Die Feld-Kuckuckshummel (Bombus Psithyrus campestris)

Die Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris) baut kein eigenes Nest und zieht keine eigenen Arbeiterinnen groß. Sie gehört zur Untergattung der Kuckuckshummeln (Psithyrus) innerhalb der Gattung Bombus und lebt als Sozialparasit in den Nestern anderer Hummelarten. Ein Weibchen sucht ein bereits bestehendes Nest auf, dringt dort ein und übernimmt dessen Fortpflanzung, während die fremden Arbeiterinnen die Brut großziehen.

Bestimmungsmerkmale und Farbvarianten

Bombus campestrisDie Färbung von Bombus campestris ist ungewöhnlich variabel. Bei der hellen Form trägt der Thorax zwei gelblich weiße Querbinden, eine kopfnah, eine am Übergang zum Hinterleib; die Tergite eins bis drei sind schwarz, die Tergite vier bis sechs weißlich gelb. Bei der dunklen Form fehlen die Thoraxbinden fast vollständig, hier bleiben nur die hellen Querbinden am Hinterleibsende sichtbar. Die dunkle Form ist weit verbreitet, tritt aber seltener auf als die helle. Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 17 bis 18,5 Millimetern, Männchen sind mit rund 15 bis 16 Millimetern etwas kleiner.

Wie alle Kuckuckshummeln besitzt Bombus campestris kein Pollenkörbchen (Corbicula) an den Hinterbeinen, da sie keinen eigenen Pollenvorrat anlegt. Ein zuverlässiges Merkmal gegenüber ihrem Hauptwirt, der Ackerhummel (Bombus pascuorum), liefert der Kopf: Die Feld-Kuckuckshummel trägt immer einen dunklen Kopf, während die Ackerhummel gelblich bis bräunlich behaart ist.

Wirtsarten und Verbreitung

Hauptwirt ist die Ackerhummel (Bombus pascuorum). Daneben wird die Feld-Kuckuckshummel bei der Veränderlichen Hummel (Bombus humilis), der Obsthummel (Bombus pomorum), der Wiesenhummel (Bombus pratorum) und der Grashummel (Bombus ruderarius) nachgewiesen. Die Art gilt in weiten Teilen Europas als verbreitet und kommt gemeinsam mit ihren Wirtsarten in ganz unterschiedlichen Lebensräumen vor, ohne dabei irgendwo besonders häufig zu sein. Bevorzugt fliegt sie an offenen Standorten wie Waldsäumen, Hecken, extensiv genutztem Grünland, Gärten und Parkanlagen.

Als Nektarquellen nutzen die überwinterten Weibchen im Frühjahr vor allem den Gewöhnlichen Löwenzahn. Männchen lassen sich im Sommer besonders an Kratzdisteln, Ringdisteln, Eselsdisteln, Flockenblumen und Skabiosen beobachten.

info hummelDer Zeitpunkt des Eindringens entscheidet über Erfolg oder Misserfolg: Trifft eine Feld-Kuckuckshummel auf ein Wirtsnest, in dem erst wenige Arbeiterinnen geschlüpft sind, gelingt die Übernahme meist. Sind bereits viele Arbeiterinnen vorhanden, wird das eindringende Weibchen häufig von der Übermacht getötet.

Nestübernahme und Fortpflanzung

Überwinterte Weibchen erscheinen erst spät im Frühjahr, deutlich nach den nestgründenden Königinnen ihrer Wirtsarten. Das hat einen Grund: Ein Wirtsnest muss zum Zeitpunkt des Eindringens bereits über Arbeiterinnen verfügen, die die spätere Brut versorgen können. Die Kuckuckshummel hält sich zunächst in der Nähe eines möglichen Wirtsnests auf, bevor sie eindringt. Vermutet wird, dass sie dabei den charakteristischen Nestgeruch der Wirtsart aufnimmt, der unter anderem von deren Dufour-Drüsensekret stammt.

Im Nest angekommen, setzt sich das Weibchen gegen die Wirtskönigin durch und unterdrückt oder tötet sie. Anschließend legt sie eigene Eier in die vorhandenen Brutzellen. Die Arbeiterinnen der Wirtsart erkennen die fremde Brut nicht als solche und ziehen sie wie ihre eigene auf. Kuckuckshummeln setzen dabei allgemein auf eine chemische Anpassung ihrer Cuticula-Kohlenwasserstoffe an das Geruchsprofil des Wirtsvolkes, wodurch die Angriffsbereitschaft der Arbeiterinnen sinkt.

Flugzeit und Bestand

Die überwinterten Weibchen fliegen von Ende April bis Ende August. Jungköniginnen der neuen Generation erscheinen ab Mitte Juli, Männchen bereits ab Anfang bis Mitte Juli, beide bis in den September hinein.

In Deutschland gilt Bombus campestris als ungefährdet, der Bestand wird als häufig eingestuft, der langfristige wie der kurzfristige Bestandstrend als gleichbleibend. Diese vergleichsweise stabile Lage hängt damit zusammen, dass die Art auf mehrere Wirtsarten ausweichen kann. Einer ihrer wichtigsten Wirte, die Veränderliche Hummel, ist in Deutschland dagegen als gefährdet eingestuft und in Norddeutschland bereits weitgehend verschwunden. In Großbritannien wurde für die Feld-Kuckuckshummel selbst seit 1990 ein deutlicher Rückgang dokumentiert, was zeigt, dass ein insgesamt stabiler Gesamtbestand regionale Bestandseinbußen nicht ausschließt.

Quellen

  • Offene Naturführer: Feld-Kuckuckshummel – Bombus campestris (Panzer 1801), offene-naturfuehrer.de/web/Feld-Kuckuckshummel_%E2%80%93_Bombus_campestris_(Panzer_1801)
  • NaturaDB: Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris), naturadb.de/tiere/bombus-campestris/
  • Naturportal Südwest: Bombus campestris (Panzer, 1801), naturportal-suedwest.de/de/insekten-spinnen/systematik/art/hautfluegler-hymenoptera/echte-bienen-apidae-1/bombus/campestris/
  • Smagy – Pflanzen, Insekten & Heilkraft: Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris), smagy.de/index.php?func=insect&task=showInsect&taskID=feldkuckuckshummel
  • Wildbienenwelt.de: Bombus campestris, wildbienenwelt.de/wildbienen-bestimmen/wildbienen-finder/article-6516067-190818/bombus-campestris-.html
  • Rote-Liste-Zentrum: Detailseite Bombus campestris (Panzer, 1801), Quelle: Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands, rote-liste-zentrum.de/de/Detailseite.html?species_uuid=8475ea49-3e2d-4926-a43e-ff831e5de64e
  • Wildbiene.org: Veränderliche Hummel, wildbiene.org/wildbienenarten/veraenderliche-hummel
  • Darwin Tree of Life / PMC: The genome sequence of the Field Cuckoo-bee, Bombus campestris (Panzer, 1801), mit Verweis auf Antonovics & Edwards (2011) zum Bestandsrückgang in Großbritannien seit 1990, pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10646345/
  • Buzz About Bees: The Cuckoo Bumble Bee (Psithyrus) Images, Behaviours And Hosts, mit Verweis auf Zimma et al. (2003) und Dronnet et al. (2005) zum Nestgeruch, buzzaboutbees.net/bumblebee-cuckoo.html
  • HoneyBee & Co.: Field Cuckoo Bee (Bombus Campestris): Britain’s Most Variable Cuckoo Bumblebee, honeybeeandco.uk/field-cuckoo-bee/
  • Journal of Chemical Ecology: Host Specific Social Parasites (Psithyrus) Indicate Chemical Recognition System in Bumblebees, link.springer.com/article/10.1007/s10886-010-9805-3

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