Feldhummel (Bombus ruderatus)
Die Feldhummel (Bombus ruderatus) zählt zu den selteneren Hummelarten Mitteleuropas. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Iberischen Halbinsel bis ins südliche Fennoskandinavien, in Deutschland kommt sie im gesamten Bundesgebiet vor, allerdings nur vereinzelt. In Mitteleuropa lebt ausschließlich die Unterart Bombus ruderatus eurynotus. Die Abgrenzung der Art zur nah verwandten Gartenhummel (Bombus hortorum) gilt unter Fachleuten als schwierig, auch die ursprüngliche Beschreibung der Art von den Kanaren beziehungsweise Madeira wird in der Literatur diskutiert.
Die Grundfärbung der Feldhummel ist schwarz. Auf dem kopfnahen Abschnitt des Thorax verläuft eine breite, bräunlich gelbliche Querbinde, die bei manchen Tieren nur schwach ausgeprägt ist oder ganz fehlt. Eine zweite gelbe Binde liegt auf dem hinteren Thorax, eine dritte auf dem ersten Tergiten des Hinterleibs. Die Tergite fünf und sechs tragen eine weiße Behaarung. Neben dieser Farbvariante kommen auch vollständig schwarz gefärbte Tiere vor.
Von der ähnlich gezeichneten Gartenhummel lässt sich die Feldhummel unter anderem daran unterscheiden, dass ihre gelben Binden schärfer abgegrenzt sind. Die Querbinde hinter dem Flügelansatz verläuft bei ihr vorne gerader als bei Bombus hortorum. Da sich beide Arten stark ähneln und die Unterscheidung selbst mit Bestimmungsliteratur schwierig bleibt, gelten viele ältere Fundmeldungen der Feldhummel als nicht sicher belegt. Kopf und Rüssel sind im Vergleich zu anderen Hummelarten außergewöhnlich lang.
Königin
- Körperlänge: 21–24 mm
- Flügelspannweite: 40–43 mm
- Rüssellänge: 12–13 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 11–18 mm
- Flügelspannweite: 21–35 mm
- Rüssellänge: 8–10 mm
Drohne
- Körperlänge: 15–17 mm
- Flügelspannweite: 30–33 mm
- Rüssellänge: 8–10 mm
Der lange Rüssel wird beim Anflug auf eine Blüte oft sichtbar nach vorne ausgestreckt gehalten. Zusammen mit der Ackerhummel und der Gartenhummel gehört die Feldhummel zu den wenigen Arten, die auch sehr tiefe Blüten wie Fingerhut oder Geißblatt erreichen können.
Nestentwicklung und Lebensweise
Die Königinnen der Feldhummel erwachen zwischen Mitte Mai und Anfang Juli aus der Winterruhe. Als Nistplatz dienen ihnen vor allem verlassene unterirdische Mäusenester, die Art zählt damit zu den Nestbeziehern unter den Hummeln. Nach der Anlage eines Nektartopfs aus Wachs beginnt die Königin mit dem Bau der ersten Waben und der Eiablage. Ab Anfang Juni schlüpfen die ersten Arbeiterinnen.
Ein Volk der Feldhummel bleibt vergleichsweise klein und umfasst selten mehr als hundert Tiere. Als Pocketmaker legen die Arbeiterinnen Pollentaschen an die Brutwaben an, aus denen sich die Larven direkt bedienen, statt einzeln gefüttert zu werden. Ab Mitte August schlüpfen keine weiteren Arbeiterinnen mehr, sondern nur noch Jungköniginnen und Drohnen. Die Nester sterben Ende September oder Anfang Oktober ab, vereinzelt lassen sich Drohnen bei der Nahrungssuche noch bis Mitte Oktober beobachten. Die Feldhummel bildet nur eine Generation im Jahr.
Als Brutparasit der Feldhummel gilt die Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus). Wie alle Kuckuckshummeln legt sie ihre Eier in ein fremdes Nest und überlässt der Wirtsart die Aufzucht ihrer Nachkommen. Ob tatsächlich die Bärtige Kuckuckshummel und nicht eine andere Art als Parasit der Feldhummel auftritt, ist allerdings nicht sicher belegt.
Nahrungspflanzen
Die Feldhummel sammelt an vielen unterschiedlichen Pflanzenfamilien und gilt daher als polylektisch. Bevorzugt fliegt sie aber Pflanzen mit langen Blütenröhren an, für die ihr langer Rüssel besonders geeignet ist. Zu den regelmäßig besuchten Arten zählen Feldziest, Ackerbohne, Rotklee, Herzgespann, Schwarznessel, Weißklee, verschiedene Wicken, Futtererbsen, Beinwell und Weidenröschen. In Großbritannien wird sie zusätzlich häufig an Fingerhut, Geißblatt und der Gelben Schwertlilie beobachtet.
Verbreitung, Bestand und Gefährdung
In Deutschland wird die Feldhummel in der Roten Liste in Kategorie D eingestuft, die Datenlage gilt also als unzureichend für eine genaue Gefährdungseinschätzung. Als mögliche Ursache für ihre Seltenheit wird unter anderem eine Verdrängung durch die konkurrierende, dominantere Gartenhummel diskutiert. In Großbritannien liegen ausführlichere Bestandsdaten vor. Dort ist die Art im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts um mehr als achtzig Prozent zurückgegangen und kommt inzwischen nur noch im Süden Englands vor. Ursache ist vor allem der Verlust blütenreichen Grünlands und der Rückgang langröhriger Blüten wie Rotklee und Fingerhut. Die Feldhummel gilt dort als Art von hoher Priorität im Rahmen des britischen Biodiversitätsaktionsplans und trägt den Schutzstatus „Nationally Scarce”. 2022 entdeckten Mitarbeiter des Bumblebee Conservation Trust eine bislang unbekannte Population in Wales.
Außerhalb Europas gibt es zwei durch den Menschen begründete Vorkommen. Auf den Azoren lebt die Feldhummel seit Mitte des 19. Jahrhunderts, in Neuseeland seit Ende desselben Jahrhunderts, wohin sie mit landwirtschaftlichem Saatgut aus Europa gelangte.
Quellen
- Hans-Jürgen Martin: Feldhummel – Bombus ruderatus, wildbienen.de
- Bumblebee Conservation Trust: Rare bumblebee population discovered in Wales, bumblebeeconservation.org
- Bees, Wasps and Ants Recording Society: Bombus ruderatus, bwars.com
- Buglife – The Invertebrate Conservation Trust: Species Management Sheet Large garden bumblebee (Bombus ruderatus), buglife.org.uk
- Suffolk Biodiversity Information Service: Large Garden Bumblebee, suffolkbis.org.uk
- Ökolandbau.de: Wildbiene des Monats – Feldhummel, oekolandbau.de
- Smagy.de: Insekten – Feldhummel (Bombus ruderatus), smagy.de
- Wikipedia: Feldhummel, de.wikipedia.org
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Stefan aktualisiert.
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