Felsen-Kuckuckshummel (Psithyrus rupestris)
Die Felsen-Kuckuckshummel, wissenschaftlich Bombus rupestris und lange unter dem Namen Psithyrus rupestris geführt, gehört zu den Hummelarten, die kein eigenes Volk gründen. Sie dringt stattdessen in die Nester der Steinhummel (Bombus lapidarius) ein und überlässt deren Arbeiterinnen die gesamte Aufzucht des eigenen Nachwuchses. Taxonomisch wird sie heute nicht mehr als eigene Gattung Psithyrus geführt, sondern als Untergattung innerhalb von Bombus, da genetische Untersuchungen keine eigenständige Abstammungslinie der Kuckuckshummeln belegen konnten.
Auf die Steinhummel ist Bombus rupestris weitgehend festgelegt. Vereinzelte Funde aus Nestern anderer Arten gelten in der Literatur als Ausnahmen, nicht als reguläres Wirtsspektrum.
Erkennungsmerkmale und Verwechslung
Die Königin erreicht eine Körperlänge von 18 bis 22 Millimetern bei einer Flügelspannweite von 41 bis 44 Millimetern, das Männchen bleibt mit 14 bis 16 Millimetern deutlich kleiner. Der Grundkörper ist schwarz gefärbt, das hintere Drittel des Hinterleibs rot behaart. Die Flügel sind auffällig dunkel getönt, bei vielen Tieren fast schwarzbraun. An der Brust, nahe dem Kopf, trägt ein Teil der Population zusätzlich eine gelbe Querbinde, bei anderen Individuen fehlt diese Zeichnung vollständig.
Diese Färbung ist kein Zufall: Sie ähnelt der Königin der Steinhummel so stark, dass eine Unterscheidung im Feld schwerfällt. Eine zweite Verwechslungsmöglichkeit besteht mit Bombus quadricolor, einer weiteren Kuckuckshummelart. Beide Arten lassen sich äußerlich kaum sicher trennen, eine zuverlässige Bestimmung gelingt hier nur über eine genetische Untersuchung.
Auffinden und Übernahme des Wirtsnests
Überwinterte Weibchen von Bombus rupestris werden ab Mai aktiv, also erst dann, wenn Steinhummel-Königinnen ihre Völker bereits gegründet und die ersten Arbeiterinnen hervorgebracht haben. Erst ein Nest mit vorhandener Arbeiterinnenschar bietet der Kuckuckshummel die Ressourcen, die sie für die eigene Fortpflanzung benötigt.
Bei der Nestsuche verlässt sie sich nicht auf Zufallsflüge allein. In Y-Olfaktometer-Versuchen von Bunk, Sramková und Ayasse (2010) zeigten Weibchen von Bombus rupestris eine klare Vorliebe für den spezifischen Duftbouquet von Steinhummel-Nestern, das sich durch ein bestimmtes Muster von Kohlenwasserstoffen, insbesondere Alkenen, von den Nestdüften anderer Hummelarten unterscheidet. Die Kuckuckshummel kann diesen artspezifischen Nestduft also gezielt erkennen und ansteuern.
Am Nesteingang angekommen, ist die eigentliche Herausforderung noch nicht gelöst: Fremde Individuen werden von Wächterinnen normalerweise angegriffen. Kuckuckshummeln der Untergattung Psithyrus besitzen dafür einen im Vergleich zu ihren Wirten deutlich verstärkten Chitinpanzer und kräftigere Mundwerkzeuge sowie einen kräftigeren Stachel, was ihnen bei einer direkten Auseinandersetzung mit Arbeiterinnen oder der Wirtskönigin einen Vorteil verschafft. Nach dem Eindringen gleicht sich der Nestgeruch der Eindringlingin zunehmend an das Nest an, wodurch die Aggression der Arbeiterinnen mit der Zeit nachlässt.
Fortpflanzung ohne eigene Arbeiterinnen
Ist das Nest übernommen, legt das Weibchen von Bombus rupestris eigene Eier in vorhandene oder neu angelegte Wachszellen. Die Versorgung der Larven übernehmen ausschließlich die Steinhummel-Arbeiterinnen. Aus den Eiern schlüpfen bei der Kuckuckshummel nur zwei Kasten: Jungköniginnen und Männchen. Eine eigene Arbeiterinnengeneration bringt Bombus rupestris nicht hervor, entsprechend fehlen den Weibchen auch die Pollenkörbchen an den Hinterbeinen, die bei staatenbildenden Hummeln zum Poplensammeln dienen. Die Jungköniginnen fliegen ab August, die Männchen etwa zeitgleich.
Bestandsentwicklung und Schutzstatus
In Deutschland gilt Bombus rupestris auf der Roten Liste der Bienen nach Westrich et al. (2011) als ungefährdet, sie steht zugleich unter dem besonderen Schutz der Bundesartenschutzverordnung. Weil ihr Fortbestand direkt an die Größe der Steinhummel-Population gekoppelt ist, schwankt ihre Häufigkeit von Jahr zu Jahr deutlich stärker als bei staatenbildenden Arten: Nach Jahren mit vielen Kuckuckshummeln braucht der Wirtsbestand oft eine gewisse Zeit zur Erholung, bevor die Parasitendichte wieder ansteigen kann. Regionale Ausnahmen von der bundesweiten Einstufung gibt es dennoch, in der Niederrheinischen Bucht etwa führt die Rote Liste Nordrhein-Westfalens die Art als gefährdet.
Quellen
- Bunk, E., Sramková, A., Ayasse, M. (2010): The role of trail pheromones in host nest recognition of the social parasitic bumblebees Bombus bohemicus and Bombus rupestris (Hymenoptera: Apidae). Chemoecology 20: 189–198.
- Cederberg, B. (1983): The role of trail pheromones in host selection by Psithyrus rupestris (Hymenoptera, Apidae). Annales Entomologici Fennici 49: 11–16.
- Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C., Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera: Apidae) Deutschlands. In: Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3, Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(3), Bundesamt für Naturschutz, Bonn.
- biologie-seite.de: Felsen-Kuckuckshummel, https://www.biologie-seite.de/Biologie/Felsen-Kuckuckshummel
- wildbienen.de (Wildbienen-Kataster): Kuckuckshummel-Arten (Bombus bzw. Psithyrus spec.), http://www.wildbienen.de/hua-psit.htm
- wildbienenwelt.de: Bombus rupestris, Wildbienen bestimmen, https://www.wildbienenwelt.de/Wildbienen-bestimmen/Wildbienen-Finder/article-6516094-190818/bombus-rupestris-.html
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- Dieses Thema hat 1 Antwort sowie 2 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 7 Jahren, 2 Monaten von
Karsten Grotstück aktualisiert.
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