Die Bedeutung der Hummeln als Bestäuber
Hummeln gehören zu den bedeutendsten Bestäubern unserer Landschaften und erfüllen eine wichtige Aufgabe für Natur, Landwirtschaft sowie Obst und Gartenbau. Auch wenn sie keinen Honig liefern, der vom Menschen geerntet werden kann, ist ihr Beitrag zur Bestäubung von Kulturpflanzen und Wildpflanzen von großer wirtschaftlicher und ökologischer Bedeutung. In vielen Fällen leisten Hummeln sogar bessere Bestäubungsarbeit als Honigbienen.
Besonders wertvoll sind Hummeln bei Pflanzen mit tief liegenden Blüten, deren Nektarquellen für Honigbienen nur schwer erreichbar sind. Durch ihre längeren Rüssel können viele Hummelarten Blüten bestäuben, die von Honigbienen kaum oder gar nicht genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Rotklee, Ackerbohnen, Wicken und verschiedene Erbsenarten. Gerade beim Rotklee ist die Bedeutung der Hummeln besonders deutlich, da diese Pflanzen auf die Bestäubung durch geeignete Insekten angewiesen sind.
Hummeln als wichtige Helfer in der Landwirtschaft
Die besondere Bedeutung der Hummeln für den Pflanzenbau wurde bereits im 19. Jahrhundert erkannt. In Neuseeland gab es große Probleme beim Anbau von Rotklee, weil dort geeignete Bestäuber fehlten. Deshalb wurden in den Jahren 1885 und 1886 mehrere europäische Hummelarten eingeführt, um die Bestäubung der Rotkleebestände sicherzustellen. Die Ansiedlung war erfolgreich und führte dazu, dass sich der Rotkleeanbau deutlich verbessern konnte. Später wurden Hummeln auch in andere Länder wie Australien, die Philippinen und Südafrika gebracht. Eine dauerhafte Ansiedlung gelang jedoch vor allem in Neuseeland.
Auch heute werden Hummeln gezielt als Bestäuber eingesetzt. In Ländern wie Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Dänemark und Frankreich werden gezüchtete Hummelvölker beispielsweise in Gewächshäusern genutzt. Besonders beim Anbau von Tomaten haben sich Hummeln als äußerst wertvoll erwiesen. Durch die sogenannte Vibrationsbestäubung können sie den Blütenstaub gezielt lösen und dadurch die Fruchtbildung verbessern.
Obwohl Hummelstaaten deutlich kleiner sind als Bienenvölker, können sie eine hohe Bestäubungsleistung erreichen. Eine einzelne Hummel besucht während ihres Fluges zahlreiche Blüten und arbeitet unter Bedingungen weiter, bei denen Honigbienen häufig nicht mehr aktiv sind. Viele Hummelarten beginnen ihre Nahrungssuche bereits bei niedrigen Temperaturen und fliegen auch bei kühlem, wechselhaftem Wetter. Diese Fähigkeit macht sie besonders im zeitigen Frühjahr und in Regionen mit rauem Klima zu wichtigen Bestäubern.
Gefährdung der Hummelbestände
Trotz ihrer großen Bedeutung wird der Nutzen der Hummeln häufig unterschätzt. Anders als bei der Honigbiene gibt es für wild lebende Hummelarten kaum gezielte Schutzmaßnahmen, obwohl viele Arten zunehmend unter veränderten Umweltbedingungen leiden.
Die Lebensräume der Hummeln haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Flurbereinigungen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Straßenbau und zunehmenden Verkehr gingen viele Nistplätze und wichtige Nahrungsquellen verloren. Besonders betroffen sind Hummelarten, die auf offene Landschaften wie Wiesen und Feldränder angewiesen sind. Der Rückgang artenreicher Wiesen sowie der Verlust von blühenden Pflanzenbeständen haben ihre Lebensbedingungen deutlich verschlechtert.
Eine wichtige Rolle spielt auch der Rückgang bestimmter Kulturpflanzen. Der großflächige Anbau von Rotklee, der früher vielen Hummeln über lange Zeit Nahrung bot, ist in vielen Regionen stark zurückgegangen. Dadurch fehlen zahlreichen Arten wichtige Pollen und Nektarquellen.
Die Bedeutung blühender Lebensräume
Auch in Siedlungsbereichen sind Hummeln auf geeignete Lebensräume angewiesen. Gärten, Parks und öffentliche Grünflächen können wertvolle Ersatzlebensräume bieten, wenn dort ausreichend heimische Blütenpflanzen wachsen. Besonders problematisch ist der Einsatz von Insektiziden während der Blütezeit, da dadurch nicht nur Schädlinge, sondern auch viele nützliche Bestäuber geschädigt werden können.
Der Schutz der Hummeln besteht deshalb vor allem darin, vielfältige Lebensräume zu erhalten und neue Nahrungsangebote zu schaffen. Blühende Wiesen, naturnahe Gärten, ungemähte Randbereiche und eine größere Pflanzenvielfalt helfen dabei, stabile Hummelpopulationen zu bewahren. Davon profitieren nicht nur die Hummeln selbst, sondern zahlreiche andere Insektenarten und letztlich auch die Pflanzenwelt.
Die Bedeutung der Hummeln geht weit über ihre Rolle als Bestäuber einzelner Nutzpflanzen hinaus. Sie sichern die Fortpflanzung vieler Wildpflanzen und tragen damit zur Erhaltung artenreicher Ökosysteme bei. Ihr Schutz ist daher ein wichtiger Bestandteil des Erhalts biologischer Vielfalt.
Quellen
- Alford, D. V. (1975): Bumblebees. Davis-Poynter, London.
- Goulson, D. (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. Oxford University Press.
- Williams, P. H., Osborne, J. L. (2009): Bumblebee vulnerability and conservation worldwide. Apidologie 40, 367–387.
- Velthuis, H. H. W., van Doorn, A. (2006): A century of advances in bumblebee domestication and the economic and environmental aspects of its commercialization for pollination. Apidologie 37, 421–451.
- Inoue, M. N., Yokoyama, J., Washitani, I. (2008): Displacement of Japanese native bumblebees by the recently introduced Bombus terrestris. Journal of Insect Conservation 12, 135–146.
- Goulson, D., Nicholls, E., Botías, C., Rotheray, E. L. (2015): Bee declines driven by combined stress from parasites, pesticides, and lack of flowers. Science 347.
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Bestäuber und ihre Bedeutung für Ökosysteme. www.bfn.de
- Rasmont, P. et al. (2015): Climatic risk and distribution atlas of European bumblebees. Pensoft Publishers.

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