Bombus funebris
Bombus funebris besiedelt ein schmales Band entlang der Westseite der Anden, das von Venezuela und Kolumbien über Ecuador, Peru und Bolivien bis in den äußersten Norden Chiles reicht. In Kolumbien liegen Nachweise aus den Departamentos Cundinamarca und Nariño vor, in Ecuador aus den Provinzen Azuay, Guayas, Loja, Los Ríos, Pastaza, Pichincha und Tungurahua. In Peru erstreckt sich das bekannte Vorkommen von Piura im Norden bis Puno im Süden, in Bolivien wurde die Art in Cochabamba und La Paz gefunden.
Diese Verteilung ordnen Biogeografen einem Muster zu, das mehrere Andenhummeln teilen, darunter Bombus coccineus, Bombus excellens, Bombus robustus und Bombus rubicundus. Alle diese Arten folgen demselben nördlichen Ausbreitungskorridor entlang der Gebirgskette.
Zwei getrennte Populationen in Chile
Am Südrand ihres Verbreitungsgebiets erreicht Bombus funebris die Region Arica y Parinacota im äußersten Norden Chiles. Dort existieren zwei voneinander getrennte Vorkommen. Das eine liegt im Valle de Lluta, wo Erhebungen zwischen 2017 und 2019 lediglich zwei Einzeltiere nachwiesen. Das andere befindet sich im Altiplano und umfasst folgende Ortschaften:
- Socoroma
- Putre
- Zapahuira
- Tignamar
- Chapiquiña
- Belén
Zwischen beiden Gebieten, etwa zwischen 1200 und 3000 Metern Höhe, liegt eine vegetationslose Wüstenzone, die einen Austausch zwischen den Populationen praktisch ausschließt. Insgesamt kommt die Art in Chile nur auf einer Fläche von rund 72 Quadratkilometern vor, verteilt über ein Gesamtareal von knapp 2943 Quadratkilometern.
Erscheinungsbild
Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge zwischen etwa 1,3 und 2,6 Zentimetern, Königinnen werden mit 2,1 bis gut 3 Zentimetern deutlich größer. Männchen fallen durch auffällig lange Fühler auf, an denen sie sich von Arbeiterinnen und Königinnen unterscheiden lassen.
Der Körper trägt überwiegend schwarze Behaarung. Kopf, Rückenschild und die hinteren Hinterleibssegmente zeigen dagegen weiße Behaarung, die eine gute Bestimmbarkeit im Feld erlaubt. Seitlich am Hinterleib bleibt die Behaarung schwarz, unterhalb der Flügelansätze findet sich jedoch ein grauer Fleck. Die Flügel sind hell bräunlich gefärbt.
Paarungsverhalten der Männchen
Museumsbelege und Feldbeobachtungen aus der Region Arica y Parinacota zeigen Männchen nur selten. In den ausgewerteten Erhebungen tauchten sie ausschließlich im Jahr 2019 auf, während die weit überwiegende Zahl der Funde auf Arbeiterinnen entfällt. Das lässt auf ein kurzes Zeitfenster schließen, in dem geschlechtsreife Tiere im Freiland auftreten.
Bestäubung von Wildpflanzen und Kulturpflanzen
Bombus funebris gilt als polylektisch, sie sammelt also an vielen unterschiedlichen Pflanzenarten. Im Altiplano der Region Arica y Parinacota wurden Besuche an mehr als fünfzehn Pflanzenarten dokumentiert. Daneben nutzt die Art auch landwirtschaftliche Flächen und bestäubt dort unter anderem folgende Kulturpflanzen:
- Luzerne
- Oregano
- Tumbo (eine Passionsfruchtart)
- Ackerbohnen
Für die dort ansässigen Aymara-Gemeinden erbringt die Hummel damit eine Bestäubungsleistung, von der die Landwirtschaft direkt profitiert. Mündliche Überlieferungen der Aymara verweisen auf ein langes gemeinsames Bestehen von Mensch und Art in dieser Region.
Jahreszeitliche Aktivität und Bestandsschwankungen
Museums- und Beobachtungsdaten belegen eine Aktivitätsphase zwischen September und Mai. Die höchste Individuenzahl wird jeweils erreicht, sobald die winterlichen Niederschläge im Altiplano enden und sich die Vegetation erholt.
Die Bestandsgröße schwankt dabei in einem auffälligen Rhythmus: Auf ein Jahr mit geringer Abundanz folgt eines mit hoher Abundanz, danach wieder ein schwaches Jahr. Dieser Wechsel verläuft gekoppelt mit den Bestandszahlen der eingeschleppten Dunklen Erdhummel Bombus terrestris, ein Verlauf, wie er typischerweise auftritt, wenn eine Art unter dem Einfluss einer anderen steht.
Bedrohung durch die eingeschleppte Dunkle Erdhummel
Bombus terrestris wurde in Chile zur kommerziellen Bestäubung von Tomaten in Gewächshäusern eingeführt und hat sich inzwischen in der Region Arica y Parinacota selbstständig angesiedelt. Ihr Verbreitungsgebiet überschneidet sich zu etwa neunzig Prozent mit dem von Bombus funebris.
Mit der eingeschleppten Art gelangen auch Krankheitserreger in die Region, gegen die einheimische Hummeln keine Abwehr entwickelt haben. Ein vergleichbarer Fall betrifft Bombus dahlbomii in Chile und Argentinien. Dessen Bestand ging in den vergangenen Jahrzehnten um rund 85 Prozent zurück, nachdem sich Bombus terrestris dort ausgebreitet hatte. Zwischen 1998 und 2019 wuchs das Verbreitungsgebiet von Bombus terrestris in Chile um mehr als 800 Prozent, die tatsächlich besiedelte Fläche um über 300 Prozent.
Im Valle de Lluta kommen als weitere Gefährdung der Verlust von Lebensraum durch den Ausbau von Gewächshausflächen sowie der Einsatz von Pestiziden hinzu. Auch für Peru und Bolivien besteht die Gefahr einer Ausbreitung von Bombus terrestris. Dort leben vierzehn beziehungsweise zwölf weitere Hummelarten, die von einer Einschleppung betroffen wären.
Taxonomische Einordnung
Beschrieben wurde die Art 1854 von Frederick Smith im Katalog der Hymenopterensammlung des British Museum. Ein späteres Synonym ist Bombus peruvianus, benannt 1920 von Brèthes. Heute zählt Bombus funebris zur Untergattung Cullumanobombus, nachdem eine Revision im Jahr 2008 mehrere kleinere Untergattungen zusammenfasste. Zuvor stand die Art in einer eigenen, nur zwei Arten umfassenden Untergattung namens Funebribombus, die 1922 von Skorikov aufgestellt worden war und neben Bombus funebris lediglich noch Bombus rohweri enthielt.
Schutzstatus
Weltweit stuft die Internationale Naturschutzunion IUCN Bombus funebris als nicht gefährdet ein. Für die Population in Chile ergibt sich ein anderes Bild: Wegen der geringen Gesamtfläche der beiden bekannten Vorkommen von zusammen nur 72 Quadratkilometern und eines Verbreitungsgebiets von unter 3000 Quadratkilometern schlägt die chilenische Umweltbehörde für die dortige Population die Einstufung als gefährdet vor.
Quellen
- Ministerio del Medio Ambiente de Chile: Ficha de antecedentes de especie, Bombus funebris Smith, 1854 (Chololo, abejorro fúnebre), 17. Prozess zur Artenklassifizierung, 2020. Online: clasificacionespecies.mma.gob.cl/wp-content/uploads/2020/09/Bombus_funebris_17RCE_INICIO.pdf
- Abrahamovich, A. H., Díaz, N. B., Morrone, J. J.: Distributional patterns of the Neotropical and Andean species of the genus Bombus (Hymenoptera: Apidae). Acta Zoológica Mexicana (n.s.) 20(1), 2004, S. 99 bis 117.
- Williams, P. H.: A simplified subgeneric classification of the bumblebees (genus Bombus). Apidologie 39, 2008, S. 46 bis 74.
- GBIF Secretariat: Bombus funebris Smith, 1854. GBIF Backbone Taxonomy. Online: gbif.org/species/1340427
- Bildquelle: repository.humboldt.org.co
- Bildquelle: discoverlife.org
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Stefan aktualisiert.
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