Große Erdhummel (Bombus magnus)

Große Erdhummel auf sandigem Boden, die breite gelbe Brustbinde reicht weit an den Seiten hinabDie Große Erdhummel (Bombus magnus) gehört zum Erdhummel-Komplex, zu dem auch die Dunkle Erdhummel, die Helle Erdhummel und die Kryptarum-Erdhummel zählen. Vogt beschrieb sie 1911. Weil sich die Arten so ähnlich sehen, war lange umstritten, ob Bombus magnus überhaupt eine eigene Art ist. Im Englischen heißt sie northern white-tailed bumblebee. In Deutschland ist über sie so wenig bekannt, dass die Rote Liste sie in Kategorie D führt, Daten unzureichend.

Eine eigene Art

Bertsch, Schweer und Titze haben 2004 Königinnen aus Brandenburg und Schottland verglichen. Sie untersuchten Körpermerkmale und die Duftstoffe aus den Labialdrüsen der Männchen, mit denen diese Weibchen anlocken, und kamen zu dem Ergebnis, dass Helle Erdhummel, Kryptarum-Erdhummel und Große Erdhummel gute, getrennte Arten sind. Die Duftstoffe der Männchen aus Schottland und Brandenburg waren identisch. Die Thünen-Bestimmungshilfe betont trotzdem, dass sich die Arten des Erdhummel-Komplexes im Feld nicht sicher trennen lassen.

Färbung und Bestimmung

Große Erdhummel mit zwei gelben Binden und weißem Hinterleibsende an einer hellblauen KugeldistelWie die anderen Erdhummeln ist die Große Erdhummel schwarz mit zwei gelben Binden, eine vorn an der Brust, eine am Hinterleib, und mit weißem Hinterleibsende. Nach dem europäischen Hummelatlas reicht die Brustbinde weit an den Seiten der Brust hinab, und Kopf und Brust der Männchen sind immer mit vielen gelben, aber keinen grauen Haaren gemischt. Bertsch und Kollegen beschreiben den breiten, hellen Kragen der Königin als nie verdunkelt. Er reicht weit unter den Flügelansatz an beiden Seiten der Brust hinab, und seine Ränder wirken oft durch lange gelbe Haare unscharf. Zusammen mit der breiten hellen Binde am Hinterleib wirkt die Königin besonders leuchtend.

Bei der Kryptarum-Erdhummel ist der Kragen dagegen von einem dunklen, S-förmig geschwungenen Band begleitet und das Gelb an den Brustseiten auf einen gebogenen Fleck beschränkt. Trotzdem ist die Unterscheidung nicht leicht, und nach dem Hummelatlas erklärt gerade diese Schwierigkeit, warum es für die Große Erdhummel nur relativ wenige gesicherte Nachweise gibt.

Verbreitung und Lebensraum

Große Erdhummel mit breiter gelber Brustbinde an gelben GoldrutenblütenNach dem Hummelatlas reicht das Areal, soweit bekannt, von Nordportugal bis nördlich des Polarkreises an der westnorwegischen Küste und von Irland, wo die Art häufig ist, bis zu isolierten, sehr seltenen Vorkommen um Moskau. Am häufigsten ist sie in Gegenden mit ozeanischem Klima. Sie lebt in Heiden und Mooren. Auch in Schottland ist sie nach Bertsch und Kollegen häufig.

In Brandenburg wurde die Große Erdhummel zuerst bei Eberswalde gefunden. Bertsch und Kollegen konnten sie in fünf Jahren Feldarbeit nur zweimal nachweisen, bei Teupitz und bei Menz, die jüngsten Funde am Berliner Stadtrand stammten von 1965. Bei Menz sammelten die Königinnen Anfang Mai in einem Kiefernwald auf Sand an Heidelbeere. In der österreichischen Roten Liste ist die Art nicht aufgeführt.

Lebensweise

Große Erdhummel mit gelbem Kragen in einem dichten Teppich rosa Thymianblüten in IrlandDie Große Erdhummel lebt nach dem Hummelatlas in kleinen bis mittelgroßen unterirdischen Völkern. Sie sammelt an vielen Pflanzenfamilien, bevorzugt aber Heidekrautgewächse wie Heidelbeere, Heiden und Rhododendron. Die Fotos auf dieser Seite zeigen sie außerdem an Kugeldistel, Goldrute und Thymian. In Schottland fanden Bertsch und Kollegen Königinnen an Wundklee und Sumpf-Kratzdistel.

Die Königinnen der Großen Erdhummel erscheinen im Frühjahr später als die der Kryptarum-Erdhummel. In Berlin und Brandenburg lag der Unterschied nach Bertsch und Kollegen bei etwa zweieinhalb Wochen, Anfang April ist eine Große Erdhummel dort kaum zu erwarten.

Gefährdung

In Deutschland steht die Große Erdhummel in Kategorie D (Daten unzureichend), wegen ihres umstrittenen taxonomischen Status und weil die Feldbestimmung so schwierig ist. Europaweit gilt sie als ungefährdet.

Der europäische Hummelatlas von Pierre Rasmont und Kollegen (2015) rechnet bis 2100 mit dem Verlust von 51 bis 74 Prozent des Gebiets mit passendem Klima, schon bis 2050 besonders im französischen Tiefland. Im ungünstigsten Fall bliebe die Art auf den Norden der Britischen Inseln und Skandinavien beschränkt. Wegen ihrer engen Bindung an Lebensraum, bestimmte Blüten und ozeanisches Klima dürfte sie stark betroffen sein. Aussterben wird sie nach Einschätzung der Autoren wohl nicht, sie könnte aber aus den meisten europäischen Ländern verschwinden.

Quellen

  • Bertsch, A., Schweer, H. & Titze, A. (2004): Discrimination of the bumblebee species Bombus lucorum, B. cryptarum and B. magnus by morphological characters and male labial gland secretions (Hymenoptera: Apidae). Beiträge zur Entomologie 54 (2), S. 365 bis 386. doi.org/10.21248/contrib.entomol.54.2.365-386
  • Rasmont, P., Franzen, M., Lecocq, T., Harpke, A., Roberts, S., Biesmeijer, K., Castro, L., Cederberg, B., Dvorak, L., Fitzpatrick, U., Gonseth, Y., Haubruge, E., Mahe, G., Manino, A., Michez, D., Neumayer, J., Odegaard, F., Paukkunen, J., Pawlikowski, T., Potts, S., Reemer, M., Settele, J., Straka, J. & Schweiger, O. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, S. 1 bis 236, Bombus magnus S. 84. doi.org/10.3897/biorisk.10.4749
  • Ogan, S., Grabener, S., Sommerlandt, F. & Dieker, P. (2023): Feld-Bestimmungshilfe für Hummeln in Deutschland, Version 2023.2. Thünen-Institut für Biodiversität. wildbienen.thuenen.de
  • Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 373 bis 416. PDF: wildbienen.info/downloads/rote_liste_bienen_fassung_5.pdf
  • Nieto, A., Roberts, S. P. M., Kemp, J., Rasmont, P., Kuhlmann, M., García Criado, M., Biesmeijer, J. C., Bogusch, P., Dathe, H. H., De la Rúa, P., De Meulemeester, T., Dehon, M., Dewulf, A., Ortiz-Sánchez, F. J., Lhomme, P., Pauly, A., Potts, S. G., Praz, C., Quaranta, M., Radchenko, V. G., Scheuchl, E., Smit, J., Straka, J., Terzo, M., Tomozii, B., Window, J. & Michez, D. (2014): European Red List of bees. Publication Office of the European Union, Luxemburg. doi.org/10.2779/51181
  • Foto: Tim Parker (n0xas), Beobachtung vom 03.09.2025, 27367 Ahausen, Germany. inaturalist.org/observations/311282957, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert
  • Foto: Miesia (miesia), Beobachtung vom 13.09.2020, Powiat szczecinecki, Polska, Rezerwat przyrody Diabelskie Pustacie. inaturalist.org/observations/329114068, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Alec McClay (alec_mcclay), Beobachtung vom 28.06.2026, Donegal, Ireland. inaturalist.org/observations/376532002, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert
  • Foto: Große Erdhummel (Bombus magnus). Rasbak, Wikimedia Commons, Grote Aardhommel op kogeldistel (Bombus magnus on Echinops ritro).jpg. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grote_Aardhommel_op_kogeldistel_(Bombus_magnus_on_Echinops_ritro).jpg, Lizenz CC BY-SA 3.0, unverändert

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  • Autor
    Beiträge
  • #75904
    Stefan
    Admin
    Beitragsersteller

      Danke @Frederik für dieses weitere Artenportrait, entschuldige bitte dass es etwas gedauert hat bis es online war. :pfeif:

      #75918
      Frederik
      Forenmitglied
        • DE 53347
        • 136 m

        Kein Problem :)

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