Gartenhummel
Die Gartenhummel gehört zur Unterfamilie Apinae und dort zur Untergattung Megabombus. Charles Darwin beobachtete die Art 1886 in seinem eigenen Garten und hielt das Balzverhalten der Männchen schriftlich fest. Bombus hortorum zählt zu den sechs häufigsten Hummelarten Europas, ist innerhalb dieser Gruppe aber neben der Ackerhummel eine von nur zwei Arten mit langem Rüssel.
Bombus hortorum (Linnaeus, 1761)
Kennzeichnend sind drei goldgelbe Querbinden: eine am kopfnahen Thorax, eine schmale am Schildchen und eine dritte am ersten und zweiten Hinterleibssegment. Das Hinterleibsende ist weiß gefärbt. Dunkle Formen mit stark reduziertem Gelbanteil kommen regelmäßig vor und erschweren die Bestimmung im Feld. Am ehesten zu verwechseln ist die Gartenhummel mit der Feldhummel (Bombus ruderatus), die ihr in Färbung und Größe fast gleicht und sich zuverlässig nur über DNA-Analysen abgrenzen lässt. Die Feldhummel ist in Mitteleuropa allerdings deutlich seltener. Auch mit der Tonerdhummel (Bombus argillaceus) sind Verwechslungen möglich.
| Kaste | Körperlänge | Flügelspannweite | Rüssellänge |
| Königin | 17–22 mm | 35–40 mm | bis 21 mm |
| Arbeiterin | 11–16 mm | 28–32 mm | 14–16 mm |
| Drohn | 13–15 mm | 28–32 mm | ca. 15 mm |
Lebensraum und Nistweise
Königinnen auf Nistplatzsuche halten sich bevorzugt an Wald- und Feldrändern sowie in offenen, unbewirtschafteten Flächen auf. Untersuchungen zur Grünlandnutzung zeigen, dass die Gartenhummel auf kürzlich von Rindern beweideten Flächen deutlich zahlreicher auftritt als auf Acker-, Schaf- oder ungenutzten Flächen. Der Grund liegt im Fraßverhalten der Rinder, das ein blütenreicheres, strukturierteres Grünland erzeugt. Genistet wird überwiegend unterirdisch; Moos und trockenes Gras im Umfeld sind für den Nestbau erforderlich, weshalb sonnige, grasreiche Standorte bevorzugt werden. Gelegentlich wählt die Art auch ungewöhnliche Neststandorte, ein Verhalten, das sie mit der Wiesenhummel teilt.
Volksentwicklung und Flugzeiten
Die Gartenhummel erwacht meist als letzte der häufigen europäischen Hummelarten aus der Winterruhe. Die Königin versorgt danach über einen Monat lang allein Brut und Nest, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, deutlich länger als bei vielen anderen Arten. Die Völker bleiben im Vergleich zu anderen Hummelarten klein. Ab Spätsommer schlüpfen Jungköniginnen und Drohnen; die Drohnen kehren nach dem Ausflug nicht mehr ins Nest zurück und versorgen sich selbstständig. Zum Saisonende suchen begattete Jungköniginnen unterirdische Winterquartiere auf, während der Rest des Volkes abstirbt.
Rüssellänge und Nahrungssuche
Der lange Rüssel erlaubt der Gartenhummel den Zugriff auf Nektar in tiefen Kronröhren, etwa bei Taubnesseln, Wicken, Klee, Beinwell, Fingerhut und Disteln. Anders als kurzrüsselige Arten muss sie Blüten dafür nicht seitlich aufbeißen, um an den Nektar zu gelangen. Besonders eng ist die Bindung an Rotklee, dessen Kronröhre für die meisten anderen Insekten zu tief ist. Honigbienen, die mit ihrem kurzen Rüssel am Rotklee scheitern, beißen die Blüten stattdessen seitlich auf, um an den Nektar zu gelangen. Weil die Gartenhummel besser an schwaches Licht angepasst ist als die Honigbiene, sammelt sie bereits früh am Morgen und noch spät am Abend, wodurch direkte Konkurrenz mit der tagaktiven Honigbiene weitgehend entfällt.
Bei der Futtersuche nutzt die Gartenhummel feste, individuelle Routen, die über mehrere Tage hinweg wiederholt und meist nur in eine Richtung geflogen werden, sofern nicht Wind eingreift. Untersuchungen an Klappertopf-Arten zählten bei ihr bis zu 18 besuchte Blüten pro Minute, mehr als bei den verglichenen kurzrüsseligen Arten. Zum Pollensammeln setzt sie zudem Vibrationspollination ein: Durch Vibration der Flugmuskulatur schüttelt sie Pollen aus den Staubbeuteln, mit stärkeren Vibrationsamplituden als andere untersuchte Hummelarten. Bei Radiotelemetrie-Untersuchungen legten einzelne Tiere innerhalb weniger Tage Strecken von bis zu 1,3 Kilometern zurück; durch die zusätzliche Sendergewicht ruhten manche Tiere zwischendurch außergewöhnlich lange, in einem Fall über 45 Minuten an einem Baum.
Paarungsverhalten der Drohnen
Weibchen der Gartenhummel paaren sich, anders als bei vielen anderen Hummelarten üblich, nur ein einziges Mal. Das übertragene Ejakulat ist mit im Schnitt rund 6800 Spermien vergleichsweise klein. Die Königin speichert das Sperma während der gesamten Winterruhe in der Spermatheka und nutzt es erst im folgenden Frühjahr zur Befruchtung der Eier bei der Nestgründung. Die Männchen patrouillieren dafür feste Routen und markieren Gegenstände entlang des Weges mit einem Duftstoff, um paarungsbereite Jungköniginnen anzulocken. Bedroht oder gereizt, setzt die Gartenhummel zudem einen auffällig lauten Warnsummton ein, kräftiger als bei den meisten anderen Hummelarten.
Kuckuckshummelarten
Die Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus) ist, soweit bekannt, ausschließlich auf Nester der Gartenhummel spezialisiert. Die Wald-Kuckuckshummel (Bombus sylvestris) parasitiert nach neueren Beobachtungen auch Völker der Garten-, Wiesen-, Baum-, Dunklen und Hellen Erdhummel.
Gefährdung
Die Gartenhummel gilt insgesamt nicht als akut gefährdet, ist in Deutschland aber wie alle wildlebenden Hummelarten besonders geschützt. Der Verlust an blütenreichem, extensiv genutztem Grünland setzt der Art zu, ebenso Pestizide, die sowohl die Brutentwicklung als auch das Gedächtnis der Tiere beeinträchtigen und ihnen so das Wiederfinden von Nist- und Futterplätzen erschweren. Als Wirt des weitverbreiteten Darmparasiten Crithidia bombi ist die Gartenhummel zudem anfällig für Einbußen bei der Eierstockentwicklung und beim Aufbau neuer Völker; genetisch wenig vielfältige Völker sind davon stärker betroffen. 1988 wurde außerdem ein bis dahin unbekannter Neogregarinen-Erreger beschrieben, der Arbeiterinnen und Königinnen befällt und vermutlich europaweit verbreitet ist. Als Bestäuberin ist die Gartenhummel unter anderem für Sonnenblumen, Erdbeeren, Äpfel und Tomaten bedeutsam.
Quellen
- Goulson, D. (2010): Bumblebees: behaviour, ecology, and conservation, Oxford University Press
- Carvell, C. (2002): Habitat use and conservation of bumblebees (Bombus spp.) under different grassland management regimes, Biological Conservation 103(1), S. 33–49
- Hagen, M., Wikelski, M., Kissling, D. (2011): Space Use of Bumblebees (Bombus spp.) Revealed by Radio-Tracking, PLOS ONE 6(5)
- De Luca, P., Cox, D., Vallejo-Marín, M. (2014): Comparison of Pollination and Defensive Buzzes in Bumblebees, Naturwissenschaften 101(4), S. 331–338
- Schmid-Hempel, R., Schmid-Hempel, P. (1999): Female Mating Frequencies in Bombus spp. from Central Europe, Insectes Sociaux 47, S. 36–41
- Kwak, M. (1978): Pollination, Hybridization and Ethological Isolation of Rhinanthus minor and R. serotinus by Bumblebees, Taxon 27(2/3), S. 145–158
- Lipa, J. J., Triggiani, O. (1992): A Newly Recorded Neogregarine Parasite in Honey Bees and Bumble Bees, Apidologie 23(6), S. 533–536
- Peter Frank Röseler, TRIGA Verlag, ISBN 3-89774-280-2
- Günter R. Witte & Juliane Seger, Hummeln brauchen blühendes Land, WESTARP WISSENSCHAFTEN, ISBN 3-89432-097-4
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Stefan aktualisiert.
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