Baumhummel
Königinnen und Arbeiterinnen tragen einen orangebraunen bis fuchsroten Thorax, der bei manchen Tieren fast schwarz ausfällt. Der Hinterleib ist schwarz gefärbt und endet am fünften und sechsten Tergit in einem reinweißen Abschnitt. Diese Kombination aus brauner Brust, schwarzem Leib und weißer Spitze macht die Baumhummel unter den heimischen Hummelarten gut erkennbar. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 17 bis 20 Millimetern und eine Flügelspannweite von 35 bis 38 Millimetern, der Rüssel misst bei ihnen 11 bis 12 Millimeter. Arbeiterinnen variieren stark und messen zwischen 8 und 18 Millimetern, Drohnen liegen bei 14 bis 16 Millimetern.
Verbreitung und Lebensraum
Der Name verweist auf den ursprünglichen Lebensraum. Auch die wissenschaftliche Bezeichnung Bombus hypnorum tut das: Sie setzt sich aus dem lateinischen Wort für den dumpfen Flugton und dem griechischen Begriff für Baummoos zusammen. In Nordeuropa und Sibirien folgt die Art vor allem borealen Nadelwäldern, in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas montanen Wäldern. Im Mittelmeerraum und in den Steppen Osteuropas fehlt sie fast vollständig, auf der Iberischen Halbinsel kommt sie nur im Gebirge vor. In Mitteleuropa hat sie sich längst auch abseits der Wälder eingerichtet und besiedelt Dörfer, Städte sowie Haus- und Kleingärten bis in Höhenlagen von rund 2200 Metern.
Nistplatzwahl und Konkurrenz um Nisthöhlen
Anders als die meisten heimischen Hummelarten nistet die Baumhummel grundsätzlich oberirdisch. Sie bezieht verlassene Vogelnester, Meisen- und andere Vogelnistkästen, Dachböden mit Dämmwolle, Rollladenkästen sowie Mauer- und Felsspalten. Weil geeignete Nisthöhlen auch bei Vögeln begehrt sind, kommt es regelmäßig zu Konkurrenz. Besetzt eine Baumhummelkönigin einen noch von Meisen bewohnten Kasten, vertreibt sie die Vögel mit einem lauten, drohenden Sirren.
Paarungsverhalten
Die Drohnen der Baumhummel besitzen keinen Stachel und beteiligen sich nicht an der Verteidigung des Nests. Stattdessen patrouillieren sie in der Umgebung des Flugloches und warten auf schlüpfende Jungköniginnen. Erkennt ein Drohn eine Königin, ergreift er sie im Flug. Die eigentliche Paarung findet anschließend am Boden statt.
Volksgröße und Nestverteidigung
Ein Baumhummelvolk umfasst je nach Nahrungsangebot und Witterung 80 bis rund 400 Arbeiterinnen. Im Vergleich zu anderen Hummelarten gilt die Baumhummel als wehrhafter Nestverteidiger. Nähert sich ein Mensch oder Tier dem Flugloch auf wenige Meter, fliegen wachsame Arbeiterinnen der Störquelle direkt entgegen und stechen bereits bei geringem Anlass schmerzhaft zu. Das dabei abgegebene Gift gilt allerdings als weniger wirksam als das der Honigbiene.
Ausbreitung nach Großbritannien
Wie stark sich die Baumhummel an menschliche Siedlungen angepasst hat, zeigt ihre Geschichte auf den Britischen Inseln. Am 17. Juli 2001 wurde erstmals ein Männchen im südenglischen Wiltshire nachgewiesen, vermutlich nach einem Flug über den Ärmelkanal aus Nordfrankreich. Innerhalb von zwölf Jahren breitete sich die Art über fast 600 Kilometer nach Norden aus und besiedelte weite Teile Englands, Wales’ und Schottlands. Bereits 2008 wurde sie auf Island nachgewiesen, 2017 erreichte sie Irland. Während viele Hummelarten weltweit unter Lebensraumverlust und Pestizideinsatz leiden, zählt die Baumhummel damit zu den wenigen Arten mit wachsendem Verbreitungsgebiet.
Bedeutung als Bestäuber
Mit ihrem kurzen Rüssel ist die Baumhummel auf kurzkelchige Blüten angewiesen und besucht bevorzugt Arten wie Salweide, Schnittlauch, Zwergmispel, Schlangenknöterich, Storchschnabel und Säckelblume. Eine Bindung an bestimmte Pflanzenfamilien besteht nicht, sie gilt als polylektisch. Weil sie früh im Jahr fliegt und dabei auch Bäume und Sträucher in größerer Höhe anfliegt, trägt sie zur Bestäubung von Obstgehölzen zu einer Jahreszeit bei, in der noch wenige andere Insekten unterwegs sind.
Gefährdung
Die Baumhummel wird auf der Europäischen Roten Liste als ungefährdet eingestuft. Als Kulturfolger profitiert sie von ihrer Anpassungsfähigkeit an Siedlungsräume, während viele andere Hummelarten unter dem Rückgang blütenreicher Wiesen und Streuobstbestände leiden.
Quellen
- NABU Berlin: Baumhummel, berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/arten/hautfluegler/hummeln/28265.html
- Naturadb: Bombus hypnorum, www.naturadb.de/tiere/bombus-hypnorum/
- Offene Naturführer: Baumhummel – Bombus hypnorum (Linnaeus 1758), offene-naturfuehrer.de
- Scinexx: Baumhummel erobert Großbritannien, www.scinexx.de/news/biowissen/baumhummel-erobert-grossbritannien/
- Smagy – Pflanzen, Insekten & Heilkraft: Baumhummel, www.smagy.de
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osmia aktualisiert.
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