Mooshummel
Der Thorax der Mooshummel ist durchgehend gelblichorange bis rötlichbraun behaart, ohne einzelne schwarze Haare. Das unterscheidet sie von der Veränderlichen Hummel (Bombus humilis) und der Ackerhummel (Bombus pascuorum), die beide dunklere Haarpartien am Thorax oder am Hinterleib zeigen. Direkt hinter dem Kopf ist die Behaarung meist etwas heller als am restlichen Thorax. Das Abdomen ist gelblich gefärbt, häufig mit honigbraunen Bändchen auf dem zweiten und dritten Tergit. Der letzte Tergit ist schwarz und trägt kürzere Haare als bei der Veränderlichen Hummel.
Im Gegensatz zu vielen anderen Hummelarten variiert die Färbung der Mooshummel kaum. Wer eine Mooshummel einmal sicher bestimmt hat, kennt damit fast automatisch das Aussehen aller Individuen der Art, was die Unterscheidung gegenüber farblich wechselhaften Arten erleichtert. Auf den Äußeren Hebriden lebt mit Bombus muscorum agricolae eine Unterart mit schwarzer Unterseite, die in Mitteleuropa nicht vorkommt.
Königin
- Körperlänge: 17–19 mm
- Flügelspannweite: 32–35 mm
- Rüssellänge: 13–15 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 10–16 mm
- Flügelspannweite: 22–30 mm
- Rüssellänge: unbekannt
Drohn
- Körperlänge: 13–15 mm
- Flügelspannweite: 26–29 mm
- Rüssellänge: ca. 9 mm
Verbreitung und Lebensraum
Die Mooshummel besiedelt weite Teile Eurasiens, von der Iberischen Halbinsel über Großbritannien und Skandinavien bis nach Sibirien und in den Fernen Osten. In Deutschland liegt ihr Verbreitungsschwerpunkt an der Küste, im Binnenland wird sie zunehmend seltener. Sie braucht offenes, feuchtes Gelände: Moore, Streuwiesen und extensiv genutztes Grünland in Gewässernähe.
In Bayern gilt die Art als vom Aussterben bedroht. Nachdem 20 Jahre lang kein Nachweis mehr gelungen war, wurde 2020 im Murnauer Moos wieder ein Tier gefunden. 2023 gelangen dort und in der Umgebung von Oberammergau mehrere weitere Funde. Da Mooshummeln zum Sammeln von Pollen und Nektar meist nur wenige hundert Meter um ihr Nest fliegen, deutet die Lage der Fundorte im Murnauer Moos auf mindestens vier verschiedene Völker hin.
Nistweise und Volksgröße
Die Mooshummel nistet stets oberirdisch, meist in dichten Grasbüscheln oder unter Moospolstern. Auch verlassene Nester von Kleinsäugern oder Vögeln auf Bäumen, Nistkästen und geeignete Stellen an Häusern nimmt sie an. Meist baut sie ihr Nest jedoch selbst aus Moos und trockenem Gras und zählt damit zu den Nestbauern. Ein Volk umfasst 50 bis 120 Tiere, deutlich weniger als bei häufigeren Hummelarten. Als Pocketmaker legt sie ihre Pollentaschen direkt neben den Brutzellen an.
Überwinterte Königinnen erscheinen erst ab Mai, später als bei den meisten anderen Hummelarten. Arbeiterinnen sind von Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni bis Ende September unterwegs, Jungköniginnen und Drohnen von Anfang bis Mitte August. Nach der Verpaarung im Spätsommer sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Drohnen noch im selben Jahr. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern und gründen im folgenden Frühjahr ein neues Volk.
Nahrungssuche
Mit einem Rüssel von bis zu 15 Millimetern Länge erreicht die Mooshummel auch tiefliegenden Nektar in Blüten mit langer Kronröhre. Sie sammelt an vielen verschiedenen Pflanzenfamilien, bevorzugt aber Taubnesseln, Ziest, Wiesensalbei, Beinwell, Disteln, Flockenblumen, Heidekraut sowie Rot-, Weiß- und Wundklee. Für die Nahrungssuche fliegt sie meist nicht weiter als einige hundert Meter von ihrem Nest weg, was sie stark an gut blühende Flächen in unmittelbarer Nestumgebung bindet.
Gefährdung und Schutzmaßnahmen
Die Mooshummel steht in der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands in Kategorie 2 und gilt damit als stark gefährdet. Grundlage ist vor allem der Verlust von Feuchtgebieten: Von den ursprünglichen Mooren in Deutschland sind heute nur noch etwa fünf Prozent erhalten, der Rest wurde entwässert, abgetorft, bebaut oder land- und forstwirtschaftlich genutzt. Da Moore im Jahr nur um etwa einen Millimeter wachsen, lässt sich ein einmal zerstörtes Moor in überschaubarer Zeit nicht ersetzen.
Eine Untersuchung in einer Agrarlandschaft zeigte, dass die Verbreitung der Mooshummel eng an bestimmte Landschaftselemente wie Brachflächen und gehölzarme Bereiche gekoppelt ist. Da die Art erst spät im Jahr aktiv wird, braucht sie ein möglichst langes Blütenangebot bis in den Herbst. Extensiv bewirtschaftete Streuwiesen, wie sie etwa im Murnauer Moos vorkommen, erfüllen diese Ansprüche und tragen wesentlich zum Erhalt der Art bei. Wer den Lebensraum der Mooshummel unterstützen möchte, kann torffreie Blumenerde verwenden und sich für den Erhalt von Feuchtwiesen und Mooren einsetzen.
Parasiten
In Mooshummelnestern entwickeln sich die Larven eines kleinen Käfers namens Antherophagus nigricornis, im Deutschen auch Schwarzhörniger Schimmelfresser genannt. Der Käfer klammert sich beim Blütenbesuch an Beinen, Fühlern oder Rüssel von Königinnen und Arbeiterinnen fest und lässt sich so ins Nest tragen. Dort ernähren sich seine Larven von organischen Abfallstoffen im Nest, nicht von der Brut. Die Art gilt seit einer Untersuchung aus dem Jahr 1921 als für das Hummelvolk unschädlicher Kommensale. Neben der Mooshummel befällt Antherophagus auch andere langrüsselige Hummelarten wie Acker-, Garten-, Gras-, Wald-, Deich- und Veränderliche Hummel. Bereits 1952 beschrieb Karl von Frisch dieses Verhalten.
Quellen
- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten – Bombus muscorum, wildbienen.de
- Biologische Station Murnauer Moos: Neues zur Mooshummel Bombus muscorum, Gastbeitrag von Leonard Strobel und Lukas Lattwein, 10.08.2023, murnauermoos.de
- Diekötter, T., Walther-Hellwig, K., Conradi, M., Suter, M. & Frankl, R. (2006): Effects of landscape elements on the distribution of the rare bumblebee species Bombus muscorum in an agricultural landscape. Biodiversity & Conservation, 15, 57–68.
- T. H. Frison (1921): Antherophagus ochraceus Mels. in the nests of bumblebees. The American Naturalist, 55, S. 188–192
- S. Padron et al. (2022): First report of phoresy by silken fungus beetles on Bombus funebris (Hymenoptera: Apidae: Bombini) in the Southern Andes of Ecuador. Apidologie (zitiert dort: von Frisch, 1952)
- Stiftung Mensch und Umwelt / Deutschland summt: Wildbiene des Monats – Mooshummel, oekolandbau.de
- Eberhard von Hagen, Ambros Aichhorn: Hummeln bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen, Fauna Verlag, ISBN 3-935980-28-0
- Günter R. Witte, Juliane Seger: Hummeln brauchen blühendes Land, Westarp Wissenschaften, ISBN 3-89432-097-4
- Wikipedia: Mooshummel (Bombus muscorum)
- Bilder: Katrin auf Pollenhöschen.de
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Hummelfreund Franz aktualisiert.
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