Sandhummel (Bombus veteranus)

Der deutsche Name Sandhummel wird nicht einheitlich verwendet. Paul Westrich bezeichnet in seinem Werk “Die Wildbienen Baden-Württembergs” auch Bombus jonellus als Sandhummel. Eberhard von Hagen nennt dieselbe Art dagegen Heidehummel. Zusätzlich gibt es mit der Samthummel (Bombus confusus) einen lautlich sehr ähnlichen deutschen Namen für eine völlig andere Art. In der aktuellen Fachliteratur trägt inzwischen allein Bombus veteranus den Namen Sandhummel.

Bombus veteranus  Sandhummel  Sandhummel

Verbreitung und Lebensraum

Bombus veteranus kommt in weiten Teilen Europas vor, von den Alpen bis Südschweden und Mittelfinnland, von der Bretagne bis zum Ural. Auf der Iberischen Halbinsel, im Mittelmeerraum, in Irland und Großbritannien fehlt die Art. In Mitteleuropa liegt ihr Schwerpunkt vor allem in Küstennähe, in Höhenlagen kommt sie bis etwa 1000 Meter vor. Zur Verbreitung in Deutschland widersprechen sich die Quellen: Ältere Angaben nennen den Norden als Schwerpunkt, nach Beobachtungen von Eberhard von Hagen und neueren Übersichten liegt der Schwerpunkt inzwischen eher im Süden und im Alpenraum, dort bis etwa 1100 Meter. In Nordrhein-Westfalen ist die Art größtenteils ausgestorben, einzelne Restvorkommen gibt es noch im Weserbergland sowie im Bergischen, Sauer- und Siegerland. In der Eifel und im Siebengebirge zählt sie zu den stark gefährdeten Arten. Als Lebensraum nutzt die Sandhummel offenes, meist trockenes Gelände: Böschungen, Wegränder, Gärten, Streuobstwiesen und lichte Waldränder.

Erscheinungsbild und Abgrenzung zu ähnlichen Arten

Die Grundfarbe der Sandhummel reicht von weißgrau bis dunkelgrau. Am kopfnahen Thorax und am Übergang zum Abdomen liegt ein breiter graubrauner Pelz, in der Mitte des Thorax bleibt ein schwarzer Fleck frei. Das dunkle Abdomen ist von weißen Querstreifen überzogen, dadurch entsteht ein deutliches Streifenmuster. Die Königin erzeugt einen hohen Summton.

Am ehesten verwechselt wird die Sandhummel mit der Waldhummel (Bombus sylvarum). Beide teilen die graue Grundfärbung und den hohen Summton der Königin. Unterscheiden lassen sie sich am hinteren Abdomen: Bei der Sandhummel sind die Tergite 4 bis 6 grauweiß gerandet, bei der Waldhummel dagegen orange. Auch mit der Grauweißen Hummel wird sie gelegentlich verwechselt, die sich durch einen deutlich sichtbaren dunklen Streifen am oberen Hinterleib abgrenzt. Wie die meisten Pocketmaker unter den Hummeln besitzt die Sandhummel einen langen Rüssel.

Königin

  • Länge: 16–19 mm
  • Flügelspannweite: 30–33 mm
  • Rüssel: 9–11 mm

Arbeiterin

  • Länge: 10–16 mm
  • Flügelspannweite: 21–28 mm
  • Rüssel: 6–8 mm

Drohn

  • Länge: 12–15 mm
  • Flügelspannweite: 23–27 mm
  • Rüssel: 7–9 mm

Nestbau und Jahreszyklus

Überwinterte Königinnen erscheinen ab Mitte April und legen bis Mitte Juni ihre Nester an. Als Pocketmaker formen sie dazu eine Nestkugel aus Moos und Gras, größtenteils oberirdisch unter Grasbüscheln oder Moospolstern. Findet eine Königin keinen passenden Platz, bezieht sie auch ein verlassenes Mäusenest. Die Art gilt damit zugleich als Nestbauer und Nestbezieher. Die ersten Arbeiterinnen fliegen ab Anfang Mai und bleiben bis in den September hinein aktiv. Drohnen und Jungköniginnen erscheinen ab Ende Juli, ihre Flugzeit reicht bis in den September. Ein Volk umfasst zwischen 60 und 130 Tiere.

info hummelBei fast allen heimischen Hummelarten ist bekannt, welche Kuckuckshummel sie als Wirt befällt. Bei der Sandhummel ist das bis heute nicht sicher geklärt. In der Fachliteratur findet sich für ihren Sozialparasiten lediglich ein Fragezeichen.

Nahrung

Die Sandhummel gilt als polylektisch und sammelt an vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Zu ihren regelmäßigen Trachtpflanzen zählen Rotklee und andere Kleearten, Hornklee, verschiedene Kratzdisteln, die Skabiosen-Flockenblume, Braunelle, Beinwell und Fingerhut. Trotz dieses breiten Nahrungsspektrums gehört sie, wie andere langrüsselige Hummelarten, zu den selten gewordenen Arten.

Gefährdung

Auf der Roten Liste gefährdeter Bienen Deutschlands ist die Sandhummel in Kategorie 3 als gefährdet eingestuft, regional, etwa in Teilen Nordrhein-Westfalens, sogar als vom Aussterben bedroht. Als Ursache gilt vor allem der Verlust naturnaher, blütenreicher Offenlandflächen durch landwirtschaftliche Intensivierung. Für die kommenden Jahre wird ein weiterer, deutlicher Rückgang des Bestands erwartet.

Quellen

  • Wildbienen.de: Hummel-Arten, Bombus veteranus (wildbienen.de/b-vetera.htm und wildbienen.de/huarten.htm)
  • Eberhard von Hagen: Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen
  • Paul Westrich: Die Wildbienen Baden-Württembergs

Bewerte diesen Beitrag

1 Sterne2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)
  • Dieses Thema hat 5 Antworten sowie 7 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 6 Jahren, 1 Monat von AvatarMartin aktualisiert.
Ansicht von 5 Beiträgen – 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Autor
    Beiträge
  • #48511
    Katrin
    Forenmitglied
      • DE 18311
      • 13 m

      Hallöchen, trotz “mit ohne” Sonne, zeimlich viel Regen und kühlen Temperaturen (14°C) konnte ich gestern Abend (08.07.2020) im Grenztalmoor bei Tribsees (Mecklenburg-Vorpommern, Höhe: 4m) doch noch ein paar Hummeln beobachten. Anbei ein paar Belegfotos.                                                                                            

      Viele Grüße Katrin

      Foto/Video:
      1. Sandhummel
      2. Sandhummel
      3. Bombus veteranus
      #48528
      Martin
      Forenmitglied

        Sehr schön. Ist das Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis)? Dafür scheint diese Art eine Vorliebe zu haben.

        #48609
        Martha
        Forenmitglied
          • CH
          • 545 m

          @Katrin    Super Aufnahmen, danke.?? Sieht man selten, die Sandhummel auf Wiesen-Platterbsen.

          #48621
          Katrin
          Forenmitglied
            • DE 18311
            • 13 m

            Zur Zeit blüht nicht sehr viel im Grenztalmoor, deshalb müssen die Tiere nehmen, was da ist … :D

            Heute war es bezogen, es nieselte, der Wind wehte und es war kühl. Eine klamme Hummel saß auf Rotklee (MV, Grenztalmoor bei Tribsees, 4m NHN)

            Gruß Katrin

            Foto/Video:
            #48651
            Martin
            Forenmitglied

              Super Foto! Schön, dass es der Art noch irgendwo gut zu gehen scheint, ich habe in diesem Jahr noch keine einzige gesehen.

              Martin

            Ansicht von 5 Beiträgen – 1 bis 5 (von insgesamt 5)
            • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.