Grubenhummel, Erdbauhummel oder Unterirdische Hummel (Bombus subterraneus)
Die Grubenhummel, auch Erdbauhummel oder wegen ihres kurzen Haarkleids Short-haired bumblebee genannt, gehört gemeinsam mit der Gartenhummel und der Feldhummel zu den sogenannten Langkopfhummeln. Alle drei Arten besitzen einen schmalen, verlängerten Kopf und einen langen Rüssel, der bei der Königin acht bis zehn Millimeter misst und ihr den Zugang zu tiefen Blütenkronen erlaubt. Von den beiden verwandten Arten unterscheidet sich Bombus subterraneus durch ein kürzeres, dichteres Haarkleid und eine dunklere Grundfärbung, die von Schwarz bis Schwarzgrau reicht. Auf dem Thorax verlaufen zwei rötlichbräunliche Querbinden, eine davon direkt hinter dem Kopf, die andere am Übergang zum Hinterleib. Zwischen dem ersten und zweiten Tergit sitzt ein weiterer rötlichbrauner Pelzstreifen, während die Tergite drei bis sechs weißlich behaart sind und dunkle Querringe zeigen. Drohnen tragen am ersten Tergit ein bräunliches Gelb, am zweiten und dritten Tergit dagegen schwarze Behaarung. Die Königin erreicht eine Körperlänge von 18 bis 20 Millimetern und eine Flügelspannweite von etwa 40 Millimetern, Arbeiterinnen und Drohnen bleiben mit 13 bis 15 Millimetern deutlich kleiner.
Verbreitung und Bestand in Deutschland
Das Verbreitungsgebiet der Grubenhummel reicht von den Pyrenäen über weite Teile Mitteleuropas bis ins südliche Fennoskandinavien. Weiter östlich lebt die Unterart Bombus subterraneus latreillelus, deren Königinnen deutlich gelber gefärbt sind als die westeuropäische Nominatform. In Deutschland gilt die Art zwar als weit verbreitet, kommt aber nur noch in geringer Zahl vor und steht auf der Roten Liste als stark gefährdet. In Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und im Saarland gilt sie als ausgestorben oder verschollen, in Sachsen als vom Aussterben bedroht. Im Jahr 2021 gelang in Rheinland-Pfalz nach 64 Jahren ohne Nachweis die Wiederentdeckung der Art.
Nistweise und Lebensraum
Ihren deutschen Namen verdankt die Grubenhummel ihrer ungewöhnlich tiefen Nistweise. Als sogenannter Pocketmaker legt sie ihre Nester in verlassenen Kleinsäugernestern oder Maulwurfsgängen an, oft bis zu zwei Meter unter der Erdoberfläche. Diese Tiefe unterscheidet sie von den meisten anderen endogäischen, also im Untergrund nistenden Hummelarten, die selten so tief graben. Passende Nistplätze findet sie vor allem in strukturreichem Offenland mit Hecken und extensiv genutzten Wiesenlandschaften. Bombus subterraneus bildet pro Jahr nur eine Generation. Überwinterte Königinnen erscheinen erst Mitte Mai bis Mitte Juni und damit deutlich später als viele andere Hummelarten. Arbeiterinnen fliegen von Anfang Juni bis in den September, Jungköniginnen und Männchen von Mitte August bis Ende September. Zur Volksgröße gibt es unterschiedliche Angaben: Manche Quellen nennen bis zu 100 Tiere, andere gehen von 50 bis 200 Individuen aus, unter günstigen Bedingungen auch von mehreren Hundert.
Nahrungssuche
Wie die anderen Langkopfhummeln sammelt Bombus subterraneus grundsätzlich an vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Der lange Rüssel erlaubt es ihr jedoch, auch Blüten mit tiefen Kronröhren auszubeuten, für die kurzrüsseligen Hummelarten der Zugang zum Nektar verschlossen bleibt. Für die Versorgung ihrer Völker ist sie besonders auf blütenreiche Rotkleebestände angewiesen. Als weitere Nahrungsquellen dienen Waldgeißblatt, Weiße Taubnessel und Gewöhnlicher Natternkopf.
Verschwinden und Wiederansiedlung in Großbritannien
In Großbritannien war die Grubenhummel einst in weiten Teilen Südenglands verbreitet, besonders in den Küstenregionen des Südostens. Im 20. Jahrhundert brach der Bestand durch die Fragmentierung und Intensivierung blütenreicher Grünlandflächen zusammen. 1988 wurde die Art letztmals bei Dungeness in Kent nachgewiesen, im Jahr 2000 erklärten die Behörden sie offiziell für ausgestorben. Ab 2012 begann ein Wiederansiedlungsprojekt von Natural England, der RSPB, dem Bumblebee Conservation Trust und Hymettus. Bis 2016 wurden 415 Königinnen aus einer schwedischen Population importiert, von denen 204 die Quarantäne überstanden und im Gebiet um Dungeness und die Romney Marsh freigelassen wurden. Begleitend legten Landwirte blütenreiche Feldrandstreifen an und stellten ihre Weidewirtschaft um. 2024 wurde erstmals seit der Ausrottung an der Südküste Englands eine vollständige, erfolgreiche Brutsaison der wiederangesiedelten Population bestätigt.
Parasiten
Zu Kuckuckshummeln oder anderen spezialisierten Parasiten, die gezielt Nester der Grubenhummel befallen, liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Quellen
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- wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin und Johann Neumayer: Hummel-Arten – Bombus subterraneus, www.wildbienen.de/b-subter.htm
- Stiftung für Mensch und Umwelt, Dominik Jentzsch: Die Artenvielfalt vor unserer Haustüre – Die Grubenhummel, www.oekolandbau.de
- UK Conservation Translocations Database: The Short-haired Bumblebee Reintroduction Project, data.conservation-translocation.uk/node/74
- British Ecological Society: Homecoming of the short-haired bumblebee after 24 years, www.britishecologicalsociety.org
- HoneyBee & Co.: Short-haired Bumblebee (Bombus subterraneus) – UK Guide, honeybeeandco.uk/short-haired-bumblebee
- Biological Recording: The Plight of the Bumblebee – A 12-Year Reintroduction Case Study, biologicalrecording.co.uk
- Lye, G. C. et al.: Species-specific primers for the molecular identification of cryptic Bombus species in New Zealand, Conservation Genetics, Springer Nature Link
- looduskalender.ee: Die Geschichte der Wiederansiedlung einer Hummelart
- Bild: Martin Andersson – Own work, CC BY-SA 3.0, Link
- Bild: James Lindsey at Ecology of Commanster, CC BY-SA 3.0, Link
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Stefan aktualisiert.
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