Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)

Die Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus) gehört zur Untergattung der Kuckuckshummeln (Psithyrus) innerhalb der Gattung Bombus. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 18 bis 22 Millimetern, Männchen bleiben mit 14 bis 16 Millimetern deutlich kleiner.

Bombus norvegicusDie Grundfärbung ist schwarz. Auf dem Thorax verläuft in Kopfnähe eine breite, dunkelgelbe Querbinde, die etwas über den Flügelansatz hinausreicht. Am Hinterleib sind das vierte und fünfte Tergit gräulich-weiß behaart, das letzte Tergit ist rötlich-braun gefärbt. Bei Männchen kann zusätzlich das erste Tergit schwach weißlich-gelb behaart sein.

Wie alle Kuckuckshummeln besitzt B. norvegicus keine besondere Beinbehaarung zum Sammeln von Pollen. Auch fehlt in ihren Völkern die Arbeiterinnenkaste vollständig: Ein Volk besteht ausschließlich aus Weibchen und Männchen. Diese Merkmale sind eine Anpassung an die parasitäre Lebensweise, nicht Ausdruck einer anderen Abstammung innerhalb der Gattung Bombus.

Zur Auseinandersetzung mit den Arbeiterinnen des Wirtsvolkes verfügt sie über einen großen Kopf, einen kräftigen Stachel und Kiefer sowie ein dickeres Außenskelett als die von ihr parasitierten Hummeln. Verwechslungen sind vor allem mit der Wald-Kuckuckshummel (Bombus sylvestris) möglich, die eine ähnliche Größe und ein vergleichbares Streifenmuster aufweist.

info hummelDie österreichische Rote Liste der Hummeln stuft die Norwegische Kuckuckshummel inzwischen als gefährdet ein, obwohl ihre einzige Wirtsart, die Baumhummel, europaweit einen leicht positiven Bestandstrend zeigt und sich zunehmend auch in Siedlungsgebieten ausbreitet. Ein Parasit, dessen Wirt sich ausbreitet, müsste eigentlich profitieren, tatsächlich zeigen die Daten aber das Gegenteil.

Wirt und Verbreitungsgebiet

Norwegische KuckuckshummelEinziger bekannter Wirt der Norwegischen Kuckuckshummel ist die Baumhummel (Bombus hypnorum). Ihr Verbreitungsgebiet deckt sich weitgehend mit dem der Wirtsart und reicht über weite Teile Europas bis nach Japan und China. Innerhalb dieses Gebiets ist die Art jedoch nicht überall dort vertreten, wo auch die Baumhummel vorkommt, sondern tritt lückenhaft und deutlich seltener auf als ihre Wirtin.

Sie besiedelt lichte Wälder, Waldränder, Parkanlagen und Wiesen mit älterem Baumbestand. Dort sucht sie gezielt nach Baumhummelnestern, die typischerweise oberirdisch angelegt werden, etwa in Baumhöhlen, verlassenen Vogelnestern, Nistkästen, Mauer- und Felsspalten oder unter Dachstühlen.

Eindringen in das Nest der Baumhummel

Norwegische KuckuckshummelFür den Bruterfolg muss das begattete Weibchen ein bestehendes Baumhummelnest übernehmen. Der Zeitpunkt dieses Einstiegs entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Während der Gründungsphase eines Nests hat eine angreifende Kuckuckshummel kaum eine Chance: Die noch allein wirtschaftende Baumhummelkönigin verlässt nach einem Angriff häufig einfach das Nest, sodass die Eindringlin ins Leere greift. In einem bereits gut entwickelten Volk mit vielen Arbeiterinnen wird sie dagegen erkannt und von der Übermacht angegriffen, gelegentlich mit tödlichem Ausgang für sie selbst. Die besten Erfolgsaussichten bestehen daher kurz nachdem die ersten Arbeiterinnen der Baumhummel geschlüpft sind.

Gelingt der Einstieg, drückt sich das Weibchen zunächst eng an die Waben und nimmt so allmählich den Nestgeruch des Wirtsvolkes an. Da Kuckuckshummeln selbst kein Wachs bilden können, öffnet sie vorhandene Eizellen des Wirtsvolkes und errichtet aus demselben Wachs eigene Zellen für ihre eigene Eiablage.

Vermehrung im Wirtsnest

Bombus norvegicusDie weitere Brutpflege übernehmen die Arbeiterinnen der Baumhummel: Sie versorgen die Nachkommen der Kuckuckshummel wie ihre eigene Brut. Weil B. norvegicus keine Arbeiterinnenkaste mehr hervorbringt, schlüpfen aus den Eiern ausschließlich fortpflanzungsfähige Weibchen und Männchen. Da die Königin keine Zeit und Energie in eine Arbeiterinnengeneration investieren muss, legt sie ihre Eier in kürzerer Zeit und größerer Zahl ab als die parasitierte Wirtin. Dadurch erscheint die fortpflanzungsfähige Nachkommenschaft im Jahresverlauf früher als bei einem unbefallenen Baumhummelvolk.

Überwinterte Weibchen der Norwegischen Kuckuckshummel sind ab Ende April auf Nestsuche, die neue Generation aus Jungköniginnen und Männchen fliegt ab Juli aus. Wie bei anderen Kuckuckshummeln sterben die Männchen noch im selben Jahr, während die begatteten Jungweibchen an versteckten Plätzen überwintern, bevor sie im Folgejahr selbst ein Baumhummelnest suchen.

Bestandssituation

In Deutschland führt die Rote Liste der Bienen die Art in der Kategorie Gefährdung unbekannten Ausmaßes. Genauere Zahlen liefert die Rote Liste der Hummeln Österreichs: Dort wird B. norvegicus in der Kategorie Vulnerable, also gefährdet, geführt, mit einem deutlich negativen Bestandstrend, obwohl die Wirtsart selbst stabil bis leicht zunehmend ist.

Als möglichen Grund für diesen Widerspruch nennen die Autoren methodische Probleme bei der Erfassung: Da Kuckuckshummeln keine sammelnden Arbeiterinnen besitzen, tauchen sie bei halbquantitativen Zählungen seltener auf, als es ihrem tatsächlichen Vorkommen entspricht. Auf Fotos lässt sich die Art nur schwer von ähnlichen Kuckuckshummeln unterscheiden, was zusätzliche Nachweise erschwert. Der tatsächliche Rückgang könnte deshalb geringer ausfallen, als die vorliegenden Daten nahelegen, auch wenn eine Gefährdung durch den engen Bezug zu einer einzigen Wirtsart naheliegt.

Quellen

  • Smagy – Pflanzen, Insekten & Heilkraft: Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus), https://www.smagy.de/index.php?func=insect&task=showInsect&taskID=norwkuckuckshummel
  • Wildbienenwelt.de, Wildbienen-Finder: Bombus norvegicus, https://www.wildbienenwelt.de/Wildbienen-bestimmen/Wildbienen-Finder/article-6516086-190818/bombus-norvegicus-.html
  • wildbienen.de: Hummelbiologie – Kuckuckshummeln, http://www.wildbienen.de/hub-kuck.htm
  • wildbienen.de: Wildbienen – Kuckuckshummel-Arten (Bombus bzw. Psithyrus spec.), http://www.wildbienen.de/hua-psit.htm
  • biologie-seite.de: Kuckuckshummeln, https://biologie-seite.de/Biologie/Kuckuckshummeln
  • digital-nature.de: Wald-Kuckuckshummel (Bombus sylvestris), https://www.digital-nature.de/tierwelt/insekten/bombus/sylvestris/wald-kuckuckshummel.html
  • familiengarten-tipps.de: Kuckuckshummeln – Unterschiede zur Hummel, Arten & mehr, https://www.familiengarten-tipps.de/wildtiere/bienen-hummeln/hummeln/feinde-parasiten-krankheiten-der-hummeln/kuckuckshummeln/
  • familiengarten-tipps.de: Baumhummel (Bombus hypnorum) – Merkmale, Lebensraum & Co., https://www.familiengarten-tipps.de/wildtiere/bienen-hummeln/hummeln/hummelarten/baumhummel/
  • Umweltbundesamt Österreich: Rote Liste der Hummeln (Bombus spp.) Österreichs, https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0894.pdf
  • Foto: John Magne Grindeland (jmgrinde), Beobachtung vom 19.06.2026, Lade, Grønlia, Trondheim. inaturalist.org/observations/373598330, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Experience Matters (experiencematters), Beobachtung vom 27.04.2024, 6700 Arlon, Belgium. inaturalist.org/observations/210078849, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Experience Matters (experiencematters), Beobachtung vom 27.04.2024, 6700 Arlon, Belgium. inaturalist.org/observations/210078847, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Leonid (sibnaturalist), Beobachtung vom 02.08.2020, г. Северск, Томская обл., Россия. inaturalist.org/observations/67651650, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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