Bombus gerstaeckeri

Die Eisenhuthummel (Bombus gerstaeckeri) zählt zu den wenigen oligolektischen Hummelarten weltweit. Von allen bislang beschriebenen Hummelarten sammeln nur zwei ihren Pollen praktisch ausschließlich an Pflanzen der Gattung Eisenhut (Aconitum): B. gerstaeckeri und die nordisch bis asiatisch verbreitete Bombus consobrinus. Eine dritte Art, die Unterart Bombus brodmannicus delmasi, zeigt eine ähnliche, wenn auch schwächer ausgeprägte Bindung an die Gattung Wachsblume (Cerinthe).

Bombus gerstaeckeriIn den Alpen und Pyrenäen fliegt B. gerstaeckeri zuerst den Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum, Syn. A. vulparia) an, später im Jahr den Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) sowie den Rispigen Eisenhut (A. paniculatum bzw. A. degenii) und den Bunten Eisenhut (A. variegatum). Nur ausnahmsweise wird die Silberdistel (Carlina acaulis) besucht. An Weidenröschen (Epilobium angustifolium) oder Rittersporn (Delphinium) wurde die Art gelegentlich beobachtet, dort vermutlich nur zur Nektaraufnahme.

Warum sich diese Bindung an eine einzige, giftige Pflanzengattung entwickelt hat, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden zwei Erklärungen: Der Pollen des Eisenhuts könnte einen für die Larvenentwicklung besonders günstigen Nährstoffgehalt besitzen. Möglich ist aber auch, dass die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide die Auswahl der Sammelpflanze beeinflussen.

Körperbau und Rüssellänge

Auffälligstes Merkmal der Eisenhuthummel ist ihr langgestreckter, schwarzer Kopf, der längste unter den mitteleuropäischen Hummelarten. Er beherbergt einen entsprechend langen Rüssel: Bei der Königin misst er 21 bis 23 mm, bei Arbeiterinnen 6 bis 11 mm und bei Drohnen 12 bis 14 mm. Damit besitzt B. gerstaeckeri den längsten Rüssel aller mitteleuropäischen Hummelarten, eine Anpassung an die tiefen Kronröhren der Eisenhutblüten.

Thorax und erstes Hinterleibssegment sind gelblich-braun bis rotbraun behaart, das zweite und dritte Segment erscheinen schwarz, die Segmente vier bis sechs weißlich-grau. Die Behaarung wirkt insgesamt struppiger als bei den meisten anderen einheimischen Arten.

Königin

  • Länge: 20–26 mm
  • Flügelspannweite: 32–36 mm
  • Rüssel: 21–23 mm

Arbeiterin

  • Länge: 15–17 mm
  • Flügelspannweite: 26–30 mm
  • Rüssel: 6–11 mm

Drohn

  • Länge: 16–18 mm
  • Flügelspannweite: 26–32 mm
  • Rüssel: 12–14 mm
info hummelDie Bindung einer Hummelart an nur eine einzige Pflanzengattung ist im Tierreich außergewöhnlich selten. Bei den Hummeln ist eine solche Spezialisierung auf Eisenhut nicht nur einmal entstanden, sondern zweimal unabhängig voneinander: Die auf den ersten Blick eng verwandt wirkende Bombus consobrinus aus Nordeuropa und Asien hat sich ganz getrennt von der Eisenhuthummel ebenfalls auf Eisenhut spezialisiert, obwohl sie mit ihr nicht am nächsten verwandt ist. Ihre jeweils nächsten Verwandten, Bombus supremus und Bombus koreanus, zeigen diese Vorliebe nicht.

Verbreitung und Höhenlagen

Die Eisenhuthummel kommt in fragmentierten Populationen in mehreren europäischen Gebirgszügen vor: in den Pyrenäen, im gesamten Alpenbogen, in den Karpaten und im Kaukasus. In der Ukraine bestehen die Vorkommen in den Karpaten und angrenzenden Gebieten aus isolierten, kleinen Populationen, auch aus den rumänischen Karpaten liegen vereinzelte Nachweise vor. In den Alpen und Pyrenäen besiedelt die Art Höhenlagen zwischen 800 und 2500 Metern, meist an Berghängen mit größeren Beständen von Eisenhut. Fehlen diese Pflanzen oder wachsen sie nur vereinzelt, fehlt auch die Hummel.

eisenhuthummel  eisenhuthummel  eisenhuthummel

Nistweise

Ihre Nester legt die Eisenhuthummel überwiegend unterirdisch in verlassenen Mäusegängen an, seltener oberirdisch in Felsspalten. Für Nester in Felsspalten trägt die Königin das benötigte Nistmaterial selbst zusammen und baut das Nest eigenhändig; sie tritt damit sowohl als Nestbezieherin wie auch als Nestbauerin auf. Ein ausgewachsenes Volk umfasst je nach Quelle 40 bis 100 Tiere. Wie einige andere Hummelarten ist B. gerstaeckeri ein sogenannter Pocketmaker: Pollen wird in Taschen an den Seiten der Brutzellen abgelegt, aus denen sich die Larven direkt bedienen, statt wie bei anderen Arten in getrennten Vorratszellen gelagert zu werden.

Flugzeit

eisenhuthummelDie Flugzeit der Eisenhuthummel ist gegenüber vielen anderen Hummelarten deutlich nach hinten verschoben, da sie sich nach der Blütezeit des Eisenhuts richtet. Überwinterte Königinnen sind von Anfang Juni bis Anfang September auf Nistplatzsuche unterwegs, ein ungewöhnlich langer Zeitraum. Arbeiterinnen fliegen von Mitte Juli bis Ende Oktober, Jungköniginnen und Drohnen von Anfang September bis Ende Oktober. Pro Jahr bildet die Art nur eine Generation.

Gefährdung

In Deutschland führt die Rote Liste die Eisenhuthummel in Kategorie R, als extrem selten. Auf europäischer Ebene stuft die IUCN die Art als gefährdet (Vulnerable) ein. Da B. gerstaeckeri ausschließlich von Eisenhutbeständen abhängt, hängt ihr Fortbestand unmittelbar vom Erhalt dieser Pflanzen ab: Gehen größere Bestände verloren, verschwindet mit ihnen auch die auf sie angewiesene Hummelart.

Quellen

  • Bumblebee Conservation Trust: Bumblebees of the World Blog Series #9 – Bombus gerstaeckeri, von Denis Michez, bumblebeeconservation.org
  • Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten – Bombus gerstaeckeri, wildbienen.de
  • Smagy – Pflanzen, Insekten & Heilkraft: Eisenhuthummel (Bombus gerstaeckeri), smagy.de
  • Wildbiene.com: Bombus gerstaeckeri Morawitz 1882, wildbiene.com

Bewerte diesen Beitrag

(10 Bewertungen gesamt. Ø 4,60 / 5)
Ansicht von 6 Beiträgen – 1 bis 6 (von insgesamt 6)
  • Autor
    Beiträge
  • #40112
    Stefan
    Admin
    Beitragsersteller
      • DE 84513
      • 398 m

      #40134
      Christian
      Forenmitglied
        • A-4800, 4851
        • 420, 510 m

        Servus Stefan,

        freue mich sehr, dass Du meine 3 Fotos mit Eisenhuthummeln Deinem Beitrag angefügt hast. :-) Hab diese seltene Hummel ja auch als Benutzerbild “Avatar” ausgewählt. Lb.Gr. aus Oö.! Christian

        #40135
        Stefan
        Admin
        Beitragsersteller
          • DE 84513
          • 398 m

          Hallo Christian!

          Ich habe zu danken. Weiter unten im Beitrag über die Eisenhuthummel wird auch die Quelle angegeben. Beim Klick darauf kommt man zu Deinem Beitrag.

          Bild: Pollenhöschen.de

          Ich hoffe, das passt so. :blume:

          #50423
          Franz Rüegsegger

            Betrifft: Frage zu Bombus gerstaeckeri

            Ich bin mir nicht sicher, ob ich an die richtige Adresse gelangt bin um meine Frage an den Mann, die Frau zu bringen. Mal schauen, den Kopf wird’s mir doch wohl nicht kosten…

            Letztes Jahr habe ich im Gasterntal oberhalb Kandersteg beobachtet, dass auch die Blütenböden des Rittersporns (Delphinium elatum)  angeknabbert sind, so wie der dazwischen wachsende Eisenhut, der auch von B. gerstaeckeri besucht wurde. Ich habe mir die Frage gestellt, ob unsere Hummel nicht auch Delphinium, das ja auch eine Ranunculacee ist, besuchen könnte. Ich meine auch bei Ambros Aichhorn nichts in der Richtung gesehen zu haben.

            Nun gut, – vielleicht ist die Frage schon längstens keine mehr. Sie werden es mir vielleicht sagen, – ich danke Ihnen herzlich.

            f.r.

            #50425
            Christian
            Forenmitglied
              • A-4800, 4851
              • 420, 510 m

              Hallo Franz,

              bin fasziniert von dieser seltenen Hummelart. Mache jedes Jahr einen Ausflug in die Berge hier in der Gegend, wo Eisenhuthummeln noch recht häufig sind, da es viele Eisenhutstauden gibt – siehe meinen Beitrag + Bilder kürzlich unter “Eisenhuthummel + andere Arten”. Leider weiß ich nicht, ob diese Hummeln auch den Rittersporn besuchen – würde aber schon sagen. Auch Rittersporn wird gerne besonders von langrüsseligen Hummeln besucht und Eisenhuthummeln gehören ja dazu. Ist aber nur meine Meinung, vielleicht können die Spezialisten hier die Frage beantworten. Grüße! Christian

               

              #50430
              Martin
              Forenmitglied

                Theoretisch könnte die Eisenhuthummel den Rittersporn schon besuchen, allerdings ist der Nektarraub kein Indiz dafür. Bombus gerstaeckeri hat den längsten Rüssel aller mitteleuropäischen Hummelarten und muss also keinen Blüteneinbruch begehen, um an den Nektar zu gelangen. Dafür ist in dem Habitat höchstwahrscheinlich die Bergwaldhummel (Bombus wurflenii) verantwortlich, die bekannt dafür ist, speziell den Eisenhut aufzubeißen.

                https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bombus_wurfleini_tyvhumle.jpg

                Gruß,
                Martin

              Ansicht von 6 Beiträgen – 1 bis 6 (von insgesamt 6)
              • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.