Ja, Hummeln können stechen!

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, Hummeln könnten gar nicht stechen, sondern nur beißen. Das stimmt nicht. Allerdings erlebt man einen Hummelstich extrem selten, weil die pummeligen Brummer absolut friedlich sind.

Wie bei den Bienen und Wespen gilt auch bei den Hummeln: Nur die Weibchen (Königinnen und Arbeiterinnen) haben einen Stachel. Der Stachel ist evolutionär betrachtet nämlich ein umgewandelter Eiablageapparat (Legestachel). Die Männchen (Drohnen), die man im Spätsommer oft auf Blüten herumlungern sieht, besitzen schlichtweg kein Werkzeug zum Stechen. Wenn ein Hummel-Männchen bedrängt wird, kann es zwar wild um sich schlagen oder so tun, als ob es sticht, aber es ist völlig harmlos.

Der große Unterschied zur Honigbiene

Im Gegensatz zu Honigbienen haben Hummelstacheln keine Widerhaken. Wenn eine Biene einen Menschen sticht, bleibt ihr Stachel aufgrund der Widerhaken in unserer elastischen Haut stecken. Die Biene reißt sich beim Losfliegen den Hinterleib auf und stirbt. Eine Hummel hingegen kann ihren Stachel nach dem Stich problemlos wieder herausziehen.
Das bedeutet auch, dass eine Hummel theoretisch – genau wie eine Wespe – mehrfach hintereinander stechen könnte.

Die Warnung vor dem Stich

Eine Hummel sticht niemals grundlos im Vorbeifliegen. Sie tut es nur, wenn sie direkt gequetscht wird (z. B. weil man barfuß auf sie tritt) oder wenn man ihrem Nest zu nahe kommt. Bevor sie aber zusticht, nutzt sie ein sehr deutliches, fast schon komisches Warnsystem: Fühlt sich eine Hummel bedroht, hebt sie zunächst ein oder zwei Mittelbeine in die Luft. Das sieht aus, als würde sie winken, heißt aber: „Lass mich in Ruhe, ich bin wehrhaft!“

Wie schmerzhaft ist ein Hummelstich?

Ein Hummelstich ist vergleichbar mit einem Wespen- oder Bienenstich. Das Hummelgift enthält ähnliche Proteine und Histamine, die zu Schmerzen, Rötungen und Schwellungen führen. Da Hummeln aber im Alltag so gut wie nie stechen, ist das Risiko für die meisten Menschen extrem gering – es sei denn, man legt es wirklich darauf an oder leidet unter einer Insektengiftallergie.

Erste Hilfe

Ein Stich von einer Biene oder Hummel ist schmerzhaft, verläuft bei Menschen ohne Allergie aber meistens völlig harmlos. Dennoch erfordert die Situation schnelles Handeln, um die Beschwerden zu lindern. Im Vordergrund steht dabei immer der Ausschluss eines medizinischen Notfalls. Sollte der Stich im Mund- oder Rachenraum erfolgen oder Symptome wie Atemnot, Schwindel und Herzrasen auftreten, liegt eine lebensgefährliche allergische Reaktion vor. In diesem Fall muss sofort der Notruf unter der Nummer 112 gewählt werden, während der Patient beruhigt und mit aufrechtem Oberkörper gelagert wird.

Liegt kein Notfall vor, konzentrieren sich die Maßnahmen auf die Einstichstelle. Da Bienen im Gegensatz zu Hummeln ihren Stachel mitsamt der Giftblase in der Haut zurücklassen, muss dieser als Erstes entfernt werden. Dabei darf man den Stachel keinesfalls mit den Fingern greifen, um nicht noch mehr Gift in die Wunde zu pressen. Stattdessen wird er mit dem Fingernagel oder einer Kreditkarte seitlich weggekratzt. Wird unmittelbar danach ein elektronischer Stichheiler angewendet, zerstört die gezielte Hitze die Eiweiße des Insektengifts und mindert den späteren Juckreiz.

Abschließend folgen die Desinfektion und eine intensive Kühlung der Wunde. Ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpack verhindert eine starke Schwellung und betäubt den Schmerz. Zur Nachbehandlung eignen sich kühlende Gele aus der Apotheke oder eine frisch aufgeschnittene Zwiebel, deren Saft entzündungshemmend wirkt. Durch diese schnelle Erstversorgung klingen die lokalen Symptome in der Regel nach wenigen Tagen vollständig ab.

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m