Bombus picipes

Hummeln aus aller Welt

Über die Hummeln Chinas ist im Vergleich zu Europa oder Nordamerika bislang wenig publiziert, obwohl mehr als die Hälfte der weltweit beschriebenen Arten dort vorkommt. Bombus picipes gehört zu den Arten, deren wissenschaftlicher Name selbst eine gewisse Geschichte hat.

  • Familie: Apidae
  • Gattung: Bombus
  • Untergattung: Pratobombus
  • Erstbeschreibung: Richards, 1934
  • Englischer Trivialname: Dark-legged Bumble Bee

Der britische Entomologe Owen W. Richards beschrieb die Art 1934 zunächst nicht als eigenständige Spezies, sondern als Varietät innerhalb von Bombus parthenius: Bombus parthenius var. picipes. 1949 stellte Bernhard Pittioni mit Bombus klapperichi eine weitere Form auf, die sich später als dieselbe Art erwies. In einer 1972 von Sakagami veröffentlichten Revision führte der Taxonom Tkalců beide Namen als Synonyme von Bombus flavus Friese, weshalb chinesische Regionalfaunen der folgenden Jahrzehnte, etwa die Bearbeitung der Hummeln Gansus von 2011, die Art teils noch unter diesem Namen führten. Globale Referenzwerke wie die Checkliste von Paul H. Williams aus dem Jahr 1998 und die Datenbank der Global Biodiversity Information Facility behandeln Bombus picipes dagegen wieder als eigenständige, gültige Art, mit Bombus klapperichi als jüngerem Synonym.

Bombus picipes  Bombus picipes  Bombus picipes

info hummelWeltweit sind etwa 250 Hummelarten bekannt, über 125 davon allein in China, mehr als in jedem anderen Land der Erde. Nur drei chinesische Arten kommen jedoch ausschließlich dort und nirgendwo sonst vor: Bombus pyrosoma, Bombus superbus und Bombus picipes.

Verbreitung in China

Bombus picipes ist auf chinesisches Gebiet beschränkt. In einer flächendeckenden Erhebung der Hummelfauna Nordchinas zwischen 2005 und 2012, bei der mehr als 21.000 Exemplare ausgewertet wurden, zählte die Art zu den zehn häufigsten der insgesamt 77 dort nachgewiesenen Arten. Eine andere Arbeitsgruppe rechnet sie zu den sechs einheimischen Hummelarten Nordchinas, gemeinsam mit Bombus ignitus, Bombus lantschouensis, Bombus lucorum, Bombus patagiatus und Bombus pyrosoma. Genetisches Probenmaterial für eine umfassende Stammbaumanalyse der Gattung Bombus stammte aus dem Qionglai-Gebirge in der Provinz Sichuan. Das Verbreitungsgebiet reicht damit von den Ebenen und Lössplateaus Nordchinas bis in Bergregionen Zentralchinas hinein.

Bedeutung für Landwirtschaft und Forschung

Kommerziell gezüchtete Hummeln wie Bombus terrestris entkommen beim Einsatz in Gewächshäusern immer wieder aus ihrem angestammten Verbreitungsgebiet und konkurrieren dort mit heimischen Arten oder übertragen Krankheitserreger. Aus diesem Grund suchen chinesische Forschungseinrichtungen nach lokalen Alternativen für die Bestäubung von Kulturpflanzen. Bombus picipes gehört zu sechs chinesischen Arten, die für eine Zucht in Gefangenschaft und den Einsatz als Bestäuber ausgewählt wurden, neben Bombus patagiatus, Bombus pyrosoma, Bombus ignitus, Bombus lantschouensis und Bombus lucorum. Ein Projekt zur genomweiten Sequenzierung der Gattung Bombus wählte die Art außerdem als einen von 17 Vertretern aus, mit denen die genetische und ökologische Vielfalt der Gattung möglichst breit abgebildet werden sollte. Ihre Beschränkung auf chinesisches Gebiet machte sie dabei zu einem besonders aufschlussreichen Fall.

Quellen

  • GBIF Secretariat: Bombus picipes Richards, 1934. GBIF Backbone Taxonomy, gbif.org/species/1340338, unter Bezug auf Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum (Entomology).
  • An, J., Huang, J., Shao, Y., Zhang, S., Wang, B., Liu, X., Wu, J. & Williams, P. H. (2014): The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830(1), 1–89.
  • An, J., Williams, P. H., Zhou, B., Miao, Z. & Qi, W. (2011): The bumblebees of Gansu, Northwest China (Hymenoptera, Apidae). Zootaxa 2865, 1–36.
  • Han et al. (2024): Colony performance of three native bumblebee species from South China and association with their gut microbiome. Insect Science, Wiley Online Library.
  • Biodiversity Science (2018): Species diversity, pollination application and strategy for conservation of the bumblebees of China. doi: 10.17520/biods.2018068.
  • Genus-Wide Characterization of Bumblebee Genomes Provides Insights into Their Evolution and Variation in Ecological and Behavioral Traits. Molecular Biology and Evolution, 2021, academic.oup.com.
  • Cameron, S. A. et al. (2007): A comprehensive phylogeny of the bumble bees (Bombus). Biological Journal of the Linnean Society, 91, 161–188.
  • Bild: discoverlife.org
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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m
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