Vierfarbige Kuckuckshummel (Bombus quadricolor)

Vierfarbige KuckuckshummelDie Vierfarbige Kuckuckshummel (Bombus quadricolor) gehört zur Untergattung der Kuckuckshummeln (Psithyrus) und lebt als Brutparasit vor allem in Nestern der Hellen Erdhummel. Weibchen erreichen eine Länge von 23 bis 25 Millimetern, die Männchen werden 15 bis 18 Millimeter lang. Die Flügelspannweite liegt bei den Weibchen zwischen 36 und 44 Millimetern, bei den Männchen zwischen 27 und 33 Millimetern. Kopf und Rüssel sind kurz, der Kopf wirkt zudem rundlich.

In Größe und Färbung ähnelt die Art ihrer wichtigsten Wirtin so stark, dass eine Verwechslung naheliegt. Drei Merkmale erlauben dennoch eine Unterscheidung: Auf dem zweiten Hinterleibssegment fehlt die helle Querbinde, die bei der Hellen Erdhummel vorhanden ist. Die erste, kopfnahe Querbinde reicht bei Bombus quadricolor bis 1,5 bis 2 Millimeter unter den Flügelansatz hinab und ist dort nur schütter behaart. Außerdem sind die Flügel auffallend dunkel gefärbt, deutlich dunkler als bei der Wirtsart.

info hummelWährend Bombus quadricolor in Deutschland als stark gefährdet gilt, stuft die Europäische Rote Liste der Bienen die Art insgesamt als nicht gefährdet ein. Der Grund liegt in ihrem weiten Verbreitungsgebiet, das von den Pyrenäen bis nach Sibirien reicht, während einzelne Randpopulationen wie die deutsche deutlich stärker unter Druck stehen als der europäische Gesamtbestand.

Wirtsarten und Fortpflanzungsstrategie

Vierfarbige KuckuckshummelAls Kuckuckshummel besitzt Bombus quadricolor keine eigenen Arbeiterinnen und legt selbst kein Nest an. Die überwinterten Weibchen dringen stattdessen in bestehende Völker anderer Hummelarten ein und übernehmen deren Arbeiterinnen für die Aufzucht des eigenen Nachwuchses. In Mitteleuropa parasitiert die Art vor allem bei der Hellen Erdhummel (Bombus lucorum), in den spanischen Pyrenäen wurde dagegen ausschließlich die Glockenblumen-Hummel (Bombus soroeensis) als Wirt nachgewiesen. Welche der beiden Arten im Einzelfall genutzt wird, hängt demnach offenbar auch vom regionalen Vorkommen der Wirtspopulationen ab.

Weil Kuckuckshummeln keine Beinbürsten zum Pollensammeln besitzen, ist ihr Fortpflanzungserfolg vollständig davon abhängig, ein geeignetes Wirtsvolk in der richtigen Entwicklungsphase zu finden. Ein Nest lässt sich nur übernehmen, wenn die Gründungsphase bereits abgeschlossen ist und ausreichend Arbeiterinnen für die Versorgung der Brut vorhanden sind. Aus diesem Grund erscheinen die überwinterten Weibchen von Bombus quadricolor später im Jahr als die Königinnen ihrer Wirtsart.

Verbreitung und Höhenlagen

Vierfarbige KuckuckshummelDie Art besiedelt weite Teile Europas und reicht über den Kaukasus bis in asiatische Gebirge wie den Elburs, den Altai und nach Burjatien. In Deutschland kommt sie flächendeckend vor, fehlt jedoch auf den Britischen Inseln, in Irland und auf Island. Auf der Iberischen Halbinsel tritt sie nur vereinzelt auf, mit Nachweisen aus den Pyrenäen, dem Kantabrischen Gebirge und der Sierra de los Ancares. Dort wurde die Art in Höhenlagen zwischen 1100 und 2100 Metern gefunden, in Wiesen, Buchenwäldern und in der Latschenkiefern-Zone. Auch in den österreichischen Alpen liegen Fundorte in ähnlichen Höhen, etwa in den Pockhorner Wiesen bei Heiligenblut auf rund 2050 Metern.

Nahrung und Flugzeit

Die Weibchen suchen im Frühjahr überwiegend Löwenzahn auf. Die polylektischen Männchen sind bei der Nahrungswahl weniger festgelegt und besuchen vor allem Ackerbohnen, Flockenblumen, Skabiosen, Disteln und andere Korbblütler. Bombus quadricolor bildet nur eine Generation im Jahr. Überwinterte Weibchen fliegen zwischen Mitte April und Mitte August, Jungweibchen und Männchen von Mitte Juli bis Ende September.

Gefährdung

In Deutschland wird die Art in der Roten Liste als stark gefährdet geführt. Da ihr Fortpflanzungserfolg unmittelbar an die Bestandsdichte ihrer Wirtsart gekoppelt ist, wirken sich Rückgänge bei der Hellen Erdhummel oder der Glockenblumen-Hummel, auch als Distelhummel bekannt und wissenschaftlich Bombus soroeensis genannt, auf Bombus quadricolor besonders stark aus. Auf europäischer Ebene gilt die Art wegen ihres großen Gesamtverbreitungsgebiets dagegen als nicht gefährdet.

Quellen

  • Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Kuckuckshummel-Arten: Bombus quadricolor. In: wildbienen.de (www.wildbienen.de/b-quadri.htm)
  • Hans-Jürgen Martin: Hummelbiologie: Kuckuckshummeln. In: wildbienen.de (www.wildbienen.de/hub-kuck.htm)
  • Concepción Ornosa, Félix Torres, Pilar De La Rúa: Updated list of bumblebees (Hymenoptera: Apidae) from the Spanish Pyrenees with notes on their decline and conservation status. Zootaxa 4237(1), 2017, S. 41–77
  • Pierre Rasmont u. a.: European Red List assessment für Bombus quadricolor, IUCN Red List of Threatened Species, 2015, zitiert nach Ornosa, Torres & De La Rúa 2017
  • Pierre Rasmont: Atlas of the European Bees: genus Bombus. STEP Project, Atlas Hymenoptera, Mons (www.atlashymenoptera.net/page.aspx?id=169)
  • Foto: Татьяна Иванкина (tatjana_ivankina), Beobachtung vom 22.08.2025, Бессоновский р-н, Пензенская обл., Россия. inaturalist.org/observations/308687957, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: Andrejus Gaidamavičius (andrejus), Beobachtung vom 25.08.2025, Aukštaitijos nacionalinis parkas, Istorinių augalų sodas, Palūšė, Ignalinos r. sav., Lietuva. inaturalist.org/observations/309272668, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert
  • Foto: johannesreithner, Beobachtung vom 20.06.2024, St. Barbara im Mürztal, Österreich. inaturalist.org/observations/322914849, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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