Bombus consobrinus

Hummeln aus aller Welt

Bombus consobrinusBombus consobrinus gehört zu den Hummelarten, deren Verbreitungsgebiet sich fast ausschließlich mit dem einer einzigen Futterpflanzengattung deckt. In Nordeuropa liegt ihr Kernareal zwischen dem 59. und dem 69. Breitengrad und folgt damit dem Vorkommen des Nördlichen Eisenhuts, Aconitum septentrionale. Weiter östlich reicht das Vorkommen bis in die Gegend von Saratow an der Wolga, also bis etwa zum 51. Breitengrad. Von dort zieht sich das Areal durch ganz Sibirien bis nach Kamtschatka, in die Mongolei, in die chinesische Provinz Gansu, in die Mandschurei, nach Korea und nach Japan. Historische Nachweise gibt es außerdem aus Ungarn. In Mitteleuropa fehlt die Art; auch im deutschen Alpenraum ist sie nicht heimisch.

Je weiter östlich man kommt, desto lockerer wird die Bindung an Eisenhut. Während die Hummel in Fennoskandinavien und im europäischen Norden Russlands nahezu ausschließlich auf Aconitum septentrionale angewiesen ist, wurden im sibirischen und ostasiatischen Teil des Verbreitungsgebiets auch Vorkommen ohne nennenswerte Eisenhutbestände dokumentiert.

Merkmale

Bombus consobrinusBombus consobrinus zählt innerhalb der Untergattung Megabombus zu den großen Arten. Thorax und der vordere Teil des Hinterleibs sind orange gefärbt, gefolgt von einer schwarzen Querbinde. Die Spitze des Hinterleibs ist grau. Diese Farbfolge, orange, schwarz, grau, unterscheidet die Art von den meisten anderen mitteleuropäischen Hummeln mit ähnlicher Grundfärbung und erleichtert die Bestimmung im Feld, sofern man sich im Verbreitungsgebiet der Art befindet. Charakteristisch ist außerdem der lange Rüssel, mit dem die Hummel den Grund der tief verborgenen Nektarien im Eisenhut erreicht.

info hummelInnerhalb der Untergattung Megabombus hat sich eine derart enge Bindung an eine einzige Futterpflanze nach heutigem Kenntnisstand nur zweimal unabhängig entwickelt, bei Bombus consobrinus und bei der noch strenger spezialisierten Bombus gerstaeckeri. Eine aktuelle Hypothese führt diese Extremspezialisierung auf das Zusammentreffen von langem Rüssel und kurzer Vegetationsperiode in nördlichen beziehungsweise gebirgigen Lagen zurück: Bleibt für den gesamten Nestzyklus nur ein enges Zeitfenster, lohnt sich die Ausrichtung auf eine einzige, verlässlich reich blühende Pflanze offenbar besonders. Die nächste bekannte Verwandte von Bombus consobrinus, die erst kürzlich beschriebene Art Bombus koreanus aus Ostasien, ist dagegen deutlich weniger wählerisch und besucht mehrere Futterpflanzen.

Enge Bindung an den Eisenhut

Bombus consobrinusWo Aconitum septentrionale wächst, bestreitet Bombus consobrinus während dessen Blütezeit nahezu ihre gesamte Pollenversorgung von dieser einen Pflanze. Untersuchungen zur Nahrungssuche norwegischer Populationen zeigten, dass die Hummel in der Hauptblütezeit des Eisenhuts nahezu den gesamten Pollen, rund 99 Prozent, von dieser Pflanze einträgt. Nur vor und nach der Blütezeit des Eisenhuts weicht sie auf andere Blüten aus. Diese Vorliebe gilt in der Fachliteratur als oligolektisch, also auf eine eng begrenzte Gruppe von Futterpflanzen beschränkt, wobei die Bindung in Nordeuropa deutlich strikter ausfällt als im Osten des Verbreitungsgebiets.

Der lange Rüssel erlaubt es der Hummel, die tief im Helm der Eisenhutblüte verborgenen Nektarien auf regulärem Weg zu erreichen und dabei die Staubblätter und Narben zu berühren. Andere, kurzrüsselige Hummelarten, die gelegentlich ebenfalls am Eisenhut Nektar suchen, beißen dagegen häufig ein Loch von außen in die Blütenhülle und gelangen so an den Nektar, ohne die Blüte zu bestäuben. Bombus consobrinus zählt damit zu den wenigen legitimen, also regulär bestäubenden Besuchern dieser giftigen Pflanze.

Rolle bei der Bestäubung

Vergleichende Untersuchungen an Aconitum septentrionale haben die Bestäubungsleistung von Bombus consobrinus jener mehrerer generalistisch sammelnder Hummelarten gegenübergestellt, die dieselben Blüten ebenfalls besuchen. Dabei entnahmen Arbeiterinnen und Königinnen des spezialisierten Bombus consobrinus pro Blütenbesuch ähnlich viel Pollen wie die Arbeiterinnen der Generalisten, benötigten dafür aber deutlich weniger Zeit. In der Folge erzielte die spezialisierte Art pro Zeiteinheit einen höheren Nettoenergiegewinn als die Generalisten. Königinnen von Bombus consobrinus entnahmen dabei je Besuch weniger Pollen als Arbeiterinnen, obwohl die Besuchsdauer bei beiden Kasten vergleichbar war.

Quellen

  • Rasmont, P. & Iserbyt, S. (2014): Bombus Latreille, 1802. Atlas of the European Bees – STEP project, Université de Mons, http://www.atlashymenoptera.net/page.aspx?id=169
  • Potapov, G. & Kolosova, Y. (2021): Bombus (Megabombus) consobrinus Dahlbom, 1832 in the European North of Russia: its distribution and foraging preference. Fauna Norvegica 41: 27–33, https://doi.org/10.5324/fn.v41i0.3903
  • Mjelde, A. (1983): The foraging strategy of Bombus consobrinus (Hymenoptera, Apidae). Acta Entomologica Fennica 42: 51–56
  • Laverty, T. M. & Plowright, R. C. (1988): Flower handling by bumblebees: a comparison of specialists and generalists. Animal
  • Behaviour 36(3): 733–740
  • Forschungsbeitrag zur Evolution extremer Futterpflanzenspezialisierung bei Megabombus-Hummeln (Kombination aus langem Rüssel und kurzer Nistsaison), ResearchGate-Publikation zu Bombus koreanus und verwandten Megabombus-Arten

Bewerte diesen Beitrag

(5 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)
Stefan

Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m
Ansicht von 1 Beitrag (von insgesamt 1)
  • Autor
    Beiträge
  • #40899
    Martha
    Forenmitglied
      • CH
      • 545 m

      Schöne Hummel, die Bombus consobrinus, auffallend ist der lange Rüssel, sieht aus wie bei dem Kolibri, der aber keinen Rüssel sondern eine sehr lange gespaltene Zunge hat. :)

    Ansicht von 1 Beitrag (von insgesamt 1)
    • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.