eier in bereits vorhandene Zellen, die Larven werden anschließend von den Arbeiterinnen der Wirtshummel mit aufgezogen. Ab Juli oder August schlüpfen die Drohnen und Jungköniginnen der Kuckuckshummel. Nach der Paarung sterben die Drohnen, während sich die Jungköniginnen im Boden eingraben und dort überwintern.

Quellen

  • Eberhard von Hagen, Ambros Aichhorn: Hummeln bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Fauna Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-28-0
  • Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas. Kosmos Naturführer, ISBN 3-440-06932-X
  • Andreas Müller, Albert Krebs, Felix Amiet: Bienen. Mitteleuropäische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Naturbuch-Verlag, Augsburg 1997, ISBN 3-89440-241-5
  • Rote-Liste-Zentrum, Detailseite Bombus humilis: www.rote-liste-zentrum.de
  • Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands
  • Deutsche Wildtier Stiftung, Artenportrait Veränderliche Hummel: www.wildbiene.org
  • Wikipedia, Artikel Veränderliche Hummel: de.wikipedia.org

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  • Autor
    Beiträge
  • #80035
    Christian
    Forenmitglied
      • A-4800, 4851
      • 420, 510 m

      Heute hat mich eine Hummelfreundin angerufen, es sei eine Wiese gemäht und ein Hummelnest unter dem Heu vom Vorjahr gefunden worden. Sie fuhr hin und übermittelte mir die Fotos vom Nest, das nicht beschädigt ist. Wir freuten uns über die Veränderlichen, das Volk bleibt am Fundort, wird aber speziell abgesichert. Dort am Wallersee (Salzburger Flachgau) ist übrigens ein Hotspot für seltene Hummelarten, vor Jahren wurde dort eine Deichhummel entdeckt!

      Foto/Video:
      #80041
      Dr. Bumblebee
      Forenmitglied
        • 440 m

        Lieber Christian,

        wie cool sind die denn? Ich freue mich, dass die abgesichert werden konnten.

        Tolle Bilder.

        Mfg,

        Dr. Bumblebee :)

        #80042
        janfo
        Moderator
          • DE 34233
          • 246 m

          Toll, dass es Menschen gibt die extra hinfahren und schauen dass es den Hummeln gut geht!
          Was mich immer besonders interessiert ist, wo die Hummeln natürlicherweise Nisten.

          Die Veränderliche -und sicher auch andere Arten- nutzen also auch alte Heuhaufen.
          Zeigt wieder einmal wie wichtig es ist nicht alles “klinisch rein” zu halten.

          Danke fürs teilen @Christian

          #80606
          Katrin
          Forenmitglied
            • DE 18311
            • 13 m

            @Christian, eine tolle Geschichte mit super “Erste-Hilfe-Einsatz” :bravo: Ich entdeckte bisher nur sehr selten mal ein Erdhummelnest. Die Hummelnester sind sehr versteckt und das ist auch gut so!

            Liebe Grüße, Katrin

            #80647
            Ina F.
            Forenmitglied
              • DE 09427
              • 527

              Ich habe auch noch alte Heuhaufen auf meiner Wiese, teils unter Bäumen liegen, Heu, wo es mal reingeregnet hatte und nicht mehr zu gebrauchen war. Da werde ich diese Häufen jetzt auch mindestens bis Ende Herbst liegen lassen und dann mal vorsichtig umpacken, wer weiß, was jetzt alles drin nistet. Leider ist meine Wiese jetzt komplett bis auf kleinste Ecken gemäht worden, aber ich muss froh sein, Helfer zu haben, die mir Gras bzw. Heu abnehmen, ich würde es nicht bewältigen können.

              Gestern habe ich die Hummeln aus dem geretteten Nest wieder beobachtet, interessant ist, dass sie oft gleich sehr hoch aufsteigen und weiter weg fliegen, soweit ich sie noch sehen konnte. Mein Garten liegt gleich neben der Wiese und bietet vielen Insekten, insbesondere auch vielen Hummeln Nahrung. Möglicherweise holen die Hummeln ja auch Nahrung aus Bäumen, obwohl die Lindenblüte fast vorbei ist.

              #80648
              Christian
              Forenmitglied
                • A-4800, 4851
                • 420, 510 m

                @ Ina F. – verdanke ich also Dir diese positive Geschichte mit den Veränderlichen Hummeln? Vorbildhafte Einstellung zu Natur und Hummeln! :bravo: Die Veränderliche sammelt gerne an Klee oder Flockenblumen, habe eine vor Jahren fotografiert. Ist schon faszinierend, wie viele Varianten es gibt. Lb.Gr.! Christian

                Foto/Video:
                #80650
                Katrin
                Forenmitglied
                  • DE 18311
                  • 13 m

                  @Christian, jetzt bin ich mal „neidisch“. Eine super schicke Hummel hast du da abgelichtet :bravo: Veränderliche Hummeln sind bei uns eine Seltenheit. Na ja, wir können ja auch nicht „alles“ haben :roll:

                  Liebe Grüße, Katrin

                  #80653
                  Ina F.
                  Forenmitglied
                    • DE 09427
                    • 527

                    @Christian,  ich bezog mich auf das Erdhummelnest auf meiner Wiese,  bei dem bei  Mäharbeiten der Eingang verschüttet wurde und ich einen neuen Eingang herstellen konnte. Dadurch kamen nach einem dreiviertel Tag die rastlos suchenden Hummeln endlich wieder in ihr Nest.

                    Mein Garten ist recht naturnah angelegt,  die Insekten und andere Tiere freut es.

                    Liebe Grüße

                    Ina

                    #80689
                    Christian
                    Forenmitglied
                      • A-4800, 4851
                      • 420, 510 m

                      @ Ina F. – hätte mich eh sehr gewundert, wenn Du das gerettete Nest der “Veränderlichen” meintest, weil Deine PLZ mit dem Fundort in Salzburg gar nicht zusammenpasst. Dass auch das Erdhummelnest in Deiner Nachbarschaft sicher ist, freut mich natürlich auch sehr! :D Liebe Grüße aus Oö.! Christian

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