Blumenfliegen
Blumenfliegen bilden mit etwa 227 in Deutschland, rund 480 in Europa und etwa 1000 weltweit beschriebenen Arten eine der größeren Fliegenfamilien, die Anthomyiidae. Ihre Körperlänge liegt meist zwischen 4 und 12 Millimetern. Der deutsche Name hat mit den englischen “flower flies” wenig zu tun, damit sind meist die bunten Schwebfliegen gemeint, die sich als Bienen- oder Wespenimitatoren tarnen. Blumenfliegen dagegen sind unauffälliger gefärbt, oft grau bis schwarz, manche mit gelblichen Beinen.
Vielseitige Ernährung im Larvenstadium
Die Larven der meisten Arten ernähren sich pflanzlich, ein Teil davon als Blattminierer. Daneben gibt es innerhalb der Familie aber auch kotfressende, pilzfressende und saprophage Arten, die verrottendes Material zersetzen, etwa in Vogelnestern. Einige wenige Arten leben als Parasitoide in anderen Insekten. Die erwachsenen Fliegen sind überwiegend Blütenbesucher und nehmen Nektar und Pollen auf, wodurch sie zur Bestäubung beitragen.
Schädlinge im Gemüsebau
Wirtschaftlich bekannt ist die Familie vor allem durch einige Arten der Gattung Delia. Die Kleine Kohlfliege, Delia radicum, legt ihre Eier in Bodennähe an Kreuzblütlern ab. Ihre Larven fressen sich in die Wurzeln und den Wurzelhals von Kohl, Rettich oder Raps, was zu Welke und Ertragsverlusten führen kann. Verwandte Arten wie die Zwiebelfliege Delia antiqua und die Wurzelfliegen Delia platura und Delia florilega an Buschbohnen gelten im ökologischen Gemüsebau als schwer zu bekämpfende Schädlinge, da wirksame biologische Regulierungsverfahren bislang kaum verfügbar sind.
Wenige Arten leben in fremden Nestern
Eine kleine Zahl von Gattungen innerhalb der Anthomyiidae hat sich auf ein ganz anderes Leben spezialisiert, das in Nestern von Hummeln, Wespen und solitären Bienen. In älterer Literatur wurden solche Arten unter den heute veralteten Gattungsnamen Hammomyia und Hylephila beschrieben. Beide Namen gelten inzwischen als Synonyme der Gattung Leucophora, ein eigenständiger, ausführlich untersuchter Sonderfall innerhalb der Familie.
Einordnung für Insektenfreunde
Für den überwiegenden Teil der Blumenfliegen gilt: Sie sind weder Bienenfeinde noch besonders auffällig, sondern unauffällige Blütenbesucher und Zersetzer, die im Ökosystem eher unterschätzt werden. Nur eine kleine Minderheit der Familie, vor allem die Gattung Leucophora, hat sich als tatsächlicher Nestparasit bei Bienen etabliert.
Quellen
- Büro für Freilandökologie Dr. Jürgen Esser: Blumenfliegen (Diptera: Anthomyiidae), freilandoekologie-esser.de/blumenfliegen
- Karen Keuneke, Gabriele Köhler (2003): Strategien zur Regulierung von im Gemüsebau schädigenden Blumenfliegenarten (Anthomyiidae): Wurzelfliegen an Buschbohnen (Delia platura, Delia florilega), Zwiebelfliege (Delia antiqua), Kleine Kohlfliege (Delia radicum). Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Fachbereich Integrierter Pflanzenschutz
- Pflanzenkrankheiten.ch: Delia radicum, Kohlfliege, Kohlgemüse. pflanzenkrankheiten.ch
- GBIF Secretariat: Leucophora Robineau-Desvoidy, 1830. GBIF Backbone Taxonomy, gbif.org/species/5077755
- inaturalist.org


