Hummelköniginnen Rückkehrerinnen

Als Rückkehrerinnen bezeichnen Hummelhalter Jungköniginnen, die im Folgejahr in unmittelbarer Nähe des Nestes ihren eigenen Staat gründen, in dem sie selbst aufgewachsen sind. Das Phänomen fällt vor allem an Hummelhäusern und Nistkästen auf, die im Vorjahr erfolgreich von einem Volk bewohnt waren und sich im nächsten Frühjahr scheinbar von selbst wieder füllen. Besonders häufig wird es bei der Steinhummel und der Erdhummel beobachtet.

Das kleine Nestchen der Erdhummel. Auf den Brutwaben ist die neue Königin zu sehen.Ob es sich bei diesen Königinnen tatsächlich um Töchter des Vorjahresvolkes handelt, lässt sich ohne genetische Untersuchung kaum nachweisen. Ebenso plausibel ist, dass der charakteristische Geruch, der aus einem bewohnten oder erst kürzlich verlassenen Nest strömt, Königinnen derselben Art anlockt, unabhängig von deren Verwandtschaft zur ursprünglichen Königin.

Orientierung an der Umgebung statt am einzelnen Nest

Genetische Untersuchungen an wildlebenden Hummeln liefern ein differenzierteres Bild. Eine Studie von Dreier und Kollegen an britischen Agrarlandschaften ermittelte, dass neue Nester im Mittel drei bis fünf Kilometer vom Geburtsnest der jeweiligen Königin entfernt gegründet werden. Das lässt sich nicht mit einer punktgenauen Rückkehr zum alten Nest vereinbaren, eher mit einer Orientierung an einem größeren, vertrauten Landschaftsausschnitt.

Diese Einschätzung deckt sich mit einer Radartrackingstudie an der Erdhummel. Die Forscher stellten mit einem harmonischen Radar fest, dass frisch überwinterte Königinnen sich nach dem Verlassen ihres Winterquartiers in kurzen Flügen ohne erkennbares Ziel ausbreiten und lange Ruhephasen am Boden einlegen.

info hummelBei keiner der über 140 aufgezeichneten Bewegungen kehrte eine Königin zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Die Ausbreitung folgte einem Zufallsmuster ohne erkennbare Zielrichtung, ein Hinweis darauf, dass die Tiere in dieser Phase keinen bestimmten Ort ansteuern.

Für die Praxis am Hummelhaus bedeutet das: Eine Königin merkt sich vermutlich weniger den genauen Standort eines Kastens als vielmehr die weitere Umgebung samt vertrauter Gerüche und Landmarken. Trifft sie dabei erneut auf ein Nest mit dem passenden Geruchsbild, sei es ihr Geburtsnest oder ein fremdes der eigenen Art, kann sie sich dort niederlassen.

Wenn mehrere Königinnen dasselbe Nest beanspruchen

Nistkästen, in denen im Vorjahr erfolgreich ein Volk herangewachsen ist, werden im folgenden Frühjahr oft ohne weiteres Zutun wiederbesiedelt. Der Duft, der durch das Einflugloch dringt, wirkt dabei anziehend, unabhängig davon, welche Königin ihn wahrnimmt. Das führt zu einem praktischen Problem: Findet mehr als eine Königin denselben Kasten attraktiv, treffen zwei nistplatzsuchende Tiere am selben Ort aufeinander.

Hummelforscher sprechen in diesem Zusammenhang vom Okkupationsstadium. Eine Königin, die im Verlauf ihrer Nistplatzsuche ein bereits gegründetes Nest mit Brutwaben vorfindet, egal ob mit oder ohne Arbeiterinnen, gibt die reguläre Suche häufig auf und versucht stattdessen, sich in diesem Nest durchzusetzen. Nach Angaben von Hummelhaltern tritt dieses Verhalten besonders häufig bei Rückkehrerinnen auf, die ihr Geburtsnest wiedergefunden haben und dort um jeden Preis nisten wollen.

Treffen zwei Königinnen mit diesem Ziel aufeinander, kommt es zu Kämpfen. Sie enden erst, wenn eine der beiden Königinnen vertrieben oder getötet wurde.

Folgen für die Betreuung von Hummelhäusern

Wer möchte, dass sich Nistkästen von selbst wiederbesiedeln, sollte sie im folgenden Frühjahr an genau derselben Stelle und in derselben äußeren Gestaltung aufstellen wie im Jahr zuvor. Die Innenausstattung, also Nistmaterial und gegebenenfalls Reste alter Waben, lässt sich dabei erneuern, ohne dass dies der Anlockung schadet.

Wer umgekehrt Kämpfe zwischen Königinnen vermeiden möchte, kann versuchen, die Eingangssituation eines im Vorjahr besetzten Kastens sichtbar zu verändern und in der näheren Umgebung zusätzliche, neue Nistgelegenheiten anzubieten. In freier Natur finden Königinnen ihr verlassenes Nest ohnehin selten unverändert vor und müssen sich bei der Nistplatzsuche jedes Jahr neu orientieren. Eine veränderte Eingangssituation entspricht also eher den natürlichen Bedingungen als ein Jahr für Jahr identisch aufgebauter Kasten.

Die Hummelklappe als praktisches Mittel gegen Konkurrenz um das Nest

Eine Wachsmottenklappe am Einflugloch schützt ein bestehendes Nest vor Wachsmotten, deren Larven Waben und Brut zerstören können. Sobald im Spätsommer die Jungköniginnen und Männchen im Hummelnest schlüpfen, hat das Volk seinen Fortpflanzungserfolg für diese Saison bereits erreicht. Ein Befall durch Wachsmotten kann diesen Erfolg zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zunichtemachen, die Klappe lässt sich deshalb in dieser Phase gefahrlos dauerhaft öffnen.

Der Nutzen dieser offenen Hummelklappe zeigt sich erst im Folgejahr. Sobald sich im nächsten Frühjahr wieder eine Königin im Kasten niedergelassen hat und ein neues Volk aufbaut, kann die Klappe geschlossen werden.

Eine Königin, die im folgenden Frühjahr denselben Kasten ebenfalls besiedeln möchte, hat nun nie gelernt mit einer Hummelklappe umzugehen. Findet sie die Klappe bereits geschlossen vor, bleibt ihr der Zugang zum Nest in der Regel verwehrt. Auf diese Weise lässt sich ein Teil der eingangs beschriebenen Konkurrenzsituationen entschärfen, ohne dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Königinnen um denselben Nistplatz kommt. Einen vollständigen Schutz bietet die Klappe allerdings nicht, Hummeln können Hindernisse am Eingang unter Umständen auch ohne vorherige Lernphase überwinden.

Quellen

  • Dreier, S., Redhead, J. W., Warren, I. A., Bourke, A. F. G., Heard, M. S., Jordan, W. C., Sumner, S., Wang, J., Carvell, C. (2014): Fine-scale spatial genetic structure of common and declining bumble bees across an agricultural landscape. Molecular Ecology, 23, S. 3384–3395.
  • Makinson, J. C., Woodgate, J. L., Reynolds, A., Capaldi, E. A., Perry, C. J., Chittka, L. (2019): Harmonic radar tracking reveals random dispersal pattern of bumblebee (Bombus terrestris) queens after hibernation. Scientific Reports, 9, 4651, https://doi.org/10.1038/s41598-019-40355-6
  • Erfahrungsberichte und Diskussionen aus dem Hummelforum, pollenhoeschen.de/Hummelforum, Themen “Hummelköniginnen in Suchstimmung” und “Späte Nestgründung Gartenhummel
  • Das Hummelhaus, Geeignete Königinnen, www.das-hummelhaus.de/einleitung/geeignete-koeniginnen

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  • #31057
    Detlef

      Ich beobachte jetzt Ende August immer wieder wie Jung-Königinnen genau an die Stelle auf dem Balkon kommen, wo ihr Hummelhaus mal stand. Die Königin sucht ein paar Sekunden und schwirrt dann wieder ab. Erstaunlich ist, dass die Erdhummel noch nicht im Winterquartier ist? Mein Volk ist schon seit mindestens 6 Wochen verschwunden.

      #31058
      Peter Nehls
      Forenmitglied

        Hallo !
        Ich wollte schon immer Hummeln ein neues zu Hause geben, um sie in der Nähe meiner Obstbäume zu haben . Mal sehen ob es mir gelingen wird im diesem Jahr . Ich habe hier ja auch schöne Anleitungen gefunden. :angel: :hair: :homepage:

        #31059
        Dascha Röhrig

          Hallo Zusammen,

          kann mir jemand sagen, ob es Hummeln /Hummelköniginen gibt, die Fleisch fressen (ggf. auch zur Not, wenn nichts anderes verfügbar ist)??

          Hintergrund:
          Wir haben im Schuppen ein paar “scharfe” Mausefallen stehen, aus denen kurioserweise ständig die Köder (Salami mit Käserand, Katenschinken, gekochtes Fleisch, rohen Schinken) verschwinden, ohne dass die Fallen auslösen.

          Daraufhin besorgten wir eine Lebendfalle, aus der jedoch kurioserweise ebenfalls der Köder verschwindet, ohne dass die Klappe zufällt!

          Vorhin waren wir noch im Schuppen, da war der Köder noch da!

          Jetzt eben, war der Köder wieder weg (!!) und neben der Lebenfalle krabbelte sehr träge, eine verhältnismäßig große “fette” Hummel (Hummelkönigin)??

          Sie war schwarz-gelb gestreift und hatte ein weißes Hinterteil.
          Wir bugsierten sie mit Hilfe einer Schaufel vorsichtig nach draußen, wo sie dann auch relativ schnell mit Hilfe des gerade herrschenden Sturms hinwegflog (leider bevor ich ein Foto machen konnte).

          Kann es wirklich sein, dass die Hummel die Fleischköder aus den Mausefallen gefressen hat (kleine Mengen)??
          Kann im Netz leider nur finden, dass sie Blüten und Nektar frisst!

          Über irgenwelche Hinweise würde ich mich sehr freuen! :-)
          DaSaFi

          #31060
          Stefan
          Admin
          Beitragsersteller
            • DE 84513
            • 398 m

            Hallo!

            Die Hummel hat mit Sicherheit nichts mit Fleisch oder Wurst zu tun.

            Eher Ratten, Mäuse usw.

            #31061
            Snuweline
            Forenmitglied

              Sicher dass es eine Hummel war? Hornissen jagen und fressen andere Insekten. Ob Hornissen auch Salami mit Käserand mögen, weiß ich allerdings nicht.

              #31068
              Doris
              Forenmitglied
                • DE 39624
                • 38 m ü. NHN

                Nee, das waren weder Hummeln noch Hornissen. Auch in unserer Garage fehlen solche Köder. Mäuse sind sehr schnell und die Fallen sind vielleicht nicht optimal sensibel eingestellt. Einfach nochmal prüfen.
                LG

                #31074
                Martha
                Forenmitglied
                  • CH
                  • 545 m

                  Hallo

                  Dascha Röhrig   Wespenlarven werden auch mit Fleisch von toten Tieren gefüttert. Kann es eine grosse Wespenkönigin gewesen sein?

                  #65562
                  Martha
                  Forenmitglied
                    • CH
                    • 545 m

                    Hallo zusammen,

                    habe mir ein paar Gedanken gemacht über sogenannte “Rückkehrerinnen”.
                    Hummelköniginnen vom Vorjahr – so beschrieb es mal Stefan -, fliegen nicht gezielt Hummelhäuser an, sondern merken sich vor allem die Umgebung. Um viele Stechereien zu vermeiden, müsste es eigentlich reichen, wenn man in der näheren Umgebung neue Ansiedlungsgelegenheiten schaffen und die Eingänge der bestehenden Häuser verändern würde.
                    In der Natur finden die Königinnen auch nicht immer ihre verlassenen Nester vom Vorjahr in gleicher Aufmachung vor, sie müssen sich immer wieder neu orientieren. Vielleicht müssten so weniger Rückkehrerinnen um ihr Leben bangen.

                    #65788
                    Herbee
                    Forenmitglied
                      • AT-2100
                      • 180 m

                      Hallo zusammen!

                      Nachdem in meinem Hummelhotel schon seit Mitte August kein Flugverkehr mehr zu erkennen war (hab auch nicht zeitintensiv oder mit Cam beobachtet) und ich auch in den letzten 2-3 Wochen beim gelegentlichen Öffnen keine Betrieb und auch kein Gebrumme mehr erkennen konnte, wollte ich gesterndas Nest ausräumen und mir mal die Waben ansehen, war ja meine erste Saison heuer :)

                      Dabei stellte ich aber fest, dass plötzlich wieder eine Königin oberhalb des Nistmaterials, sehr langsam aber doch an der Wand entlang krabbelt. Soeben hab ich wieder nachgesehen, jetzt liegt sie auf dem Nistmaterial und bewegt sich kaum noch (die Temperaturen in der Nacht waren um den Gefrierpunkt).

                      Warum ist denn eigentlich so spät noch eine Königin da? Und wie sollte ich eurer Meinung nach jetzt weitermachen? Einfach noch weiter mit dem Ausräumen warten? Versuchen die Königin noch mit Zuckerwasser auszupäppeln?

                      https://drive.google.com/file/d/1elJIcMWUAY5kTuS9_rYisuhgJtYLICP3/view?usp=sharing

                      #65801
                      Martha
                      Forenmitglied
                        • CH
                        • 545 m

                        @Herbee   Ja, mit ausräumen warten und noch etwas füttern. Das Übrige erledigt die Natur.  Warum die Hummel nicht ausgeflogen ist, ist schwerlich zu sagen, vielleicht ist sie flugunfähig, krank oder sonst was 😶.

                        #65802
                        Marylou
                        Forenmitglied
                          • DE 41363
                          • 61 m

                          @Herbee Du kannst auch hier im Forum Fotos als Dateianhang hochladen; bist ja registriert, dann geht das auch.

                           

                          Vielleicht hat sie den richtigen Zeitpunkt zum Abflug wegen längerer Kälte verpasst oder hungert wegen inzwischen leerer Nektartöpfe (daher keine Kraft mehr) oder kann krankheitsbedingt nicht fliegen.

                          Die jetzige wenige oder kaum Bewegung kommt daher, dass sie klamm von der Kälte ist. Wenn Kältetage zutreffen und die Nektartöpfchen im Nest leer sind, kann ich Dir nur sagen, was ich machen würde: Königin vorsichtig aus HH nehmen und in separates größeres Kistchen mit Deckel (Luftlöcher!) und etwas Nistmaterial setzen. Kistchen ins Warme, ggf. Zimmer, bringen, beobachten. An der vermehrten Bewegung merkst Du. dass der Körper allmählich durchwärmt. Ganz wichtig: Die Hummel zum Aufwärmen auf keinen Fall anhauchen, das empfindet sie als Bedrohung. Zuckerwasser nimmt sie wahrscheinlich erst dann, wenn sie durchgewärmter, also munterer ist, aber auch vorher einfach ausprobieren. Wenn sie durchgewärmt ist und zudem reichlich Energie (Zuckerwasser) getankt hat, sollte sie Anstalten machen, fliegen zu wollen. Wenn ja, setze sie anschließend nach draußen an eine sonnige Stelle auf eine Blüte und beobachte. Sie sollte dann irgendwann wegfliegen. Noch etwas: Wenn sie bisher gehungert hat, kann die Aufpäppelung evtl. einige Tage lang dauern. Viel Erfolg!

                          #96942
                          Stefan
                          Admin
                          Beitragsersteller
                            • DE 84513
                            • 398 m

                            Wir haben heute 37 Grad im Schatten. Ich sitze deshalb hier in der Küche neben dem Ventilator und kümmere mich mal um ältere Texte und Berichte und bringe diese wieder auf den aktuellen Stand.

                            Artikel aktualisiert und neu ergänzt: Die Wachsmottenklappe lässt sich gefahrlos öffnen, sobald Jungköniginnen und Männchen ausgeflogen sind, weil der Fortpflanzungserfolg dann schon feststeht. Im Folgejahr wird die Klappe nach Neubesiedlung wieder geschlossen. Königinnen, die den Umgang mit der Klappe nie gelernt haben, finden dann keinen Zugang mehr.

                            Hummelköniginnen Rückkehrerinnen

                            Grüße Stefan :computer:

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