Das Hummeljahr

Das Hummeljahr beginnt für viele einheimische Arten bereits Ende Februar oder Anfang März, sobald die ersten milden Tage den Boden erwärmen. Die einzige Hummel, die den Winter überlebt, ist die im Vorjahr begattete Jungkönigin. Sie hat sich im Herbst in lockere Erde eingegraben, je nach Bodenbeschaffenheit fünf bis fünfzehn Zentimeter tief, und dort in einer Kältestarre ausgeharrt. Steigen die Bodentemperaturen im Frühjahr wieder an, gräbt sie sich heraus und beginnt allein ein neues Hummelvolk.

Nur ein kleiner Teil der überwinternden Königinnen erlebt dieses Frühjahr. Wie hoch die Verluste tatsächlich ausfallen, wird unterschiedlich beziffert: Manche Untersuchungen gehen davon aus, dass von zehn Königinnen im Schnitt nur eine ein Volk gründet, andere Schätzungen sprechen von einer überlebenden Königin unter zwanzig bis fünfzig. Die Sterblichkeit in dieser Phase liegt in jedem Fall außergewöhnlich hoch.

Ursache sind zum einen Witterungseinflüsse: wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren des Bodens im Winter setzt den Königinnen ebenso zu wie Überschwemmungen im zeitigen Frühjahr. Zum anderen befällt ein parasitischer Fadenwurm, Sphaerularia bombi, überwinternde Königinnen in ihrem Erdquartier. Er tötet den Wirt zwar nicht, macht ihn aber unfruchtbar und verändert sein Grabverhalten, sodass die betroffene Königin im Frühjahr kein Volk mehr gründet. Wer Hummeln unterstützen will, kann bereits im Herbst helfen: Naturbelassene Ecken mit lockerem Boden, Laub und Totholz bieten den Königinnen Winterquartiere, die in aufgeräumten Gärten häufig fehlen.

Erste Nahrungsaufnahme nach dem Winter

Jede Hummel, die im zeitigen Frühjahr durch den Garten fliegt, ist deshalb eine Königin. Arbeiterinnen und Drohnen des Vorjahres sind zu diesem Zeitpunkt längst gestorben. Nach dem Verlassen ihres Winterquartiers wärmt sich die Königin zunächst durch ein Sonnenbad auf Steinen, Totholz oder aufgeheizten Hauswänden auf und steuert dann die ersten blühenden Pflanzen an. Weidenkätzchen, Krokusse, Lungenkraut und Taubnesseln zählen zu den wichtigsten frühen Nahrungsquellen.

Ihre Energiereserven sind nach Monaten der Winterruhe weitgehend aufgebraucht. Der Nektar liefert die Kohlenhydrate für die Flugmuskulatur, der Pollen wird zunächst für die Reifung der Eierstöcke benötigt und später als Eiweißquelle für die Larven. Bei der Blütenwahl bevorzugt die Königin häufig dunkel gefärbte Blüten, die sich durch Sonneneinstrahlung schneller erwärmen als helle. Zwischen den Blütenbesuchen sucht sie deshalb wiederholt warme Flächen auf, um ihre Flugmuskulatur einsatzbereit zu halten. Ein ausreichendes Angebot an früh blühenden Pflanzen entscheidet in dieser Phase häufig darüber, ob eine Königin überhaupt genug Kraft für die Nestgründung aufbringt.

Nistplatzsuche der Nestgründerin

Nach einigen Tagen intensiver Nahrungsaufnahme beginnt die Suche nach einem geeigneten Nistplatz. In dieser Phase wird die Königin als Nestgründerin bezeichnet. Sie fliegt oft nur wenige Zentimeter über dem Boden und bewegt sich auffallend langsam, um kleine Hohlräume im Erdreich, Spalten zwischen Steinen oder andere geschützte Verstecke aufzuspüren. Auch Schattenstellen werden gezielt überprüft, da sie Hinweise auf geeignete, geschützte Nistplätze liefern.

Welcher Nistplatztyp bevorzugt wird, hängt von der Art ab. Erdhummeln und Baumhummeln nisten meist unterirdisch, etwa in verlassenen Mäusegängen, während Ackerhummeln und Gartenhummeln oberirdische Standorte wählen, zum Beispiel in Moospolstern, Grasbüscheln, alten Vogelnestern oder Reisighaufen.

Ob eine Nistmöglichkeit angenommen wurde, lässt sich gut beobachten:

  • Fliegt die Königin sofort weiter, war der untersuchte Platz nicht geeignet.
  • Verlässt sie einen ausgewählten Nistplatz, richtet sie sich zunächst noch einmal zum Eingang aus und beginnt anschließend den charakteristischen Orientierungsflug: Sie schwebt mehrmals direkt vor dem Eingang hin und her, steigt dann in größer werdenden Schleifen auf und verlässt den Nistplatz schließlich in größerer Höhe. Dieses Verhalten zeigt, dass sie den Standort angenommen hat und sich seine Lage einprägt.

Rückkehr zum Nest und erste Nestkammer

Nach etwa 20 bis 45 Minuten kehrt die Königin häufig zu ihrem neuen Nistplatz zurück. Vor dem ersten Abflug hat sie den Eingang mit einem Duftstoff markiert, der ihr das Wiederfinden erleichtert. Der erste Rückflug kann jedoch auch deutlich länger dauern, manchmal vergehen mehrere Stunden oder Tage. Bleibt die Königin länger als drei Tage aus, kehrt sie in der Regel nicht mehr zurück.

Während ihrer Erkundungsflüge ist die Königin zahlreichen Gefahren ausgesetzt, darunter Vögel und andere Fressfeinde sowie der Straßenverkehr. Eine der größten Gefahren für Hummeln über das gesamte Jahr hinweg ist der unsachgemäße Einsatz von Insektenschutzmitteln.

Nach der Rückkehr verbringt die Königin zunehmend mehr Zeit im Nest. Aus vorhandenem Isolationsmaterial, etwa Moos, trockenem Gras oder Federn, formt sie eine kleine Nestkugel von der Größe einer Walnuss. Diese Hülle verringert Wärmeverluste und schafft ein geeignetes Klima für die erste Brut.

Nahrungsvorrat und Zeitmanagement

Von Beginn an legt die Nestgründerin einen kleinen Futtervorrat für Nachtstunden und Schlechtwetterperioden an. Bei niedrigen Temperaturen produzieren viele Pflanzen weniger Nektar, und die Nahrungssuche kostet dann mehr Zeit und Energie. Verlässt die Königin das Nest zu lange, kühlt die Brut aus, was die Entwicklung von Eiern, Larven und Puppen verlangsamt oder gefährdet. Sie muss Nahrungssuche und Brutpflege deshalb sorgfältig aufeinander abstimmen.

Der gesammelte Nektar wird in einem kleinen Wachsgefäß gespeichert, dem Nektartopf, den die Königin selbst anlegt. Anders als eingedickter Honig bleibt Hummelnektar dünnflüssig und lässt sich dadurch schnell aufnehmen. Er dient als Energiequelle für Flugaktivität und als Wärmequelle für das Brutnest. Der Pollen wird je nach Art unterschiedlich gelagert: Erdhummeln legen ihn in Pollentöpfen an, Ackerhummeln in besonderen Taschen an der Brutwabe.

Baumaterial und Aufbau des Nestes

Als Baumaterial dienen vor allem Wachs, Pollen und Nektar. Das Wachs scheiden die Hummeln über spezielle Drüsen am Hinterleib aus und verarbeiten es zu einer formbaren Masse. Daraus entstehen Nektartöpfe zur Nahrungsspeicherung sowie Eiwiegen, in denen sich Eier und Larven entwickeln. Zusammen bilden diese Strukturen den charakteristischen Wabenbau des Hummelnestes.

Direkt hinter dem Eingang der Nestkugel liegt meist zuerst der Nektartopf, in kurzer Entfernung dazu die erste Brutwabe mit den ersten Eiwiegen. Das sind mit Wachs verschlossene Zellen, in denen mehrere Larven gemeinsam heranwachsen.

Eiablage und erste Brutwabe

Auf einen Pollenteppich, vermischt mit Nektar, legt die Königin ihre ersten Eier und baut daraus die erste Eiwiege. Je nach Art enthält eine Eiwiege meist acht bis rund fünfzehn längliche, cremefarbene Eier von etwa zwei Millimetern Dicke und fünf Millimetern Länge. Das Verschließen der Eiwiege mit Wachs dauert nur wenige Minuten.

Nach etwa drei bis vier Tagen schlüpfen die ersten Larven und nehmen zunächst das am Boden der Eiwiege bereitgestellte Nektar-Pollen-Gemisch auf. Später öffnet die Königin die Brutwabe an einer bestimmten Stelle, dem Futterfenster, um die Larven mehrmals täglich mit weiterer Nahrung zu versorgen. Diese Aufgabe übernehmen sobald vorhanden auch ältere Arbeiterinnen.

info hummelBei einer Umgebungstemperatur von nur fünf Grad hält die Hummelkönigin die Brutzellen dennoch bei etwa 30 bis 32 Grad, fast 20 Grad wärmer als die Umgebung. Diese Differenz erzeugt sie allein aus eigenem Stoffwechsel und Muskelzittern, ganz ohne äußere Wärmequelle.

Bebrütung und Temperaturregulierung

Die Eiwiege wird Tag und Nacht bebrütet. Dabei verändert die Königin regelmäßig ihre Position auf der Brutwabe, damit alle Eier und späteren Larven gleichmäßig erwärmt werden. Die nötige Wärme erzeugt sie zum einen über den Stoffwechsel energiereicher Nahrung, zum anderen durch gezieltes Muskelzittern: Sie entkoppelt die Flugmuskeln vom Flügelschlag und lässt sie ohne Flügelbewegung vibrieren, wobei die entstehende Wärme direkt an die Brut abgegeben wird.

Zwischendurch nimmt sie Nahrung aus dem nahen Nektartopf auf und verlässt das Nest nur kurz, meist nicht länger als eine halbe Stunde, um weiteren Nektar und Pollen zu sammeln. Durch die gute Isolierung des Wabenbaus sinkt die Nesttemperatur während dieser Zeit nur wenig ab. Während der gesamten Brutentwicklung erweitert und repariert die Königin ständig die Brutwabe, später übernehmen auch die ersten Arbeiterinnen diese Aufgabe.

Entwicklung von der Larve zur fertigen Hummel

Die Larven wachsen schnell und häuten sich dabei mehrmals, weil die ursprüngliche Hülle zu eng wird. Zunächst teilen sich mehrere Larven eine gemeinsame Brutkammer, später benötigt jede Larve eine eigene Zelle. Die Königin baut deshalb um die heranwachsenden Larven einzelne Wachshüllen, wodurch aus der gemeinsamen Larvenwiege getrennte, aber weiterhin verbundene Brutzellen entstehen.

Nach etwas mehr als sieben Tagen sind die Larven ausgewachsen und spinnen einen Seidenkokon, in dem die Verpuppung stattfindet. Die Dauer der Puppenruhe unterscheidet sich je nach späterer Kaste:

  • Arbeiterinnen benötigen etwa neuneinhalb Tage.
  • Drohnen benötigen etwa elf Tage.
  • Jungköniginnen benötigen bis zu dreizehneinhalb Tage.

Von der Eiablage bis zur fertigen, flugfähigen Hummel vergehen dadurch insgesamt unterschiedliche Zeiträume: bei Arbeiterinnen rund 20 Tage, bei Drohnen etwa 24 Tage und bei Jungköniginnen etwa 27 Tage. Der Wandel vom Ei über Larve und Puppe bis zum erwachsenen Insekt zählt zu den auffälligsten Vorgängen der vollständigen Metamorphose bei Insekten.

Schlupf der ersten Arbeiterinnen

Da schlupfbereite Hummeln ihren Kokon nicht immer selbstständig öffnen können, übernimmt zunächst die Königin die Schlupfhilfe: Sie öffnet den Kokon mit den Mundwerkzeugen und erweitert die Öffnung, sodass die junge Hummel schlüpfen kann. Später übernehmen auch Arbeiterinnen des Innendienstes diese Aufgabe. In verlassenen Hummelnestern finden sich deshalb gelegentlich Hummeln, die im Kokon steckengeblieben sind, weil keine Arbeiterin mehr für die Schlupfhilfe zur Verfügung stand.

Die ersten Arbeiterinnen eines jungen Volkes sind häufig kleiner als jene aus späteren Brutwaben, weil die Versorgungslage zu Beginn noch knapper ist. Mit ihrem Erscheinen verändert sich das Leben im Nest: Die Königin reduziert ihre Sammelflüge deutlich und konzentriert sich zunehmend auf Eiablage und Brutpflege, während die Arbeiterinnen die Versorgung des Volkes übernehmen.

Arbeitsteilung im wachsenden Volk

Im Hummelvolk fallen fortlaufend zahlreiche Aufgaben an: Nahrungsvorräte müssen angelegt, Larven gepflegt und der Wabenbau erweitert und repariert werden. Von den erwachsenen Arbeiterinnen eines Volkes verlässt etwa ein Drittel regelmäßig das Nest zum Sammeln, während die übrigen im Nest bleiben. Meist übernehmen die kleineren Arbeiterinnen den Innendienst: Sie füttern die Larven, unterstützen die Brutpflege und helfen, Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Nest konstant zu halten.

Sammelflüge und Pollenernte

Die ersten Arbeiterinnen, die das Nest verlassen, führen ebenfalls einen Orientierungsflug durch, um sich die Lage des Nestes einzuprägen. Bei ihren Sammelflügen lösen sie Blütenpollen häufig durch Vibration aus den Staubbeuteln, ein Verhalten, das als Vibrationssammeln oder Buzz-Pollination bezeichnet wird und ein charakteristisches, hohes Summen erzeugt. Die gelösten Pollenkörner bleiben zunächst im Haarkleid hängen, werden mit den Mittelbeinen nach hinten gestrichen und am Sammelapparat des dritten Beinpaares zum sogenannten Pollenhöschen verdichtet. Je nach Pflanzenart können diese Pollenhöschen unterschiedliche Farben haben, was ihre Bestimmung im Feld erleichtert.

Hummeln zählen zu den leistungsfähigsten Bestäubern, weil sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht große Nahrungsmengen transportieren können. Reiner Nektar kann bis zu 90 Prozent des eigenen Körpergewichts ausmachen, sofern eine Sammlerin gleichzeitig keinen Pollen einträgt, ein Pollenhöschen kann bis zu einem Fünftel des Körpergewichts wiegen. Lange Flugstrecken zwischen Nest und Nahrungsquelle erhöhen den Energieaufwand entsprechend deutlich, weshalb ein reichhaltiges Blütenangebot in Nestnähe für den Erfolg eines Volkes wichtig ist. Besonders in sogenannten Trachtlücken, etwa nach der Mahd von Wiesen, wird Nahrungsmangel zum Problem. Bei der Nahrungssuche zeigen Hummeln zudem eine ausgeprägte Blütenstetigkeit: Haben sie eine ergiebige Pflanzenart gefunden, besuchen sie bevorzugt weitere Blüten derselben Art, weil ihnen der Blütenaufbau bereits bekannt ist und sie so Zeit und Energie sparen.

Pocketmaker und Pollenstorer

Bei der Brutversorgung lassen sich zwei Strategien unterscheiden. Langrüsselige Arten wie Ackerhummel und Gartenhummel gelten als Pocketmaker: Sie bauen seitlich unter der Larvenwiege wachsartige Pollentaschen, in die heimkehrende Sammlerinnen den Pollen einfüllen. Die Larven bedienen sich dort direkt aus dem Vorrat, während Ammen ihnen zusätzlich Nektar vor die Mundöffnung geben.

Kurzrüsselige Arten wie Erdhummel und Baumhummel gelten dagegen als Pollenstorer. Ihre Arbeiterinnen füllen den Pollen in leere Puppenzellen oder eigens gebaute Pollentöpfe. Mit den Mandibeln zerkleinern sie die eingeflogenen Pollenpakete und pressen sie fest zusammen, wodurch Hohlräume vermieden werden. Diese Verdichtung verhindert Verderb und nutzt den vorhandenen Lagerraum effizient. Ammen versorgen die Larven bei dieser Gruppe über ein Futterfenster, das nach jeder Fütterung wieder mit Wachs verschlossen wird.

Aufzucht der Geschlechtstiere

Hat ein Volk ausreichend Arbeiterinnen hervorgebracht und sind die Vorräte gut gefüllt, meist im Hochsommer, beginnt die Königin mit der Aufzucht der Geschlechtstiere. Zunächst legt sie unbefruchtete Eier, aus denen sich Drohnen entwickeln, danach befruchtete Eier, aus denen Jungköniginnen hervorgehen. Die Eier von Arbeiterinnen und Jungköniginnen unterscheiden sich äußerlich nicht, entscheidend ist die spätere Versorgung: Larven, aus denen Königinnen werden, erhalten deutlich mehr Pollen und Nektar, entwickeln sich länger und werden größer.

Drohnen und Paarung

Mit dem Schlupf der ersten Drohnen erreicht ein Hummelvolk meist seine größte Ausdehnung, je nach Art zwischen etwa 50 und mehreren hundert Tieren. Die Drohnen bleiben zunächst einige Tage im Nest, um sich zu stärken und ihre Spermien vollständig auszureifen, bevor sie es endgültig verlassen. Sie beteiligen sich nicht an der Brutpflege und sammeln weder Pollen noch Nektar, tragen aber bei ihren eigenen Blütenbesuchen ebenfalls zur Bestäubung bei. Erkennbar sind sie an längeren Fühlern, größeren Augen und einem auffälligen Haarbüschel am Kopf; anders als die Weibchen besitzen sie keinen Stachel.

Drohnen suchen gezielt Plätze auf, an denen sich Jungköniginnen paaren lassen. Eine Jungkönigin kann dabei von mehreren Drohnen begattet werden. Während der Paarung verhaken sich die Geschlechtsorgane beider Tiere, die Königin klappt ihren Stachel nach oben weg, sodass der Drohn nicht verletzt wird. Die Begattung kann bis zu einer halben Stunde dauern. Wenige Tage danach stirbt der Drohn.

Auflösung der Nestordnung

Nach dem Höhepunkt des Hummeljahres verändert sich das soziale Gefüge im Nest. Die Pheromone der Altkönigin, die zuvor die Eiablage der Arbeiterinnen unterdrückt haben, nehmen an Wirkung ab. Einzelne Arbeiterinnen beginnen nun selbst mit der Eiablage. Da sie sich nicht paaren, entstehen aus diesen unbefruchteten Eiern durch Jungfernzeugung ausschließlich Drohnen.

Mit dem Nachlassen der königlichen Kontrolle gerät die Ordnung im Volk zunehmend aus dem Gleichgewicht. Arbeiterinnen fressen teilweise die Eier der Königin, während diese umgekehrt versucht, die von Arbeiterinnen gelegten Eier zu entfernen. Am Ende dieses Konflikts verliert die Königin ihre Stellung: Sie wird von den Arbeiterinnen aus dem Nest gedrängt oder getötet.

Jungköniginnen und Überwinterung

Während das alte Nest zugrunde geht, bereiten sich die inzwischen begatteten Jungköniginnen auf die Überwinterung vor. Häufig tragen sie dabei Milben mit sich, meist der Art Parasitellus fucorum. Diese Milben leben nicht parasitisch, sondern als harmlose Nestbewohner, die organische Reste verwerten. Sie nutzen die Jungköniginnen als Transportmittel, um in ein neues Nest zu gelangen, und können dort im folgenden Jahr erneut Teil der Nestgemeinschaft werden.

Vor der Winterruhe nimmt jede Jungkönigin noch ausreichend Nektar und Pollen auf, um Energiereserven aufzubauen. Anschließend sucht sie sich einen geschützten Platz in lockerer Erde und verbringt dort die kalte Jahreszeit. Auch Jungköniginnen aus Hummelpensionen oder künstlichen Nisthilfen überwintern außerhalb des ursprünglichen Nestes. In ihr Geburtsnest kehrt keine Hummelkönigin zurück, im folgenden Frühjahr gründet jede überlebende Königin an anderer Stelle ein eigenes, neues Volk, und das Hummeljahr beginnt von vorn.

Quellen

  • Hintermeier, Helmut und Margrit (1994): Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. Obst- und Gartenbauverlag München, ISBN 3-87596-098-X
  • Witte, Günter R. und Seger, Juliane (1999): Arbeitsmappe, Hummeln brauchen blühendes Land. Westarp Wissenschaften, ISBN 3-89432-098-2
  • Witte, Günter R., Seger, Juliane und Häfner, Norbert (1989): Hummelschauanlagen, Ein praxisgerechter Weg zu prophylaktischem Naturschutz. Arbeitshilfe des Schulbiologiezentrums Hannover
  • Alford, David V. (1975): Bumblebees. Davis-Poynter, London
  • Heinrich, Bernd (1979): Bumblebee Economics. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts)
  • Goulson, Dave (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. Oxford University Press, Oxford
  • Heinrich, Bernd (1972): Physiology of Brood Incubation in the Bumblebee Queen, Bombus vosnesenskii. Nature 239, S. 223 bis 225
  • Mountcastle, Andrew M., Ravi, Sridhar und Combes, Stacey A. (2015): Nectar vs. pollen loading affects the tradeoff between flight stability and maneuverability in bumblebees. PNAS 112 (35), S. 10527 bis 10532
  • NABU: Hummeln, Gemütliche Blütenbesucher im bunten Pelz, nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/hummeln
  • Danke an Karsten Grotstück

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  • #75848
    Tina

      Hallo zusammen!

      Ich habe nachts bei der letzten Gassirunde in unserer Einfahrt eine Hummel gefunden. Sie lag auf dem Rücken und hat sich kaum mehr bewegt. Ich wollte sie nicht so liegen lassen, hab erst überlegt, sie in die Hecke zu legen, das dann aber verworfen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie dort die Minusgrade überstehen würde. Unterwegs war sie sicher, weil es tags sehr sonnig war. Naja, jedenfalls habe ich sie dann mit reingenommen. Sie wohnt gerade in einer Salatschüssel mit einem knuddeligen Handtuch zum verstecken und einem Schälchen Zuckerwasser. Sie ist wieder recht munter. Mit Schrecken habe ich nun gelesen, dass sie quasi ein ganzes Hummelvolk darstellt und nun hadere ich noch mehr mit mir. Kann ich sie unbedenklich raussetzen, obwohl es kalt ist? Wir sind tags, wie nachts gerade knapp unter bzw. über null Grad. Keine Sonne mehr, es ist bewölkt und soll auch durchaus mal regnen nächste Tage.

      Kann/ Soll ich sie raussetzen? Wenn ja, wie mache ich das am besten? In Unterholz? Ein Loch in die Erde bohren?

      Oder soll ich ihr noch etwas Asyl geben, bis es nächste Tage hoffentlich etwas wärmer ist? Laut Wetterbericht ist das leider erst Ende nächster Woche.

      Könnte Ihr mir Rat geben? Ich würde mir sehr wünschen dass sie nicht eingeht.

      #75852
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Hallo Tina!

        Schön, dass Du Dich so um die Hummelkönigin sorgst! Am besten Du suchst Dir einen blühenden Krokus und setzt sie hinein.  :blume:

        Alternativ kannst Du sie mit etwas Zuckerwasser versuchen zu füttern. Danach kannst Du sie gestärkt frei lassen.

        Leider überlebt nur ein sehr kleiner Teil der überwinternden Hummelköniginnen den Winter.

        Grüße Stefan

        #79029
        HP
        Forenmitglied
          • DE 22927
          • 50 m

          Moin zusammen, ich habe auch das Buch von”Hummelpapst” E.v.Hagen “Hummeln bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen” mehrfach gelesen. Hier wird gesagt, daß z.B. Steinhummelköniginnen von Anfang April bis Ende Mai auf Nestplatzsuche anzutreffen sind. Je nach Art ist diese Zeitspanne sehr unterschiedlich. Es wurde nicht gesagt, ob es sich bei den Suchenden auch um Okkupanten handelt. Oder,wie in den meisten Fällen ab Mai, um Königinnen, die mit Nematoden befallen sind.

          Nach meinen Erfahrungen sind die meisten im Mai “Suchenden” nematodenbefallene. Ich konnte noch keine im Mai eingesetzte Erd- oder Steinhummel zum Bleiben bewegen. Im März eingesetzte Erdhumeln und im April eingesetzte Steinhummeln sind allesamt geblieben!

          Ab Mai habe ich auch nur diese beiden Arten beim versuchten Abstreifen der Nematoden beobachtet. Ackerhummelköniginnen noch nie! Obwohl diese Art bei uns auch häufig ist. Überwintern die verschiedenen Arten an unterschiedlichen Stellen, sodaß einige befallen werden und andere nicht? Soviel ich weiß überwintern alle Hummeln in der Erde.

          Dieses Jahr ist erschreckend zu beobachten, wieviele Steinhummeln in der blanken Erde wühlen!!!

          Vielleicht hat jemand hierzu noch Erkenntnisse…

          LG

          HP

          #79045
          Nobis Andreas

            Hallo, seit einigen Tagen beobachten wir eine Hummelkönigin. Sie hat es sich wohl in unseren Rolladenkasten einquartiert.

            Es ist Ende Mai Anfang Juni. Eigentlich müsste der Nestbau abgeschlossen sein, ab Juli sucht sie doch ein Winterquartier.

            Was ist mit Ihr los? Unser Rolladenkasten ist von späten Vormittag bin frühe Abend in der Sonne, auch ist hier volle Wintersonne.

            Was ist mit der Hummelkönigin?

            #79124
            HP
            Forenmitglied
              • DE 22927
              • 50 m

              Hallo Nobis Andreas, erwarte hier nicht unbedingt eine Antwort oder Reaktion. Meine Fragen bleiben i.d.R. auch ohne jegliche Reaktion/Antwort/Kommentar.

              #79127
              Stefan
              Admin
              Beitragsersteller
                • DE 84513
                • 398 m

                Hallo @HP 22927:

                Ich weis nicht ob die suchenden Steinhummeln bei Dir vermehrt krank sind.

                Gehe bitte bei Deiner Kritik mit gutem Beispiel voran und beteilige Dich mehr, mehrjährige Erfahrung hierzu hast Du ja.

                Grüße Stefan :winken:

                ‐————————————-

                Hallo Nobis Andreas!

                Sicher dass es eine Hummelkönigin ist? Keine Solitärbiene? Weil es sollten inzwischen mehr Tiere ausfliegen und nicht nur die Königin.

                Kannst du vielleicht versuchen ob Du ein Foto von dem Tier machen kannst?

                Grüße Stefan :winken:

                 

                #79134
                osmia
                Forenmitglied
                  • 30539
                  • 80m

                  @hp ich hab leider auch keine Antwort auf deine Frage ob die Suchzeit auch Okkupanten mit einbezieht.

                  Ich denke es sind eher geographische Unterschiede, wie man sie hier ja auch schön mitbekommt. Wer wann die ersten Hummeln sieht oder einsetzen konnte.

                  In den ersten Jahren hatte ich auch immer mal wieder bei den Steckbriefen der Hummeln geschaut um zu gucken ob ich im Mai noch wen einsetzen könnte.

                  Meine Erfahrung der letzten 4 Jahre mit Hummeln im Kasten lehrt mich, das es im Mai nichts mehr wird mit Aktiven Ansiedlungen. Im Gegensatz zu dir sind hier bei mir nicht mal Nematodenverseuchte Hummeln zu sehen.

                  Ich würde eher von einer 4 wöchigen Zeitspanne ausgehen in der man bei sich in der Gegend die selbe Art auf Nistplatzsuche sehen kann.

                  #79136
                  HP
                  Forenmitglied
                    • DE 22927
                    • 50 m

                    @osmia, danke für deine Erfahrungen/Einschätzungen. Im Mai ist mir auch noch keine aktive Ansiedlung gelungen. Letztes Jahr z. B. waren fast ausschließlich Erdhummeln im Mai dabei in der Erde zu wühlen. Dies Jahr sehr viele Steinhummeln. Okkupanten sind es mit Sicherheit nicht. Die graben wohl kaum nach einem Nest, das sie übernehmen wollen.

                    Diese Saison kann ich mich nur an den Erdhummeln im Faß erfreuen, wo ich die Königin am 30.3. eingesetzt habe. Mittlerweile sehe ich an den Trachtpflanzen immer mehr Arbeiterinnen verschiedener Arten. Ist halt alles deutlich später.

                    Viel Erfolg und keine Ausfälle.

                    LG

                    HP

                    #79139
                    Marylou
                    Forenmitglied
                      • DE 41363
                      • 61 m

                      @HP

                      Die Steinhummeln irritieren mich auch immer wieder. Das geht los mit astreinen Orientierungsflügen und Rückkehr in den Kasten bis hin zu mehreren Ausflügen und dann Tschüss. Eine andere mit Rückkehr erst nach drei Tagen, dann ebenfalls spurlos verschwunden. Vor einigen Jahren waren es mehrere Steinhummeln, die bis zu zehn Tage da waren, dann plötzlich weg. Die können ja nicht alle den Vögeln zum Opfer gefallen sein.

                      Das Verhalten gibt mir Rätsel auf, denn wenn sie mit Nematoden befallen wären, würden sie keinen Nistkasten beziehen, so meine Schlussfolgerung. Andererseits sind jedes Jahr wirklich sehr viele Steinhummel-Arbeiterinnen an den Blüten, also muss es bei der Menge irgendwo in der Gegend Nester geben.

                      Deine Einschätzung der (wahrscheinlich erfolgversprechenden) Nistkasten-Annahme im April erscheint mir folgerichtig, zumindest ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass zu der Zeit die “normalen” Steinis suchend unterwegs sind.

                      #79151
                      HP
                      Forenmitglied
                        • DE 22927
                        • 50 m

                        @Marylou, dieses Jahr teile ich deine Steinhummel-Erfahrungen uneingeschränkt. Ich hatte zudem Rückkehrerinnen, die auf Anhieb die geschlossene Klappe meisterten. Nach wenigen Tagen waren sie verschwunden. Dann habe ich natürlich erst einmal nicht neu eingesetzt. Irgendwann war es dann zu spät. Das gleiche gilt in diesem Jahr für Erd-u. Gartenhummel, die auch heimgekehrt waren.

                        Einer Gartenhummel, die gut 2 Wochen eingetragen hat,  muß etwas zugestoßen sein. Es bleibt nur das Erdhummelvolk im Faß. Das steht in der Kompostecke, also weit entfernt von den anderen (unbelegten) Kästen am Haus. Von daher wird es nächstes Jahr keine Probleme mit Heimkehrerinnen geben. Ein sehr kleiner Trost.

                        Nächstes Jahr werde ich die ersten suchenden Königinnen zum Bleiben animieren. Die ersten im Jahr eingesetzten Königinnen sind nach meinen Erfahrungen die mit den besten Erfolgsaussichten.

                        #79440
                        HP
                        Forenmitglied
                          • DE 22927
                          • 50 m

                          Die Hummeln geben mir immer wieder Rätsel auf. Habe heute 2 Erdhummelköniginnen beobachtet, die im Rasen wühlten und am Boden zupften. Als wenn sie die Wurzeln abbeißen würden. Eine kam aus Richtung des Fasses, in dem das weitentwickelte Erdhummelvolk wohnt. Ob sie aus dem Faß kam weiß ich jedoch nicht. Es war mit Sicherheit eine Jungkönigin, groß und schier. Beide.

                          Kann es sein, daß die Jungköniginnen zur Entwicklung z.B. Mineralien o.ä. benötigen? Denn nematodenverseucht können sie ja eigentlich nicht sein. Ihr Verhalten erinnerte aber daran.

                          Wer weiß was?

                          VG

                          HP

                           

                          #79496
                          HP
                          Forenmitglied
                            • DE 22927
                            • 50 m

                            Schade, daß hier keiner etwas weiß. Da werden Wachsmottengrills gebaut, Überwachungskameras installiert, Wärmematten und ausgeklügelte Belüftungssysteme verbaut, aber wenn es um die Grundlagen geht, sieht’s traurig aus….

                            #79497
                            osmia
                            Forenmitglied
                              • 30539
                              • 80m

                              Hi HP,
                              Es gibt immer wieder Sachen, die bei den Hummeln komisch sind, die man nicht versteht.

                              Bei mir hatte dieses Jahr eine 2. Königin sich die anfliegenden arbeiterinnen der ersten Königin geschnappt und abgestorben. Warum auch immer.

                              Ich glaube deine Frage mit den Mineralien wird dir nur ein echter Bombologe beantworten können. Oder die Jungs der Hummelzucht für Bestäubungszwecke.

                              Nen Kasten “optimieren” liegt halt in den Möglichkeiten die wir hobby-bombologen :lol:   haben. Man sieht etwas und will es verbessern.

                              Dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Fasshummeln.

                              #79498
                              Stefan
                              Admin
                              Beitragsersteller
                                • DE 84513
                                • 398 m
                                HP 22927 schrieb am

                                Schade, daß hier keiner etwas weiß. Da werden Wachsmottengrills gebaut, Überwachungskameras installiert, Wärmematten und ausgeklügelte Belüftungssysteme verbaut, aber wenn es um die Grundlagen geht, sieht’s traurig aus….

                                Du musst Dir abgewöhnen davon auszugehen dass die Leute hier 24 Stunden darauf warten Dir Fragen zu beantworten. Zumindest ich habe neben der Homepage hier auch noch andere Dinge zu tun. Also bitte etwas mehr Geduld und Nachsicht.

                                Das herumzupfen und graben hört sich nach Parasiten an:

                                Hummelnematoden

                                #79506
                                HP
                                Forenmitglied
                                  • DE 22927
                                  • 50 m

                                  @Stefan, wie sollen Nematoden in Jungköniginnen kommen, die gerade frisch aus dem Nest kommen? Der Befall erfolgt meines Wissens in der Erde!?

                                  Ich stelle keine Fragen mehr…

                                Ansicht von 15 Beiträgen – 1 bis 15 (von insgesamt 19)
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