Wald-Kuckuckshummel (Bombus sylvestris)
Bombus sylvestris, die Wald-Kuckuckshummel, ähnelt auf den ersten Blick stark ihrer wichtigsten Wirtin, der Wiesenhummel (Bombus pratorum). Beide tragen eine gelbe Querbinde am Vorderkörper und einen hell behaarten Hinterleibsabschnitt. Wer genauer hinsieht, findet Unterschiede: Bei der Wiesenhummel ist das Hinterleibsende orangerot gefärbt, bei der Wald-Kuckuckshummel dagegen struppig graulich weiß. Die Flügel der Wald-Kuckuckshummel sind zudem dunkler getönt, und ihr Flugton liegt tiefer als der der Wiesenhummel, was manche Beobachter mit dem Summen der deutlich größeren Dunklen Erdhummel vergleichen. Das Hinterleibsende der Weibchen ist stark nach unten gebogen. Männchen zeigen häufig eine schwarz und orangerot gefärbte Hinterleibsspitze und weichen damit im Aussehen von den Weibchen ab. Wie alle Arten der Untergattung Psithyrus fehlt den Weibchen der Sammelapparat an den Hinterbeinen, mit dem andere Hummeln Pollen transportieren. Sie sind darauf angewiesen, ihre Nachkommen von fremden Arbeiterinnen aufziehen zu lassen.
Einzug in ein fremdes Volk
Überwinterte Weibchen suchen ab dem Frühjahr gezielt nach Nestern der Wiesenhummel. Dabei bevorzugen sie Völker, in denen bereits einige wenige Arbeiterinnen vorhanden sind. Ein solches Stadium verspricht genug Versorgung für die eigene Brut, birgt aber zugleich das Risiko, von einer größeren Zahl an Arbeiterinnen erkannt und angegriffen zu werden. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist daher entscheidend für den Erfolg des Einzugs.
Feldbeobachtungen der Forscher Gerd Küpper und Klaus Schwammberger an mehreren Wiesenhummelvölkern zeigten, dass die eindringenden Weibchen sich über mehrere Wochen zunächst unauffällig im Nest aufhielten, ohne Wirtsköniginnen oder Arbeiterinnen anzugreifen. Beobachtet wurde dabei ein Kopfreiben gegenüber anderen Nestbewohnerinnen, das die Forscher als Dominanzverhalten deuteten, möglicherweise verbunden mit der Übertragung von Duftstoffen. In einem der untersuchten Völker wurde die Wirtskönigin erst siebzehn Tage nach dem Einzug tot aufgefunden, ohne sichtbare Spuren eines Kampfes. In mehreren Völkern setzten Wirtin und Parasitin ihre Eiablage sogar parallel fort, sodass beide Arten Nachkommen hervorbrachten. Allerdings wurden Eier der Wiesenhummel von diesem Zeitpunkt an regelmäßig zerstört, während bereits vor dem Einzug gelegte Wirtsbrut noch bis zur erwachsenen Hummel heranreifen durfte. Volker mit geringer Aggressivität zwischen Wirtin und Parasitin brachten dabei die meisten Nachkommen der Wald-Kuckuckshummel hervor.
Tarnung statt Angleichung
Viele Kuckuckshummelarten gleichen ihren Körpergeruch dem der Wirtskolonie an und werden dadurch von den Arbeiterinnen als vermeintliches Nestmitglied akzeptiert. Chemische Analysen von Stephen Martin und Kollegen zeigten jedoch, dass diese Angleichung bei Bombus sylvestris nur unvollständig gelingt, vermutlich weil die Art in ihrer Entwicklungsgeschichte relativ jung zur Wiesenhummel als Hauptwirtin gewechselt ist. Statt den arttypischen Duftstoffen der Wiesenhummel zu ähneln, produziert sie Dodecylacetat, eine Substanz, die auf Arbeiterinnen abschreckend wirkt. Die eindringende Königin wird dadurch nicht als Nestmitglied erkannt, sondern von den Arbeiterinnen gemieden, was ihr denselben Effekt verschafft wie eine gelungene Geruchsangleichung bei anderen Arten. Verhaltensbeobachtungen von Dronnet und Kollegen bestätigten zudem, dass die Weibchen beim Nesteinzug zunächst keine eigene koloniespezifische Duftsignatur tragen und diese erst im Lauf des Aufenthalts im Wirtsnest annehmen.
Wirtsspektrum und Fortpflanzung
Als Hauptwirtin gilt die Wiesenhummel. Daneben werden die Heidehummel (Bombus jonellus) und die Berglandhummel (Bombus monticola) als Wirte genannt, in manchen Untersuchungen zusätzlich die Baumhummel (Bombus hypnorum). Da die Wiesenhummel im Jahresverlauf zwei Generationen bilden kann, gelingt dies mancherorts auch der Wald-Kuckuckshummel, sodass neue Weibchen bis in den September hinein schlüpfen können. Innerhalb der eigenen Nachkommenschaft treten die Männchen typischerweise vor den Weibchen auf, während bei der Wirtin Königinnen und Drohnen zur gleichen Zeit erscheinen. Nach der Paarung sterben die Männchen im selben Jahr, während begattete Weibchen überwintern und im folgenden Frühjahr erneut nach einem geeigneten Wirtsnest suchen.
Lebensraum und Blütenbesuch
Verglichen mit anderen Hummeln hält sich Bombus sylvestris häufiger in gehölzreichen Bereichen auf, ist aber grundsätzlich auch in offenem Gelände wie Wiesen, Weiden, Ruderalflächen und Gartenanlagen anzutreffen, solange Wirtsnester in der Nähe liegen. Beim Blütenbesuch zeigt sie keine ausgeprägte Bindung an bestimmte Pflanzenfamilien. Beobachtet wird sie unter anderem an Weißer Taubnessel, Kugeldistel, Weißklee, Rosskastanie, Wildapfel, Teufelsabbiss, Ackerdistel, Wiesen-Storchschnabel, Natternkopf, Hundszunge und verschiedenen Malvengewächsen. Da die Weibchen keinen Pollensammelapparat besitzen und wenig Zeit mit Blütenbesuchen verbringen, tragen sie im Vergleich zu bestäubungsaktiven Hummelarbeiterinnen deutlich weniger zur Bestäubung bei, obwohl sie beim Blütenbesuch ebenfalls Pollen verschleppen.
Bestand
Die Internationale Naturschutzunion stuft Bombus sylvestris als nicht gefährdet ein und beschreibt den Bestand als stabil. Da die Art in ihrem Vorkommen eng an die Bestandsentwicklung ihrer Wirte gekoppelt ist, hängt ihre Zukunft jedoch von der Situation dieser Arten ab. Während die Wiesenhummel und die Baumhummel in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets zunehmen, gilt der Bestand der Bergesel-Hummel als rückläufig, was die Wald-Kuckuckshummel in Regionen mit dieser Wirtin regional zusätzlich unter Druck setzen könnte.
Quellen
- Küpper, G. & Schwammberger, K. H. (1995): Social parasitism in bumble bees (Hymenoptera, Apidae): observations of Psithyrus sylvestris in Bombus pratorum nests. Apidologie 26(3), 245–254, doi:10.1051/apido:19950306
- Küpper, G. & Schwammberger, K. H. (1992/93): Development of Psithyrus sylvestris in two colonies of Bombus pratorum. Zeitschrift für Angewandte Zoologie 79(2), 177–184
- Martin, S. J., Carruthers, J. M., Williams, P. H. & Drijfhout, F. P. (2010): Host Specific Social Parasites (Psithyrus) Indicate Chemical Recognition System in Bumblebees. Journal of Chemical Ecology 36, 855–863, doi:10.1007/s10886-010-9805-3
- Dronnet, S., Simon, X., Verhaeghe, J. C., Rasmont, P. & Errard, C. (2005): Bumblebee inquilinism in Bombus (Fernaldaepsithyrus) sylvestris (Hymenoptera, Apidae): behavioural and chemical analyses of host parasite interactions. Apidologie 36, 59–70
- Falk, S. (2015): Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland. Bloomsbury, London
- Dozier, A. E., Straw, E. A. & Stanley, D. A. (2023): Systematic review of cuckoo bumblebee research reveals data gaps and understudied species. Ecological Entomology 48(6), 636–649
- buzzaboutbees.net: Bombus sylvestris, Forest Cuckoo Bee, Life, Hosts, Foraging, Status, www.buzzaboutbees.net/bombus-sylvestris.html
- Foto: peterlengyel, Beobachtung vom 15.07.2026, Sighetu Marmației, Romania. inaturalist.org/observations/387314098, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
- Foto: benidryl, Beobachtung vom 23.07.2026, Lisdoran, Co. Galway, Ireland. inaturalist.org/observations/384232801, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert


