Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus)
Die Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus) gehört zur Untergattung der Kuckuckshummeln (Psithyrus) innerhalb der Gattung Bombus. Sie ähnelt in Größe und Grundfärbung stark ihrem Hauptwirt, der Gartenhummel (Bombus hortorum), lässt sich bei genauem Hinsehen aber unterscheiden. Weibchen erreichen je nach Quelle eine Körperlänge zwischen 17 und 22 Millimetern, Männchen bleiben mit 15 bis 16 Millimetern etwas kleiner.
Ein auffälliges Merkmal ist die Kopfform: Während die Gartenhummel ein deutlich verlängertes Gesicht besitzt, wirkt der Kopf der Bärtigen Kuckuckshummel fast kreisrund. Im Gesichtsbereich sitzen dichte, dunkle Haarbüschel, bei den Männchen noch ausgeprägter als bei den Weibchen. Die gelben Querbinden am Thorax sind bei der Bärtigen Kuckuckshummel dunkler gefärbt als beim Wirt, dessen Streifen heller gelb erscheinen. Wie alle Kuckuckshummeln besitzt sie an den Hinterbeinen keine Pollenkörbchen, da sie weder Pollen noch Nektar für eigenen Nachwuchs einträgt. Männliche Tiere lassen sich zuverlässig nur anhand der Genitalstruktur von anderen Kuckuckshummelarten unterscheiden.
Verbreitung und Lebensraum
Die Art ist von Westeuropa bis in den Kaukasus, die Südtürkei und die Mongolei verbreitet. Nach Norden reicht ihr Vorkommen bis Irland, Nordschottland, Schweden und Finnland. In Deutschland ist sie aus den meisten Bundesländern gemeldet, gilt jedoch in Berlin und Brandenburg als ausgestorben oder verschollen. Da ihr Vorkommen unmittelbar an das der Gartenhummel gekoppelt ist, folgt ihre Verbreitung im Wesentlichen der ihres Hauptwirts.
Als Lebensraum nutzt sie Waldsäume, Streuobstwiesen, Hecken, extensiv bewirtschaftete Mager- und Fettwiesen, Hochwasserdämme sowie Brach- und Ruderalflächen, insgesamt also ein breites Spektrum halboffener Landschaften mit blütenreichem Unterwuchs.
Wirte und Lebensweise als Brutparasit
Hauptwirt der Bärtigen Kuckuckshummel ist die Gartenhummel (Bombus hortorum). Daneben wird die Feldhummel (Bombus ruderatus) als Nebenwirt genutzt. Wie andere Kuckuckshummeln baut auch diese Art kein eigenes Nest, sondern übernimmt fremde Kolonien. Die überwinterte Königin sucht dazu im Frühjahr gezielt nach Wirtsnestern, in denen bereits die erste Arbeiterinnengeneration geschlüpft ist. Der Zeitpunkt des Eindringens ist entscheidend: Ist die Wirtskolonie noch zu klein, fehlen genügend Arbeiterinnen zur Aufzucht der eigenen Brut. Ist sie bereits zu groß, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit der eindringenden Kuckuckshummel erheblich, wie Verhaltensstudien an einer nah verwandten Art zeigten.
Kuckuckshummeln finden ihre Wirtsnester über Duftspuren, die die Wirtsarbeiterinnen beim Verlassen des Nestes am Boden hinterlassen. Beim Eindringen wird meist die Wirtskönigin getötet, angreifende Arbeiterinnen werden mit Repellentstoffen abgewehrt, bei einer nah verwandten Kuckuckshummelart wurde dafür unter anderem Dodecylacetat nachgewiesen. Anschließend muss die Kuckuckshummel die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes dazu bringen, ihre eigene Brut aufzuziehen und keine eigenen Nachkommen mehr zu produzieren. Untersuchungen an verwandten Kuckuckshummelarten zeigen, dass dabei chemische Mimikry eine zentrale Rolle spielt: Die Parasitenweibchen gleichen ihr Duftprofil dem der brütenden Wirtskönigin an und signalisieren den Arbeiterinnen so reproduktive Dominanz.
Flugzeit
Die Bärtige Kuckuckshummel bildet nur eine Generation im Jahr. Überwinterte Weibchen sind von Ende April bis Ende Juli unterwegs. Die Männchen der neuen Generation erscheinen ab Mitte Juni, die neuen Jungköniginnen folgen ab Mitte Juli.
Nahrung
Da sie keine eigene Brut versorgen muss, sammelt die Bärtige Kuckuckshummel Nektar ausschließlich für den Eigenbedarf. Bevorzugt werden Flockenblumen, Skabiosen, Disteln und andere Korbblütler sowie Obstbäume und verschiedene Sträucher.
Taxonomie und Verwechslungsarten
Die Kuckuckshummeln wurden lange als eigenständige Gattung Psithyrus geführt und gelten heute als Untergattung von Bombus. Die südeuropäische Farbform der Art wurde früher als eigene Art unter dem Namen Bombus maxillosus geführt. Genetische Untersuchungen ergaben jedoch, dass es sich um dieselbe Art handelt, die beiden Namen wurden entsprechend zusammengeführt.
Die größte Verwechslungsgefahr besteht mit dem Hauptwirt, der Gartenhummel. Unterscheiden lassen sich beide vor allem über die Kopfform, die runde statt langgestreckte Gesichtspartie, sowie über die dunkleren Farbbinden und die fehlenden Pollenkörbchen der Kuckuckshummel.
Gefährdung
Die Einstufung der Bärtigen Kuckuckshummel schwankt regional stark. In Deutschland gilt sie in einigen Bundesländern als ausgestorben oder verschollen, während sie in Großbritannien nicht als selten oder gefährdet eingestuft wird. Da ihre Bestandsentwicklung eng an die ihres Hauptwirts gekoppelt ist, wirkt sich ein Rückgang der Gartenhummel unmittelbar auf die Bärtige Kuckuckshummel aus.
Quellen
- BWARS – Bees, Wasps & Ants Recording Society: Bombus barbutellus (Kirby, 1802). bwars.com/bee/apidae/bombus-barbutellus
- Offene Naturführer (BiolFlor): Bombus barbutellus, unter Bezug auf Sladen, F. W. L. (1912): The humble-bee, its life history and how to domesticate it. offene-naturfuehrer.de/bflor/Bombus_barbutellus
- Deutschland summt!: Wildbiene des Monats Juli 2018 – Die Bärtige Kuckuckshummel. deutschland-summt.de/wildbiene-des-monats-juli-2018-die-baertige-kuckuckshummel.html
- Smagy – Pflanzen, Insekten & Heilkraft: Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus). smagy.de/index.php?func=insect&task=showInsect&taskID=bartkuckuckshummel
- Wildbienenwelt.de: Bombus barbutellus – Wildbienen bestimmen. wildbienenwelt.de/wildbienen-bestimmen/wildbienen-finder/article-6516065-190818/bombus-barbutellus-.html
- Ayasse, M. (2014): Chemische Kommunikation bei Hummeln. In: Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Bd. 43, “Soziale Insekten in einer sich wandelnden Welt”, S. 17–28. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München. ISBN 978-3-89937-179-6.
- Foto: Franz Hadacek (fhadace), Beobachtung vom 20.07.2026, Reggio Emilia, Italien. inaturalist.org/observations/391470465, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
- Foto: Dmitry Kuzmenckin (kuzmenckin), Beobachtung vom 04.08.2026, Краснощековский р-н, Алтайский край, Россия. inaturalist.org/observations/392334459, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert


