Hornissenschwebfliege Volucella zonaria
Wer im Spätsommer eine besonders große, kräftig gefärbte Schwebfliege an blühendem Efeu oder Bärenklau beobachtet, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Hornissenschwebfliege vor sich. Volucella zonaria gilt als größte Schwebfliege Mitteleuropas und erreicht eine Körperlänge von 16 bis 22 Millimetern. Ihr rotbraun glänzender Thorax, das gelbe Gesicht und der gelb-schwarz gebänderte Hinterleib erinnern stark an die Europäische Hornisse (Vespa crabro). Diese Ähnlichkeit ist kein Zufall, sondern eine Form der Mimikry: Räuber wie Vögel meiden Insekten, die wehrhaften Arten ähneln, und die völlig harmlose, stachellose Fliege profitiert von dieser Verwechslungsgefahr.
Die Art gehört innerhalb der Familie der Schwebfliegen (Syrphidae) zur Unterfamilie Eristalinae und dort zur Gattung Volucella, deren Mitglieder sich häufig durch das Nachahmen von Hummeln, Wespen oder Hornissen auszeichnen.
Unterscheidung von der ähnlichen Volucella inanis
Mit der etwas kleineren Gebänderten Waldschwebfliege (Volucella inanis) kann Volucella zonaria leicht verwechselt werden, da beide Arten ein ähnliches Farbmuster tragen. Ein zuverlässiges Merkmal liegt auf der Unterseite des Hinterleibs: Bei Volucella zonaria ist das zweite Sternit schwarz gefärbt mit nur einem schmalen gelben Hinterrand, bei Volucella inanis dagegen überwiegend gelb. Auch die Unterseite insgesamt zeigt bei Volucella zonaria breite schwarze Querbinden, während sie bei Volucella inanis deutlich heller wirkt. Bei den Männchen beider Arten liegen die Facettenaugen sehr nahe beieinander, wodurch die Stirn schmal erscheint, ein typisches Merkmal vieler männlicher Schwebfliegen.
Paarung und Eiablage im fremden Nest
Männchen warten an blütenreichen Stellen auf vorbeifliegende Weibchen und nutzen dabei ihre großen Facettenaugen, um Weibchen schon aus einiger Entfernung zu erkennen. Nach der Paarung sucht das Weibchen gezielt nach Nestern sozialer Faltenwespen, oft angelockt vom Geruch des Abfallhaufens am Nestgrund. Es dringt in das besetzte Nest ein und legt dort an der Nestwand rund 40 Eier ab. Als Wirte dienen vor allem die Nester der Gemeinen Wespe und der Deutschen Wespe, gelegentlich auch von Hornissen, seltener von Hummeln.
Larvenentwicklung zwischen Aasfresser und Räuber
Nach dem Schlupf leben die Larven am Boden des Wespennests, in dem sich Kot, abgestorbene Nestteile und tote Insekten ansammeln. Sie fressen überwiegend dieses Material sowie sterbende Wespen und übernehmen damit eine Art Reinigungsfunktion innerhalb des Nests. In einzelnen Fällen greifen sie auch lebende Wespenlarven an. Die gelbweiße Färbung der Larven wird meist von anhaftenden Erdpartikeln und Nestmaterial überdeckt, was vermutlich der Tarnung dient. Ausgewachsen erreichen die Larven eine Länge von etwa 20 Millimetern. Nach mehrmaliger Häutung verlassen sie das Nest, verpuppen sich im Erdreich und überwintern dort als Puppe. Die neue Generation schlüpft im folgenden Frühjahr, meist ab Anfang Mai.
Lebensraum, Flugzeit und Nahrung der erwachsenen Tiere
Volucella zonaria besiedelt Wälder und deren Ränder ebenso wie offenes Gelände, ist aber auch in Parks und Gärten häufig anzutreffen, sofern dort ausreichend Nektarpflanzen und in der Nähe geeignete Wespennester vorhanden sind. Die Flugzeit reicht von Juni bis September, mit einem Schwerpunkt im Spätsommer. Als Nahrungspflanzen der erwachsenen Fliegen werden unter anderem Baldrian, Oregano, Ross-Minze, Skabiosen, Hartriegel und Liguster genannt, im Herbst zudem blühender Efeu.
Verbreitung und Ausbreitung nach Norden
Das Verbreitungsgebiet reicht von Polen südwärts bis zum Mittelmeerraum einschließlich der Inseln und bis Nordafrika, sowie von Südengland ostwärts durch Mittel- und Südeuropa, die Türkei und die europäischen Teile Russlands bis nach Sibirien, dazu Teile des Iran und der Mongolei. In Deutschland galt die Art lange als seltener, wärmeliebender Gast, wie ein Einzelnachweis aus Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2011 zeigt, der eigens dokumentiert wurde. Inzwischen wird sie regelmäßiger auch außerhalb der traditionell wärmebegünstigten Regionen Süd- und Westdeutschlands beobachtet, was für eine fortschreitende Ausbreitung nach Norden spricht.
Quellen
- arthropodafotos.de: Volucella zonaria – Hornissenschwebfliege, Große Waldschwebfliege, https://arthropodafotos.de/dbsp.php?lang=deu&sc=0&ta=t_38_dipt_bra_syr&sci=Volucella&scisp=zonaria
- Naturportal Südwest: Volucella zonaria (Poda, 1761), https://naturportal-suedwest.de/de/insekten-spinnen/systematik/art/zweifluegler-diptera/schwebfliegen-syrphidae/volucella/zonaria/
- Hortus-Netzwerk: Insektenporträt (7): Hornissenschwebfliege (Volucella zonaria), https://www.hortus-netzwerk.de/hortusforum/viewtopic.php?t=1191
- Digitib – Artenlexikon: Volucella zonaria (Poda, 1761), https://www.digitib.de/de/tiere-kennenlernen/artenlexikon/art/arthropoda-gliederfuesser/insecta/diptera-zweifluegler/volucella/zonaria-486/
- Kleintiergalerie: Volucella zonaria (Hornissenschwebfliege), https://kleintiergalerie.de/volucella-zonaria/
- Hortica: Hornissenschwebfliege – Steckbrief und Lebensweise, https://hortica.de/hornissenschwebfliege-steckbrief/
- Hippke, M. (2013): Die Hornissenschwebfliege, Große Waldschwebfliege, oder auch Riesen-Hummelschwebfliege Volucella zonaria (Poda, 1761) (Diptera: Syrphidae) – ein seltener, wärmeliebender Gast in Mecklenburg-Vorpommern. Virgo, Mitteilungsblatt des Entomologischen Vereins Mecklenburg, 16. Jahrgang, Heft 1, S. 16–17, https://www.entomologie-mv.de/download/virgo_16/virg-16106A-Voluzella-zonaria-Hippke_web.pdf
- Darwin Tree of Life Consortium: The genome sequence of Hornet Plumehorn hoverfly, Volucella zonaria (Poda, 1761), Wellcome Open Research, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12134739/
- Flickr (Naturbeobachtungsalbum): Volucella zonaria (Hornet Plumehorn), Bildunterschrift und Verbreitungsangaben, https://www.flickr.com/photos/63075200@N07/albums/72157629453425024/
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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