Heidehummel (Bombus jonellus)
Die Heidehummel (Bombus jonellus) ist eine kleine Hummel der Moore und Heiden. Sie sieht der Gartenhummel zum Verwechseln ähnlich, hat aber ein kurzes Gesicht, und sie kann etwas, das in Europa sonst nur die Dunkle Erdhummel schafft: In langen, warmen Sommern bringt sie eine zweite Generation im selben Jahr hervor. William Kirby beschrieb die Art 1802, sie gehört zur Untergattung Pyrobombus wie Wiesenhummel und Baumhummel. In Deutschland steht sie als gefährdet auf der Roten Liste.
Färbung und Größe
Die Grundfarbe ist schwarz. Eine gelbe Binde liegt vorn auf der Brust auf dem Pronotum, eine zweite hinten auf dem Schildchen (Scutellum) und eine dritte auf dem ersten Tergit des Hinterleibs. Die Tergite vier bis sechs sind weiß. Der europäische Hummelatlas beschreibt das Farbmuster als recht beständig. Ganz ähnlich gezeichnet sind die Gartenhummel (Bombus hortorum), die Feldhummel (Bombus ruderatus) und einige seltenere Arten. Am sichersten erkennt man die Heidehummel am Kopf: Er ist kurz, während die Gartenhummel ein auffällig langes Pferdegesicht hat. Die Männchen der Heidehummel und der Baltischen Hummel (Bombus semenoviellus) lassen sich nach der Thünen-Bestimmungshilfe im Feld nicht unterscheiden.
Die Königin wird 15 bis 18 Millimeter lang bei 27 bis 32 Millimetern Flügelspannweite, die Arbeiterin 9 bis 14 Millimeter bei 18 bis 26 Millimetern, das Männchen 11 bis 14 Millimeter bei 23 bis 27 Millimetern. Der Rüssel ist kurz: 9,5 bis 11 Millimeter bei der Königin, etwa 7,5 bei der Arbeiterin und 6 bis 7 beim Männchen.
Heidehummel oder Sandhummel?
Auf einen deutschen Namen hat man sich lange nicht geeinigt. Paul Westrich nannte Bombus jonellus in seinem Werk über die Wildbienen Baden-Württembergs Sandhummel, Eberhard von Hagen dagegen Heidehummel und vergab den Namen Sandhummel an Bombus veteranus. Heute ist Heidehummel für Bombus jonellus üblich, so auch in der Thünen-Bestimmungshilfe. Wer sichergehen will, nennt den wissenschaftlichen Namen.
Verbreitung und Lebensraum
Die Heidehummel kommt fast in ganz Europa vor, mit einem deutlichen Schwerpunkt im Norden. Nach dem europäischen Hummelatlas reicht ihr Areal von den Pyrenäen und dem Kantabrischen Gebirge bis an die Barentssee und von Island bis Kamtschatka. In Europa lebt sie im Tiefland nördlich des 50. Breitengrads, weiter südlich nur in Hügelland und Gebirge bis etwa zum 41. Breitengrad. Im Norden kann sie sehr häufig sein, am Südrand wie in den Pyrenäen ist sie sehr selten. Die Nominatform Bombus jonellus jonellus bewohnt weite Teile Mitteleuropas und die Britischen Inseln, in den Alpen fliegt die Unterart Bombus jonellus martes, die Adolph Gerstäcker 1869 beschrieb.
Sie braucht offene Landschaften, vor allem Moore, Sandheiden und Bergheiden.
Nest und Volk
Die Heidehummel nistet oberirdisch, etwa in alten Vogelnestern oder Eichhörnchenkobeln, aber ebenso unterirdisch unter Moospolstern und in Mäusenestern. Sie bezieht vorhandene Hohlräume und baut auch selbst. Den Pollen lagert sie wie die meisten kurzrüsseligen Hummeln in Wachstöpfen, sie ist also eine Pollenspeicherin (pollen storer). Die Völker bleiben klein, mit bis zu 120 Tieren.
Mit dem kurzen Rüssel kommt die Heidehummel an den Nektar tiefer Blüten nicht heran. Das Männchen links holt ihn sich deshalb an der Vogel-Wicke durch ein Loch seitlich in der Kronröhre. Bei diesem Nektarraub wird die Blüte nicht bestäubt.
Jahreslauf und zweite Generation
Die überwinterten Königinnen fliegen ab Ende März, spätestens ab Mitte April, die Königin links wurde im März 2014 an Schlehe fotografiert. Arbeiterinnen sind von Anfang April bis Anfang September unterwegs, Jungköniginnen und Männchen von Ende Juli bis Mitte September.
Nahrung
Die Heidehummel sammelt an vielen Pflanzenarten. Wo sie die Wahl hat, bevorzugt sie aber nach dem Hummelatlas Heidekrautgewächse, also Heidelbeeren und andere Vaccinium-Arten, Glockenheide und Rhododendren. Die drei Fotos oben zeigen sie an Heidelbeerblüten. Auf hummelfoto.de ist sie außerdem an Schlehe, Ochsenzunge, Beinwell, Vogel-Wicke und Skabiosen-Flockenblume zu sehen.
Weil die Heidehummel zwei Generationen bilden kann, sammelt sie über eine lange Zeit im Jahr und braucht Blüten vom Frühjahr bis in den Spätsommer. Auf wildbienen.de ist eine Arbeiterin in Schottland an einer Gartenform der Besenheide zu sehen, die erst im Spätsommer blüht.
Gefährdung
In Deutschland steht die Heidehummel in Kategorie 3 (gefährdet). Die Rote Liste von 2011 führt ihren Bestand als selten, langfristig mäßig zurückgegangen und auch kurzfristig abnehmend. Europaweit gilt sie als ungefährdet.
Für den Klimawandel rechnet der europäische Hummelatlas von Pierre Rasmont und Kollegen (2015) bis 2100 mit dem Verlust von 48 bis 70 Prozent des Gebiets mit passendem Klima, vor allem im Tiefland, im ungünstigsten Fall auch in den Alpen, in Schottland und Skandinavien. Weil die Art im Norden sehr häufig sein kann, zwei Generationen bildet und lange sammelt, sehen die Autoren sie nicht unmittelbar bedroht. Sie weisen aber darauf hin, dass gerade Heiden und Moore unter der Erwärmung stark leiden könnten.
Kuckuckshummeln
Als Kuckuckshummel der Heidehummel gilt vermutlich die Gelbe Alpenkuckuckshummel (Bombus flavidus), vielleicht auch die Wald-Kuckuckshummel (Bombus sylvestris), deren Hauptwirt die Wiesenhummel ist. Der Hummelatlas nennt die Heidehummel bei beiden als wahrscheinlichen Wirt, ebenso bei der Nordischen Kuckuckshummel Bombus hyperboreus, die nur in Skandinavien und der Tundra vorkommt.
Quellen
- Martin, H.-J. & Neumayer, J.: Hummel-Arten, Bombus jonellus. wildbienen.de/b-jonell.htm
- Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 373 bis 416. PDF: wildbienen.info/downloads/rote_liste_bienen_fassung_5.pdf
- Ogan, S., Grabener, S., Sommerlandt, F. & Dieker, P. (2023): Feld-Bestimmungshilfe für Hummeln in Deutschland, Version 2023.2. Thünen-Institut für Biodiversität. wildbienen.thuenen.de
- Rasmont, P., Franzen, M., Lecocq, T., Harpke, A., Roberts, S., Biesmeijer, K., Castro, L., Cederberg, B., Dvorak, L., Fitzpatrick, U., Gonseth, Y., Haubruge, E., Mahe, G., Manino, A., Michez, D., Neumayer, J., Odegaard, F., Paukkunen, J., Pawlikowski, T., Potts, S., Reemer, M., Settele, J., Straka, J. & Schweiger, O. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, S. 1 bis 236, Bombus jonellus S. 76, B. flavidus S. 56, B. hyperboreus S. 68, B. sylvestris S. 132. doi.org/10.3897/biorisk.10.4749
- Nieto, A., Roberts, S. P. M., Kemp, J., Rasmont, P., Kuhlmann, M., García Criado, M., Biesmeijer, J. C., Bogusch, P., Dathe, H. H., De la Rúa, P., De Meulemeester, T., Dehon, M., Dewulf, A., Ortiz-Sánchez, F. J., Lhomme, P., Pauly, A., Potts, S. G., Praz, C., Quaranta, M., Radchenko, V. G., Scheuchl, E., Smit, J., Straka, J., Terzo, M., Tomozii, B., Window, J. & Michez, D. (2014): European Red List of bees. Publication Office of the European Union, Luxemburg. doi.org/10.2779/51181
- Fotos von hummelfoto.de: Martin (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-jonellus-an-beinwell.jpg, Männchen an Beinwell; www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-jonellus-m-nektarraub.jpg, Männchen beim Nektarraub; www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-jonellus-an-prunus-spinosa.jpg, Königin an Schlehe, März 2014; www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Martin-bombus-jonellus-jungkoenigin-an-anchusa-officinalis.jpg, Jungkönigin an Ochsenzunge)
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Stef KK aktualisiert.
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