Trughummel
Die Trughummel (Bombus mendax) verdankt ihren deutschen Namen einer Verwechslungsgefahr: Dunkel gefärbte Tiere ähneln der Steinhummel (Bombus lapidarius), hellere Exemplare erinnern an die Höhenhummel (Bombus sichelii). Der lateinische Artname mendax bedeutet lügnerisch oder trügerisch und bezieht sich genau auf diese Farbvarianten.
Ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal zur Steinhummel liegt am Hinterleib: Das orangerote Hinterleibsende beginnt bei der Trughummel bereits am hinteren Rand des dritten Tergiten, bei der Steinhummel erst mit dem vierten. Im Gesicht stehen einige helle Haare, der Kopf trägt häufig einen gräulichen Kragen und ist insgesamt länglich geformt. Der erste Tergit ist seitlich gelb gefärbt, das zweite Glied der Fühlergeißel fast so lang wie die drei folgenden Glieder zusammen. Auffallend ist außerdem das struppige Fell der Art.
Königin
- Körperlänge: 18–20 mm
- Flügelspannweite: 28–32 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 14–17 mm
- Flügelspannweite: 22–26 mm
Drohn
- Körperlänge: 15–18 mm
- Flügelspannweite: 29–32 mm
Die Königin hat einen ungewöhnlich langen Rüssel von 13 bis 16 Millimetern und erzeugt beim Fliegen einen hohen Summton.
Verbreitung und Lebensraum
Bombus mendax kommt in Europa in den Pyrenäen und den Alpen vor, mit Nachweisen unter anderem in Andorra, Frankreich, Spanien, Italien, Slowenien, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Art besiedelt feuchte Gebirgshänge etwa zwischen 1500 und 2800 Metern Höhe. In den Hohen Tauern liegen die höchsten bekannten Nachweise nach der Alpenhummel (Bombus alpinus) sogar über 3000 Metern.
Die Erstbeschreibung durch Gerstäcker stammt aus dem Jahr 1869 und beruht auf Tieren von den „Königsalpen bei Kreuth“, einem Gebiet in den bayerischen Alpen nahe dem Tegernsee.
Nistweise und Nestaufbau
Trughummeln sind Nestbezieher: Sie legen ihre unterirdischen Nester nicht selbst an, sondern nutzen verlassene Mäusenester. Ein Volk umfasst etwa 80 bis 150 Tiere, das Nest verströmt einen auffallend angenehmen Duft.
Im Aufbau unterscheidet sich das Nest von dem der meisten anderen Hummelarten. Es gliedert sich in drei getrennte Bereiche: das eigentliche Brutnest mit Eiern, Larven und Kokons, ein Nektarnest aus 20 bis 30 großen Nektartöpfen sowie große, zylindrische Pollentöpfe aus Wachs, die räumlich von den Brutwaben abgesetzt sind. Diese dritte Kammer macht die Trughummel zu einem sogenannten Pollenstorer, einer unter langrüsseligen Hummelarten seltenen Bauweise. Die meisten anderen langrüsseligen Arten lagern ihren Pollen dagegen direkt an den Brutzellen als sogenannte Taschenmacher.
Flugzeit und Lebenszyklus
Bombus mendax bringt pro Jahr nur eine Generation hervor. Überwinterte Königinnen erscheinen ab Mitte April, während Arbeiterinnen, Jungköniginnen und Drohnen bis in den September oder Oktober hinein fliegen. Insgesamt reicht die aktive Flugzeit der Art von Mitte April bis Ende Oktober.
Ernährung und Trachtpflanzen
Wie bei allen Hummeln ernähren sich die erwachsenen Tiere von Nektar, während die Larven mit Pollen versorgt werden. Die Trughummel gilt als polylektisch und besucht Blüten aus vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Zu den dokumentierten Trachtpflanzen zählen Krokusse, die Alpenrose, die Alpenkratzdistel und Eisenhut, darunter der Blaue Eisenhut, außerdem Rotklee, Wundklee und der Alpen-Süßklee. Der lange Rüssel der Königinnen erlaubt es ihnen, auch Blüten mit tiefen Kronröhren zu nutzen, an die viele andere alpine Hummelarten mit kürzerem Rüssel kaum herankommen.
Gefährdung und Schutz
In der aktuellen Roten Liste der Bienen Deutschlands gilt die Trughummel als ungefährdet. Der Bestand wird als selten, aber sowohl langfristig als auch kurzfristig als stabil eingeschätzt, gegenüber der vorherigen Einstufung als „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“ wurde die Kategorie sogar verbessert. In Österreich fällt die Bewertung strenger aus: Dort wird die Art aufgrund eines seit den 2000er Jahren deutlich rückläufigen Anteils an allen Hummelnachweisen als gefährdet (Vulnerable) eingestuft. International bewertet die Weltnaturschutzunion IUCN den Gefährdungsstatus als potenziell gefährdet (Near Threatened).
Quellen
- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Bombus mendax, wildbienen.de/b-mendax.htm
- Umweltbundesamt Österreich: Rote Liste der Hummeln (Bombus spp.) Österreichs, umweltbundesamt.at
- Rote-Liste-Zentrum: Artensteckbrief Bombus mendax, rote-liste-zentrum.de
- Wildbienen.info: Insekt des Jahres 2005, Lebenszyklus der Steinhummel, mit Angaben nach Haas (1976) zum Nestaufbau von Bombus mendax, wildbienen.info/insekt2005/lebenszyklus.php
- Wikipedia (englisch): Bombus mendax, en.wikipedia.org/wiki/Bombus_mendax
- Eberhard von Hagen: Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Natur-Verlag, Augsburg 1990.
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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