Kinnbacken-Kuckuckshummel (Bombus maxillosus)

Kinnbacken-Kuckuckshummel1817 beschrieb der Entomologe Johann Christoph Friedrich Klug eine Kuckuckshummel unter dem Namen Bombus maxillosus, im deutschen Sprachraum auch als Kinnbacken-Kuckuckshummel bezeichnet. Fast zweihundert Jahre lang tauchte dieser Name in Bestimmungswerken, Sammlungen und Verbreitungskarten neben der ähnlichen Bärtigen Kuckuckshummel (Bombus barbutellus) auf. 2011 endete diese Geschichte: Eine Arbeit der belgischen und tschechischen Forschungsgruppe um Thomas Lecocq zeigte anhand von Erbgut- und Duftstoffanalysen, dass es sich bei beiden Namen um dieselbe Art handelt. Bombus maxillosus gilt seither als jüngeres Synonym von Bombus barbutellus.

info hummelBombus maxillosus stand fast zwei Jahrhunderte lang in Bestimmungsbüchern als eigene Art. Eine Kombination aus Gen- und Pheromonanalysen ergab 2011: Es gibt sie nicht. Alle untersuchten Tiere entsprachen genetisch und chemisch derselben Art wie die Bärtige Kuckuckshummel.

Merkmale und Verbreitung

Kinnbacken-KuckuckshummelSolange Bombus maxillosus als eigene Art galt, wurde sie vor allem anhand zweier Merkmale von der Bärtigen Kuckuckshummel unterschieden: der Dunkelfärbung der Flügel und der Länge der Behaarung. Beide Formen kamen dabei am selben Ort vor, ihre Verbreitungsgebiete überlappten sich. Die Körpermaße entsprechen denen der Bärtigen Kuckuckshummel: Weibchen erreichen 16 bis 22 Millimeter, Männchen 15 bis 16 Millimeter. Der Thorax ist in der Mitte schwarz und trägt am Kopf- und am Hinterleibsansatz je eine gelbe Querbinde. Die vorderen drei Hinterleibssegmente sind schwarz und dunkel behaart, das Hinterleibsende dagegen graulich weiß. Die Flügel sind dunkel getönt, im Gesicht sitzen Haarbüschel, bei Männchen besonders dicht. Als Kuckuckshummel besitzt die Art keine Pollenhöschen an den Hinterbeinen, da sie selbst weder Pollen noch Nektar für Nachkommen einträgt. Gemeldet wurde der Name Bombus maxillosus unter anderem aus Österreich, Tschechien, Frankreich, Ungarn, Italien, Rumänien, der Slowakei, Spanien und der Schweiz.

Zwei Merkmale, eine Art: die Untersuchung von 2011

Kinnbacken-KuckuckshummelFür ihre Studie werteten Lecocq und Kollegen 23 Exemplare aus, die zunächst anhand der klassischen Kriterien Flügelfarbe und Haarlänge den beiden vermeintlichen Arten zugeordnet wurden. Anschließend verglichen sie ein Kernstück des Erbguts, das Gen für den Elongationsfaktor 1α, mit einem mitochondrialen Abschnitt, der Cytochrom-c-Oxidase-Untereinheit I, insgesamt 1623 Basenpaare. Ergänzend zogen sie Daten zu den männlichen Markierungspheromonen heran, jenen Duftstoffgemischen aus der Labialdrüse, mit denen Männchen Reviere und Balzrouten markieren. Weder die Gensequenzen noch die Duftstoffzusammensetzung zeigten einen durchgängigen Unterschied zwischen den beiden vermeintlichen Arten. Die Autoren schlossen daraus, dass die morphologischen Unterschiede lediglich eine Variationsbreite innerhalb einer einzigen Art widerspiegeln, und führten Bombus maxillosus formal als Synonym zu Bombus barbutellus.

Ein Teil der Duftstoffdaten stammte bereits aus einer älteren Arbeit: 2004 hatten Klára Urbanová und Kollegen am Institut für Organische Chemie und Biochemie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften die Labialdrüsensekrete von sechs Kuckuckshummelarten analysiert, darunter erstmals überhaupt das von Bombus maxillosus. Damals wurde die Art noch als eigenständig behandelt, die chemischen Daten flossen später in die Neubewertung von 2011 ein.

Wirtsart und Lebensweise

Als Bombus barbutellus im weiteren Sinn parasitiert die Art vor allem die Gartenhummel (Bombus hortorum), daneben gelegentlich die Feldhummel (Bombus ruderatus) sowie vereinzelt gemeldete Wirte wie Bombus argillaceus, Bombus hypnorum und Bombus pratorum. Weibchen dringen in ein bestehendes Nest der Wirtsart ein und übernehmen es zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt seiner Entwicklung, noch bevor sich ein großes Arbeiterinnenheer gebildet hat. Die Art bildet nur eine Generation pro Jahr. Überwinterte Weibchen fliegen von Ende April bis Ende Juli, Weibchen der neuen Generation ab Mitte Juli, Männchen bereits ab Mitte Juni. Da die eigenen Nachkommen von den Arbeiterinnen des Wirtsvolkes versorgt werden, benötigen erwachsene Kuckuckshummeln selbst nur Nektar. Männchen nehmen ihn überwiegend an Flockenblumen, Skabiosen und Disteln auf, Weibchen bevorzugen Löwenzahn.

Quellen

    • Lecocq, T., Lhomme, P., Michez, D., Dellicour, S., Valterová, I., Rasmont, P. (2011): Molecular and chemical characters to evaluate species status of two cuckoo bumblebees: Bombus barbutellus and Bombus maxillosus (Hymenoptera, Apidae, Bombini). Systematic Entomology 36(3), S. 453–469, doi.org/10.1111/j.1365-3113.2011.00576.x
    • Urbanová, K., Halík, J., Hovorka, O., Kindl, J., Valterová, I. (2004): Marking pheromones of the cuckoo bumblebee males (Hymenoptera, Apoidea, Bombus Latreille): compositions of labial gland secretions of six species found in the Czech Republic. Biochemical Systematics and Ecology 32(11), S. 1025–1045
    • Fauna Europaea: Bombus maxillosus Klug, 1817, Datenbankeintrag, archiviert unter web.archive.org/web/20140714175918/http://www.faunaeur.org/full_results.php?id=231889
    • Smagy – Pflanzen, Insekten & Heilkraft: Artenportrait Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus), www.smagy.de, nach Angaben von www.wildbienen.de
    • Deutschland summt!: Wildbiene des Monats Juli 2018 – Die Bärtige Kuckuckshummel, www.deutschland-summt.de
    • von Hagen, E. (1990): Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Natur Verlag, Augsburg, ISBN 3-89440-546-5
    • inaturalist.org
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