Böhmische Kuckuckshummel (Bombus bohemicus)
Die Böhmische Kuckuckshummel gehört zur Untergattung Psithyrus, den obligaten Brutparasiten unter den Hummeln. Sie legt kein eigenes Nest an, trägt keinen Pollen für Nachkommen ein und zieht keine eigenen Arbeiterinnen groß. Stattdessen dringt das befruchtete Weibchen im Frühjahr in ein bereits bestehendes Hummelvolk ein, beseitigt die dortige Königin und überlässt die Aufzucht der eigenen Brut den fremden Arbeiterinnen. Im Unterschied zu den meisten anderen Kuckuckshummeln ist Bombus bohemicus dabei kein Spezialist. Sie parasitiert mehrere nahe verwandte Erdhummelarten, darunter die Helle Erdhummel, die Heide-Erdhummel und die Dunkle Erdhummel.
Bestimmungsmerkmale und Verwechslungsarten
Weibchen erreichen etwa 23 bis 25 Millimeter Länge, Männchen liegen bei 15 bis 18 Millimetern. Auffällig sind eine vergleichsweise lange Behaarung, dunkel getönte Flügel und ein kurzer Rüssel, der für den Nektarerwerb an offenen Blüten ausreicht.
Am ehesten wird Bombus bohemicus mit der Keuschen Kuckuckshummel verwechselt, die bei der Dunklen Erdhummel schmarotzt. Beide Arten zeigen ein Muster aus schwarzer, gelber und weißer Behaarung, das an den jeweiligen Wirt erinnert. Ein Unterscheidungsmerkmal liegt am hellgelben Streifen nahe dem Kopf: Bei der Keuschen Kuckuckshummel reicht er deutlich über den Flügelansatz hinaus, bei Bombus bohemicus endet er kurz danach. Am dritten sichtbaren Hinterleibssegment zeigt Bombus bohemicus meist eine weißliche, die Keusche Kuckuckshummel dagegen eine goldgelbe Färbung an den Seiten. Auch die Fühler unterscheiden beide Arten: Das dritte Fühlerglied ist bei Bombus bohemicus deutlich länger als das fünfte, bei der Keuschen Kuckuckshummel nur wenig länger.
Wirte, Verbreitung und Gefährdung
Während die Keusche Kuckuckshummel nahezu ausschließlich die Dunkle Erdhummel befällt, gilt Bombus bohemicus als Generalist innerhalb der Kuckuckshummeln. Verhaltensversuche zeigten, dass Weibchen der Art vom Nestduft der Hellen Erdhummel, der Heide-Erdhummel und der Dunklen Erdhummel in vergleichbarem Ausmaß angezogen werden, während spezialisierte Verwandte nur auf den Duft einer einzigen Wirtsart reagieren. Das Verbreitungsgebiet reicht insgesamt weiter nach Norden als das der Keuschen Kuckuckshummel, was mit der nördlicheren Verbreitung der Haupt-Wirtsart, der Hellen Erdhummel, zusammenhängt. In Deutschland gilt Bombus bohemicus nach der Roten Liste der Bienen als ungefährdet und häufig, mit langfristig gleichbleibendem Bestand.
Eindringen ins Wirtsnest
Überwinterte Weibchen der Böhmischen Kuckuckshummel schlüpfen später als die Königinnen ihrer Wirtsarten. Dieser Zeitversatz verschafft den Wirtsvölkern die nötige Zeit, ein eigenes Nest zu gründen und die ersten Arbeiterinnengenerationen aufzuziehen, bevor die Kuckuckshummel aktiv wird. Bevorzugt werden Nester mit ausreichend Arbeiterinnen, um die eigene Brut versorgen zu können, die aber noch nicht so individuenreich sind, dass sie die eindringende Königin überwältigen könnten.
Beim Eindringen in ein fremdes Nest ahmt die Kuckuckshummel die arttypischen Duftstoffe auf der Körperoberfläche des Wirtsvolkes nach. Diese chemische Tarnung verringert die anfängliche Abwehrreaktion der Arbeiterinnen deutlich, verhindert sie aber nicht vollständig. Sowohl die Wirtsköniginnen als auch die Arbeiterinnen wehren sich, und auch die eindringende Kuckuckshummel kann bei diesem Kampf tödlich verletzt werden. Setzt sie sich durch, wird die Wirtskönigin beseitigt, woraufhin die Arbeiterinnen sich der neuen Königin unterordnen und ihre Brut wie die eigene versorgen.
Unterdrückung der Wirtsarbeiterinnen
Nach der Übernahme des Nestes muss die Kuckuckshummel verhindern, dass die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes selbst Eier legen, denn das würde ihren eigenen Nachwuchs verdrängen. Dazu produziert sie eine Mischung aus Wachsestern, insbesondere Tetracosyloleat und Hexacosyloleat, die den Fruchtbarkeitssignalen einer brütenden Wirtskönigin entsprechen. Diese Stoffe werden bei direktem Körperkontakt durch gegenseitiges Berühren an die Arbeiterinnen weitergegeben und hemmen deren Eierstockentwicklung. Untersuchungen fanden dabei keinen messbaren Unterschied zwischen der Unterdrückungswirkung einer echten Wirtskönigin und der einer eingedrungenen Kuckuckshummel, was für eine sehr genaue Nachahmung des Signals spricht.
Nestsuche über Duftspuren
Bevor eine Kuckuckshummel überhaupt ins Nest eindringen kann, muss sie es zunächst finden. Arbeiterinnen von Erdhummeln hinterlassen an ihrem Nesteingang eine arttypische Mischung aus Kohlenwasserstoffen, eine Art Duftspur. Chemische Analysen solcher Spuren identifizierten rund 45 verschiedene Kohlenwasserstoffe, deren Zusammensetzung sich zwischen den Wirtsarten und selbst zwischen einzelnen Völkern derselben Art unterscheidet. In Wahlversuchen im Y-Olfaktometer reagierten Kuckuckshummeln gezielt auf den Nestduft ihrer jeweiligen Wirtsarten.
Vergleiche zwischen der spezialisierten Keuschen Kuckuckshummel und der generalistischen Böhmischen Kuckuckshummel zeigten dabei einen deutlichen Unterschied in der Strategie. Die spezialisierte Art benötigt ein komplexes Bouquet an Duftstoffen, um ihren einen Wirt zuverlässig zu erkennen. Die generalistische Böhmische Kuckuckshummel kommt dagegen mit wenigen, ausgewählten Substanzen aus, die allen ihren Wirtsarten gemeinsam sind.
Fortpflanzungszyklus
Bombus bohemicus bildet nur eine Generation pro Jahr. Überwinterte Weibchen fliegen etwa ab Mitte April und suchen bis in den Sommer hinein nach geeigneten Wirtsnestern. Ist die Übernahme eines Nestes gelungen, entwickelt sich daraus ausschließlich neuer Nachwuchs der Kuckuckshummel: Jungköniginnen und Männchen, die ab Juli bis in den September hinein fliegen. Diese neuen Weibchen paaren sich, überwintern anschließend und beginnen im folgenden Frühjahr selbst wieder mit der Suche nach einem Wirtsnest.
Quellen
- Kreuter, K.; Bunk, E.; Lückemeyer, A.; Twele, R.; Francke, W.; Ayasse, M. (2012): How the social parasitic bumblebee Bombus bohemicus sneaks into power of reproduction. Behavioral Ecology and Sociobiology 66, S. 475–486.
- Kreuter, K.; Twele, R.; Francke, W.; Ayasse, M. (2010): Specialist Bombus vestalis and generalist Bombus bohemicus use different odour cues to find their host Bombus terrestris. Animal Behaviour 80, S. 297–302.
- Bunk, E.; Sramkova, A.; Ayasse, M. (2010): The role of trail pheromones in host nest recognition of the social parasitic bumblebees Bombus bohemicus and Bombus rupestris (Hymenoptera: Apidae). Chemoecology 20, S. 189–198.
- Rote-Liste-Zentrum: Detailseite Bombus bohemicus, nach Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C.; Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. www.rote-liste-zentrum.de
- Bees, Wasps and Ants Recording Society (BWARS): Bombus bohemicus. www.bwars.com/bee/apidae/bombus-bohemicus
- Bild: Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: Pollenhöschen.de
- Naturadb: Böhmische Kuckuckshummel (Bombus bohemicus). www.naturadb.de/tiere/bombus-bohemicus
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Katrin aktualisiert.
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