Bombus sonorus

Hummeln aus aller Welt

Die meisten Hummelarten tragen Namen, die sich auf ihre Färbung, ihren Fundort oder ihren Erstbeschreiber beziehen. Bombus sonorus bildet eine Ausnahme. Der Artname geht auf das lateinische Wort für laut, tönend oder klingend zurück. Thomas Say, der die Art 1837 beschrieb, bezog sich damit auf den kräftigen, gut hörbaren Flugton dieser vergleichsweise großen Hummel.

Bombus sonorus  Bombus sonorus  Bombus sonorus

Die Zuordnung der Art blieb lange umstritten. Über weite Teile des 20. Jahrhunderts und bis weit ins 21. Jahrhundert hinein führten Taxonomen Bombus sonorus lediglich als Unterart von Bombus pensylvanicus, der Amerikanischen Hummel. Erst eine genetische Untersuchung aus dem Jahr 2024 lieferte den entscheidenden Beleg: In einem breiten Überschneidungsgebiet beider Formen im Südwesten der USA fand sich keine Hybridisierung zwischen ihnen. Das bestätigte den Status von Bombus sonorus als eigenständige Art.

info hummelBombus sonorus wurde bereits 1837 wissenschaftlich beschrieben, doch ihr Status als eigene Art gegenüber Bombus pensylvanicus wurde erst 2024 durch eine genetische Studie zweifelsfrei bestätigt. Fast 190 Jahre lang blieb also unklar, ob es sich überhaupt um eine eigenständige Hummelart handelt.

Bestimmungsmerkmale und Verwechslungsarten

Weibchen von Bombus sonorus tragen einen durchgehend schwarz behaarten Kopf. Am Thorax sind das Pronotum, der vordere Bereich des Scutums und das Scutellum kräftig gelb behaart, dazwischen verläuft eine breite schwarze Querbinde zwischen den Flügelbasen. Die ersten drei Hinterleibssegmente sind vollständig gelb, die hinteren Segmente schwarz. Bei Männchen reicht die gelbe Behaarung des Hinterleibs bis zum vierten Segment. Der Gelbton wirkt bei frisch geschlüpften Tieren besonders kräftig und dunkelt mit zunehmendem Alter nach.

Verwechslungen sind mit der gelben Farbform von Bombus crotchii und mit Bombus nevadensis möglich. Von Bombus pensylvanicus, mit der die Art lange verwechselt und synonymisiert wurde, lässt sie sich am Thoraxmuster unterscheiden: Bei Bombus pensylvanicus ist der Thorax in einen gelben vorderen und einen schwarzen hinteren Bereich geteilt, ohne die für Bombus sonorus typische durchgehende schwarze Querbinde zwischen zwei gelben Abschnitten.

Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von etwa 14 bis 18 Millimetern. Königinnen fallen deutlich größer aus und zählen damit, neben Holzbienen, zu den größten einheimischen Bienen im Südwesten der USA.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet von Bombus sonorus erstreckt sich über den Südwesten der USA, von Kalifornien über Arizona, Nevada, New Mexico und Texas bis in angrenzende Regionen, sowie über weite Teile Mexikos, darunter auch Bundesstaaten wie Tamaulipas und Nuevo León an der Grenze zum Rio Grande. Die Art besiedelt Wüsten und Halbwüsten ebenso wie bewässerte Gärten und landwirtschaftliche Flächen und nutzt städtische Grünanlagen als Nektarquelle in niederschlagsarmen Monaten.

In weiten Teilen des Verbreitungsgebiets, etwa in den Wüstenregionen Arizonas, gilt Bombus sonorus weiterhin als häufig und wird regelmäßig in Gärten beobachtet. Anders stellt sich die Lage in Kalifornien dar: Vor den 1990er Jahren kam die Art dort sowohl im Norden als auch im Süden des Bundesstaats vor, seither ist sie aus vielen dieser Gebiete verschwunden oder deutlich seltener geworden. Das heutige kalifornische Vorkommen konzentriert sich weitgehend auf Küstenabschnitte rund um das Los Angeles Basin und den Raum San Diego. Als Ursachen werden unter anderem eingeschleppte Krankheitserreger aus kommerziellen Hummelzuchten sowie fortschreitende Verstädterung diskutiert. Der Gefährdungsstatus der Weltnaturschutzunion IUCN, der die Art als gefährdet einstuft, bezieht sich noch auf die gemeinsame Bewertung mit Bombus pensylvanicus vor der taxonomischen Trennung und lässt sich daher nur eingeschränkt auf Bombus sonorus allein übertragen.

Nistweise und Jahreszyklus

Bombus sonorus legt ihre Nester unterirdisch an, häufig in verlassenen Bauten von Taschenratten. Wie bei allen einheimischen Hummelarten durchläuft die Kolonie einen einjährigen Zyklus: Eine einzelne überwinterte Königin gründet im Frühjahr ein neues Nest und zieht zunächst mehrere Generationen von Arbeiterinnen groß. Gegen Ende der Saison produziert eine erfolgreiche Kolonie Männchen und Jungköniginnen, bevor sie im Herbst erlischt. Nur die neuen Königinnen überwintern und gründen im folgenden Jahr eigene Nester.

Nahrungspflanzen und Bestäubungsleistung

Bombus sonorus tritt als ausgesprochene Nahrungsgeneralistin auf und besucht Blüten aus zahlreichen Pflanzenfamilien. Zu den dokumentierten Pollenquellen zählen Baumwolle, verschiedene Korbblütler wie Sonnenblumen und Arten der Gattung Viguiera, Löwenmäulchen, Kaliforniens Rabbitbrush-Arten sowie Kallstroemia. In Gärten wird sie zudem regelmäßig an Kleearten, Disteln und Rudbeckien beobachtet.

Wie andere Hummeln praktiziert die Art Vibrationsbestäubung: Poricide Blütenanthere, die ihren Pollen nur durch Erschütterung freigeben, werden von der Hummel umklammert und mit den Flugmuskeln in schnelle Schwingung versetzt, bis der Pollen austritt. Diese Fähigkeit macht Bombus sonorus zu einer wichtigen Bestäuberin von Kulturpflanzen wie Tomate, Paprika und Aubergine, deren Blüten auf herkömmliche Bienen kaum reagieren. In Anbauregionen mit Baumwolle trägt sie zudem zur Bestäubung dieser Kulturpflanze bei.

Paarungsverhalten der Männchen

Eine 1987 veröffentlichte Verhaltensstudie von Villalobos und Shelly beschreibt, wie Männchen von Bombus sonorus feste Reviere oder Ansitzpunkte anfliegen und von dort aus nach paarungsbereiten Jungköniginnen Ausschau halten. Männchen lassen sich äußerlich durch schlanke, unbehaarte Hinterbeine ohne Pollenkörbchen sowie durch längere, schlankere Fühler von Arbeiterinnen und Königinnen unterscheiden. Nach der kurzen Paarungsphase im Herbst sterben die Männchen innerhalb weniger Wochen, während befruchtete Jungköniginnen ein Winterquartier aufsuchen.

Quellen

  • Wikipedia: Bombus sonorus, https://en.wikipedia.org/wiki/Bombus_sonorus
  • Beckham, Jessica L.; Johnson, Jeff A.; Pfau, Russel S. (2024): Molecular data support Bombus sonorus and Bombus pensylvanicus (Hymenoptera, Apidae) as distinct species. Journal of Hymenoptera Research, Band 97, S. 895–914
  • Villalobos, Ethel M.; Shelly, Todd E. (1987): Observations on the Behavior of Male Bombus sonorus (Hymenoptera: Apidae). Journal of the Kansas Entomological Society, Band 60, Nr. 4, S. 541–548, JSTOR 25084943
  • Ballare, Kimberly M. et al. (2026): Genome assemblies of two bumble bee species: Bombus sonorus and Bombus vosnesenskii. Journal of Heredity, Band 117, Nr. 3, S. 611–622, https://doi.org/10.1093/jhered/esaf109
  • iNaturalist: Sonoran Bumble Bee (Bombus sonorus), https://www.inaturalist.org/taxa/57690-Bombus-sonorus
  • United States Forest Service: Bombus sonorus, the Sonoran Bumblebee, https://www.fs.usda.gov/wildflowers/pollinators/pollinator-of-the-month/SonoranBumblebee.shtml
  • Native Bees of Texas: BUMBLE BEES – Genus Bombus, https://www.wildbeestexas.com/bombus
  • California Conservation Genomics Project: Bombus sonorus (Sonoran bumble bee), https://www.ccgproject.org/species/bombus-sonorus-sonoran-bumble-bee
  • Hatfield, R. et al. (2015): Bombus pensylvanicus. IUCN Red List of Threatened Species, https://www.iucnredlist.org/species/21215172/21215281
  • Bild: discoverlife.org
  • Bild: discoverlife.org
  • Bild: discoverlife.org

Bewerte diesen Beitrag

(4 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)
Stefan

Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.