Grashummel (Bombus ruderarius)
Die Grashummel (Bombus ruderarius) besiedelt fast ganz Europa, nur im hohen Norden fehlt sie. In Südeuropa zieht sie sich in höhere Lagen zurück und kommt dort bis in Höhen von 2200 Metern vor. In Deutschland ist sie flächendeckend anzutreffen, wenn auch inzwischen selten geworden. Sie bevorzugt offenes Gelände: artenreiche Wiesen, Dünenlandschaften, Flussufer und Waldränder gehören zu ihren Lebensräumen, ebenso Gärten und Parkanlagen mit ausreichendem Blütenangebot.
Nestbau und Nestwahl
Die überwinterten Königinnen suchen ab Mitte April nach einem Nistplatz. Meist legen sie ihr Nest oberirdisch an und formen aus trockenem Gras, Laub und Moos eine runde Nistkugel. Deshalb zählt die Grashummel zu den Nestbauern unter den Hummeln, im Unterschied zu Arten, die fertige Hohlräume beziehen. Findet eine Königin keinen passenden Platz an der Oberfläche, etwa eine flache Mulde im Boden, weicht sie auf unterirdische Standorte aus, zum Beispiel auf verlassene Mäusegänge.
Merkmale und Verwechslungsmöglichkeiten
Die Grashummel wirkt überwiegend schwarz. Vom vierten bis sechsten Hinterleibssegment, dem Tergit, trägt sie eine rötlichgelbe bis orange Färbung, die sich deutlich vom übrigen schwarzen Körper abhebt. Die Körbchenhaare an den Hinterschienen sind rötlich gefärbt und werden mit zunehmendem Alter gelborange. Manche Tiere zeigen zusätzlich eine schmale, weiße Querbinde am Thorax nahe dem Kopf, die bis zum Flügelansatz reicht.
Königinnen erreichen eine Körperlänge von 16 bis 18 Millimetern, Arbeiterinnen messen zwischen 9 und 18 Millimetern, Drohnen liegen bei 12 bis 14 Millimetern. Der Kopf ist kurz, der Rüssel dagegen vergleichsweise lang, wie bei den meisten Pocketmakern. Die Königin erzeugt beim Fliegen einen auffällig hohen Summton.
Wegen der ähnlichen Farbverteilung wird die Grashummel häufig mit der Steinhummel (Bombus lapidarius) verwechselt, die allerdings deutlich größer ist und keine rötlichen Körbchenhaare besitzt. Auch eine Verwechslung mit der Wiesenhummel (Bombus pratorum) kommt vor.
Nahrungssuche und Trachtpflanzen
Als polylektische Art ist die Grashummel bei der Wahl ihrer Trachtpflanzen nicht auf eine bestimmte Pflanzenfamilie festgelegt. Besonders häufig besucht sie Hülsenfrüchtler, Lippenblütler und Braunwurzgewächse, etwa Klee, Beinwell, Büschelschön und Wicken. Für den Weg zu diesen Pflanzen legt sie Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück.
Entwicklung des Volkes
Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen Anfang Mai. Von diesem Zeitpunkt an verlässt die Königin das Nest nicht mehr und legt in immer kürzeren Abständen Eier. Nestausbau und Nahrungsbeschaffung übernehmen nun die Arbeiterinnen. Ein Volk der Grashummel bleibt vergleichsweise klein und erreicht meist zwischen 50 und 100 Tiere. Ab Ende Juli bis Anfang September schlüpfen die ersten Jungköniginnen und Drohnen und verlassen das Nest.
Gefährdung und gesetzlicher Schutz
Die landwirtschaftliche Intensivierung mit Flurbereinigung und dem Einsatz von Spritzmitteln hat der Grashummel stark zugesetzt. Das Bundesamt für Naturschutz führt sie in der Roten Liste gefährdeter Arten unter Kategorie 3 als gefährdet. Sie steht außerdem nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem gesetzlichem Schutz.
Kuckuckshummel
Nestparasit der Grashummel ist die Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris). Sie besetzt fremde Nester und überlässt die Aufzucht ihrer eigenen Brut den Arbeiterinnen der Wirtsart.
Quellen
- Eberhard von Hagen: Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen
- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten: Bombus ruderarius, wildbienen.de, https://www.wildbienen.de/b-rudera.htm
- Grashummel (Bombus ruderarius), Deutsche Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Grashummel
- Bombus ruderarius, Englische Wikipedia, https://en.wikipedia.org/wiki/Bombus_ruderarius
- Smagy.de, Insekten: Grashummel (Bombus ruderarius), https://www.smagy.de/index.php?func=insect&task=showInsect&taskID=grashummel
- Insekten Sachsen, Taxonomiebrowser Grashummel, https://www.insekten-sachsen.de/Pages/TaxonomyBrowser.aspx?id=231908
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Stefan aktualisiert.
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