Bergwaldhummel

Die Königin der Bergwaldhummel trägt ein schwarzes, deutlich zerzaustes Haarkleid und eine orange gefärbte Hinterleibsspitze. Arbeiterinnen gleichen ihr im Muster, fallen aber durch ihre geringere Größe auf; manche zeigen einen schwach ausgeprägten gelben Kragen. Männchen unterscheiden sich durch einen gelben Kragen und eine gelbe Kopfvorderseite von den Weibchen, ähneln den Arbeiterinnen ansonsten aber stark.

bergwaldhummelKennzeichnend ist der auffallend kurze Rüssel, der bei allen drei Kasten breiter als lang ist, zusammen mit kräftigen, gezähnten Kiefern und einem kurzen, breiten Kopf. Im Fell ähnelt die Bergwaldhummel der Steinhummel (Bombus lapidarius), trägt aber ein deutlich dichteres und struppigeres Haarkleid. Zur Unterscheidung hilft die Ausdehnung der roten Färbung am Hinterleib: Bei der Bergwaldhummel sind die Tergite 3 (ab der zweiten Hälfte) bis 6 orangerot bis rot gefärbt, bei der Steinhummel nur die Tergite 4 bis 6. In den Alpen kommt es regelmäßig zu Verwechslungen mit der Alpenhummel (Bombus alpinus), weil beide Arten im selben Gebiet fliegen.

Königin

  • Länge: 19–22 mm
  • Flügelspannweite: 36–41 mm
  • Rüssellänge: 10–12 mm

Arbeiterin

  • Länge: 13–16 mm
  • Flügelspannweite: 25–32 mm
  • Rüssellänge: 9–10 mm

Drohn

  • Länge: 14–16 mm
  • Flügelspannweite: 28–32 mm
  • Rüssellänge: 7–9 mm

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet reicht von den Pyrenäen über die Alpen, die mitteleuropäischen Mittelgebirge, die Tatra, die Karpaten und den Balkan bis nach Fennoskandinavien und in die Region Murmansk. Ob auch die Tiere aus dem Ural zu dieser Art gehören, ist ungeklärt; dazu mehr im Abschnitt zum wissenschaftlichen Namen. In den Alpen steigt die Art bis in Höhenlagen von 2600 Metern auf, im Hochgebirge auch über die Baumgrenze hinaus. Innerhalb Deutschlands gilt die Grenze zwischen Mittelgebirgen und norddeutschem Flachland als ungefähre nördliche Verbreitungsgrenze; ein 2016 dokumentierter Nachweis aus Niedersachsen zeigt jedoch, dass einzelne Vorkommen auch nördlich davon möglich sind. In Baden-Württemberg besiedelt die Bergwaldhummel den Schwarzwald und die Schwäbische Alb, im Alpenvorland und im Flachland tritt sie nur vereinzelt auf.

 bergwaldhummel  bergwaldhummel

Bevorzugte Lebensräume sind Gebirgswälder und waldnahe Bergwiesen. Auch brachgefallene Schafweiden wie Wacholderheiden und Bergheiden werden besiedelt. Das Verbreitungsmuster ist disjunkt und boreo-montan: Die Art besiedelt die Alpen, die mitteleuropäischen Mittelgebirge, die Tatra, die Karpaten und den Balkan, fehlt aber in den dazwischenliegenden Tieflagen. Für die Gebirge Südwesteuropas und für Skandinavien wurden früher eigene Unterarten geführt, flavicante für die Pyrenäen und brevigena für Skandinavien. Nach der Revision der Untergattung von 2023 gehören sie alle zu einer Art.

Nestanlage und Volksgröße

Nester legt die Bergwaldhummel meist unterirdisch an, in unterschiedlichen Tiefen unter Zwergsträuchern oder in verlassenen Mäusenestern. Als Nestbezieherin übernimmt sie vorhandene Hohlräume, statt selbst zu graben. Pollen lagert sie in eigens angelegten Vorratszellen statt in den Kokons der Brut. Ein Volk umfasst 80 bis 150 Tiere und zählt damit zu den individuenreicheren unter den mitteleuropäischen Hummelarten. Gestörte Völker reagieren nach Beobachtungen von Fachleuten empfindlich und leicht reizbar.

Die Art bildet nur eine Generation pro Jahr. Überwinterte Weibchen erscheinen ab Mitte April bis Anfang Juni, Arbeiterinnen fliegen von Anfang Mai bis Ende September. Junge Weibchen und Männchen zeigen sich von Anfang Juli bis Anfang Oktober.

info hummelWegen ihres extrem kurzen Rüssels beißt die Bergwaldhummel bei tiefkelchigen Blüten häufig ein Loch in den Blütengrund, um an den Nektar zu gelangen. Besonders auffällig geschieht das am Eisenhut, dessen Nektar für die meisten Insekten durch Giftstoffe geschützt ist. Die von der Bergwaldhummel aufgebissenen Blüten nutzt mitunter auch die auf Eisenhut spezialisierte Eisenhuthummel als zusätzliche Nektarquelle.

Blütenbesuch und Nektarraub

Die Bergwaldhummel gilt als polylektisch: Sie sammelt Pollen an Blüten vieler verschiedener Pflanzenfamilien und ist bei der Nahrungssuche nicht auf wenige Arten festgelegt. Wegen des kurzen Rüssels bleibt ihr der reguläre Zugang zu Blüten mit langer Kronröhre oft versperrt. In solchen Fällen beißt sie mit ihren kräftigen Kiefern seitlich in den Blütengrund oder den Sporn und gelangt so von außen an den Nektar, ohne den vorgesehenen Bestäubungsweg durch die Blüte zu nehmen. Diese Form des Blüteneinbruchs lässt sich unter anderem an Schlüsselblumen und am Eisenhut beobachten.

Das Werkzeug dafür ist ein Merkmal der ganzen Untergattung Alpigenobombus, zu der die Bergwaldhummel gehört: Die Weibchen tragen vergrößerte Mandibeln mit sechs großen, gleichmäßig verteilten Zähnen. Unter den europäischen Hummeln ist sie die einzige Art dieser Gruppe und zugleich die einzige, die regelmäßig Löcher in Blüten beißt. Beschrieben wurde das Verhalten bei ihr bereits 1950.

Zum wissenschaftlichen Namen

In fast allen Bestimmungsbüchern steht die Bergwaldhummel als Bombus wurflenii. Die taxonomische Fachliteratur führt sie seit 2023 als Bombus mastrucatus. Beide Namen meinen dasselbe Tier, und wer nachschlägt, sollte sie kennen.

Adolph Gerstaecker vergab den Namen mastrucatus 1869, und über hundert Jahre lang war er geläufig. 1969 stufte Bohuslav Tkalcu ihn zur Unterart herab und ordnete die Tiere Bombus wurflenii unter, ohne das ausführlich zu begründen. Der Schritt setzte sich trotzdem durch: Die maßgeblichen Bestimmungsschlüssel der folgenden Jahrzehnte übernahmen ihn, zuletzt auch der europäische Hummelatlas von 2021.

2023 prüfte ein internationales Team die gesamte Untergattung neu und kam zum gegenteiligen Ergebnis. Die europäischen und die vorderasiatischen Tiere lassen sich am Körperbau und in ihrer Erbsubstanz trennen. Der Name Bombus wurflenii bleibt danach den Populationen aus der Türkei, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, dem Iran, dem Kaukasus und dem Ural vorbehalten. Was in Europa fliegt, heißt Bombus mastrucatus.

Die Autoren benennen dabei eine eigene Schwäche. Die verfügbaren DNA-Abschnitte könnten sämtlich Numts sein, also Kopien mitochondrialer Gene, die im Zellkern liegen und sich dort eigenständig verändert haben. Tragend ist deshalb die Übereinstimmung mit den körperlichen Merkmalen, nicht die Erbsubstanz für sich genommen. Frisches Material aus Osteuropa stand nicht zur Verfügung, sodass für die Tiere zwischen Karpaten und Ural bislang ungeprüft ist, zu welcher der beiden Arten sie gehören.

Bis die Umstellung in Bestimmungsschlüsseln und Roten Listen angekommen ist, werden Jahre vergehen. Auf dieser Seite bleibt es deshalb beim gebräuchlichen deutschen Namen Bergwaldhummel.

Gefährdung

In der deutschen Roten Liste ist die Bergwaldhummel in Kategorie V, der Vorwarnliste, eingestuft. Ursächlich für den Rückgang sind vor allem die Aufforstung ehemals offener Standorte mit Fichten, natürliche Wiederbewaldung und die Intensivierung der Landwirtschaft, wodurch geeignete Bergwiesen und Heideflächen verloren gehen.

Quellen

  • Wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin und Johann Neumayer: Artportrait Bombus wurflenii (Bergwaldhummel), www.wildbienen.de/b-wurfle.htm
  • Frank Dickert: Die Bergwaldhummel, mit Verbreitungsangaben nach Dathe (2001) und Witt (2016), www.fdickert.de/hautflue/bienen/bombwurf.htm
  • wildbienen.info: Blütenbesuch, Nektarraub und Pollensammeln der Hummeln, www.wildbienen.info/insekt2005/bluetenbesuch.php
  • Williams, P. H. et al.: Bumblebees with big teeth: revising the subgenus Alpigenobombus with the good, the bad and the ugly of numts (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Taxonomy 892, 2023 (Wiederherstellung des Artnamens Bombus mastrucatus, Abgrenzung gegen Bombus wurflenii, Verbreitung, Farbformen, Numt-Problematik)
  • Gerstaecker, A.: Erstbeschreibung von Bombus mastrucatus, 1869; Tkalcu, B.: Herabstufung zur Unterart, 1969; Løken, A.: Beobachtungen zum Aufbeißen von Blüten, 1950
  • Rasmont, P. et al.: Atlas of the European Bees, Fassung 2021 (Verwendung des Namens Bombus wurflenii für die europäischen Tiere)

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  • Autor
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  • #40280
    Budmaster
    Forenmitglied

      Für einen Laien ist das doch eine Steinhummel :mrgreen:

      #40282
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Oder eine Unterart der Erdhummel, oder eine Samthummel

        …ich werde da auch niemals den Durchblick haben. Schön, dass ich nicht alleine bin damit. :kaffee: :lol: :pfeif:

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