Mooshummel
Die Mooshummel (Bombus muscorum) ist eine der seltensten Hummeln Deutschlands. Die Rote Liste von 2011 stuft sie als stark gefährdet ein, ihr Bestand gilt als selten und ist langfristig stark zurückgegangen. Wer heute eine sehen will, hat an der Küste die besten Chancen, denn im Binnenland ist sie an den meisten Orten verschwunden. Linné beschrieb sie 1758, sie gehört wie Ackerhummel und Veränderliche Hummel zur Untergattung Thoracobombus.
Färbung und Größe
Die Brust ist einheitlich gelblichorange bis rötlichbraun behaart, ohne ein einziges schwarzes Haar, und direkt hinter dem Kopf oft etwas heller. Der Hinterleib ist gelblich, auf dem zweiten und dritten Tergit manchmal mit schmalen honigbraunen Bändern, nur der letzte Tergit ist schwarz. Der Pelz ist gleichmäßig und, wie die Thünen-Bestimmungshilfe betont, bei den Weibchen insgesamt sehr kurz. Anders als viele Hummeln ändert die Mooshummel ihre Färbung in Mitteleuropa kaum. Auf den Äußeren Hebriden lebt allerdings die Unterart Bombus muscorum agricolae mit schwarzer Unterseite, und der europäische Hummelatlas beschreibt für westliche Inseln, Nordskandinavien und Nordrussland Tiere mit schwarzen Haaren an den Beinen sowie auf Korsika eine sehr dunkle Form mit fast ganz schwarzer Brust.
Die Königin wird 17 bis 19 Millimeter lang, bei einer Flügelspannweite von 32 bis 35 Millimetern. Arbeiterinnen messen 10 bis 16 Millimeter bei 22 bis 30 Millimetern Spannweite, Männchen 13 bis 15 Millimeter bei 26 bis 29 Millimetern. Der Kopf ist mittellang, der Rüssel der Königin misst 13 bis 15 Millimeter, der des Männchens etwa 9 Millimeter. Für die Arbeiterinnen nennt der Steckbrief auf wildbienen.de keinen Wert.
Verwechslung mit Ackerhummel und Veränderlicher Hummel
Auf den ersten Blick sieht die Mooshummel einer hellen Ackerhummel (Bombus pascuorum) oder einer hellen Veränderlichen Hummel (Bombus humilis) sehr ähnlich. Bei beiden finden sich aber meist dunkle Haare an Brust oder Hinterleib, und ihr Pelz ist ungleichmäßiger. Die Ackerhummel hat einen am Ansatz deutlich dunkleren Hinterleib mit unterschiedlich langen Haaren, und bei der Veränderlichen Hummel ist der dunkle letzte Tergit länger behaart als bei der Mooshummel. Ganz sicher wird die Bestimmung erst mit Bestimmungsschlüssel und Lupe.
Verbreitung und Lebensraum
Die Mooshummel lebt in weiten Teilen Eurasiens, von der Iberischen Halbinsel und Großbritannien über Norwegen und Südfinnland bis in die Mongolei und den Fernen Osten. Südlich des 40. Breitengrads ist sie nach dem Hummelatlas sehr selten, und an vielen Orten West-, Mittel- und Südosteuropas, wo sie vor hundert Jahren noch vorkam, wurde sie nicht mehr gefunden. Der Atlas betont ihre deutliche Vorliebe für Gegenden nahe der Küste. In Deutschland liegt der Schwerpunkt heute an Nord- und Ostsee, im Binnenland wird sie immer seltener.
Sie braucht offenes, feuchtes Gelände: Niedermoore, Sumpfgebiete, Flussauen, Streuwiesen und blütenreiche Deiche, dazu kleereiche Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren in Gewässernähe. Eine Untersuchung in einer Agrarlandschaft (Diekötter und Kollegen, 2006) fand sie vor allem dort, wo es Brachen gab und wenig Gehölze.
Nest und Volk
Ihren Namen hat die Mooshummel von ihrem Nest. Sie nistet oberirdisch in der Krautschicht, in dichten Grasbüscheln oder unter Moospolstern. An der Küste baut sie ihr Nest auch im Dünensand. Gelegentlich nutzt sie verlassene Vogelnester, Nistkästen oder andere Hohlräume weiter oben. Meist baut sie selbst: Die Königin trägt Moos und trockenes Gras zusammen und flechtet daraus die Nesthülle. Wie Ackerhummel und Gartenhummel gehört sie zu den Taschenmachern (pocket makers), die den Pollen in Wachstaschen direkt an der Brut lagern. Ein Volk wird bis zu 120 Tiere groß.
Jahreslauf
Die Mooshummel beginnt spät. Die überwinterten Königinnen fliegen erst ab Mai und sind bis etwa Mitte Juni unterwegs, die Arbeiterinnen ab Mai oder Juni bis Ende September. Jungköniginnen und Männchen erscheinen im August, Männchen sind nach Deutschland summt noch bis Ende Oktober zu sehen. Es gibt eine Generation im Jahr. Nach der Paarung im Spätsommer sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern.
Nahrung
Die Mooshummel sammelt an vielen Pflanzenfamilien, hat aber deutliche Favoriten. Der Hummelatlas nennt Schmetterlingsblütler als bevorzugte Nahrung. Rot- und Weißklee stehen weit oben, dazu Taubnesseln, Heil-Ziest, Echtes Herzgespann, Schwarze Flockenblume und Glockenheide. Auf hummelfoto.de ist sie außerdem an Vogel-Wicke, Natternkopf und Kratzdistel zu sehen. Mit dem langen Rüssel kommt sie auch an Nektar in tiefen Blüten.
Wichtig ist die Entfernung. Mooshummeln sammeln nur in einem Umkreis von wenigen hundert Metern um ihr Nest, Deutschland summt nennt höchstens 500 Meter. Weil das Volk erst spät im Jahr groß wird, muss es in dieser Nähe bis in den Spätsommer und Herbst hinein genug blühen.
Gefährdung und Schutz
Die Mooshummel steht in Deutschland in Kategorie 2 (stark gefährdet). Nach der Roten Liste von 2011 ist sie langfristig stark zurückgegangen und nimmt auch kurzfristig weiter ab. Auch in der Europäischen Roten Liste der Bienen von 2014 gilt sie als gefährdet (Vulnerable). Der Hauptgrund ist der Verlust ihrer Lebensräume. In Deutschland sind nach Deutschland summt nur noch etwa fünf Prozent der ursprünglichen Moore erhalten, der Rest wurde entwässert, abgetorft, bebaut oder wird land- und forstwirtschaftlich genutzt. Ein Moor wächst nur etwa einen Millimeter im Jahr, verlorene Flächen kommen also nicht so bald zurück.
Der Klimawandel kommt hinzu. Der europäische Hummelatlas von Pierre Rasmont und Kollegen (2015) rechnet bis 2100 mit dem Verlust von 59 bis 86 Prozent des Gebiets mit geeignetem Klima, je nach Szenario und je nachdem, ob die Art nachrücken kann. Übrig blieben Irland, der Norden der Britischen Inseln und Skandinavien nördlich des 60. Breitengrads. Weil die Mooshummel sich nur schlecht ausbreitet, rechnen die Autoren mit örtlichem Aussterben in weiten Teilen Europas und halten es für fraglich, ob sie sich in dem kleinen Restgebiet halten kann.
Helfen kann man ihr vor allem über ihre Lebensräume: extensiv gemähte Streu- und Feuchtwiesen erhalten, Rotklee säen und beim Kauf von Blumenerde auf torffreie Ware achten, denn auch Bio-Erde kann Torf enthalten.
Kuckuckshummel
Eine Kuckuckshummel, die regelmäßig die Nester der Mooshummel befällt, ist nicht bekannt. Der Steckbrief auf wildbienen.de lässt die Stelle offen, Deutschland summt führt keine Parasiten auf.
Quellen
- Martin, H.-J. & Neumayer, J.: Hummel-Arten, Bombus muscorum. wildbienen.de/b-muscor.htm
- Deutschland summt! (Stiftung für Mensch und Umwelt): Wildbiene des Monats Februar 2022, die Mooshummel. deutschland-summt.de/wildbiene-des-monats-februar-2022-die-mooshummel.html
- Strobel, L. & Lattwein, L. (2023): Neue Nachweise der Mooshummel aus dem Murnauer Moos. Gastbeitrag, Biologische Station Murnauer Moos, 10.08.2023. murnauermoos.de/index.php/aktuelles/226-10-08-2023-neues-zur-mooshummel-bombus-muscorum
- Diekötter, T., Walther-Hellwig, K., Conradi, M., Suter, M. & Frankl, R. (2006): Effects of landscape elements on the distribution of the rare bumblebee species Bombus muscorum in an agricultural landscape. Biodiversity & Conservation 15, S. 57 bis 68
- Walther-Hellwig, K. & Frankl, R. (2000): Foraging habitats and foraging distances of bumblebees, Bombus spp. (Hym., Apidae), in an agricultural landscape. Journal of Applied Entomology 124, S. 299 bis 306
- Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 373 bis 416. PDF: wildbienen.info/downloads/rote_liste_bienen_fassung_5.pdf
- Ogan, S., Grabener, S., Sommerlandt, F. & Dieker, P. (2023): Feld-Bestimmungshilfe für Hummeln in Deutschland, Version 2023.2. Thünen-Institut für Biodiversität. wildbienen.thuenen.de
- Rasmont, P., Franzen, M., Lecocq, T., Harpke, A., Roberts, S., Biesmeijer, K., Castro, L., Cederberg, B., Dvorak, L., Fitzpatrick, U., Gonseth, Y., Haubruge, E., Mahe, G., Manino, A., Michez, D., Neumayer, J., Odegaard, F., Paukkunen, J., Pawlikowski, T., Potts, S., Reemer, M., Settele, J., Straka, J. & Schweiger, O. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, S. 1 bis 236, Bombus muscorum S. 94. doi.org/10.3897/biorisk.10.4749
- Nieto, A., Roberts, S. P. M., Kemp, J., Rasmont, P., Kuhlmann, M., García Criado, M., Biesmeijer, J. C., Bogusch, P., Dathe, H. H., De la Rúa, P., De Meulemeester, T., Dehon, M., Dewulf, A., Ortiz-Sánchez, F. J., Lhomme, P., Pauly, A., Potts, S. G., Praz, C., Quaranta, M., Radchenko, V. G., Scheuchl, E., Smit, J., Straka, J., Terzo, M., Tomozii, B., Window, J. & Michez, D. (2014): European Red List of bees. Publication Office of the European Union, Luxemburg. doi.org/10.2779/51181
- Fotos von hummelfoto.de: Hartwig (www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Hartwig-gf3a3234.jpg und www.hummelfoto.de/anzeige.php?bild=privat/Hartwig-gf3a3312.jpg, Königinnen, Halbinsel Eiderstedt, Nordfriesland, 8. Juni 2014)
- Bild an Rotklee: Katrin auf Pollenhöschen.de
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Hummelfreund Franz aktualisiert.
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