Bombus transversalis
Bombus transversalis lebt im Tiefland des Amazonasbeckens und kommt in Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Peru vor. Die Art besiedelt tropischen Regenwald mit einem Jahresniederschlag von bis zu 3000 Millimetern und einer Luftfeuchtigkeit, die zeitweise 100 Prozent erreicht. Erstbeschrieben wurde sie 1789 von dem französischen Naturforscher Guillaume-Antoine Olivier unter dem Namen Apis transversalis. Königinnen erreichen eine Körperlänge von etwa 26 Millimetern, Arbeiterinnen etwa 20 Millimetern und Männchen etwa 19 Millimetern. Nach Angaben der Datenbank Bumblebees of the World zählen ihre Kolonien zu den individuenreichsten, die für Hummeln überhaupt dokumentiert sind.
Nester werden ausschließlich auf terra firme angelegt, also auf Waldboden, der auch in der Regenzeit nicht überflutet wird. Als Bauplatz dienen häufig flache Mulden im Wurzelbereich von Bäumen: Von 16 in einer Studie im Amazonasgebiet vermessenen Nestern nutzten 13 Stützstrukturen wie Brettwurzeln oder junge Bäumchen, deren Wurzeln oder Stämme sich durch das Nestdach ziehen.
Aussehen und Bestimmungsmerkmale
Königinnen und Arbeiterinnen sind schwarz gefärbt und tragen zwei goldgelbe Querbinden auf dem Thorax sowie eine weitere gelbe Binde am hinteren Ende des Hinterleibs, die Hinterleibsspitze selbst bleibt schwarz. Dieses Muster erlaubt auch ohne Fachwissen eine recht sichere Unterscheidung von anderen amazonischen Hummelarten. Männchen sind blasser gelb gefärbt, ihre gelbe Thoraxbinde fällt breiter aus als bei den Weibchen.
Nestbau und Baumaterial
Was die Art von den meisten anderen Hummeln unterscheidet, ist die Bauweise ihres Nestes. Arbeiterinnen schneiden Blätter vom Waldboden in kleine Stücke von etwa zwei bis vier Zentimetern Länge und einem Zentimeter Breite und tragen sie zum Nest. Beim Transport größerer Fragmente arbeiten bis zu fünf Arbeiterinnen zusammen und bewegen das Stück in einem koordinierten Schiebe- und Zugverfahren, das in der Fachliteratur als tandem sweeping beschrieben wird. Aus den Fragmenten entsteht eine dicht gewobene, kuppelförmige Dachkonstruktion über der eigentlichen Bruthöhle.
Vermessene Nester erreichten 11 bis 41 Zentimeter Höhe, 28 bis 132 Zentimeter Breite und 25 bis 109 Zentimeter Länge; die Wände waren zwischen drei und 36 Zentimetern dick. Jedes Nest besitzt nur einen einzigen Eingang, dessen Höhe mit der Höhe der Dachkonstruktion zusammenhängt: Er misst meist 2,5 bis 5,1 Zentimeter in der Höhe und 6,4 bis 25 Zentimeter in der Länge.
Klimaregulierung im Nestinneren
Die Dachkonstruktion besteht aus mehreren Lagen: Die äußeren Schichten bleiben feucht, die inneren trocken. Diese Schichtung hält das Innere des Nestes trocken, selbst wenn die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung zeitweise 100 Prozent erreicht und Regen auf das Dach trifft. Im Nestinneren wurde eine mittlere Temperatur von 30,1 Grad Celsius gemessen, etwa 4,5 Grad über der Außentemperatur. Um das Nest herum halten die Tiere kleine Lichtungen frei, 50 bis 70 Zentimeter lang und 15 bis 85 Zentimeter breit. Markierte Arbeiterinnen kehrten bei Beobachtungen wiederholt über dieselben Stellen zurück, was auf feste Wegepunkte rund um den Bau hindeutet.
Koloniegröße und Fortpflanzungszyklus
Untersuchte Kolonien bestanden aus 20 bis 400 erwachsenen Tieren. Gleichzeitig fanden sich 25 bis 301 Puppen, vier bis 43 Klumpen von Larven sowie sieben bis 75 Eizellen im Nest. Jede Kolonie wird von einer einzigen Königin gegründet und geführt. Der Zyklus einer Kolonie ist einjährig: Die Gründung erfolgt in der Regenzeit, die Aufzucht von Jungköniginnen und Männchen verlagert sich in die Trockenzeit, danach stirbt die Restkolonie ab.
Wiederverwendung bestehender Nester
Ungewöhnlich für eine Hummelart ist, dass die aufwendigen Nestbauten häufig länger als ein Jahr erhalten bleiben. Nach dem Absterben einer Kolonie kann eine neue Königin ein bereits bestehendes, verlassenes Nest besiedeln, statt einen eigenen Bau von Grund auf anzulegen. Die energieintensive Dachkonstruktion bleibt so über mehrere Generationen von Kolonien hinweg nutzbar. Nur bei 22 Prozent der untersuchten Nester fand sich zusätzlich eine eigene Wachshülle um die Brutwaben, die meisten Kolonien verlassen sich allein auf das äußere Blätterdach.
Quellen
- Taylor, B.A. & Cameron, S.A. (2003): Nest construction and architecture of the Amazonian bumble bee (Hymenoptera: Apidae). Apidologie 34(4), S. 321–331. https://www.apidologie.org/articles/apido/abs/2003/04/M3410/M3410.html
- Ramírez, S. & Cameron, S.A. (2003): Army ant attacks by Eciton hamatum and E. rapax (Hymenoptera: Formicidae) on nests of the Amazonian bumble bee, Bombus transversalis (Hymenoptera: Apidae). Journal of the Kansas Entomological Society 76(3), S. 533–535.
- Bumblebee Conservation Trust: Bumblebees of the World Blog Series #2 – Bombus transversalis. https://www.bumblebeeconservation.org/bumblebees-of-the-world-blog-series-2-bombus-transversalis/
- GBIF Secretariat / Catalogue of Life: Taxonomischer Datensatz zu Bombus transversalis (Olivier, 1789). https://www.gbif.org/species/1340289
- Williams, P., Ascher, J., Pickering, J. u. a.: Bumblebees of the World (Discover Life Datenbank), Eintrag Bombus transversalis. https://www.discoverlife.org/mp/20q?search=Bombus+transversalis
- Bild: Von M. C. Cavalcante, F. F. Oliveira, M. M. Maués, and B. M. Freitas (2012) “Pollination Requirements and the Foraging Behavior of Potential Pollinators of Cultivated Brazil Nut (Bertholletia excelsa Bonpl.) Trees in Central Amazon Rainforest” Psyche vol. 2012 doi:10.1155/2012/978019 Figure 2, CC BY 3.0, Link
- Bild: John Ascher
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Stefan aktualisiert.
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