Bombus ephippiatus

Hummeln aus aller Welt

bombus ephippiatusWährend viele Hummelarten in den gemäßigten und kalten Regionen der Nordhalbkugel verbreitet sind, hat sich Bombus ephippiatus an die besonderen Bedingungen der tropischen und subtropischen Bergregionen Mittelamerikas angepasst. Die Art gehört zu den charakteristischen Bestäubern der dortigen Bergwälder und zeigt einige bemerkenswerte evolutionäre Anpassungen, besonders bei ihrer Färbung und ihrer geografischen Verbreitung.

Bombus ephippiatus fällt vor allem durch ihre außergewöhnliche Farbvielfalt auf. Innerhalb der Art existieren zahlreiche Farbformen, deren Auftreten stark vom jeweiligen geografischen Gebiet abhängt. Dieses Phänomen wird als Polymorphismus bezeichnet. Die typische Farbform besitzt einen gelb behaarten Brustabschnitt mit einem dunklen Bereich in der Mitte. Der Hinterleib ist häufig vorn gelb gefärbt, geht anschließend in rötlich orange Bereiche über und endet mit einer schwarzen Spitze. Andere Populationen können jedoch deutlich anders gefärbt sein.

Die unterschiedlichen Farbmuster sind nicht zufällig entstanden. In den verschiedenen Gebirgsregionen Mittelamerikas treten bestimmte Farbformen von Bombus ephippiatus gemeinsam mit ähnlich gefärbten Hummelarten auf. Besonders bekannt ist die Ähnlichkeit mit Bombus wilmattae. Da beide Arten über einen wirksamen Stachel verfügen und dadurch für viele Fressfeinde eine ernstzunehmende Beute darstellen, profitieren sie von gemeinsamen Warnmustern. Dieses Prinzip wird als Müllerische Mimikry bezeichnet. Räuber lernen schneller, bestimmte Farbkombinationen zu meiden, wenn mehrere wehrhafte Arten dasselbe Signal verwenden.

info hummelBombus ephippiatus gehört zu den Hummelarten mit einer der größten bekannten Farbvariabilitäten. In den Gebirgen Mittelamerikas können Populationen derselben Art so unterschiedlich aussehen, dass sie lange Zeit teilweise für verschiedene Arten gehalten wurden.

Verbreitung und Lebensraum in den Bergen Mittelamerikas

bombus ephippiatusDas Verbreitungsgebiet von Bombus ephippiatus erstreckt sich über große Teile Mittelamerikas. Die Art kommt von Mexiko über Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua bis nach Costa Rica und Panama vor. Dabei ist sie eng an höher gelegene Regionen gebunden und besiedelt vor allem Bergwälder mit feuchtem Klima.

Typische Lebensräume sind Nebelwälder sowie feuchte Eichen und Kiefernwälder in Höhenlagen von etwa 1.000 bis über 3.000 Metern. Dort herrschen besondere Bedingungen mit häufigem Nebel, niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. An diese Umgebung ist Bombus ephippiatus spezialisiert. Die Art ist deshalb vor allem in den kühleren Bergregionen zu finden, während die heißen tropischen Tiefländer keine geeigneten Lebensräume darstellen.

Die isolierten Gebirgsregionen Mittelamerikas haben die Entwicklung verschiedener Farbformen begünstigt. Durch die räumliche Trennung einzelner Populationen konnten sich regionale Besonderheiten herausbilden, die heute zu den auffälligsten Merkmalen dieser Hummelart gehören.

Fortpflanzung und Nestökologie

bombus ephippiatusDie Lebensweise von Bombus ephippiatus unterscheidet sich in einigen Punkten von der vieler Hummelarten aus gemäßigten Klimazonen. Da ihre Lebensräume keine ausgeprägte Winterruhe wie in nördlicheren Regionen aufweisen, können Kolonien in manchen Gebieten über längere Zeiträume aktiv sein. Die Entwicklung der Völker hängt jedoch stark von den örtlichen Regen und Trockenzeiten ab.

Die Nestgründung erfolgt häufig nach den besonders regenreichen Perioden, wenn ausreichend Nahrungspflanzen zur Verfügung stehen. Für den Nestbau nutzt Bombus ephippiatus meist geschützte Hohlräume im Boden. Dazu gehören beispielsweise verlassene Kleinsäugernester oder natürliche Hohlräume unter Wurzeln und dichter Vegetation. Diese Standorte bieten Schutz vor starken tropischen Niederschlägen und schwankenden Umweltbedingungen.

Nahrung und Bedeutung als Bestäuberin

Bombus ephippiatus besitzt einen vergleichsweise kurzen Rüssel und besucht deshalb bevorzugt Pflanzen mit offen zugänglichen Blüten. In den Bergwäldern Mittelamerikas nutzt sie ein breites Spektrum verschiedener Pflanzenarten. Dazu gehören unter anderem Vertreter der Korbblütler und Heidekrautgewächse.

Durch ihre regelmäßigen Blütenbesuche trägt die Art wesentlich zur Bestäubung vieler Pflanzen in den montanen Ökosystemen bei. Besonders in den artenreichen Nebelwäldern spielt sie eine wichtige Rolle, da viele Pflanzen auf die Bestäubungsleistung spezialisierter Insekten angewiesen sind.

Auch für landwirtschaftlich genutzte Bergregionen besitzt Bombus ephippiatus eine Bedeutung. In höheren Lagen Mittelamerikas können Hummeln aufgrund ihrer Fähigkeit, bei niedrigeren Temperaturen aktiv zu sein, wichtige Bestäubungsleistungen übernehmen. Für einzelne Kulturpflanzen, darunter auch Kaffee in Bergregionen, wird die Rolle einheimischer Bestäuber zunehmend untersucht. Die genaue Bedeutung von Bombus ephippiatus für einzelne Anbausysteme ist jedoch regional unterschiedlich und hängt von den jeweiligen Bedingungen ab.

Evolutionäre Besonderheiten einer Bergwald Hummel

bombus ephippiatusBombus ephippiatus zeigt eindrucksvoll, wie stark sich eine Art an besondere Umweltbedingungen anpassen kann. Ihre vielfältigen Farbmuster, die enge Verbindung zu den mittelamerikanischen Gebirgswäldern und ihre flexible Lebensweise spiegeln die lange evolutionäre Entwicklung dieser Hummel wider.

Die Art ist zugleich ein Beispiel dafür, wie geografische Isolation die Entwicklung von Tierarten beeinflussen kann. Die zahlreichen Bergketten Mittelamerikas wirken wie natürliche Inseln, in denen sich Populationen teilweise unabhängig voneinander verändern konnten. Dadurch entstand eine bemerkenswerte Vielfalt innerhalb einer einzigen Hummelart.

Quellen

    • Duenas, M. A., Lozier, J. D., Hines, H. M. & Cameron, S. A. (2012): Geographical patterns of genetic divergence in the widespread Mesoamerican bumble bee Bombus ephippiatus (Hymenoptera: Apidae). Molecular Phylogenetics and Evolution 64(1): 219 bis 231. https://doi.org/10.1016/j.ympev.2012.03.018
    • Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): The Bumble Bees of North America. An Identification Guide. Princeton University Press.
    • Chatelain, P., Elias, M., Fontaine, C., Villemant, C., Dajoz, I. & Perrard, A. (2023): Müllerian mimicry among bees and wasps: a review of current knowledge and future avenues of research. Biological Reviews 98(4): 1310 bis 1328. https://doi.org/10.1111/brv.12955
    • Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum London (Entomology) 67: 79 bis 152.
    • Labougle, J. M. (1990): Bombus of Mexico and Central America. The University of Kansas Science Bulletin 54: 35 bis 73.
    • Cameron, S. A., Hines, H. M. & Williams, P. H. (2007): A comprehensive phylogeny of the bumble bees (Bombus). Biological Journal of the Linnean Society 91: 161 bis 188.
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Nahrungssuche der Hummel und Glyphosat

Der weltweite Rückgang von Bestäubern steht auch im Fokus der Umweltforschung. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2025 ging der Frage nach wie sich glyphosatbasierte Herbizide auf das Verhalten von Insekten auswirken. Die Forscher untersuchten ob Tiere kontaminierte Pflanzen meiden und welche gesundheitlichen Folgen die unbeabsichtigte Aufnahme der chemischen Substanzen nach sich zieht.

Untersuchungsaufbau und fehlende Barrieren beim Blütenbesuch

GlyphosatDie Versuche wurden sowohl in offenen Freilandparzellen als auch in geschlossenen Flugkäfigen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Versuchstiere frisch behandelte Pflanzen genauso häufig besuchten wie völlig unbehandelte Kontrollpflanzen. Die optischen Signale und die von den Blüten verströmten Duftstoffe veränderten sich durch das Herbizid nur so geringfügig, dass die Insekten keinen Unterschied wahrnehmen konnten. Die behandelten Pflanzen sahen mehrere Tage lang gesund aus und wirkten weiterhin attraktiv auf die Nahrungssucher.

info hummelBereits ein einziger Schluck von einem kontaminierten Nektar reichte in den Versuchen aus, um die Motivation der Tiere zur weiteren Nahrungssuche massiv zu senken. Die Aktivität ging bei den betroffenen Individuen um fast die Hälfte zurück, wodurch wesentlich weniger Nahrung in die Nester zurückgebracht wurde.

Auswirkungen auf das Sammelverhalten

Die orale Aufnahme des Unkrautvernichtungsmittels führte zu deutlichen Verhaltensänderungen bei den Hummeln. Ein hoher Anteil der Tiere stellte die Flugaktivität zeitweise komplett ein und verblieb inaktiv. So ein Verhalten schädigt ein Hummelvolk nachhaltig.

Hintergrund

Glyphosat gehört weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Die enorme Popularität dieses Unkrautvernichtungsmittels lässt sich auf mehrere zentrale Eigenschaften zurückführen, die es aus Sicht der Anwendenden besonders effizient und wirtschaftlich machen.

Ein Hauptgrund ist die universelle Wirkung des Stoffes. Als sogenanntes Breitbandherbizid wirkt Glyphosat nicht selektiv, sondern vernichtet praktisch jede grüne Pflanze, mit der es in Kontakt kommt. Der Wirkstoff blockiert ein spezifisches Enzym, das für die Synthese lebenswichtiger Aminosäuren in Pflanzen verantwortlich ist. Da dieses Enzym in fast allen Pflanzenarten vorkommt, lassen sich mit einem einzigen Mittel verschiedenste Unkräuter gleichzeitig bekämpfen.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die systemische Wirkungsweise. Das Mittel wird über die grünen Blätter der Pflanze aufgenommen und anschließend über die Saftströme bis in die feinsten Wurzelspitzen transportiert. Dies führt dazu, dass auch hartnäckige, tief wurzelnde Unkräuter vollständig absterben und nicht nach kurzer Zeit wieder austreiben. Zudem ist die Anwendung im Vergleich zu mechanischen Methoden wie dem Pflügen oder Jäten extrem zeitsparend und kostengünstig.

Schließlich schätzen landwirtschaftliche Betriebe die Flexibilität des Wirkstoffes. Glyphosat wird über den Boden kaum von den Wurzeln aufgenommen und dort relativ schnell biologisch abgebaut. Dadurch ist es möglich, bereits kurz nach der Behandlung eine neue Nutzpflanze auf dem Feld auszusäen, ohne dass diese durch Rückstände im Boden geschädigt wird.

Quellenverzeichnis

  • ScienceDirect: Wissenschaftlicher Artikel über glyphosatbasierte Herbizide und das Sammelverhalten von Bestäubern – https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0013935125022704
  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Wirkungsweise von Herbiziden in der Praxis – https://www.ble.de
  • Nabu Deutschland: Hintergrundinformationen zum Einsatz von Totalherbiziden – https://www.nabu.de

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Schwarzhandel mit Ameisenköniginnen

Wer an Wildtierschmuggel denkt, hat meist Elfenbein, Nashornhörner oder seltene Papageien vor Augen. Inzwischen rücken jedoch auch Insekten in den Fokus. Zoll und Naturschutzbehörden stellen immer häufiger Koffer sicher, in denen sich Hunderte oder sogar Tausende lebende Ameisenköniginnen befinden – sorgfältig in Reagenzgläsern, Kunststoffröhrchen oder kleinen Behältern verpackt, damit sie unbemerkt über Landesgrenzen gelangen. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, ist inzwischen ein einträgliches Geschäft mit spürbaren Folgen für Natur und Artenschutz.

Messor cephalotesDer eigentliche Wert einer Ameisenkolonie steckt in ihrer Königin. Nur sie legt über Jahre hinweg Eier und begründet eine neue Kolonie; Arbeiterinnen können ohne sie nicht dauerhaft überleben. Wer eine einzelne fruchtbare Königin besitzt, kann daraus eine Kolonie mit Tausenden Tieren aufziehen. Genau deshalb erzielen seltene Arten auf dem internationalen Sammlermarkt teils erstaunlich hohe Preise.

Angetrieben wird die Nachfrage vor allem durch Liebhaber sogenannter Formikarien – künstlicher Ameisennester aus Glas oder Kunststoff, in denen sich das Leben einer Kolonie beobachten lässt. Manchen Haltern geht es um das Verhalten der Tiere, anderen darum, möglichst seltene oder besonders große Arten zu besitzen. Vor allem auffällig gefärbte oder außergewöhnlich große Ameisen aus Afrika, Asien und Südamerika gelten als begehrte Sammlerstücke.

info hummel2025 beschlagnahmten die Behörden in Kenia mehr als 5400 Königinnen der Ostafrikanischen Ernteameise. Etwa ein Jahr später folgte ein weiterer spektakulärer Fall: über 2200 lebende Ameisen, einzeln verpackt in einem einzigen Koffer, der den Flug offenbar lebend überstehen sollte. Fachleute werten solche Funde als Hinweis auf ein professionell organisiertes internationales Schmuggelnetz.

Wo werden Ameisen geschmuggelt?

Besonders häufig tauchen Fälle in Ostafrika auf. Kenia gilt inzwischen als einer der wichtigsten Ausgangspunkte für den illegalen Export großer Ernteameisen, die vor allem nach Europa und Asien gelangen – auch China ist ein wichtiger Absatzmarkt. Immer wieder entdecken Zollbeamte die Tiere an Flughäfen oder in Paketsendungen, teils zwischen Alltagsgegenständen versteckt oder in speziell präparierten Behältern, die das Überleben der Tiere sichern sollen.

Der Schmuggel beschränkt sich aber nicht auf Afrika: Auch in Südamerika und Südostasien werden regelmäßig seltene Ameisenarten gesammelt und außer Landes gebracht. Manche Arten stehen unter nationalem Schutz, andere dürfen nur mit behördlicher Genehmigung ausgeführt werden. Ohne entsprechende Dokumente handelt es sich um Wildtierhandel, der in vielen Ländern strafbar ist.

Warum der Handel mit Ameisenköniginnen problematisch ist

Das Entnehmen einzelner Königinnen wirkt zunächst unbedeutend, tatsächlich kann der Schaden aber erheblich sein: Jede entnommene Königin fehlt bei der Gründung einer neuen Kolonie. Werden in kurzer Zeit Hunderte oder Tausende Königinnen aus einem Gebiet entfernt, kann sich das auf die natürlichen Bestände auswirken – besonders kritisch bei seltenen Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet.

Ameisen übernehmen in vielen Ökosystemen wichtige Aufgaben: Sie lockern den Boden, verbreiten Samen, beseitigen tote Tiere und beeinflussen zahlreiche andere Insektenarten. Verschwinden sie aus einer Region, bleibt das nicht ohne Folgen. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass eingeschleppte Arten in fremden Ländern entkommen und sich dort dauerhaft ansiedeln – einige invasive Ameisenarten verursachen bereits heute erhebliche ökologische und wirtschaftliche Schäden.

Ein wachsender Markt

Der Handel findet längst nicht mehr nur auf Börsen statt. Viele Angebote erscheinen in Internetforen, über soziale Medien oder auf spezialisierten Verkaufsplattformen, wo Königinnen, junge Kolonien oder ganze Nester weltweit angeboten werden. Seriöse Züchter vermehren erlaubte Arten in Gefangenschaft und handeln im Rahmen der geltenden Gesetze. Daneben existiert jedoch ein Schwarzmarkt, auf dem frisch gefangene Wildtiere verkauft werden – für Käufer ist dabei oft kaum nachvollziehbar, aus welcher Quelle die Tiere stammen.

Naturschutzbehörden beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Der Schmuggel zeigt: Nicht nur große Säugetiere oder exotische Vögel sind begehrte Handelsware, auch kleine, unscheinbare Insekten geraten zunehmend ins Visier organisierter Händler.

Quellen

  • Reuters: Kenya arrests man trying to smuggle over 2,000 live ants in his luggage, 12.03.2026.
  • Associated Press: Chinese man jailed for one year by Kenyan court over ant trafficking, April 2026.
  • The Guardian: Smuggled in syringes: how Nairobi became a nexus for the black market in giant harvester ants, 13.05.2026.
  • CBS News: Kenya accuses four men of trying to smuggle thousands of ants, April 2025.
  • The Straits Times: Kenya court fines four men for trafficking thousands of queen ants, Mai 2025.
  • Kenya Wildlife Service (KWS): Pressemitteilungen und Informationen zum Schutz der heimischen Tierwelt und zur Bekämpfung des Wildtierschmuggels.
  • CITES Secretariat: Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora. www.cites.org
  • Bert Hölldobler, Edward O. Wilson: The Ants. Harvard University Press.
  • Deborah M. Gordon: Ant Encounters. Princeton University Press.
  • inaturalist.org

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Bombus ternarius

Hummeln aus aller Welt

Während viele Hummelarten durch ein schlichtes Farbmuster geprägt sind, zieht eine nordamerikanische Art durch ihr auffälliges Farbenkleid alle Blicke auf sich: Bombus ternarius, im englischen Sprachraum treffend Orange-belted bumblebee (Orangen-Gürtel-Hummel) genannt. Diese Hummelart ist auf die kühlen Klimazonen Nordamerikas spezialisiert. Ihr charakteristisches Merkmal ist die auffällige, dreifarbige Musterung, die einer fast geometrischen Anordnung folgt. Der Kopf ist überwiegend schwarz, gefolgt von einem gelben Thorax, der in der Mitte einen charakteristischen, schwarzen, keilförmigen Fleck aufweist. Am Hinterleib sind die mittleren Segmente (die Tergite 2 und 3) orange gefärbt, gefolgt von einem weiteren gelben Band und einer schwarzen Spitze.

ternariusDieses auffällige Muster ist ein klassisches Beispiel für eine “aposematische Färbung” (Warnfärbung), die in den dichten, oft dunklen Nadelwäldern Nordamerikas als weithin sichtbares Stoppsignal für potenzielle Fressfeinde wie Vögel oder kleine Säugetiere dient.

Spezialistin für die Taiga und den borealen Nadelwald

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich quer durch den gesamten Norden des amerikanischen Kontinents, vom subarktischen Kanada (Yukon, Northwest Territories) entlang der großen Seen bis in die Neuengland-Staaten und die höher gelegenen Appalachen der USA.

ternariusSie ist an das raue, kühl-feuchte Klima der borealen Nadelwälder (Taiga), der Moore und der alpinen Zonen angepasst. Dadurch ist ihre Aktivitätsphase komprimiert: Nestgründung, Aufzucht und die Produktion von Jungköniginnen finden in den kurzen, intensiven nordischen Sommern statt.

Nahrungsspezialistin für Beerensträucher der Heidekrautgewächse

Die Ökologie von Bombus ternarius ist eng mit der nordamerikanischen Flora verknüpft. Als Hummel mit einer verhältnismäßig kurzen Rüssellänge hat sie sich auf flache, offene Blütenformen spezialisiert. Sie gilt als eine der wichtigsten Bestäuber von wirtschaftlich und ökologisch bedeutenden Pflanzen der nördlichen Hemisphäre:

  • Heidelbeeren und Preiselbeeren (Vaccinium): In den riesigen kanadischen Wildheidelbeer-Anbaugebieten gilt sie als wichtiger Bestäuber.
  • Goldruten (Solidago) und Astern: Diese Pflanzen dienen ihr im Spätsommer als Energiequelle, um die neuen Königinnen für den langen Winterschlaf vorzubereiten.
  • Rubus-Arten: Auch wilde Himbeeren und Brombeeren gehören zu ihren Hauptnahrungsquellen.

Wirt der Kuckuckshummel Bombus insularis

bombus ternariusBombus ternarius zählt zu den bekannten Wirtsarten der Kuckuckshummel Bombus insularis. Diese sozialparasitische Art besitzt selbst keine Arbeiterinnen; ihre Weibchen legen die Eier in fremden Nestern ab, deren Nachkommen dann ausschließlich aus Königinnen und Männchen bestehen.

Quellen

  • Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): The Bumble Bees of North America. An Identification Guide.
  • Gibson, S. D., Bennett, K., Brook, R. W., Langer, S. V., MacPhail, V. J. & Beresford, D. V. (2018): New records and range extensions of bumble bees (Bombus spp.) in a previously undersampled region of North America’s boreal forest. Journal of the Entomological Society of Ontario, 149: 1–14.
  • Javorek, S. K.; Mackenzie, K. E.; Vander Kloet, S. P. (2002): Comparative pollination effectiveness among bees visiting lowbush blueberry. Annals of the Entomological Society of America.
  • inaturalist.org
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Wie die Luftfeuchtigkeit die Körperfarbe von Schmalbienen beeinflusst

Die Tierwelt fasziniert durch eine enorme Vielfalt an visuellen Signalen. Einige Lebewesen besitzen die Fähigkeit, ihre Farbe dynamisch anzupassen. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt nun, dass dieser Effekt auch bei bestimmten Bienenarten auftritt und direkt durch die Feuchtigkeit der Umgebungsluft gesteuert wird.

Strukturfarben statt Pigmente

Die glänzenden metallischen Farben vieler Insekten entstehen nicht durch Farbstoffe, sondern durch mikroskopisch kleine Strukturen auf der Oberfläche des Körpers. Diese feinen Schichten reflektieren das Licht auf eine ganz bestimmte Art und Weise, sodass für das menschliche Auge ein schillernder Eindruck entsteht. Wenn sich der Abstand zwischen diesen Schichten verändert, verschiebt sich auch die reflektierte Wellenlänge des Lichts.

SchweißbienenIn Experimenten mit der Bienenart Agapostemon subtilior wurde nachgewiesen, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit zu einer messbaren Veränderung der Farbe führt. Bei trockener Luft zeigen die Tiere einen tiefen blaugrünen Farbton. Steigt die Feuchtigkeit in der Umgebung an, verändert sich das Erscheinungsbild hin zu einem helleren gelblichen Grün oder Kupferton. Dieser Prozess läuft vollkommen passiv ab, da die Schichten des Panzers durch die Feuchtigkeit anschwellen.

info hummelBesonders erstaunlich ist die Beobachtung, dass ältere Exemplare dieser Insekten eine deutlich stärkere Farbveränderung zeigen als jüngere Individuen. Die Forschenden vermuten, dass die schützende äußere Schicht im Laufe des Lebens schwächer wird, wodurch Feuchtigkeit leichter in die darunterliegenden Strukturen eindringen kann.

Auswirkungen in der freien Natur

SchweißbienenUm zu überprüfen, ob sich diese im Labor entdeckten Effekte auch in der freien Natur zeigen, werteten die Wissenschaftler eine große Anzahl von Fotografien aus einer bekannten Onlineplattform für Naturbeobachtungen aus. Dabei stellte sich heraus, dass die geografische Verteilung der Farbvarianten tatsächlich mit der durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit der Regionen übereinstimmt.

In sehr trockenen Gebieten im Westen der USA sind die Bienen tendenziell bläulicher gefärbt, während sie in feuchteren Regionen eher einen grünlichen Ton aufweisen. Diese Erkenntnis ist für die Forschung von großer Bedeutung, da das Aussehen von Insekten somit stark vom aktuellen Wetter und dem lokalen Klima beeinflusst wird. Für die präzise Bestimmung von Arten anhand von Bildern liefert diese Entdeckung einen wichtigen Hinweis.

Quellenangaben

  • Originalstudie in Biology Letters: https://royalsocietypublishing.org/rsbl/article/22/4/20250803/481403/Humidity-induces-structural-colour-change-and
  • Mitteilung der Queen Mary University of London: https://www.qmul.ac.uk/news/latest-news/2026/science-and-engineering/se/chameleon-bees-change-colour-with-the-weather.html

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Die Wachsmotte aus einem anderen Blickwinkel

WachsmotteWachsmotten nehmen eine bemerkenswerte Stellung im Insektenreich ein. Während sie für Imker und Hummelfreunde eine absolute Herausforderung darstellen, bietet das Verhalten der Tiere der Wissenschaft eine Fülle an Erkenntnissen. Vor allem die Große Wachsmotte zeigt biologische Fähigkeiten, die in der Natur außergewöhnlich sind.

Besonderheiten des Hörvermögens

In der Tierwelt besitzen Tiere mit ausgeprägten Sinnesorganen oft ein exzellentes Gehör. Die Große Wachsmotte übertrifft jedoch viele Wirbeltiere bei Weitem.

  • Das menschliche Gehör nimmt Schallwellen bis zu einer Frequenz von 20000 Hertz auf.
  • Manche Fledermausarten nutzen Ultraschalllaute mit Frequenzen von bis zu 212000 Hertz zur Orientierung.
  • Die Große Wachsmotte kann Schallfrequenzen von bis zu 300000 Hertz wahrnehmen.

Dieser Sinn dient in erster Linie dem Schutz vor Fledermäusen. Die Motten registrieren die Annäherung ihrer natürlichen Feinde frühzeitig und reagieren mit Ausweichmanövern oder einem abrupten Fallenlassen, um zu entkommen.

Der Abbau von Kunststoff

Ein viel beachteter Aspekt der Wachsmotte ist die Fähigkeit ihrer Larven, Polyethylen abzubauen. Die chemische Struktur von Bienenwachs ähnelt in ihrer Beschaffenheit den langkettigen Kohlenwasserstoffen in Kunststoffen.

  • Die Larven verfügen über spezifische Enzyme in ihrem Verdauungstrakt.
  • Diese biologischen Katalysatoren ermöglichen den Abbau von Kunststoffstrukturen in kurzer Zeit.
  • Die Forschung untersucht aktuell Möglichkeiten, diese biologischen Prozesse für die Reduktion von Kunststoffmüll nutzbar zu machen.
info hummelWissenschaftler konnten nachweisen, dass die Larven der Wachsmotte in der Lage sind, Polyethylen biologisch abzubauen, weil sie eigene Enzyme besitzen, die die chemischen Verbindungen von Kunststoff auf ähnliche Weise spalten wie die Kohlenwasserstoffketten von natürlichem Bienenwachs.

Die Entwicklung der Wachsmotte

Der Lebenszyklus der Großen Wachsmotte ist eng mit dem Aufenthalt in Hummel- und Bienenstöcken verbunden. Die Falter dringen in der Dunkelheit in die Nester ein und legen dort ihre Eier ab. Die Larven ernähren sich dabei von den Inhaltsstoffen der Waben. Sie bilden dichte Gespinste, die den Schutz der Larven sicherstellen, jedoch das bewohnte Nest nachhaltig schädigen und schließlich zerstören.

Singen mit den Flügeln

Während die meisten Schmetterlinge und Motten lautlos sind, nutzen die Männchen der Wachsmotte echte Ultraschallserenaden. Sie sitzen in der Nähe von Bienenstöcken und Hummelnestern und besitzen an der Flügelbasis spezielle Tymbalorgane, die sie in extrem schneller Folge vibrieren lassen. Das erzeugt ein für Menschen unhörbares Ultraschalllied. Die Weibchen nutzen ihre empfindlichen Ohren, um den Partner in der Dunkelheit zu orten.

Die Wachsmotte in der medizinischen Forschung

Wachsmottenlarven dienen in der modernen Wissenschaft als Modellorganismen. Sie ersetzen in zunehmendem Maße Versuche an Säugetieren wie Mäusen oder Ratten.

  • Das Immunsystem der Larven weist Ähnlichkeiten zum angeborenen Immunsystem des Menschen auf.
  • Untersuchungen konzentrieren sich auf die Wirksamkeit neuer antibiotischer Wirkstoffe.
  • Die Larven werden zur Prüfung der Aggressivität von Pilzen und Bakterien verwendet.

Quellenverzeichnis

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Wildpflanzen für Raupen und Falter

Wer Schmetterlinge anlocken möchte, muss den Blick auch auf die oft unscheinbaren Raupen richten. Ohne die gefräßigen Larven gibt es keine Schmetterlinge. Viele heimische Schmetterlingsarten sind bei der Eiablage und Nahrungssuche hochspezialisiert. Sie benötigen ganz bestimmte Pflanzen, um das Überleben ihrer Nachkommen zu sichern.

Zehn Wildpflanzen für Raupen und Falter

Brennessel
Die Große Brennnessel ist die wichtigste Kinderstube für heimische Falter. Die Raupen von Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner Fuchs und Landkärtchen ernähren sich fast ausschließlich von ihren Blättern. Ein sonniger Flecken im Garten mit einem Brennnesselhorst ist daher das wirksamste Naturschutzprojekt auf kleinem Raum.

Wilde Möhre
Diese zweijährige Wildpflanze bildet im zweiten Jahr weiße Dolden, die eine Vielzahl von Insekten anziehen. Für die auffällig gefärbten Raupen des Schwalbenschwanzes ist die Wilde Möhre eine der Hauptnahrungsquellen. Sie lässt sich auch gut im tiefen Kübel auf dem Balkon ziehen.

Gewöhnlicher Natternkopf
Mit seinen blauen Blütenständen ist der Natternkopf vor allem für ausgewachsene Schmetterlinge attraktiv. Die Pflanze gedeiht auf mageren, trockenen Böden und verträgt Hitze gut. Als Raupenfutter spielt sie kaum eine Rolle, gelegentlich frisst jedoch die Raupe des Distelfalters an ihren Blättern.

Wiesen Flockenblume
Die violetten Blütenköpfe dieser ausdauernden Wildpflanze bieten Schmetterlingen wie dem Großen Ochsenauge oder dem Hauhechel Bläuling eine verlässliche Nahrungsquelle von Juni bis Oktober. Sie ist anspruchslos und wächst sowohl im Gartenbeet als auch im größeren Balkonkasten.

Echter Thymian
Der wild wachsende oder im Garten kultivierte Thymian fällt durch seinen intensiven Duft auf. Die winzigen Lippenblüten enthalten zuckerreichen Nektar, der für kleine Schmetterlingsarten wichtig ist. Die Raupen des Thymian-Bläulings sind außerdem auf die Blütenknospen angewiesen.

Wegwarte
Die himmelblauen Blüten der Wegwarte öffnen sich meist nur am Vormittag. Dennoch werden sie in dieser Zeit intensiv von verschiedenen Weißlingen und Edelfaltern besucht. Die tiefe Pfahlwurzel macht die Pflanze unempfindlich gegenüber längeren Trockenperioden im Sommer.

Gewöhnlicher Hornklee
Der Hornklee ist eine Schlüsselpflanze für die Biodiversität. Seine gelben Blüten sind eine der wichtigsten Futterquellen für die Raupen des Hauhechel-Bläulings. Gleichzeitig nutzen erwachsene Falter den reichlich angebotenen Nektar.

Knautie
Auch als Witwenblume bekannt, zieht diese Pflanze mit ihren purpurfarbenen Blütenköpfen vor allem den Skabiosen-Scheckenfalter an. Sie blüht den ganzen Sommer über und lässt sich gut mit Wildgräsern im Garten kombinieren.

Rote Lichtnelke
Diese Wildpflanze öffnet ihre Blüten tagsüber und zieht dadurch vor allem Tagfalter an. In ihren Samenkapseln findet sich mitunter die Raupe der Lichtnelken-Kapseleule, die sich von den Samen ernährt.

Fenchel
Der wilde Fenchel ist mit seinem fiedrigen Laub nicht nur dekorativ, sondern neben der Wilden Möhre die wichtigste Futterpflanze der Schwalbenschwanzraupen. Die filigranen gelben Doldenblüten im Spätsommer bieten zudem Nahrung für späte Faltergenerationen.

info hummelEinige Schmetterlingsraupen besitzen die faszinierende Fähigkeit, über ihre Haut bestimmte Giftstoffe der Futterpflanzen aufzunehmen und im eigenen Körper zu speichern. Dadurch werden die Raupen für Vögel und andere Fressfeinde ungenießbar, was einen hocheffektiven evolutionären Schutzmechanismus darstellt.

Zehn Stauden für Blütenpracht und Artenschutz

Wasserdost
Der Gewöhnliche Wasserdost wird im Volksmund nicht umsonst Kunigundenkraut oder Hirschheiderich genannt. Seine großen, rosa Blütenstände stehen im Spätsommer in voller Blüte und werden oft von Dutzenden Faltern gleichzeitig belagert, darunter der seltene Russische Bär.

Blaukissen
Als Teppichstaude eignet sich das Blaukissen ideal für die Einfassung von Beeten oder für Balkonkästen. Da es bereits im zeitigen Frühjahr ab April blüht, stellt es eine der ersten wichtigen Energiequellen für überwinterte Falter wie den Zitronenfalter dar.

Purpur Sonnenhut
Die Echinacea ist ein Klassiker im Staudenbeet. Mit ihren großen, strahlenförmigen Blüten zieht sie im Hochsommer Admiral, Distelfalter und Kaisermantel an. Die Staude benötigt einen sonnigen Standort und nährstoffreichen Boden.

Fetthenne
Die Große Fetthenne lagert Wasser in ihren dickfleischigen Blättern und eignet sich perfekt für trockene Standorte und Balkone. Ihre späte Blütezeit im September und Oktober hilft den Faltern, sich wichtige Fettreserven für den Winterschlaf oder den langen Flug in den Süden anzufressen.

Kugeldistel
Die stahlblauen, kugelrunden Blütenköpfe dieser Staude sind namensgebend und bilden einen auffälligen Blickfang. Schmetterlinge sitzen oft stundenlang darauf, da jede einzelne Kugel aus Hunderten kleinen Einzelblüten besteht, die kontinuierlich Nektar nachproduzieren.

Phlox
Der Flammenblume genannte Phlox verströmt einen intensiven, süßlichen Duft. Dieser Duft lockt vor allem Schmetterlinge mit sehr langen Rüsseln an, wie zum Beispiel Taubenschwänzchen, die im Kolibriflug vor den Blüten verharren.

Herbstaster
Wenn sich das Gartenjahr dem Ende neigt, blühen die Herbstastern auf. Sie bieten Admiralen und Tagpfauenaugen den letzten reichhaltigen Nektar vor dem Wintereinbruch. Astern sind absolut winterhart und pflegeleicht.

Salbei
Der Steppensalbei bietet mit seinen violetten Blütenkerzen eine langanhaltende Blütezeit, wenn er nach dem ersten Flor zurückgeschnitten wird. Er zieht vor allem Dickkopffalter und verschiedene Weißlingsarten an, die den leicht zugänglichen Nektar schätzen.

Mädchenauge
Mit gelben Blüten von Juli bis zum Frost ist diese Staude sehr ausdauernd und wird von vielen kleineren Edelfaltern als Landeplatz und Nahrungsquelle genutzt.

Gelenkblume
Diese feuchtigkeitsliebende Staude eignet sich gut für halbschattige Gartenbereiche. Ihre rosa oder weißen Blütenlippen werden vor allem von Faltern mit längerem Saugrüssel angeflogen, die an den tief sitzenden Nektar gelangen.

Garten und Balkon nicht zu früh aufräumen!

Um die Raupen und auch die im Puppenstadium überwinternden Generationen nicht zu gefährden, sollten Stauden, Wildpflanzen und verblühte Stängel auf keinen Fall im Herbst zurückgeschnitten werden. Viele Schmetterlingsarten heften ihre Eier im Spätsommer an die Pflanzenteile, oder die Raupen verpuppen sich direkt an den vertrockneten Stängeln und überwintern dort bodennah oder in Bodennähe.

Der ideale Zeitpunkt für den Rückschnitt ist daher das zeitige Frühjahr, am besten erst ab Mitte März oder April, wenn die Temperaturen dauerhaft steigen und die ersten Falter bereits geschlüpft sind. Wer den Garten im Winter dennoch etwas aufräumen möchte, sollte das Schnittgut nicht häckseln oder entsorgen, sondern locker in einer geschützten Gartenecke aufschichten, damit die darin festsitzenden Puppen und Raupen im Frühling ihren Lebenszyklus unbeschadet vollenden können.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bundesamt für Naturschutz: Pflanzen für Schmetterlinge und ihre Raupen, abrufbar unter www.bfn.de
  • Naturschutzbund Deutschland: Den Garten schmetterlingsfreundlich gestalten, abrufbar unter www.nabu.de
  • Naturgarten e.V.: Wildpflanzen für Raupen und Falter, abrufbar unter www.naturgarten.org
  • Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Franckh Kosmos Verlag, Stuttgart.

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Die geheime Symbiose der Ameisenbläulinge

Wiesenknopf-AmeisenbläulingBestimmte heimische Schmetterlinge aus der Familie der Bläulinge sind eng an Ameisen gebunden, ein Phänomen, das als Myrmekophilie bezeichnet wird. Bei diesen Faltern nimmt die Bindung die Form von Brutparasitismus an: Anstatt ihre Raupen selbst großzuziehen, schleusen sie diese durch gezielte Täuschung in die Nester von Ameisen ein. Dort verbringen die Larven den Winter im geschützten Mikroklima des Baus und werden von den Ameisen wie deren eigene Brut versorgt.

Chemische Tarnung und Aufnahme ins Nest

Die Tarnung beruht auf einem chemischen Trick. Ameisen erkennen ihre Nestgenossen und die eigene Brut vor allem über den Geruch, genauer über ein spezifisches Muster aus Kohlenwasserstoffen auf der Körperoberfläche. Im Lauf der Stammesgeschichte haben sich die Raupen der Ameisenbläulinge so entwickelt, dass sie genau dieses Duftprofil ihrer jeweiligen Wirtsameisen nachbilden. Hat die Raupe eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht, lässt sie sich von ihrer Futterpflanze auf den Boden fallen und wartet, bis eine Ameise sie findet.

Enzian AmeisenbläulingStößt eine Ameise der Gattung Myrmica auf die Raupe, betastet sie diese zunächst mit den Fühlern und nimmt den vertrauten Duft wahr: Die Raupe riecht für sie wie eine eigene Larve. Zusätzlich sondern die Raupen über spezielle Drüsen eine zuckerhaltige Flüssigkeit ab, die den Ameisen als Nahrung dient. Die Tarnung funktioniert so gut, dass die Ameise die im Verhältnis riesige Raupe packt und direkt in die Brutkammern des Nestes trägt.

info hummelEinige Bläulingsraupen ahmen im Ameisennest sogar die akustischen Signale der Ameisenkönigin nach. Über ein Organ am Hinterleib erzeugen sie Töne, die ihnen im Ameisenstaat einen bevorzugten, fast königlichen Status einbringen.

Zwei Strategien im Ameisennest

Im Ameisenbau selbst unterscheidet sich das Verhalten je nach Bläulingsart. Die Larven des Lungenenzian-Ameisenbläulings verhalten sich wie Kuckucksküken. Sie lassen sich von den Arbeiterinnen direkt füttern und erhalten dabei sogar bevorzugt Nahrung, noch vor den echten Ameisenlarven. Andere Arten wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ernähren sich dagegen räuberisch. Sie fressen im Schutz der Dunkelheit systematisch die Eier und Larven ihrer Wirtsameisen.

Die Ameisen bemerken den Betrug während des gesamten Winters nicht, weil die chemische Tarnung der Raupe zuverlässig funktioniert. Wird das Nest angegriffen, verteidigen sie die Schmetterlingsraupe oft entschiedener als den eigenen Nachwuchs. Erst im folgenden Sommer verpuppt sich die Raupe im Nest. Schlüpft der fertige Schmetterling, besitzt er den schützenden Duft nicht mehr und muss den Ameisenbau so schnell wie möglich verlassen, bevor die Tarnung auffliegt und die Ameisen ihn angreifen.

 

Quellen und weiterführende Informationen

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Bombus pauloensis

Hummeln aus aller Welt

Bombus pauloensis zählt zu den am weitesten verbreiteten Hummelarten Südamerikas. Ihr Vorkommen reicht von Venezuela und Kolumbien über Peru, Bolivien und Brasilien bis nach Argentinien und Uruguay. Sie besiedelt dabei ein außergewöhnlich breites Höhenspektrum: Nachweise liegen zwischen 150 und 3500 Metern über dem Meeresspiegel, die meisten Beobachtungen stammen jedoch aus Lagen zwischen 1800 und 2800 Metern in den Anden. Die Art gilt als anpassungsfähig und besiedelt neben naturnahen Habitaten auch stark veränderte Flächen wie Stadtgärten, Parks und Weideland.

Bombus pauloensisDer heute gültige Name Bombus pauloensis geht auf eine Beschreibung des Entomologen Heinrich Friese aus dem Jahr 1913 zurück. Über weite Teile des 20. Jahrhunderts war die Art unter dem Namen Bombus atratus bekannt, einer Bezeichnung, die ebenfalls 1913 vergeben wurde, jedoch schon 1911 für eine andere Hummelart verwendet worden war. Wegen dieser Doppelbelegung setzten brasilianische Forscher 2012 den älteren, zulässigen Namen pauloensis als gültige Bezeichnung durch. In älterer Fachliteratur taucht die Art deshalb noch häufig unter Bombus atratus auf. Innerhalb der Gattung Bombus gehört sie zur Untergattung Thoracobombus und ist dort eng mit Bombus transversalis und Bombus pullatus verwandt.

Färbung und Bestimmung

Bombus pauloensisBombus pauloensis zeigt eine für Hummeln ungewöhnlich große Variationsbreite in der Körperfärbung. Innerhalb der Art kommen vollständig schwarze (melanische) Tiere ebenso vor wie Individuen mit gelben Bändern an Thorax und Hinterleib (flavinische Form) und solche mit rötlichen Bändern an den hinteren Hinterleibssegmenten (ferruginöse Form). Diese Vielfalt macht die Art zur am stärksten polytypischen Hummel Brasiliens und erschwert eine Bestimmung allein nach dem äußeren Erscheinungsbild, da sich Populationen aus unterschiedlichen Regionen deutlich in ihrer Farbausprägung unterscheiden können.

info hummelBombus pauloensis war die erste Hummelart weltweit, bei der Wissenschaftler einen Wechsel zwischen polygynen und monogynen Nestzyklen innerhalb derselben Kolonie nachweisen konnten.

Nestbiologie und Königinnenzahl

Bombus pauloensisEine Kolonie von Bombus pauloensis beginnt in der Regel mit einer einzelnen begatteten Königin, die ein Nest gründet und die ersten Arbeiterinnen aufzieht. Im weiteren Verlauf kann die Kolonie jedoch zwischen einer monogynen Phase mit nur einer Königin und einer polygynen Phase mit mehreren gleichzeitig eierlegenden Königinnen wechseln. Untersuchungen an Nestern in den Anden Kolumbiens und Ecuadors registrierten zwischen einer und acht aktiven Königinnen sowie bis zu 80 Arbeiterinnen pro Nest. In tieferen Lagen Südamerikas wachsen die Kolonien noch deutlich größer und erreichen häufig 400 Arbeiterinnen, ein Wert, den die meisten anderen Hummelarten nicht annähernd erreichen. In polygynen Phasen bildet sich eine Rangordnung unter den Königinnen aus. Ranghohe Tiere sitzen bevorzugt im Zentrum des Brutklumpens und legen die meisten Eier, während rangniedrigere Königinnen an den Rand gedrängt werden und dort Aufgaben übernehmen, die sonst Arbeiterinnen erledigen.

Perennierende Kolonien

Anders als die meisten Hummelarten gemäßigter Breiten, deren Völker jeden Winter absterben, können Kolonien von Bombus pauloensis über Jahre hinweg bestehen bleiben. Diese Perennität hängt eng mit dem Wechsel zwischen den Fortpflanzungsphasen zusammen: Stirbt eine Königin, kann eine andere Königin aus der bestehenden Kolonie ihre Rolle übernehmen, ohne dass das Nest aufgegeben wird. Auch verlassene Nester werden gelegentlich von neuen Königinnen wieder besiedelt und reaktiviert. Diese Fähigkeit zur Nestreaktivierung dürfte für den Fortpflanzungserfolg der Art von Bedeutung sein, da neu gegründete Nester in den ersten Wochen besonders anfällig für Räuber und Parasiten sind.

Bedeutung als Nutzhummel

Bombus pauloensis ist die am gründlichsten erforschte Hummelart Südamerikas und wird inzwischen ähnlich wie Bombus terrestris in Europa gezielt gezüchtet. Kolonien werden in Kolumbien und Uruguay in kleinerem Maßstab und in Argentinien bereits im kommerziellen Rahmen aufgezogen. Eingesetzt werden die Tiere vor allem zur Bestäubung von Tomaten und Paprika in Gewächshäusern sowie zur Saatgutproduktion von Rotklee. In Argentinien gilt sie als die häufigste der acht dort vorkommenden Hummelarten, in Uruguay bildet sie gemeinsam mit der selteneren Bombus bellicosus die einzigen beiden im Land nachgewiesenen Hummelarten.

Parasiten und Krankheitserreger

Wie andere Hummelarten wird auch Bombus pauloensis von einer Reihe von Parasiten und Krankheitserregern befallen. Untersuchungen an wilden und in Gefangenschaft gehaltenen Tieren aus Uruguay wiesen mehrere Milbenarten sowie den Mikrosporidien-Erreger Nosema ceranae nach, der bei frei fliegenden Arbeiterinnen besonders häufig auftrat. Zusätzlich ließen sich vier verschiedene RNA-Viren feststellen, darunter das Virus der schwarzen Königinnenzelle und das Flügeldeformationsvirus. Bei Königinnen wurde die höchste Zahl unterschiedlicher Milbenarten gefunden, außerdem waren nur bei ihnen parasitische Fliegen der Familie Conopidae sowie der Fadenwurm Sphaerularia bombi nachweisbar. Da Hummelkolonien zwischen Ländern verschifft werden, um sie als Bestäuber einzusetzen, wächst die Sorge, dass sich Krankheitserreger auf diesem Weg auch auf wildlebende Populationen übertragen könnten.

Quellen

  • Abrahamovich, A. H. & Díaz, N. B. (2002): Bumble bees of the Neotropics (Hymenoptera: Apidae: Bombini)
  • Pinilla-Gallego, M. S. et al. (2017): Distribution and morphological variation of Bombus pauloensis
  • Salvarrey, S. et al. (2021): Parasites and RNA viruses in wild and laboratory reared bumble bees Bombus pauloensis (Hymenoptera: Apidae) from Uruguay. PLOS ONE 16(4): e0249842, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0249842
  • Springer Nature Link (2024): The Gut Microbiome of Two Wild Bumble Bee Species Native of South America: Bombus pauloensis and Bombus bellicosus. Microbial Ecology, https://link.springer.com/article/10.1007/s00248-024-02430-y
  • Oxford Academic / G3 Genes|Genomes|Genetics (2026): First genome assemblies of Neotropical Thoracobombus bumblebees Bombus pauloensis and Bombus pullatus, https://academic.oup.com/g3journal/article/16/3/jkaf305
  • Chavarría, L. & Ramírez, W. (Ecology and Nesting Behavior of Bombus atratus Franklin in Andean Highlands, Hymenoptera: Apidae), ResearchGate, https://www.researchgate.net/publication/252644618
  • CASAS Global: Colony development and dynamics of neotropical Bombus atratus, https://www.casasglobal.org/colony-development-of-neotropical-bombus-atratus/
  • GBIF: Bombus pauloensis Friese, 1913, Artenprofil, https://www.gbif.org/species/165629914
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org

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Die Schlupfwespe – Freund und Feind im Hummelnest

In der ökologischen Betrachtung sozialer Insekten nehmen Hummeln eine fundamentale Rolle als Bestäuber in Agrarökosystemen und natürlichen Habitaten ein. Der Schutz dieser staatenbildenden Insekten hat in den vergangenen Jahrzehnten sowohl in der Wissenschaft als auch in der breiten Öffentlichkeit stark an Bedeutung gewonnen. Werden künstliche Nisthilfen (Hummelkästen) etabliert oder Wildnester beobachtet, stößt man unweigerlich auf den Begriff der „Schlupfwespe“. Diese taxonomisch diverse Gruppe von Hautflüglern (Hymenoptera) geht mit Hummelvölkern biologische Wechselbeziehungen ein, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Der Begriff vereint in der Praxis zwei völlig unterschiedliche ökologische Rollen: Einerseits agieren bestimmte Schlupfwespen als unverzichtbare Nützlinge im Kampf gegen verheerende Nestschädlinge, andererseits existieren spezialisierte Arten, die als hochgradig destruktive Parasitoide das direkte Absterben der Hummelbrut verursachen. Für Hummelfreunde und Forscher entsteht dadurch eine große Verwirrung, da das Wort „Schlupfwespe“ im Alltag als Sammelbegriff genutzt wird. Wer nach Informationen sucht, muss die nützlichen Helfer strikt von den tödlichen Feinden trennen.

Der nützliche Helfer: Biologischer Schutz vor der Wachsmotte

Trichogramma evanescensDer wohl größte Feind in künstlichen wie natürlichen Hummelnestern ist die Hummel-Wachsmotte (Aphomia sociella). Die adulten Falter dringen meist in der Dämmerung in die Nester ein, um dort ihre Eier abzulegen. Die daraus resultierenden Larven fressen die Wachswaben, den Pollenvorrat und nicht zuletzt die Hummelbrut selbst. Ein unkontrollierter Befall führt unweigerlich zur vollständigen Zerstörung des Nestes. Im Zuge des biologischen Hummelschutzes hat sich der gezielte Einsatz von winzigen Nützlingen der Gattung Trichogramma (insbesondere Trichogramma brassicae und Trichogramma evanescens) etabliert. Diese Tiere zählen biologisch zu den Erzwespen, werden im Alltag aber überwiegend zu den Schlupfwespen gezählt.

Diese mikroskopisch kleinen Wespen (oft unter 1 mm groß) besitzen eine spezialisierte Lebensweise: Sie suchen gezielt nach den frisch gelegten Eiern der Wachsmotte. Die weibliche Wespe sticht das Mottenei an und legt ihr eigenes Ei hinein. Die sich entwickelnde Wespenlarve konsumiert das Schmetterlingsei von innen heraus. Statt einer zerstörerischen Wachsmottenraupe schlüpft nach kurzer Zeit eine neue Generation nützlicher Wespen. Da sich diese Gattung strikt auf Schmetterlingseier beschränkt, besteht für die Hummeln und ihre Brut zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr.

info hummelhaus bauanleitungPraxis-Tipp für die Informationssuche: Wenn Sie Ihren Hummelkasten biologisch schützen möchten und online nach Anleitungen oder Kaufmöglichkeiten suchen, nutzen Sie niemals den allgemeinen Begriff „Schlupfwespe“. Suchen Sie stattdessen gezielt nach den Begriffen „Trichogramma Hummelkasten“ oder „Trichogramma Wachsmotte“. Nur so finden Sie die nützlichen Helfer-Kärtchen im Handel und verhindern gefährliche Verwechslungen.

Anwendung im Hummelkasten

Die Kärtchen mit den parasitierten Eiern werden ab Mai in den Hummelkasten gelegt. Da die Wespen nur wenige Tage leben und ausschließlich das Eistadium der Motte bekämpfen können, muss die Ausbringung alle drei Wochen wiederholt werden. Wichtig ist zudem ein abgedunkelter Kasten, da die winzigen Tiere sonst zum Licht fliegen und das Nest verlassen.

Für den erfolgreichen Einsatz der nützlichen Trichogramma-Schlupfwespen spielt die Temperatur im Hummelkasten eine wichtige Rolle. Die winzigen Helfer entwickeln sich bei Werten zwischen 22 und 28 °C optimal. Zwar sind sie in einem Bereich von 15 bis 35 °C aktiv, jedoch stellt eine Temperatur unter 15 °C eine kritische Grenze dar, da sich die Entwicklung der Wespen dann stark verlangsamt und sie ihre Aktivität weitgehend einstellen. Extreme Hitze über 35 °C kann für die Nützlinge sogar tödlich sein. Sollten die Kärtchen nicht sofort ausgebracht werden, lassen sie sich kurzzeitig für 1 bis 2 Tage bei 8 bis 12 °C lagern. Ein großer Vorteil beim Hummelschutz ist die biologische Eigenregulation, da Hummeln ihr Nest aktiv auf etwa 28 °C aufheizen und somit im Inneren des Stockes von Natur aus optimale Bedingungen für die Parasitierung der Wachsmotteneier herrschen.

Übersicht der Temperaturbereiche

Über 35 °C Es droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere.
22 bis 28 °C Ideale Bedingungen für eine schnelle Entwicklung.
15 bis 35 °C Allgemeiner Aktivitätsbereich der Wespen.
Unter 15 °C Die Entwicklung stagniert stark, und die Tiere verfallen in Inaktivität.
8 bis 12 °C Empfohlener Bereich für eine kurzzeitige Lagerung von maximal zwei Tagen.

Der tödliche Parasit: Natürliche Feinde der Hummelbrut

Melittobia acastaDem positiven Nutzen der Helfer-Wespen steht eine weitaus düstere, natürliche Facette gegenüber. Verschiedene parasitische Hautflügler haben sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert, Hummelstaaten direkt auszubeuten. Ein prominentes und gefürchtetes Beispiel ist die Art Melittobia acasta. Auch sie gehört biologisch zu den Erzwespen, verhält sich im Nest jedoch wie eine parasitische Kleinst-Schlupfwespe und wird in der Praxis oft so genannt.

Diese Schädlinge dringen aufgrund ihrer geringen Größe oft völlig unbemerkt in das Hummelnest ein. Im Inneren angekommen, suchen sie die Kokons der frisch verpuppten Hummellarven auf. Ein einziges Weibchen durchbohrt den schützenden Kokon und legt hunderte Eier direkt auf die wehrlose Hummelpuppe. Die Larven des Parasiten fressen die Hummel von außen auf. Anstelle einer lebenswichtigen Hummelarbeiterin schlüpfen nach kurzer Zeit dutzende neue Parasiten aus dem Kokon. Diese paaren sich sofort im Nest und befallen die nächsten Hummelpuppen. Dieser Kreislauf führt schnell zu einer totalen Ausrottung der Brut, wodurch das Hummelvolk mangels Nachwuchs komplett kollabiert.

info hummelhaus bauanleitungPraxis-Tipp für die Schadens-Analyse: Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Hummelvolk von winzigen Parasiten befallen ist, oder sterben plötzlich die Puppen im Nest? Suchen Sie in Fachforen und Datenbanken gezielt nach dem Begriff „Melittobia acasta Hummeln“. Allgemeine Suchanfragen zu Schlupfwespen führen hier oft in die Irre und zeigen stattdessen die oben genannten Nützlinge an.

Zusammenfassung

Die Biologie zeigt, dass „Schlupfwespe“ nicht gleich „Schlupfwespe“ ist. Im Hummelschutz entscheidet die genaue Art über Leben und Tod des Volkes. Während die Gattung Trichogramma als biologische Wunderwaffe den verheerendsten Schädling (die Wachsmotte) im Ei erstickt und somit den Hummeln das Leben rettet, bewirkt die Art Melittobia acasta als Brutparasit das genaue Gegenteil. Für eine erfolgreiche Recherche und Anwendung im eigenen Garten ist die Kenntnis dieser wissenschaftlichen Namen und der gezielte Einsatz der richtigen Suchbegriffe daher auch für Laien unerlässlich.

Bild-, Literatur- und Quellenverzeichnis

  • Čmeláci PLUS (2026): Die tödliche Wespe Melittobia acasta und Hummeln. Fachportal für Hummelschutz und -zucht.
  • Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Biologische Bekämpfung von Wachsmotten (Aphomia sociella) durch den Einsatz von Trichogramma brassicae. Arbeitskreis Hummelschutz.
  • Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Erzwespen als Wildbienen-Parasiten: Die Biologie von Melittobia acasta. Sektion Parasitismus bei Stechimmen.
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
  • Schlupfwespen Anwendung: Der ultimative Guide für maximalen Erfolg

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