Bombus confusus
Die Samthummel (Bombus confusus) zählt zu den seltensten und am stärksten gefährdeten Hummelarten Mitteleuropas. Schon ihr wissenschaftlicher Name verweist auf ihre Besonderheit: Schenck beschrieb die Art 1859 als „confusus“, lateinisch für „verwechselt“, weil sie der deutlich häufigeren Steinhummel (Bombus lapidarius) in der Färbung stark ähnelt. Systematisch wird sie der Untergattung Bombias zugeordnet.
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet reicht über weite Teile Europas bis zum Schwarzen Meer. Ausgenommen sind die Britischen Inseln, Fennoskandinavien, das nördliche Russland sowie der Süden Spaniens und Portugals. In Deutschland liegt die nördliche Verbreitungsgrenze etwa auf der Höhe von Köln. Die Art besiedelt offenes Gelände: Magerrasen, Trockenhänge, Trockenwiesen und Ruderalflächen. Solche trockenwarmen, naturbelassenen Lebensräume sind durch intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. In der Schweiz gilt die Samthummel nach der dortigen Roten Liste inzwischen als ausgestorben.
Nistweise und Nahrungserwerb
Bombus confusus legt ihr Nest wahlweise unterirdisch in verlassenen Bauten von Kleinsäugern an oder oberirdisch in Bodenvertiefungen, etwa in Grasbüscheln oder unter Moos. Sie tritt damit sowohl als Nestbauerin wie auch als Nestbezieherin auf. Bei der Pollenlagerung gilt sie als Pollenstorerin. Ihre Nahrung bezieht sie aus einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien, sie ist also polylektisch. Ein Nest beherbergt im Vergleich zu anderen Hummelarten nur wenige Individuen.
Lebenszyklus und Flugzeit
Die Samthummel bildet nur eine Generation pro Jahr. Überwinterte Königinnen erscheinen erst spät, ab Anfang Mai, und beginnen dann mit der Nestsuche. Damit fliegt die Art deutlich später als viele verwandte Hummeln. Im Laufe des Sommers erscheinen die Arbeiterinnen, ab August folgen Jungköniginnen und Männchen.
Bestimmungsmerkmale
Die Körperlänge liegt zwischen 12 und 20 Millimetern. In der Färbung ähnelt die Samthummel stark der Steinhummel: Thorax und die Tergite 1 bis 3 sind schwarz, die Tergite 4 bis 6 orange bis rot behaart. Die Behaarung selbst ist jedoch samtartig kurz, was der Art ihren deutschen Namen gab und sie von der langhaarigen Steinhummel unterscheidet. Ein weiteres Bestimmungsmerkmal betrifft die Fühler: Das dritte Fühlerglied ist länger als die Fühlerglieder 4 und 5 zusammen. Bei den Männchen fallen zudem die sehr großen Komplexaugen sowie ein auffällig rasches Flugverhalten auf.
Gefährdung und Schutz
In Deutschland ist die Samthummel in der Roten Liste als Kategorie 1 eingestuft und damit vom Aussterben bedroht. Zusätzlich ist sie nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Auch in anderen Teilen des Verbreitungsgebiets nimmt der Bestand ab: In den spanischen Pyrenäen wurde die Art in der nationalen Roten Liste als gefährdet eingestuft, nachdem dort seit den 1980er Jahren nur noch vereinzelte Individuen nachgewiesen wurden. Die Ursache ist überall ähnlich: Der Verlust trockenwarmer, extensiv genutzter Offenlandflächen entzieht der Art ihre Lebensgrundlage.
Quellen
- wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin und Johann Neumayer: Portrait der Samthummel (Bombus confusus), www.wildbienen.de/b-confus.htm
- smagy.de: Samthummel (Bombus confusus), www.smagy.de
- GBIF-Artseite Bombus confusus mit Angaben nach Ornosa (2011) zur iberischen Population, www.gbif.org/species/127710674
- insekten-sachsen.de: Samthummel (Bombus confusus Schenck, 1859), Angaben zum gesetzlichen Schutzstatus
- LSM.lv (lettischer öffentlicher Rundfunk): „Do not be confused by Latvian bug of the year 2024“, 9. Januar 2024
- Hummelforum-Archiv (pollenhoeschen.de) unter Bezug auf die Rote Liste der Schweiz (BAFU)
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Olaf aktualisiert.
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