Tonerdhummel

Den deutschen Namen Tonerdhummel verdankt Bombus argillaceus dem Hummelforscher Eberhard von Hagen. Gebräuchlich ist daneben die Bezeichnung Lehmhummel. Wissenschaftlich beschrieben wurde die Art bereits 1763 von Giovanni Antonio Scopoli. Sie gehört zur Untergattung Megabombus und damit in dieselbe Gruppe wie die Gartenhummel und die Feldhummel.

Verbreitung von Südosteuropa bis an den Alpenrand

Das Kerngebiet der Tonerdhummel liegt im Mittelmeerraum und reicht über den Balkan, Griechenland, Zypern und die Türkei bis zum Kaukasus und in den Norden Irans. Nach Westen erstreckt sich das Vorkommen über Italien, Frankreich, die Schweiz und Österreich bis nach Ungarn und ins rumänische Cluj, nach Osten bis in den östlichen Kasachstan. In der Türkei besiedelt sie überwiegend Höhenlagen zwischen 900 und 1870 Metern, vereinzelt wurden Tiere sogar auf fast 2900 Metern gefunden.

In Mitteleuropa bildet der Alpenbogen seit langem eine Grenze. Österreichische Vorkommen liegen in Burgenland, der Steiermark, Kärnten, Niederösterreich und Salzburg, in der Schweiz im Wallis und im Tessin. Von Hagen hatte angenommen, die Art komme auch in südbayerischen Wärmeinseln vor. Diese Angabe gilt nach Prüfung durch wildbienen.de als unzutreffend, wie sich seither auch daran zeigt, dass ein deutscher Nachweis lange ausblieb.

Tonerdhummel Tonerdhummel Tonerdhummel

info hummelAm 25. Juni 2024 gelang im oberbayerischen Ohlstadt der erste gesicherte Nachweis der Tonerdhummel in Deutschland überhaupt. Ein Mitglied des BUND Naturschutz in Bayern fotografierte eine Königin und bestimmte sie mit der App ObsIdentify im Rahmen der Hummel-Challenge, einem gemeinsamen Citizen-Science-Projekt von Thünen-Institut und BUND Naturschutz Bayern.

Erster Nachweis in Deutschland

Der Fund von Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen betraf eine einzelne Königin. Das Thünen-Institut ordnet ihn als möglichen ersten Hinweis auf eine Ausbreitung über die Alpen im Zuge des Klimawandels ein, wobei sich das erst über mehrere Jahre beobachten lässt. Ungewöhnlich am Fund war der späte Zeitpunkt Ende Juni, denn überwinterte Königinnen gründen ihre Nester normalerweise deutlich früher im Jahr. Die Autoren der Erstnachweis-Publikation folgern daraus, dass die Nestgründung dieser Königin vermutlich nicht erfolgreich war. Von einer Fortpflanzung oder einer festen Ansiedlung der Art in Deutschland ist demnach bislang nicht auszugehen.

Bombus argillaceus Bombus argillaceus Bombus argillaceus

Merkmale und Verwechslungsgefahr

Die Königin misst 24 bis 28 Millimeter und zählt damit zu den größten Hummeln, die in Mitteleuropa vorkommen. Arbeiterinnen und Drohnen bleiben deutlich kleiner. Kennzeichnend sind ein sehr langer Kopf und ein langer Rüssel sowie dunkel getönte Flügel.

Königin

  • Körperlänge: 24–28 mm
  • Flügelspannweite: 41–47 mm
  • Rüssellänge: 11–13 mm

Arbeiterin

  • Körperlänge: 8–19 mm
  • Flügelspannweite: 19–37 mm
  • Rüssellänge: 4–10 mm

Drohn

  • Körperlänge: 12–17 mm
  • Flügelspannweite: 12–16 mm
  • Rüssellänge: 7–10 mm

Auf dem Thorax verlaufen zwei breite, leuchtend gelbe Querbinden, die deutlich breiter ausfallen als bei Garten-, Feld- oder Unterirdischer Hummel und nicht goldgelb wie bei der Gartenhummel wirken. Das Gelb zieht sich auch über die Unterseite des Thorax, während das schmale schwarze Band nur bis zum Flügelansatz reicht. Bei der Königin ist der gesamte Hinterleib schwarz gefärbt. Arbeiterinnen und Drohnen tragen dagegen auf dem ersten Hinterleibssegment Gelb, auf dem fünften und sechsten Weiß. Arbeiterinnen und Drohnen ähneln dadurch der Garten- und der Feldhummel, lassen sich aber über die breiteren, kräftiger gelben Thoraxbinden unterscheiden.

Nistweise und Lebenszyklus

Die Tonerdhummel nistet unterirdisch in verlassenen Gängen von Wühlmäusen, vor allem der Schermaus. Sie legt diese Gänge nicht selbst an, sondern bezieht vorhandene Nester. Als sogenannter Pocketmaker legt sie ihre Pollenvorräte in eigenen Taschen neben den Brutzellen an, statt sie wie andere Hummelarten direkt in leere Kokons zu füllen.

Überwinterte Königinnen erscheinen von Mitte April bis Ende Mai und gründen dann ihr Volk, das je nach Region 100 bis über 500 Tiere umfassen kann. Die ersten Arbeiterinnen fliegen ab Mitte Mai, Jungköniginnen und Drohnen ab Mitte August. Die Art bildet nur eine Generation im Jahr; im Herbst stirbt das Volk vollständig ab.

Nahrungspflanzen

Als polylektische Art sammelt die Tonerdhummel an Blüten sehr unterschiedlicher Pflanzenfamilien. Bei den Lippenblütlern nutzt sie unter anderem Hohlzahn, Herzgespann und Schwarznessel, bei den Schmetterlingsblütlern Klee, Ackerbohnen und Wicken. Hinzu kommen Beinwell aus der Familie der Raublattgewächse und Leinkraut. Nach englischsprachiger Literatur gehören in Teilen des Verbreitungsgebiets auch Korbblütler zu den genutzten Nahrungspflanzen.

Kuckuckshummel

Die Tonerdhummel wird von einer eigenen Kuckuckshummel parasitiert, der Kinnbacken-Kuckuckshummel Bombus (Psithyrus) maxillosus. Deren Weibchen dringen in bestehende Nester ein und lassen ihre Brut von den Arbeiterinnen der Wirtsart aufziehen.

Gefährdung

Bombus argillaceus - TonerdhummelIn Österreich und der Schweiz gilt die Tonerdhummel als gefährdete Art mit begrenztem, stark an warme und trockene Standorte gebundenem Vorkommen. Da sie in Deutschland erst 2024 zum ersten Mal überhaupt nachgewiesen wurde, liegt für Deutschland bislang keine eigene Gefährdungseinstufung vor. Ob sich die Art hier dauerhaft ansiedelt, lässt sich nach Einschätzung der beteiligten Forschungseinrichtungen erst anhand von Beobachtungen über mehrere Jahre beurteilen.

Quellen

  • Wikipedia: Tonerdhummel, de.wikipedia.org/wiki/Tonerdhummel
  • Wikipedia (englisch): Bombus argillaceus, en.wikipedia.org/wiki/Bombus_argillaceus
  • Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten – Bombus argillaceus, wildbienen.de/b-argill.htm
  • A. Müller, A. Krebs, F. Amiet: Bombus argillaceus, wildbiene.com/lexikon
  • Ogan, S.; Guggemoos, T.; Kirsch, F.; Lakemann, L.; Sommerlandt, F. M. J.; Witt, R. (2024): Erstnachweis von Bombus argillaceus (Scopoli, 1763) für Deutschland, agris.fao.org
  • Thünen-Institut / BUND Naturschutz in Bayern: Hummel-Challenge – Erstmals Tonerdhummel-Königin in Deutschland nachgewiesen, thuenen.de/de/newsroom
  • Stephanie Drewing: Bedeutende Entdeckung – Tonerdhummel erstmals in Deutschland gesichtet, krautundrueben.de
  • Neumayer, J.; Leiner, O.; Schied, J.; Wallner, W. (2024): Rote Liste der Hummeln (Bombus spp.) Österreichs, umweltbundesamt.at
  • Bild: inaturalist.org
  • Bild: inaturalist.org
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  • Bild: discoverlife.org
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  • Bild: By Gideon Pisanty (Gidip) גדעון פיזנטי – Own work, CC BY 3.0, Link
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