Ungarische Hummel (Bombus haematurus)
Bombus haematurus gehört zur Untergattung Pyrobombus. Ihr nächster bekannter Verwandter ist die weit verbreitete Baumhummel Bombus hypnorum. Die Grundfarbe ist schwarz, unterbrochen von zwei goldgelben Querbinden: eine schmalere am Vorderrand des Thorax, eine breitere auf dem zweiten und dritten Hinterleibssegment. Das letzte Tergit ist bei manchen Tieren schwarz, bei anderen rötlich braun gefärbt. Diese rötliche Variante hat der Art im deutschen Sprachraum den Namen Bluthummel eingebracht. Drohnen tragen ein ähnliches Muster wie die Weibchen und lassen sich am ehesten mit gelblich gefärbten Männchen der Wiesenhummel Bombus pratorum verwechseln.
Eine noch junge Ausbreitung
Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet von Bombus haematurus vom nördlichen Balkan über die Türkei und den Kaukasus bis in den Nordiran. Seit den 1980er Jahren dehnt die Art dieses Gebiet Richtung Nordwesten aus. Mittlerweile liegen Nachweise unter anderem aus Ungarn, Kroatien, der Slowakei, Tschechien, Österreich und Polen vor. In Italien wurde die Art 2020 erstmals in der Region Friaul-Julisch Venetien nahe der slowenischen Grenze nachgewiesen. Wie sich eine solche Ausbreitung im Erbgut niederschlägt und wie sich die Tiere in einem neu besiedelten Gebiet tatsächlich verhalten, haben zwei aktuelle Studien getrennt voneinander untersucht.
Genetische Spuren der Ausbreitung
Ein Team der University of Plymouth erstellte 2025 die erste Genomsequenzierung von Bombus haematurus. Grundlage waren zehn Weibchen, die im März 2023 in der Provinz Görz in Norditalien gesammelt wurden, einem Gebiet am Rand des aktuell besiedelten Areals. Das Genom umfasst je nach Berechnungsmethode zwischen 235 und 335 Millionen Basenpaare und enthält schätzungsweise 13.500 Gene, deutlich weniger als bei der nahe verwandten Baumhummel mit rund 20.000 Genen. Ob dieser Unterschied echt ist oder auf Lücken in der noch unvollständigen Genomassemblierung zurückgeht, lässt sich anhand der vorliegenden Kurzlese-Daten nicht abschließend klären.
| Merkmal | Wert |
| Geschätzte Genomgröße | 235–335 Mio. Basenpaare |
| Vorhergesagte Gene | ca. 13.500 |
| Inzuchtkoeffizient (FIS) | -0,145 |
| Lange homozygote Genomabschnitte (LROH) | ca. 0,03 % des Genoms |
Auffällig war vor allem die Nukleotiddiversität, ein Maß für die genetische Vielfalt einer Population: Sie lag mehr als zehnfach unter den Werten anderer untersuchter Hummelarten. Zusammen mit dem negativen Inzuchtkoeffizienten und dem geringen Anteil langer homozygoter Genomabschnitte spricht das für einen kurzen Gründereffekt, bei dem wenige Tiere eine neue Population begründet haben, gefolgt von einem raschen Wachstum ohne nennenswerte Inzucht. Ähnliche Muster wurden bereits bei anderen sich ausbreitenden Pyrobombus-Arten wie der Baumhummel beschrieben, während bedrohte, rückläufige Hummelarten meist das umgekehrte Bild zeigen: positive Inzuchtkoeffizienten und lange homozygote Abschnitte als Zeichen genetischer Verarmung.
In bestimmten Genomabschnitten fanden die Forscher Hinweise auf Selektion, vor allem bei Genen aus der Entwicklungsbiologie. Überproportional betroffen waren außerdem Gene aus den Bereichen Stoffwechsel, Immunsystem, Signalübertragung und Sinneswahrnehmung, also Bereiche, die typischerweise auf äußere Belastungen wie Krankheitserreger, Insektizide oder klimatische Bedingungen reagieren. Die Studie liegt bislang als Vorabveröffentlichung ohne unabhängige Begutachtung vor, liefert aber die erste genomische Grundlage für künftige Vergleiche zwischen mehreren Populationen der Art.
Lebensraum in der neu besiedelten Region
Wie sich Bombus haematurus in einem frisch besiedelten Gebiet tatsächlich verhält, zeigt eine zweite Untersuchung, die zwischen 2023 und 2025 in Friaul-Julisch Venetien durchgeführt wurde. Die Art wurde dabei an 22 zusätzlichen Fundorten in allen vier Provinzen der Region nachgewiesen, was auf eine fortschreitende Ausbreitung nach Westen hindeutet. Die Fundorte lagen zwischen 10 und 364 Metern über dem Meeresspiegel, sowohl in der Ebene als auch in Hügellagen.
Am häufigsten wurden die Tiere an Waldrändern, an lichten Wegen im Unterholz sowie auf Lichtungen und Wiesen in Waldnähe beobachtet. Das bestätigt die frühere Einstufung als weitgehend waldgebundene Art. Gleichzeitig fanden sich Nachweise in Obstgärten, auf Grünland und in parkähnlichen, siedlungsnahen Flächen. Die Autoren der Studie stufen die Art deshalb inzwischen eher als lebensraumtolerant mit anhaltender Waldbindung ein und nicht mehr als strengen Waldspezialisten. Nester werden sowohl in Baumhöhlen als auch unterirdisch angelegt, etwa in verlassenen Nagerbauten oder künstlichen Nistkästen.
Blütenbesuch
Bei derselben Untersuchung wurde auch das Blütenbesuchsverhalten dokumentiert. Rund 90 Prozent der beobachteten Tiere suchten Blüten von 19 Pflanzenarten aus zwölf Familien auf, darunter 17 Wildpflanzen und zwei als Zierpflanzen kultivierte Arten. Zu den genutzten Pflanzen zählten unter anderem der Gewöhnliche Natternkopf, die Gefleckte Taubnessel, die Purpurrote Taubnessel, Echter Lavendel, Wiesensalbei, Quirlblütiger Salbei, Strauchgamander und die Vogelwicke. Mehrere dieser Pflanzenarten wurden im Rahmen der Studie erstmals als Nahrungsquelle für Bombus haematurus beschrieben. Eine einzelne Arbeiterin wurde außerdem beim Aufnehmen von Honigtau beobachtet, den Blattläuse auf einem Apfelbaum absonderten. Das zeigt, dass die Art bei Bedarf auch auf andere Zuckerquellen als Blütennektar zurückgreift.
Quellen
- Hasan, S., Ellis, J. S., Biella, P., Bourke, A. F. G., Haerty, W., Huml, J. V., Knight, M. E. (2025): Characterizing the Genome of the Bumblebee Bombus haematurus – A Range-Expanding Pollinator. bioRxiv-Preprint (nicht begutachtet), doi.org/10.1101/2025.08.29.673031
- Villani, A., Zandigiacomo, P. et al. (2025): Spread and Ecology of the Bumblebee Bombus haematurus (Hymenoptera: Apidae) in Northeastern Italy. Diversity 17, doi.org/10.3390/d17080534
- Biella, P., Galimberti, A. (2020): The spread of Bombus haematurus in Italy and its first DNA barcode reference sequence. Fragmenta Entomologica 52(1), S. 67–70.
- Biella, P. et al. (2020): North-westward range expansion of the bumblebee Bombus haematurus into Central Europe is associated with warmer winters and niche conservatism. Insect Science 28(3), S. 861–872.
- guntram.at, Artenportrait Bombus haematurus, guntram.at/taxonomie/hymenoptera/aculeata/apidae/apinae/bombus/pyrobombus/bombus_haematurus
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Martha aktualisiert.
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