Distelhummel
Die Distelhummel, auch Glockenblumen-Hummel genannt (Bombus soroeensis), fällt durch ihre fast vollständig schwarze Behaarung auf, die erst am Hinterleibsende in ein orangerotes Rot übergeht. Dieses Muster beginnt ab der hinteren Hälfte des vierten Tergits und ähnelt damit stark der deutlich häufigeren Steinhummel (Bombus lapidarius). Beide Arten lassen sich am sichersten über die Oberlippe unterscheiden: Die Steinhummel trägt dort eine deutliche Einkerbung, die Distelhummel nur eine geringfügige Einsenkung. Ein weiteres Merkmal liegt auf dem sechsten Hinterleibssegment. Dort besitzt die Steinhummel eine kahle, unbehaarte Stelle, die der Distelhummel fehlt. Auch die Behaarung des Thorax ist bei der Distelhummel kürzer, wenn auch ungleichmäßig lang.
Neben der beschriebenen Standardfärbung treten in Mitteleuropa auch komplett schwarze Tiere sowie Individuen mit schwarz, rot und weiß gefärbtem Hinterleib auf. In den Pyrenäen und auf den Britischen Inseln kommen zusätzlich schwarz, gelb und weiß gezeichnete Farbvarianten vor. Manche Tiere tragen zudem einen schmalen, gelblichen Kragen am Thorax, gelegentlich schimmert das Schwarz leicht braun. Wegen dieser Vielfalt wird die Distelhummel im Feld nicht selten mit Jungköniginnen der Wiesenhummel (Bombus pratorum) verwechselt.
Königin
- Körperlänge: 15–17 mm
- Flügelspannweite: 28–33 mm
- Rüssellänge: 13–14 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 10–14 mm
- Flügelspannweite: ca. 23 mm
- Rüssellänge: 10–13 mm
Drohn
- Körperlänge: 12–14 mm
- Flügelspannweite: 25–28 mm
- Rüssellänge: 9–11 mm
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Distelhummel reicht von den Pyrenäen über Fennoskandinavien bis zum Kaukasus und schließt die Britischen Inseln mit ein. In Mitteleuropa fliegt die Unterart Bombus soroeensis proteus, die in ganz Deutschland vorkommt. Im Flachland Norddeutschlands ist sie inzwischen jedoch fast verschwunden und tritt dort nur noch extrem selten auf. Als Lebensräume dienen ihr Waldränder, Bergwiesen, extensiv genutzte Weiden, Heiden und Heidemoore. In den Alpen steigt sie bis in Höhenlagen von 1100 bis 2600 Metern und findet sich dort vor allem in Wäldern und im Gebüsch.
In der Roten Liste gefährdeter Arten wird die Distelhummel auf der Vorwarnliste geführt. Als Gründe für den Rückgang gelten vor allem Aufforstungen und die intensivere Nutzung von Grünland, die geeignete Nistplätze und Nahrungsflächen verringern.
Flugzeiten
Die Distelhummel bildet nur eine Generation im Jahr. Überwinterte Königinnen sind von Ende April bis Ende Mai auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen zu beobachten. Arbeiterinnen fliegen von Mitte Mai bis Ende September, während junge Königinnen und Drohnen erst von Mitte August bis Ende September in Erscheinung treten.
Nestbau und Nahrung
Ihre Nester legt die Distelhummel unterirdisch an, meist in verlassenen Mäusenestern oder Maulwurfsgängen. Ein Volk umfasst bis zu 80 bis 150 Tiere. Die Art zählt zu den Pollenstorern: Neben Nektar wird auch Pollen in ausgedienten Brutzellen eingelagert. Bei der Nahrungssuche ist die Distelhummel polylektisch und besucht viele verschiedene Pflanzenfamilien, darunter Taubnesseln, Bärtige Glockenblume, Schwarznesseln, Echtes Herzgespann, Wiesen-Klee, Weiß-Klee, Wicken, Großer Eberwurz, Blauer Eisenhut und Taubenkropf-Leimkraut.
Arbeiterinnen bevorzugen dabei deutlich Glockenblumen wie die Rundblättrige und die Nesselblättrige Glockenblume als Pollenquelle. Drohnen findet man hingegen häufiger auf Teufelsabbiss und auf verschiedenen Distelarten, worauf auch der deutsche Name der Art zurückgeht.
Brutparasit
Die Vierfarbige Kuckuckshummel (Bombus quadricolor) ist auf die Distelhummel als Wirt spezialisiert und dringt als Brutparasit in deren Nester ein.
Quellen
- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Bombus soroeensis, wildbienen.de, www.wildbienen.de/b-soroee.htm
- Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands, Ulmer Verlag, 2. Auflage 2019
- Eberhard von Hagen, Ambros Aichhorn: Hummeln. bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen, Fauna Verlag, Nottuln 2003
- Bild: Ivar Leidus – Own work, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: Ivar Leidus – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link
- Bild: Ivar Leidus – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link
- Bilder: Pollenhöschen.de
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Christian aktualisiert.
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