Waldhummel
Der Name Waldhummel (Bombus sylvarum) ist irreführend, denn geschlossene Wälder meidet die Art fast vollständig. Der von Paul Westrich vorgeschlagene Name Bunthummel beschreibt sie treffender, da ihr Pelz ein für Hummeln vergleichsweise kontrastreiches Muster aus Schwarz, Braungelb und Orange zeigt, allerdings in eher pastellartigen Tönen.
Die Art ist in ganz Europa bis zum südlichen Fennoskandinavien verbreitet. In Deutschland kommt sie flächendeckend vor, im Norden aber seltener. Sie besiedelt Waldränder, parkartiges Gelände, Gärten, Streuobstwiesen, Gräben und Böschungen, nicht aber das Waldinnere. Sie bevorzugt das Flachland, steigt im Gebirge jedoch bis auf 1400 Meter. Besonders wichtig sind ihr Magerrasen und blütenreiches Ödland.
Aussehen und Bestimmung
Auf dem Thorax zeigt die Waldhummel kopfnah und hinten je eine braungelbliche Querbinde, die Mitte bleibt dunkel. Die Thoraxunterseite ist hell gelblichgrau. Die vorderen drei Hinterleibssegmente sind schwarz mit hellgrauen bis gelblichen Haarrändern, die hinteren drei Segmente sind orange behaart. Dieses Merkmal unterscheidet sie von der ähnlich gefärbten Sandhummel (Bombus veteranus), bei der die hinteren Segmente nicht orange sind. Männchen tragen eine besonders breite Querbinde am kopfnahen Thorax und eine weiße Zeichnung am unteren Thoraxrand.
Königin
- Körperlänge: 16–18 mm
- Flügelspannweite: 29–32 mm
- Rüssellänge: 12–14 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 10–15 mm
- Flügelspannweite: 21–27 mm
- Rüssellänge: 10–12 mm
Drohn
- Körperlänge: 12–14 mm
- Flügelspannweite: 23–26 mm
- Rüssellänge: 9–11 mm
Königinnen und Arbeiterinnen sind an ihrem auffällig unruhig wirkenden Flug erkennbar. Die Königin erzeugt außerdem einen hohen, kräftigen Summton, der dem der Sandhummel ähnelt.
Nestgründung und Brutpflege
Im Gegensatz zu vielen anderen Hummelarten nistet die Waldhummel sowohl unterirdisch in verlassenen Mäusenestern als auch oberirdisch in der Krautschicht, etwa unter Grasbüscheln oder in verlassenen Eichhörnchenkobeln. Für oberirdische Nester trägt sie Heu, Stroh, Moos und trockene Blätter zusammen und formt daraus eine Nestkugel. Sie ist damit sowohl Nestbezieherin als auch Nestbauerin.
Ein Volk umfasst 80 bis 150 Tiere und eine Königin. Die Waldhummel zählt zu den Pocketmakern: Die Larven bedienen sich selbst aus Pollentaschen, die von den Arbeiterinnen fortlaufend mit frischem Pollen aufgefüllt werden.
Flugzeit
- Überwinterte Königinnen: Ende April bis Anfang Juni
- Arbeiterinnen: Mitte Mai bis Ende Oktober
- Jungköniginnen und Drohnen: Anfang August bis Ende Oktober
Wie die meisten anderen Hummelarten bildet auch die Waldhummel nur eine Generation im Jahr. Nur begattete Jungköniginnen überwintern, das übrige Volk stirbt im Herbst ab.
Nahrung und Bestäubung
Die Waldhummel sammelt an vielen Pflanzenfamilien und gilt damit als polylektisch. Besonders häufig besucht sie Hülsenfrüchtler wie Rot- und Weißklee, Hornklee, Wundklee, Sichelklee, Esparsette, Luzerne und Wicken, außerdem Braunwurzgewächse und Lippenblütler wie Salbei, Ziest und Herzgespann. Weitere genutzte Pflanzen sind Natternkopf, Ochsenzunge, Schwertlilie, Kratzdistel, Nickende Distel, Dorniger Hauhechel, Kornblume, Flockenblume, Wiesenknautie, Johanniskraut, Wegwarte und Springkraut sowie Obstbäume, Kastanien und Goldregen. Wegen ihrer Vorliebe für Kleearten wird sie auch als Kleebestäuberin bezeichnet.
Gefährdung und Schutz
In Deutschland steht die Waldhummel auf der Vorwarnliste der Roten Liste, Kategorie V. Regional sind die Rückgänge deutlich stärker, da ihre bevorzugten Lebensräume in der modernen Kulturlandschaft zunehmend verschwinden. Ursachen sind vor allem der Rückgang extensiv genutzter Wiesen, Magerrasen, Heiden, strukturreicher Streuobstwiesen und trockenwarmer, blütenreicher Waldsäume. Als Kuckuckshummel nutzt vor allem die Felsen Kuckuckshummel (Bombus rupestris) das Nest der Waldhummel, wobei diese Art in Mitteleuropa hauptsächlich die Steinhummel befällt.
2016 wurde die Waldhummel vom Kuratorium Wildbiene des Jahres zur Wildbiene des Jahres gewählt, um auf die Bedeutung blütenreicher Landschaften für Wildbienen aufmerksam zu machen.
Ähnliche Arten
Durch ihre charakteristische Zeichnung ist die Waldhummel kaum mit anderen Arten zu verwechseln. Bei oberflächlicher Betrachtung ist eine Verwechslung mit der Sandhummel möglich, die jedoch an den hinteren Hinterleibssegmenten keine orange Behaarung zeigt. In der Lebensweise ähnelt die Waldhummel am ehesten der Ackerhummel.
Quellen
- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten – Bombus sylvarum, wildbienen.de, https://www.wildbienen.de/b-sylvar.htm
- Wikipedia: Waldhummel, https://de.wikipedia.org/wiki/Waldhummel
- Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): Eine der anmutigsten Hummelarten – die Wald- oder Bunthummel (Bombus sylvarum), https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/bunthummel
- Eberhard von Hagen: Hummeln – bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Neumann-Neudamm, 1988, ISBN 3-7888-0546-3
- Kuratorium Wildbiene des Jahres: Waldhummel – Wildbiene des Jahres 2016, wildbienen-kataster.de
- Bild: By Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: By Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
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Stefan aktualisiert.
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