Mein Hummel Tagebuch

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Bombus campestrisSchön, dass Du da bist. Es freut mich, dass Du Dich auch für Hummeln begeisterst, denn immer mehr Menschen interessieren sich für diese pelzigen Brummer. Gestartet 2012 als persönliches Hummel-Tagebuch, ist Pollenhöschen.de heute das größte deutschsprachige Portal zum Thema Hummeln.

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Gezielte Anwendung von Insektengiften in der Medizin

Bienengift besteht aus mehr als 50 verschiedenen Substanzen: Peptiden, Enzymen und kleinen Botenstoffen, die im Zusammenspiel Fressfeinde abwehren oder Angreifer bekämpfen sollen. Andere Insekten wie Wespen, Hornissen oder bestimmte Käfer produzieren ähnlich komplexe Giftgemische. Für die Pharmakologie sind solche Mischungen deshalb interessant, weil einzelne Bestandteile sehr gezielt in Zellmembranen, Entzündungsprozesse oder Nervenbahnen eingreifen. Genau diese Eigenschaften, die am eigenen Körper schmerzhaft oder gefährlich sein können, lassen sich unter kontrollierten Bedingungen therapeutisch nutzen.

Die medizinische Nutzung von Insektengiften ist dabei kein einheitliches Feld. Sie reicht von seit Jahrzehnten zugelassenen Therapien über aktuelle Forschung bis zu alternativmedizinischen Verfahren mit unterschiedlich guter Beleglage.

Hyposensibilisierung: die am besten belegte Anwendung

Am gründlichsten erprobt ist die medizinische Nutzung von Insektengift ausgerechnet bei jenen Menschen, die besonders empfindlich darauf reagieren. Bei einer spezifischen Immuntherapie gegen Insektengiftallergie, umgangssprachlich Hyposensibilisierung genannt, erhalten Patienten mit einer Bienen- oder Wespengiftallergie über mehrere Jahre steigende Dosen genau jenes Giftes injiziert, auf das ihr Immunsystem überschießend reagiert. Ziel ist eine Toleranz, die im Ernstfall vor einer erneuten anaphylaktischen Reaktion schützt.

In Deutschland reagieren bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung auf einen Insektenstich mit einem anaphylaktischen Schock. Die Standarderhaltungsdosis der Therapie liegt bei 100 Mikrogramm Gift, bei Risikopatienten mitunter bei 200 Mikrogramm. Die Aufdosierung beginnt mit sehr kleinen Mengen und wird meist stationär innerhalb von drei bis fünf Tagen gesteigert, da während dieser Phase jederzeit eine allergische Reaktion auftreten kann. Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten schützt die abgeschlossene Therapie zuverlässig vor schweren Folgereaktionen auf künftige Stiche.

Cantharidin: ein Käferwirkstoff gegen Warzen

Nicht jedes medizinisch genutzte Insektengift stammt von Bienen oder Wespen. Cantharidin wird von Ölkäfern wie der Spanischen Fliege als Abwehrsekret produziert und dient dort dem Schutz vor Fressfeinden. Beim Menschen löst es auf der Haut heftige Blasenbildung aus, die narbenlos abheilt. Genau diese Eigenschaft nutzt die Dermatologie seit dem Altertum, überliefert bereits bei Hippokrates.

info hummelCantharidin soll schon den Truppen Napoleons beim Ägyptenfeldzug zum Verhängnis geworden sein. Sie fingen und verspeisten Frösche aus den Sümpfen des Nildeltas, die sich von Cantharidin produzierenden Käfern ernährt und den Giftstoff eingelagert hatten, ohne selbst Schaden zu nehmen.

Heute wird Cantharidin vor allem gegen Dellwarzen, medizinisch Mollusca contagiosa, und gegen gewöhnliche Warzen eingesetzt. Eine Lösung wird auf die Haut aufgetragen und nach einigen Stunden wieder abgewaschen. Die entstehende kleine Blase löst eine Immunreaktion aus, die zur Abheilung der virusbedingten Hautveränderung führt. In den USA ist ein entsprechendes Präparat zugelassen, in Europa fehlt bislang eine reguläre Zulassung, weshalb der Wirkstoff hier vor allem in individueller Rezeptur genutzt wird. Wegen der Instabilität des Extrakts und des hohen Preises bleibt die Anwendung aufwendig.

Melittin in der Krebsforschung

Bienengift enthält mit Melittin ein Peptid aus 26 Aminosäuren, das sich in Zellmembranen einlagert und dort Poren bildet. Diese Eigenschaft untersucht ein Forschungsteam des Harry Perkins Institute of Medical Research seit 2020 an Zellkulturen von Brustkrebs. In den Experimenten mit Gift von 312 Honigbienen und Hummeln zerstörte das bienenspezifische Melittin innerhalb von 60 Minuten bis zu 100 Prozent der untersuchten Brustkrebszellen, während gesundes Gewebe weitgehend unversehrt blieb. Hummelgift, das kein Melittin enthält, zeigte kaum Wirkung. Wurde Melittin gezielt mit einem Antikörper blockiert, verschwand der Effekt vollständig, was den Wirkstoff als entscheidende Komponente bestätigte.

Eine 2026 veröffentlichte Folgestudie im Fachjournal Nature Precision Oncology testete Melittin in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Docetaxel an Mäusen. Die Kombination reduzierte das Tumorwachstum wirksamer als jede Substanz allein, und künstlich hergestelltes Melittin erzielte vergleichbare Ergebnisse wie natürliches Gift. Zwischen solchen Laborergebnissen und einer zugelassenen Therapie liegt allerdings noch ein weiter Weg. Ein Wirkstoff muss im Körper in ausreichender Menge zum Tumor gelangen, dort wirken und gleichzeitig gesundes Gewebe schonen. Viele Substanzen, die in Zellkulturen überzeugen, scheitern später an Sicherheit oder Dosierung im menschlichen Organismus.

Wespengiftpeptide gegen resistente Bakterien

Auch Wespengift liefert Kandidaten für neue Medikamente. Aus dem Gift der sozialen Wespe Polybia paulista isolierten Forscher das Peptid Polybia-MP1, auch Mastoparan genannt, bestehend aus nur 14 Aminosäuren. Es wirkt gegen ein breites Spektrum grampositiver und gramnegativer Bakterien, darunter auch antibiotikaresistente Stämme, zusätzlich gegen Pilze und in Zellkulturen gegen bestimmte Krebszellen. Anders als viele vergleichbare Peptide schädigt es menschliche rote Blutkörperchen dabei kaum, weil es besonders stark an Membranbestandteile bindet, die auf Bakterien und Tumorzellen häufiger vorkommen als auf gesunden menschlichen Zellen.

Ein Hindernis für den klinischen Einsatz ist die geringe Stabilität solcher Peptide im Körper, wo körpereigene Enzyme sie rasch abbauen. Chemisch modifizierte Varianten des Peptids zeigten im Labor eine deutlich höhere Beständigkeit gegen diesen Abbau, ohne die antibakterielle Wirkung zu verlieren. Angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen gilt diese Forschungsrichtung als vielversprechend, auch wenn bislang klinische Studien am Menschen fehlen.

Bienengiftakupunktur: alte Praxis, begrenzte Evidenz

In der koreanischen und chinesischen Medizin wird verdünntes oder unverdünntes Bienengift gezielt auf Akupunkturpunkte appliziert, eine Praxis, die als Bienengiftakupunktur oder Api-Akupunktur bekannt ist. Sie verbindet den mechanischen Reiz der Akupunktur mit der pharmakologischen Wirkung des Giftes und wird unter anderem bei chronischen Gelenkerkrankungen, Schmerzen nach einem Schlaganfall und Psoriasis eingesetzt. Die zugrundeliegende Theorie der Meridiane, in denen die Lebensenergie Qi fließen soll, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Die verfügbaren Studien sind meist klein und methodisch eingeschränkt. Eine Untersuchung zu Gelenkentzündungen der Schulter kombinierte stark verdünntes Bienengift mit Physiotherapie und verglich das Ergebnis über ein Jahr mit reiner Physiotherapie. Die Kombination schnitt bei den Schmerzskalen signifikant besser ab, allerdings ließ sich die Behandlung nicht verblinden, sodass Patienten wussten, welche Therapie sie erhielten. Eine Pilotstudie mit lediglich acht Patienten nach einem Schlaganfall zeigte ebenfalls einen Vorteil gegenüber Kochsalzinjektionen, der Wirkmechanismus blieb aber unbekannt. Akupunktur selbst gilt bei chronischen Schmerzen als spezifisch wirksam, jedoch nicht als Wundermittel. Ob das zusätzliche Bienengift einen eigenständigen Nutzen über die Akupunktur hinaus liefert, lässt sich aus der bisherigen Datenlage nicht sicher beantworten. Moderne Praktiker setzen inzwischen häufig standardisierte Injektionslösungen statt lebender Bienen ein, der Kern der Methode bleibt jedoch unverändert.

Sicherheit: die Grenze zwischen Reiz und Risiko

Bei allen genannten Anwendungen steht die Sicherheit an erster Stelle. Insektengifte sind im Erwachsenenalter der häufigste, im Kindesalter der zweithäufigste Auslöser anaphylaktischer Reaktionen. Erfahrene Anwender testen deshalb vor jeder umfangreicheren Behandlung mit einer minimalen Dosis, ob eine Unverträglichkeit besteht, und steigern die Dosis erst nach einem beschwerdefreien Verlauf schrittweise. Eine unkontrollierte Anwendung ohne fachkundige Aufsicht und ohne Notfallausrüstung kann lebensgefährlich sein.

Quellen

  • DocCheck Flexikon: Bienengift, Wespengift und Cantharidin
  • Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie, S2k-Leitlinie, AWMF-Register Nr. 061-020
  • Altmeyers Enzyklopädie Fachbereich Dermatologie: Cantharidin
  • Gelbe Liste: Dellwarzen bei Kleinkindern, Cantharidin-Lösung als schmerzfreie Alternative
  • rosenfluh.ch, Dermatologie und ästhetische Medizin: Mollusca contagiosa, mit „Spanischer Fliege” gegen Dellwarzen
  • Wikipedia: Cantharidin
  • Harry Perkins Institute of Medical Research, Studie zu Melittin und Brustkrebs, zusammengefasst unter anderem bei aponet.de und ad-hoc-news.de, Fachjournal Nature Precision Oncology
  • LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik, Goethe-Universität Frankfurt: Pharmaforschung, mildes Bienengift zeigt größeres Anwendungspotenzial, Fachjournal Toxins
  • biosyn.com und MedChemExpress: Polybia-MP1, antimikrobielles Peptid aus Wespengift
  • Heilpraxisnet: Hochwirksames natürliches Antibiotikum in Wespengift entdeckt
  • Thieme E-Journals, Aktuelle Dermatologie: Übersicht zu Studien zur Bienengiftakupunktur
  • Deutsches Ärzteblatt: Akupunktur, „spezifisch” wirksam, aber kein Wundermittel

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Dokuserie: Die geheimnisvolle Welt der Bienen

Die geheimnisvolle Welt der BienenSeit dem 1. April 2026 läuft bei Disney+ die zweiteilige Dokuserie “Die geheimnisvolle Welt der Bienen”, im Original “Secrets of the Bees”. Wer auf einen deutschen Kinostart gewartet hat, kann also direkt einschalten, eine Wartezeit gibt es nicht mehr. Regie führte Nadège Laici. Moderiert und erzählt wird die Serie vom britischen Tierfilmer und National-Geographic-Explorer Bertie Gregory. Als wissenschaftlicher Berater tritt der Insektenforscher Dr. Samuel Ramsey auf, ebenfalls National-Geographic-Explorer.

Ausführender Produzent ist James Cameron, bekannt als Regisseur von “Titanic” und “Avatar”. Cameron hat bereits mehrere Folgen der “Geheimnisvolle Welt”-Reihe produziert, darunter die Ausgaben über Wale, Elefanten und Oktopusse. Bei den Bienen kommt ein persönlicher Bezug hinzu: Auf seiner Farm betreibt er selbst rund 300 Bienenstöcke.

Drei Jahre Beobachtung: Inhalt der ersten Folge

Für die Serie filmte das Team drei Jahre lang denselben Honigbienenstock mit eigens entwickelter Kameratechnik. Die erste Folge begleitet ein Bienenvolk durch die Monate vor dem Winter. Gezeigt werden der Wabenbau, die Arbeitsteilung im Stock und die Verständigung der Tiere untereinander.

Neben dem klassischen Honigbienenstock zeigt die Folge auch Bienenarten, die deutlich anders leben: eine Art, die freistehende, aus Pflanzenmaterial gebaute Nester errichtet, sowie eine Bienenart aus dem Amazonasgebiet, die sich nicht von Nektar, sondern von totem Tiergewebe ernährt.

info hummelFür die Serie hielt das Team auch Aufnahmen von Hummeln fest, die Kugeln hin und her rollen. Dieses Verhalten wird von Forschern als eine Form von Spiel bei Hummeln eingeordnet, ein Effekt, der bereits vor der Dokuserie wissenschaftlich beschrieben wurde. Ein weiterer Fund aus der Recherche zur Serie: Eine sich entwickelnde Bienenlarve wird von Ammenbienen etwa 10.000 Mal gefüttert, im Schnitt alle 40 Sekunden.

Bedrohungen und Lösungsansätze: Inhalt der zweiten Folge

Die zweite Folge widmet sich den Gefahren, denen Bienenvölker ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt steht die Varroamilbe, ein Parasit, der Honigbienenvölker weltweit schwächt und mitverantwortlich für hohe Völkerverluste ist. Gregory und Ramsey ordnen ein, welche Ansätze zur Eindämmung bereits erprobt werden und wie sich die Bestäubungsleistung der Bienen langfristig absichern lässt.

Verfügbarkeit in Deutschland

Die Serie läuft in Deutschland regulär über ein Disney+-Abonnement, ebenso über Magenta TV+ als Zweitanbieter. Beide Folgen stehen bereits vollständig zum Abruf bereit, ein wöchentlicher Ausstrahlungsrhythmus wie bei manchen anderen Serien entfällt also.

Warum die Serie auch über Honigbienen hinaus interessant ist

Wer sich vor allem für Hummeln und andere Wildbienen interessiert, findet in der Serie auch Zahlen, die über den gezeigten Honigbienenstock hinausgehen. Weltweit sind mehr als 20.000 Bienenarten bekannt, sie leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Der Honigbienenstock, um den sich die Serie dreht, ist dabei eher die Ausnahme als die Regel: Rund drei Viertel aller Wildbienenarten nisten unterirdisch im Boden, und etwa 90 Prozent der Bienenarten leben einzelgängerisch statt in einem Staat. Auch bei der Fortpflanzung unterscheidet sich die Honigbiene von vielen anderen Arten kaum: Nach der Paarung sterben die männlichen Bienen, da dabei innere Organe reißen.

Quellen

  • National Geographic / Disney Press UK: “National Geographic Releases Un-bee-lieveable Trailer for Secrets of the Bees” (3. März 2026), press.disney.co.uk/news/national-geographic-releases-un-bee-lieveable-trailer-for-secrets-of-the-bees-led-by-award-winning-national-geographic-explorer-bertie-gregory
  • Disney+ Explore: “Secrets of the Bees: Now Streaming, Trailer & Where To Watch”, disneyplus.com/explore/articles/secrets-of-the-bees-national-geographic
  • Disney Wiki (Fandom): “Secrets of the Bees”, disney.fandom.com/wiki/Secrets_of_the_Bees
  • Schweizer Bauer: “«Die geheimnisvolle Welt der Bienen»” (9. April 2026), schweizerbauer.ch/artikel/land-leute/leben-geniessen/die-geheimnisvolle-welt-der-bienen
  • Prisma: “Die geheimnisvolle Welt der Bienen (2026): Wer streamt es? Anbieter & Infos”, prisma.de/streaming/Die-geheimnisvolle-Welt-der-Bienen-sq0k7rY40
  • KinoCheck: “Die geheimnisvolle Welt der Bienen Serien-Information und Trailer”, kinocheck.de/serie/a7a/die-geheimnisvolle-welt-der-bienen-2026
  • JustWatch: “Die geheimnisvolle Welt der Bienen (2026)”, justwatch.com/de/Serie/secrets-of-the-bees
  • WDW News Today: “Watch Bees Play in ‘Secrets of the Bees,’ Now Streaming on Disney+” (6. April 2026), wdwnt.com/2026/04/watch-bees-play-in-secrets-of-the-bees-now-streaming-on-disney

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Steinhummeln als Wirte für das gefährliches Bienenvirus ABPV

Viren, die Honigbienen gefährden können, werden häufig im Zusammenhang mit Bienenkrankheiten betrachtet. Eine neue Studie zeigt nun, dass auch Wildbienen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung bestimmter Viren spielen können. Forscher der Martin Luther Universität Halle Wittenberg und der Universität Göttingen haben nachgewiesen, dass Steinhummeln (Bombus lapidarius) in der Natur als Wirt für das Akute Bienenlähmungsvirus (ABPV) dienen können.

Die Erkenntnis verändert den bisherigen Blick auf die Ausbreitung von Bienenviren. Lange Zeit wurde angenommen, dass vor allem Honigbienen als Wirte dieser Krankheitserreger eine zentrale Rolle spielen und Wildbienen hauptsächlich als mögliche Empfänger von Infektionen betrachtet werden. Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, dass auch Hummeln selbst an der Verbreitung beteiligt sein können.

Die Steinhummel als bisher unterschätzter Virusträger

dwvFür die Studie untersuchten die Forscher verschiedene Bienenarten in natürlichen Lebensräumen. Dabei betrachteten sie nicht nur, ob ein Virus in einem Tier nachweisbar ist, sondern auch, welche Art tatsächlich zur Weiterverbreitung beitragen kann.

Besonders auffällig war die Rolle der Steinhummel. Während Honigbienen bei einigen anderen Viren wie dem Flügeldeformationsvirus (DWV) und dem Black Queen Cell Virus (BQCV) wichtige Träger bleiben, zeigte sich beim Akuten Bienenlähmungsvirus ein anderes Bild. Die Steinhummel erwies sich an den untersuchten Standorten als besonders bedeutender Wirt.

info hummelDie Forscher konnten erstmals unter natürlichen Bedingungen zeigen, dass eine Wildbienenart eine zentrale Rolle bei der Verbreitung eines für Honigbienen gefährlichen Virus übernehmen kann. Damit erweitert die Studie das Verständnis darüber, wie Krankheitserreger zwischen verschiedenen Bienenarten wechseln.

Unterschiedliche Auswirkungen auf Hummeln und Honigbienen

Das Akute Bienenlähmungsvirus kann bei Honigbienen schwere Erkrankungen auslösen. Infizierte Tiere können ihre Flugfähigkeit verlieren, zittern und innerhalb kurzer Zeit sterben. In einem Honigbienenvolk kann eine solche Infektion zu erheblichen Verlusten führen.

Bei Steinhummeln scheint das Virus dagegen deutlich weniger schädlich zu wirken. Die Tiere können den Erreger offenbar tragen, ohne vergleichbare Krankheitserscheinungen zu zeigen. Dadurch können Hummeln als Reservoir dienen und das Virus über längere Zeit in der Umwelt erhalten.

Ein solcher Unterschied zwischen verschiedenen Arten ist bei Krankheitserregern nicht ungewöhnlich. Ein Wirt kann selbst kaum beeinträchtigt sein und trotzdem eine wichtige Rolle bei der Weitergabe eines Erregers spielen.

Blüten als Treffpunkt verschiedener Bienenarten

Die Übertragung zwischen verschiedenen Bienenarten erfolgt vor allem dort, wo viele Insekten zusammenkommen: an Blüten. Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienen nutzen häufig dieselben Pflanzen. Dabei können Viren über Pflanzenmaterial, Pollen oder Nektarreste weitergegeben werden.

Blüten sind deshalb nicht nur wichtige Nahrungsquellen, sondern auch Orte intensiver Kontakte zwischen unterschiedlichen Insektenarten. Je mehr verschiedene Bienenarten dieselben Pflanzen besuchen, desto größer sind die Möglichkeiten für den Austausch von Krankheitserregern.

Warum diese Erkenntnisse für den Schutz von Bienen wichtig sind

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Hummeln eine Bedrohung für Honigbienen darstellen. Wildbienen und Honigbienen stehen nicht in einem einfachen Gegenspieler Verhältnis. Beide Gruppen sind Teil eines komplexen ökologischen Systems, in dem viele Arten miteinander verbunden sind.

Die Studie zeigt vielmehr, dass die Verbreitung von Krankheiten in der Natur nur verstanden werden kann, wenn alle beteiligten Arten betrachtet werden. Maßnahmen zum Schutz von Bienen sollten deshalb nicht nur einzelne Arten berücksichtigen, sondern die gesamte Gemeinschaft der Bestäuber.

Die Forscher weisen darauf hin, dass ausreichend Lebensraum und ein vielfältiges Nahrungsangebot helfen können, das Infektionsrisiko zu verringern. Artenreiche Blühflächen schaffen größere Abstände zwischen einzelnen Tieren und können dadurch die Häufigkeit direkter Kontakte mit infektiösem Material reduzieren.

Neue Perspektive auf Krankheiten in Insektengemeinschaften

Die Untersuchung liefert wichtige Erkenntnisse über die Ausbreitung von Viren in natürlichen Gemeinschaften. Krankheitserreger bewegen sich nicht nur innerhalb einer einzigen Art, sondern können zwischen verschiedenen Arten wechseln.

Für den Naturschutz und die Bienenforschung bedeutet dies, dass Krankheitserreger künftig stärker im Zusammenhang mit gesamten Lebensgemeinschaften betrachtet werden müssen. Nur wenn die Beziehungen zwischen verschiedenen Arten verstanden werden, können geeignete Schutzmaßnahmen entwickelt werden.

Quellen

  • Informationsdienst Wissenschaft. Studie: Hummeln sind Wirte für gefährliches Bienenvirus. https://idw-online.de/de/news868056
  • Pluta, Patrycja et al. Multiple Key Hosts and Network Structure Shape Viral Prevalence Across Multispecies Communities of Bees. Ecology Letters. DOI: 10.1111/ele.70327
  • Universität Göttingen. Presseinformation: Steinhummeln sind Wirte für gefährliches Bienen Virus. https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=8112
  • Manley, Rob et al. Emerging viral threats to honey bees and other pollinators. Current Opinion in Insect Science.
  • Genersch, Elke. Honey bee pathology: current threats and challenges. Apidologie.
  • Goulson, Dave. Bumblebees. Behaviour, Ecology, and Conservation. Oxford University Press.
  • Westrich, Paul. Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer Verlag.

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Drüsiges Springkraut

Kaum eine Pflanze sorgt in Mitteleuropa für so unterschiedliche Meinungen wie das Drüsige Springkraut. Die einen sehen in ihm eine wertvolle Nektarquelle für Hummeln und andere Insekten. Für viele Naturschutzorganisationen ist es dagegen eine problematische, eingeschleppte Art, die heimische Pflanzen verdrängen kann. Tatsächlich haben beide Sichtweisen ihre Berechtigung. Wer das Springkraut beurteilen möchte, sollte seine Herkunft, seine Lebensweise und seine Auswirkungen kennen.

SpringkrautDas Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört zur Familie der Springkrautgewächse. Seine ursprüngliche Heimat liegt im westlichen Himalaya. Im 19. Jahrhundert gelangte die auffällig blühende Pflanze als Zierpflanze nach Europa. Von Gärten aus breitete sie sich rasch aus und wächst heute fast überall dort, wo der Boden ausreichend feucht und nährstoffreich ist.

Besonders wohl fühlt sich das Springkraut an Bachufern, Flüssen, Gräben, Waldrändern, in Auen und auf feuchten Brachflächen. Es bevorzugt halbschattige bis sonnige Standorte und entwickelt innerhalb weniger Monate dichte Bestände, die häufig über zwei Meter Höhe erreichen. Da es einjährig ist, übersteht die Pflanze den Winter nicht. Jedes Frühjahr entstehen sämtliche Bestände ausschließlich aus neuen Samen.

Der Grund dafür ist einfach: Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen bilden. Sobald die Samenkapseln reif sind, genügt oft schon eine leichte Berührung. Die Kapseln platzen explosionsartig auf und schleudern ihre Samen bis zu sieben Meter weit. Fließgewässer transportieren sie anschließend oft über viele Kilometer. Auf diese Weise kann sich das Springkraut innerhalb weniger Jahre entlang ganzer Bachläufe ausbreiten.

info hummelDie Schleudermechanik der Samenkapseln gehört zu den auffälligsten Ausbreitungsmechanismen heimischer Pflanzen. Reife Kapseln reagieren schon auf kleinste Berührungen und schleudern ihre Samen mehrere Meter weit. Diesem Mechanismus verdankt die Pflanzengattung ihren deutschen Namen Springkraut.

Eine Pflanze – mehrere Namen

  • Drüsiges Springkraut – heutiger Standardname in der Botanik und im Naturschutz.
  • Himalaya Springkraut – verweist auf die ursprüngliche Heimat im westlichen Himalaya.
  • Indisches Springkraut – ältere Bezeichnung, heute botanisch eher ungenau und seltener verwendet.
  • Bauernorchidee – gelegentlicher Gartenname, botanisch irreführend und kaum noch gebräuchlich.
  • Impatiens glandulifera – wissenschaftlicher Name.

Warum wird Springkraut entfernt?

Viele Naturschutzverbände, Landschaftspflegeverbände und Behörden entfernen das Drüsige Springkraut regelmäßig von ökologisch wertvollen Flächen. Ziel ist es, seine weitere Ausbreitung einzudämmen und heimischen Pflanzen wieder mehr Raum zu geben. Vor allem an Flussufern und in naturnahen Auen kann das Springkraut dichte Bestände bilden, die kleinere Pflanzen beschatten. Da die Art im Herbst vollständig abstirbt, bleibt der Boden anschließend oft unbedeckt. An Gewässern kann dies die Ufererosion begünstigen.

Impatiens glanduliferaDamit die Bekämpfung überhaupt Wirkung zeigt, müssen die Pflanzen entfernt werden, bevor die Samenkapseln ausreifen. In den meisten Regionen geschieht dies zwischen Ende Juni und Anfang August. Je nach Witterung und Höhenlage kann sich dieser Zeitraum etwas verschieben. Werden die Pflanzen erst nach dem Aufplatzen der Samenkapseln beseitigt, hat sich bereits die nächste Generation verteilt. Dann war die Arbeit in vielen Fällen vergeblich.

Hat die Bekämpfung Erfolg?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Auf kleinen, ökologisch besonders wertvollen Flächen kann eine konsequente Entfernung über mehrere Jahre durchaus erfolgreich sein. Voraussetzung ist allerdings, dass sämtliche Pflanzen vor der Samenreife entfernt werden und die Maßnahmen Jahr für Jahr wiederholt werden.

Impatiens glanduliferaAn großen Flusssystemen oder in weit verzweigten Bachlandschaften stößt diese Strategie dagegen schnell an ihre Grenzen. Immer wieder gelangen neue Samen aus oberhalb liegenden Beständen an die bereits gepflegten Bereiche. Deshalb gilt das Drüsige Springkraut in vielen Regionen heute als dauerhaft etabliert. Vollständig ausrotten lässt es sich dort kaum noch. Die Maßnahmen konzentrieren sich deshalb meist auf besonders empfindliche Lebensräume und seltene Pflanzengesellschaften.

Nektarquelle für Hummeln

Für Hummeln ist das Drüsige Springkraut eine wertvolle Nektarquelle. Die Pflanze blüht vom Hochsommer bis weit in den Herbst hinein, und ihre großen Blüten produzieren reichlich Nektar. Gerade in einer Zeit, in der viele andere Pflanzen bereits verblüht sind, finden zahlreiche Hummelarten hier eine ergiebige Nahrungsquelle. Besonders häufig lassen sich Erdhummeln, Gartenhummeln und Ackerhummeln an den Blüten beobachten.

Die langen Blüten sind gut an kräftige Hummeln angepasst. Sie erreichen den Nektar auf natürlichem Weg. Gelegentlich nutzen kurzrüsselige Hummeln bereits vorhandene kleine Öffnungen an der Blütenbasis, um direkt an den Nektar zu gelangen. Solche Öffnungen stammen häufig von anderen Insekten und werden anschließend mehrfach genutzt.

Quellen

  • CABI. Invasive Species Compendium. Impatiens glandulifera. https://www.cabi.org
  • European Network on Invasive Alien Species. Impatiens glandulifera.
  • Bundesamt für Naturschutz. Informationen zu invasiven gebietsfremden Arten. https://www.bfn.de
  • Flora of the British Isles. Impatiens glandulifera.
  • Royal Horticultural Society. Himalayan balsam. https://www.rhs.org.uk
  • Centre for Ecology & Hydrology. Forschung zur Ausbreitung und Bekämpfung von Impatiens glandulifera.
  • Beerling, D. J. & Perrins, J. M. Biological Flora of the British Isles. Impatiens glandulifera Royle. Journal of Ecology, 1993, 81(2), 367–382.
  • Pyšek, P. & Prach, K. Invasion dynamics of Impatiens glandulifera – A century of spreading reconstructed. Biological Conservation, 1995, 74(1), 41–48.
  • Rothmaler. Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen. Springer Spektrum.

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Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren

Die Hummelnestmotte (Aphomia sociella) findet ihre Wirte nicht mit den Augen. Die Weibchen fliegen in der Dämmerung und suchen gezielt nach dem typischen Duft eines Hummelvolkes. Optische Merkmale des Nestes spielen für den ersten Anflug keine Rolle. Ein Nest, das für das menschliche Auge unauffällig oder gut versteckt wirkt, ist für die Motte also nicht automatisch schwerer zu finden, solange der Duft nach außen dringt.

Auch die Larven verlassen sich nach dem Schlüpfen auf den Geruchssinn. Findet das Weibchen keinen direkten Zugang zum Nest, legt es die Eier in der Nähe ab. Die jungen Raupen suchen sich den Weg zum Nest dann selbst, ebenfalls geruchsgeleitet.

Aphomia sociellaTrotzdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Verstecktheit und Befallsrisiko, nur wirkt er indirekt. Bei einem natürlichen Nest kann der Eingang zwischen Grashalmen, feinen Wurzeln, Moospolstern oder Steinchen gut verborgen liegen. Das erschwert auch einer duftorientierten Motte den letzten Schritt, denn der Gang von der Öffnung bis zur eigentlichen Nestkammer, etwa einem ehemaligen Mäusegang, kann lang, verwinkelt und verzweigt sein. Der Duft führt die Motte grob in die richtige Richtung, das konkrete Eindringen bleibt aber schwierig und zeitaufwendig.

Hummelkästen: kurzer Weg, starker Duft

Bei künstlichen Hummelkästen fällt dieser natürliche Umweg weitgehend weg. Der Eingang ist meist leicht auffindbar, und der Weg vom Flugloch bis zum Nest ist kurz. Stehen mehrere Kästen dicht beieinander, verstärkt sich der Effekt zusätzlich, weil die einzelnen Duftquellen sich zu einem besonders starken Signal summieren. Wachsmotten haben es dadurch in Kästen tendenziell leichter als in gut kaschierten Naturnestern.

info hummelIst der Befall erfolgreich, geht es schnell: Bei günstiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit schlüpfen die Larven innerhalb von drei bis fünf Tagen. Sind es genügend Raupen, können sie ein Hummelnest binnen einer Woche vollständig zerstören, da sie durchgehend fressen.

Geruch von Bienenständen

Aphomia sociellaForscher aus Lettland haben untersucht, ob Hummelvölker in der Nähe von Bienenständen häufiger von Wachsmotten befallen werden. Dafür stellten sie 25 Hummelvölker in unterschiedlichem Abstand, von direkt daneben bis 600 Meter entfernt, zu sechs Bienenständen auf und prüften über den Sommer regelmäßig Befall, Nachwuchs und Immunsystem der Tiere. Ergebnis: Je näher ein Volk am Bienenstand stand, desto öfter war es befallen, desto weniger Nachwuchs hatte es und desto schwächer war die Immunabwehr. Bei 600 Metern war das Risiko fast verschwunden.

Der Grund liegt in zwei Effekten. Zum einen können Wachsmotten auch geschwächte Honigbienenvölker besiedeln, an Bienenständen gibt es also grundsätzlich mehr Motten in der Umgebung. Zum anderen konkurrieren Hummeln und Honigbienen um dieselben Blüten. Nahe am Bienenstand bekommen Hummeln weniger Nahrung, das schwächt ihr Immunsystem, und ein geschwächtes Volk wehrt sich schlechter gegen eindringende Raupen. Beides zusammen erklärt, warum der Befall mit sinkender Entfernung deutlich zunimmt.

Quellen

  • wildbienen.de: Hummelschutz, Wachsmotten, Biologie, wildbienen.de/hus-wmo0.htm
  • wildbienen.de: Wildbienen-Parasiten: Wachsmotten (Galleriinae), wildbienen.de/wbi-p711.htm
  • Krams, R., Grigorjeva, T., Willow, J., Popovs, S., Munkevics, M., Trakimas, G., Contreras-Garduño, J., De Souza, A. R., Adams, C. B., Rantala, M. J., Garajeva, S. J., Sledevskis, E., Krama, T. und Krams, I. A. (2025): Infestation levels of Aphomia sociella in bumblebees increase with proximity to apiaries and result in lower reproductive output and weaker immune response. Frontiers in Bee Science, 3, doi.org/10.3389/frbee.2025.1550560
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org

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Flügeldeformationsvirus: Unterschiede zwischen DWV A und DWV B

Wer sich mit Krankheiten von Honigbienen beschäftigt, stößt früher oder später auf das Flügeldeformationsvirus, kurz DWV. Der Name stammt von den auffälligen Missbildungen, die bei stark infizierten Honigbienen auftreten können. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich allerdings kein einzelnes Virus, sondern ein ganzer Viruskomplex mit mehreren genetischen Varianten. Besonders häufig werden heute DWV A und DWV B untersucht. Beide sind eng miteinander verwandt, unterscheiden sich jedoch in einigen entscheidenden Eigenschaften.

dwvAuch bei Hummeln wurden beide Virusvarianten nachgewiesen. Das macht sie für den Naturschutz und die Forschung besonders interessant. Denn viele Hummelarten teilen sich ihre Nahrungsquellen mit Honigbienen. Dadurch entstehen Berührungspunkte, über die Krankheitserreger zwischen verschiedenen Bestäubern übertragen werden können.

DWV A

DWV A gilt als die ursprünglich bekannte Form des Flügeldeformationsvirus. Über viele Jahre wurde sie als Hauptursache der typischen verkrüppelten Flügel angesehen. Das Virus selbst existierte vermutlich bereits lange vor der weltweiten Ausbreitung der Varroamilbe. Erst durch diesen Parasiten veränderte sich die Situation grundlegend.

Die Varroamilbe überträgt das Virus direkt in die Körperflüssigkeit der Honigbienen. Dadurch gelangen große Virusmengen unmittelbar in den Organismus. Die Folge sind häufig schwere Erkrankungen. Neben den namensgebenden Flügeldeformationen treten verkürzte Hinterleiber, verminderte Flugfähigkeit und eine deutlich verkürzte Lebensdauer auf. Viele Bienen sterben bereits wenige Tage nach dem Schlüpfen.

Nicht jede Infektion führt jedoch zu sichtbaren Schäden. Zahlreiche Tiere tragen DWV A in sich, ohne äußerlich krank zu wirken. Erst wenn sich das Virus stark vermehrt, entstehen die bekannten Symptome.

info hummelDas Erstaunliche an DWV B ist, dass infizierte Bienen häufig völlig gesund aussehen können. Äußerlich unauffällige Tiere können dennoch eine sehr hohe Viruslast tragen und das Virus weiter verbreiten. Sichtbare Flügeldeformationen sind deshalb längst nicht immer ein verlässlicher Hinweis auf eine Infektion.

DWV B

DWV B wurde zunächst unter dem Namen Varroa destructor virus 1 beschrieben. Erst spätere genetische Untersuchungen zeigten, dass es sich um eine eigenständige Variante innerhalb des DWV Komplexes handelt. Heute wird sie als DWV B bezeichnet.

In vielen Regionen der Welt nimmt der Anteil von DWV B seit Jahren zu. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass sich diese Variante besonders gut in der Varroamilbe vermehren kann. Dadurch wird sie sehr effizient von Biene zu Biene übertragen. In einigen Ländern scheint DWV B die ursprünglich dominierende Variante DWV A sogar zunehmend zu verdrängen.

Die Krankheitszeichen unterscheiden sich teilweise von denen des klassischen DWV A. Flügeldeformationen kommen zwar ebenfalls vor, sind jedoch oft seltener oder weniger ausgeprägt. Stattdessen können infizierte Bienen sterben, ohne vorher auffällige Missbildungen zu entwickeln. Das erschwert das Erkennen einer Infektion erheblich.

Welche Bedeutung haben beide Varianten für Hummeln?

Hummeln besitzen keine Varroamilben. Trotzdem gelangen beide Virusvarianten regelmäßig in ihre Populationen. Als wahrscheinlichster Übertragungsweg gelten gemeinsam besuchte Blüten. Infizierte Honigbienen hinterlassen dort virusbelasteten Pollen, Nektar oder Speichelreste. Hummeln können diese Viren beim Blütenbesuch aufnehmen.

Labor und Freilandstudien zeigen, dass sich sowohl DWV A als auch DWV B in Hummeln vermehren können. Das bedeutet, dass die Viren nicht nur passiv mitgeführt werden, sondern tatsächlich eine Infektion auslösen können. Welche Folgen dies langfristig für einzelne Hummelarten hat, wird derzeit intensiv untersucht.

Bemerkenswert ist, dass infizierte Hummeln meist keine verkrüppelten Flügel entwickeln. Die Erkrankung verläuft häufig unauffällig. Gerade deshalb könnten die Auswirkungen in der Natur unterschätzt werden. Mögliche Folgen reichen von einer verkürzten Lebensdauer über eine verminderte Fortpflanzung bis zu einer geringeren Leistungsfähigkeit beim Sammeln von Nahrung. Je nach Hummelart, Viruslast und Umweltbedingungen können die Auswirkungen unterschiedlich stark ausfallen.

DWV A

  • Klassische Variante des Flügeldeformationsvirus
  • Vermehrung in der Varroamilbe: hoch
  • Flügeldeformationen: oft deutlich sichtbar
  • Verbreitung: weltweit
  • Nachweis bei Hummeln: ja

DWV B

  • Ursprünglich als Varroa destructor virus 1 beschrieben
  • Vermehrung in der Varroamilbe: häufig noch effizienter
  • Flügeldeformationen: möglich, aber häufig unauffällig
  • Verbreitung: nimmt in vielen Regionen weiter zu
  • Nachweis bei Hummeln: ja

Offene Fragen

Obwohl das Flügeldeformationsvirus seit vielen Jahren erforscht wird, bleiben zahlreiche Zusammenhänge ungeklärt. Besonders für Hummeln fehlen noch Langzeitstudien, die den Einfluss der verschiedenen Virusvarianten auf den Fortpflanzungserfolg und das Überleben ganzer Populationen untersuchen. Sicher ist jedoch, dass Honigbienen und Wildbestäuber viele Krankheitserreger teilen und ihre Gesundheit deshalb eng miteinander verbunden ist.

DWV A und DWV B sind keine völlig unterschiedlichen Viren, sondern zwei nahe verwandte Varianten desselben Viruskomplexes. Gerade ihre Unterschiede machen sie für die Forschung so spannend. Während DWV A vor allem durch die typischen Flügeldeformationen bekannt wurde, entwickelt sich DWV B in vielen Regionen zunehmend zur dominierenden Variante. Für Hummeln und andere Wildbestäuber ist die tatsächliche Bedeutung dieser Entwicklung noch nicht vollständig verstanden. Genau deshalb gehört das Flügeldeformationsvirus heute zu den wichtigsten Forschungsfeldern im Bereich der Bestäuberkrankheiten.

Quellen

  • Martin S. J. et al. Global honey bee viral landscape altered by a parasitic mite. Science, 2012.
  • Mordecai G. J. et al. Superinfection exclusion and the long term survival of honey bees following DWV infection. Proceedings of the Royal Society B.
  • McMahon D. P. et al. A sting in the spit. Widespread cross infection of multiple RNA viruses across wild and managed bees. Journal of Animal Ecology.
  • Fürst M. A. et al. Disease associations between honeybees and bumblebees as a threat to wild pollinators. Nature.
  • Manley R., Boots M., Wilfert L. Emerging viral disease risk to pollinating insects. Current Opinion in Insect Science.
  • Wilfert L. et al. Deformed wing virus is a recent global epidemic in honeybees driven by Varroa mites. Science.
  • de Miranda J. R., Genersch E. Deformed wing virus. Journal of Invertebrate Pathology.
  • Ryabov E. V. et al. Recent spread of Varroa destructor virus 1. Scientific Reports.
  • Nature Reviews Microbiology. Übersichtsartikel zu Viren der Honigbiene und ihrer Übertragung.
  • https://www.science.org
  • https://royalsocietypublishing.org
  • https://www.nature.com
  • https://www.sciencedirect.com

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Die Virusvariante DWV B bei Hummeln: aktueller Forschungsstand

Das Flügeldeformationsvirus, kurz DWV, gehört zu den bekanntesten Viruserkrankungen bei Honigbienen. In den vergangenen Jahren wurde vor allem die Variante DWV-B genauer untersucht, weil sie sich weltweit stark verbreitet hat. Ihre Auswirkungen auf Honigbienen sind inzwischen gut erforscht, über die Folgen für Hummeln weiß man dagegen deutlich weniger. Untersuchungen zeigen aber, dass sich auch Hummeln mit DWV-B infizieren können. Das Virus könnte damit eine zusätzliche Belastung für wild lebende Bestäuber wie Hummeln und andere Insekten darstellen.

dwvBei Hummeln wurde DWV bereits vor mehreren Jahren nachgewiesen. Am häufigsten untersucht wurde dabei die Erdhummel (Bombus terrestris), weit verbreitet und in der Forschung eine gängige Modellart. Die Studien zeigen, dass Hummeln Viren von Honigbienen aufnehmen können, wenn beide Gruppen dieselben Blüten besuchen. Auf diesem Weg können Krankheitserreger zwischen bewirtschafteten Honigbienenvölkern und wild lebenden Bestäubern wandern.

info hummelDWV-B gehört heute zu den weltweit am weitesten verbreiteten Virusvarianten bei Honigbienen. Bei Hummeln bleibt die Virusmenge trotz nachweisbarer Infektion oft gering, offenbar weil bestimmte körperliche Barrieren eine starke Vermehrung verhindern.

Übertragung zwischen Honigbienen und Hummeln

Wie Viren zwischen verschiedenen Bestäuberarten übertragen werden, ist ein zentrales Forschungsthema. Honigbienen und Hummeln nutzen oft dieselben Blütenpflanzen, und dabei können Viruspartikel über Speichel, Körperkontakt oder verunreinigte Blütenoberflächen weitergegeben werden.

Forscher fanden Hinweise darauf, dass hohe Virusbelastungen in Honigbienenvölkern mit einem häufigeren Nachweis von DWV bei Wildbienen zusammenhängen können. In Landschaften mit vielen bewirtschafteten Bienenvölkern rückt deshalb die Frage in den Vordergrund, welche Folgen das für Wildbestäuber hat.

Der Nachweis eines Virus bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Tier erkrankt oder geschädigt ist. Bei Hummeln wurden zwar DWV-Infektionen festgestellt, schwere Krankheitsverläufe wie bei stark belasteten Honigbienenvölkern sind bei ihnen bislang aber deutlich seltener dokumentiert.

Warum Hummeln offenbar widerstandsfähiger sind

Eine Untersuchung mit Erdhummeln aus dem Jahr 2024 zeigte, dass DWV-B zwar in den Körper der Tiere gelangen kann, sich dort aber nur begrenzt ausbreitet. Die Forscher vermuten dahinter bestimmte natürliche Barrieren im Körper der Hummeln. Vor allem der Verdauungstrakt scheint das Virus zurückzuhalten, wenn es über Nahrung oder Blütennektar aufgenommen wird, sodass es sich nicht stark im Körper verteilt.

Diese Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass DWV-B für Hummeln völlig unproblematisch ist. Wie stark sich eine Infektion auswirkt, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa der Virusmenge, dem Gesundheitszustand der Tiere und zusätzlichen Belastungen durch Nahrungsmangel, Pestizide oder andere Krankheitserreger.

Flügelverformungen und DWV bei Hummeln

Das Flügeldeformationsvirus verdankt seinen Namen dem Umstand, dass infizierte Honigbienen häufig mit verkürzten oder verformten Flügeln aus dem Puppenstadium schlüpfen. Auch bei Hummeln wurden Tiere mit ähnlichen Veränderungen gefunden. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen sichtbaren Flügelschäden und DWV-B lässt sich jedoch schwerer nachweisen, weil dafür auch andere Ursachen infrage kommen.

Eine frühe Untersuchung aus dem Jahr 2006 wies DWV bei Erdhummeln und Ackerhummeln (Bombus pascuorum) mit Flügelveränderungen nach. Seitdem kamen weitere Virusnachweise hinzu, doch es fehlen noch umfangreiche Untersuchungen, die zeigen, wie häufig DWV-B tatsächlich zu Schäden in natürlichen Hummelpopulationen führt.

Aktuelle Bewertung der Bedeutung für Hummeln

Nach dem derzeitigen Forschungsstand gilt DWV-B nicht als Hauptursache für den Rückgang von Hummelarten. Die bisher bekannten Daten sprechen eher dafür, dass die Virusvariante ein zusätzlicher Stressfaktor sein kann, der zusammen mit anderen Belastungen die Widerstandskraft von Hummeln schwächt.

Wichtig bleiben deshalb weitere Untersuchungen an Wildhummeln in unterschiedlichen Landschaften. Laborstudien zeigen, wie sich ein Virus im Körper entwickelt, Felduntersuchungen geben dagegen Aufschluss darüber, welche Bedeutung eine Infektion tatsächlich für ganze Populationen hat.

Die Forschung zu DWV-B bei Hummeln steht noch am Anfang. Der Austausch von Krankheitserregern zwischen Honigbienen und Wildbienen wird inzwischen aber in mehreren Forschungsgruppen systematisch untersucht, unter anderem um herauszufinden, wie stark einzelne Viren den Bestand von Wildbestäubern belasten.

Quellen

  • Streicher, Tabea; Brinker, Pina; Tragust, Simon; Paxton, Robert J. (2024): Host Barriers Limit Viral Spread in a Spillover Host: A Study of Deformed Wing Virus in the Bumblebee Bombus terrestris. Viruses 16(4), 607. https://doi.org/10.3390/v16040607
  • Fürst, Matthias A.; McMahon, Dino P.; Osborne, Juliet L.; Paxton, Robert J.; Brown, Mark J. F. (2014): Disease associations between honeybees and bumblebees as a threat to wild pollinators. Nature 506, 364 bis 366. https://doi.org/10.1038/nature12977
  • McMahon, Dino P.; Fürst, Matthias A.; Caspar, Jesicca; Theodorou, Panagiotis; Brown, Mark J. F.; Paxton, Robert J. (2015): A sting in the spit: widespread cross-infection of multiple RNA viruses across wild and managed bees. Journal of Animal Ecology 84, 615 bis 624. https://doi.org/10.1111/1365-2656.12345
  • Genersch, Elke; Yue, Constanze; Fries, Ingemar; de Miranda, Joachim R. (2006): Detection of Deformed wing virus, a honey bee viral pathogen, in bumble bees Bombus terrestris and Bombus pascuorum with wing deformities. Journal of Invertebrate Pathology 91, 61 bis 63. https://doi.org/10.1016/j.jip.2005.10.002
  • Tehel, Anja; Brown, Mark J. F.; Paxton, Robert J. (2016): Impact of managed honey bee viruses on wild bees. Current Opinion in Virology 19, 16 bis 22. https://doi.org/10.1016/j.coviro.2016.06.006
  • Wilfert, Lena; Long, Gavin; Leggett, Helen C.; Schmid-Hempel, Paul; Butlin, Roger; Martin, Stephen J. M.; Boots, Mike (2016): Deformed wing virus is a recent global epidemic in honeybees driven by Varroa mites. Science 351, 594 bis 597. https://doi.org/10.1126/science.aac9976
  • Manley, Robyn; Boots, Mike; Wilfert, Lena (2015): Emerging viral disease risk to pollinating insects: ecological, evolutionary and anthropogenic factors. Journal of Applied Ecology 52, 331 bis 340. https://doi.org/10.1111/1365-2664.12385

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Bombus kashmirensis

Hummeln aus aller Welt

Bombus kashmirensisBombus kashmirensis ist eine Hummelart der asiatischen Hochgebirge. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf den Himalaya und angrenzende Gebirgsregionen beschränkt. Dort besiedelt sie Lebensräume, die für viele andere Insekten bereits zu kalt und zu unwirtlich sind. Die Art gehört zur Untergattung Alpigenobombus, deren Vertreter durch auffallend kräftige Mundwerkzeuge gekennzeichnet sind.

Innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes lebt Bombus kashmirensis überwiegend oberhalb der Baumgrenze. Die Tiere werden meist in Höhen zwischen etwa 2300 und 4800 Metern nachgewiesen. In diesen Regionen prägen kurze Sommer, starke Temperaturschwankungen, intensive Sonneneinstrahlung und häufige Wetterumschwünge den Lebensraum. Die Art ist an diese Bedingungen angepasst und kann auch bei niedrigen Temperaturen noch aktiv Blüten besuchen.

Kennzeichen

Bombus kashmirensisEin charakteristisches Merkmal von Bombus kashmirensis sind die ungewöhnlich kräftigen Mandibeln. Die Weibchen besitzen breite Oberkiefer mit mehreren deutlich ausgeprägten Zähnen. Dieses Merkmal ist typisch für die Untergattung Alpigenobombus und unterscheidet sie von zahlreichen anderen Hummelarten.

Die Körperfärbung variiert je nach Herkunftsgebiet. Viele Tiere zeigen einen hellen Vorderkörper, während die mittleren Hinterleibssegmente schwarz behaart sind. Die Hinterleibsspitze ist je nach Population weißlich oder rötlich gefärbt. In verschiedenen Regionen des Himalayas treten unterschiedliche Farbformen auf. Solche Farbmusterunterschiede werden bei Hummeln allgemein mit regionalen Mimikry-Systemen in Verbindung gebracht, innerhalb derer mehrere Arten ein ähnliches Erscheinungsbild zeigen.

info hummelBombus kashmirensis gehört zur Untergattung Alpigenobombus, einer kleinen Gruppe von Hummeln mit außergewöhnlich großen Mandibeln, die in den Hochgebirgen Europas und Asiens vorkommen. Die kräftigen Mundwerkzeuge sind so auffällig, dass sie namensgebend für die gesamte Untergattung wurden und als Anpassung an das Leben im Hochgebirge gelten.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet umfasst den Norden Indiens mit Kaschmir, Himachal Pradesh, Uttarakhand und Sikkim sowie Pakistan, Nepal und Teile des Tibetischen Hochlandes in China. Die Art kommt vor allem auf alpinen Wiesen, in felsigen Hochlagen und auf offenen Bergmatten vor. Viele Fundorte liegen deutlich oberhalb der geschlossenen Waldgrenze.

Beobachtungen aus dem Himalaya zeigen, dass Bombus kashmirensis selbst bei winterlichen Bedingungen noch Blüten besucht. Einzelne Königinnen wurden während Schneefällen in Höhen um 4000 Meter beim Nahrungserwerb beobachtet. Solche Beobachtungen verdeutlichen die außergewöhnliche Anpassung der Art an das raue Hochgebirgsklima.

Nahrungsaufnahme

Die kräftigen Mandibeln dienen nicht nur zum Bearbeiten von Pflanzenmaterial. Bombus kashmirensis kann mit ihnen die Blütenröhre bestimmter tiefblütiger Pflanzen von außen öffnen, um direkt an den Nektar zu gelangen. Dieses Verhalten wird als Nektarraub bezeichnet. Dabei entsteht ein kleines Loch an der Blüte, durch das der Nektar erreicht werden kann, ohne den normalen Zugang der Blüte zu nutzen.

Nicht jede Blütenpflanze wird auf diese Weise genutzt. Bei vielen offen zugänglichen Blüten sammelt die Art Pollen und Nektar auf gewöhnlichem Weg und trägt damit weiterhin zur Bestäubung bei. Welche Pflanzen bevorzugt besucht werden, hängt vom regionalen Blütenangebot der jeweiligen Hochgebirgsregion ab.

Forschung

Bombus kashmirensisÜber Bombus kashmirensis ist deutlich weniger bekannt als über viele europäische Hummelarten. Insbesondere zum Nestbau, zur Entwicklung der Völker und zur Larvenaufzucht liegen bislang nur wenige gesicherte wissenschaftliche Beobachtungen vor. Viele Angaben, die in älteren oder populären Darstellungen zu finden sind, konnten bisher nicht eindeutig bestätigt werden. Die Art bleibt deshalb ein interessantes Forschungsobjekt für die Hummelkunde.

Quellen

  • Williams, P. H., An, J., Dorji, P., Huang, J. & Jaffar, S. (2023): Bumblebees with big teeth: revising the subgenus Alpigenobombus with the good, the bad and the ugly of numts (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Taxonomy 892 (1): 1 bis 65. https://europeanjournaloftaxonomy.eu/index.php/ejt/article/view/2283
  • Williams, P. H. (1991): The Bumble Bees of the Kashmir Himalaya (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Bulletin of the British Museum (Natural History), Entomology.
  • Suhail, A., Sabir, A. M., Asghar, M., Rafi, M. A. & Qadir, A. (2009): Geographic distributional patterns of the genus Bombus (Bombini: Apidae) in northern Pakistan. Biological Diversity and Conservation 2 (1): 1 bis 9.
  • Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, Entomology.
  • Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): Bumble Bees of North America. An Identification Guide. Princeton University Press. Enthält grundlegende Informationen zur Systematik und Morphologie der Gattung Bombus.
  • Williams, P. H. (2022): The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, Royal Belgian Institute of Natural Sciences, Brüssel.
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
  • gbif.org

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Die Glockenblumen-Schmalbiene: Wildbiene des Jahres 2026

Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) wirkt auf den ersten Blick wie viele andere kleine, dunkle Wildbienen. Das Kuratorium Wildbiene des Jahres hat sie trotzdem für das Jahr 2026 ausgewählt. Das Gremium, das vom Arbeitskreis Wildbienen-Kataster getragen wird, möchte damit ein Schlaglicht auf die gefährdete Lebenssituation dieser spezialisierten Hautflügler werfen.

Glockenblume SchmalbieneOptisch präsentiert sich das Insekt eher unauffällig. Der Körper ist tiefschwarz gefärbt und zeigt als charakteristisches Merkmal feine, weiße Haarflecken. Doch die wahre Besonderheit liegt in der Lebensweise der Weibchen. Sie leben oligolektisch. Das bedeutet, dass sie beim Sammeln von Pollen für die Brut extrem wählerisch sind. Die Aufzucht der Larven gelingt ihnen nur mit der Nahrung von Glockenblumengewächsen. Pflanzen wie die Knäuelglockenblume, die Rapunzelglockenblume oder die Rundblättrige Glockenblume sind für das Fortbestehen der Art unverzichtbar.

Lebensräume und Bedrohung der Spezialistin

Die enge Bindung an bestimmte Pflanzenarten macht die Biene verwundbar. Sie benötigt strukturreiche Landschaften, in denen die passenden Blütenpflanzen reichlich vorkommen. Typische Habitate sind sonnige Waldränder, Bahndämme und extensiv genutzte Mähwiesen. Neben der richtigen Flora ist das Vorhandensein von Nistplätzen entscheidend. Die Weibchen graben ihre Nester in die Erde und sind dafür auf offene, sandige Bodenstellen angewiesen.

info hummelBeim Pollentransport zählt die Glockenblumen-Schmalbiene zu den sogenannten Beinsammlerinnen: Die Weibchen tragen den Pollen sichtbar in Haarbürsten an den Hinterbeinen zum Nest. Die Männchen dagegen sind im Feld kaum von anderen Schmalbienen zu unterscheiden, vor allem nicht von der sehr ähnlichen Art Lasioglossum sexnotatum.

Schutzmaßnahmen für die Zukunft

Der Verlust von naturnahen Lebensräumen setzt der Art stark zu. Sterile Schottergärten, intensiv bewirtschaftete Agrarflächen und der übermäßige Einsatz von Pestiziden entziehen den Tieren die Lebensgrundlage. Seit 2011 gilt die Glockenblumen-Schmalbiene bundesweit als gefährdet, nur in Baden-Württemberg ist der Bestand derzeit stabil. Der Schutz dieser Wildbienenart erfordert daher ein Umdenken in der Landschaftspflege. Das Stehenlassen von Wildkräutern an Wegrändern und das bewusste Anpflanzen von heimischen Glockenblumen in Gärten sind erste wichtige Schritte. Nur durch den Erhalt offener Bodenstrukturen und eines kontinuierlichen Blütenangebots kann diese spezialisierte Schmalbiene auch in Zukunft überleben.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Arbeitskreis Wildbienen-Kataster: Wildbiene des Jahres 2026: Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum). Online verfügbar unter: https://www.wildbienen-kataster.de/wildbiene-des-jahres/
  • Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer, R. (2001): Apidae 3: Halictus, Lasioglossum. Fauna Helvetica 6. Centre suisse de cartographie de la faune, Neuchâtel.
  • Müller, A. (1996): Host-Plant Specialization in Western Palearctic Anthidine Bees (Hymenoptera: Apoidea: Megachilidae). Ecological Monographs 66(2), 235–257. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.2307/2963476
  • inaturalist.org
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Hummelnester gesucht!

In wenigen Schweizer Feuchtgebieten nistet noch die vom Aussterben bedrohte Mooshummel Bombus muscorum. Damit sie erfolgreich geschützt werden kann, müssen ihre Niststandorte besser bekannt sein.

Hummel ArtenspürhundDazu wurde in Zusammenarbeit mit Artenspürhunde Schweiz ein Projekt zum Aufspüren von Hummelnestern mittels spezifisch ausgebildeter Spürhunde gestartet. Die Hunde sollen generalisiert ausgebildet werden, also Nester aller Hummelarten anzeigen. Die Nester werden dabei nicht beschädigt, denn sie werden passiv angezeigt.

Für die Ausbildung der Hunde werden nun Hummelnester gesucht.

info hummelArtenspürhunde Schweiz ist spezialisiert auf die Durchführung von wissenschaftlichen Pilotstudien zum Einsatz von Spürhunden für Naturschutz- und Forschungsprojekte. Mehr dazu unter: http://www.artenspuerhunde.ch

Gesucht wird Zugang zu einem Hummelnest, die Hummelart spielt dabei keine Rolle, das für ein Training zur Verfügung gestellt werden könnte. Interessant sind sowohl geborgene Nester als auch aktive oder inaktive Nester. Auch Nester aus Zuchten oder Fragmente, zum Beispiel beschädigte Nester, werden gesucht.

Für geborgene Nester bzw. Nistmaterial, das verschickt werden kann, spielt der Standort keine Rolle. Bei Neststandorten von unberührten Nestern sollte der Standort im Schweizer Mittelland / in der Nordostschweiz liegen, damit er fürs Training erreichbar ist.

Meldungen bitte an: Hummelnest Suche

Der Aufruf darf gerne im Hinterkopf behalten werden, denn voraussichtlich werden auch im Winter 2026/2027 noch Nester benötigt.

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