Warum manche Blumen glänzen

In der Natur gibt es viele verschiedene Farben und besondere Lichteffekte. Manche Blumen wirken eher matt, andere glänzen stark im Sonnenlicht. Auch bei Tieren kann man solche Effekte beobachten, zum Beispiel bei schimmernden Fischschuppen oder glänzenden Käfern. Wissenschaftler der Uni Würzburg wollten herausfinden, warum manche Pflanzen glänzende Blüten besitzen und welche Vorteile oder Nachteile dieser Glanz mit sich bringt.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Hummeln. Hummeln eignen sich besonders gut für solche Experimente, weil sie Blumen über Farben und Licht erkennen und wichtige Bestäuber von Pflanzen sind.

Glanz bei Blüten

Eine glänzende Oberfläche reflektiert das Licht ähnlich wie ein Spiegel. Dadurch entstehen helle Lichtblitze, wenn sich das Licht oder der Blickwinkel verändert. Matte Oberflächen dagegen streuen das Licht gleichmäßig in viele Richtungen. Deshalb sehen matte Blumen aus fast jedem Blickwinkel gleich aus.

Die Forscher stellten fest, dass glänzende Blumen zwar eher selten sind, aber in vielen verschiedenen Pflanzenfamilien vorkommen. Das deutet darauf hin, dass der Glanz im Laufe der Evolution mehrmals entstanden ist und für Pflanzen einen Nutzen haben muss.

Der Versuch mit den Hummeln

Um herauszufinden, wie Hummeln auf glänzende und matte Blumen reagieren, bauten die Wissenschaftler künstliche Blumen aus Epoxidharz. Einige dieser Blumen hatten eine glänzende Oberfläche, andere eine matte. Außerdem wurden verschiedene Farben wie Blau und Gelb verwendet.

Die Hummeln mussten in mehreren Versuchen zwischen den Blumen wählen. Dabei untersuchten die Forscher, ob die Tiere glänzende Blumen lieber mochten, ob sie Farben unterscheiden konnten und wie gut sie Blumen aus größerer Entfernung erkannten.

Die Ergebnisse der Untersuchung

Die Experimente zeigten zuerst, dass glänzende Blumen aus großer Entfernung leichter zu erkennen sind. Die glänzende Oberfläche reflektiert das Sonnenlicht sehr stark und erzeugt helle Lichtreflexe. Dadurch fallen die Blumen den Hummeln schneller auf. Besonders bei starkem Sonnenlicht ist dieser Effekt deutlich sichtbar.

Allerdings entdeckten die Forscher auch einen Nachteil. Die Hummeln konnten die Farben glänzender Blumen schlechter unterscheiden als die Farben matter Blumen. Der starke Lichtreflex überdeckt teilweise die eigentliche Farbe der Blüte. Deshalb fiel es den Hummeln schwerer, ähnliche Farben voneinander zu unterscheiden.

Die Wissenschaftler sprechen deshalb von einem sogenannten „Trade-off“, also einem Kompromiss. Der Glanz sorgt zwar dafür, dass Blumen besser gesehen werden, gleichzeitig macht er aber die genaue Erkennung schwieriger.

Warum manche Blumen matt sind

Die Forscher untersuchten auch die Oberfläche echter Blumen. Dabei fanden sie heraus, dass matte Blumen meist kegelförmige Zellen auf ihrer Oberfläche besitzen. Diese Zellen streuen das Licht gleichmäßig. Glänzende Blumen dagegen haben eher flache Zellen, die das Licht spiegeln.

Früher dachte man, dass die Form der Zellen hauptsächlich dazu dient, die Farben der Blüten zu verstärken. Die neue Studie zeigt jedoch, dass die Oberflächenstruktur auch wichtig für die Sichtbarkeit und Erkennung der Blume ist.

Bedeutung der Forschung

Die Ergebnisse sind nicht nur für Blumen wichtig. Auch bei vielen Tieren spielen glänzende Oberflächen eine große Rolle. Zum Beispiel können glänzende Effekte bei der Partnersuche, beim Tarnen oder beim Schutz vor Feinden helfen.

Die Studie zeigt außerdem, wie unterschiedlich Tiere ihre Umwelt wahrnehmen. Für Menschen sehen glänzende Blumen vielleicht einfach nur schön aus, für Hummeln beeinflusst der Glanz aber direkt, wie gut sie Blumen finden und erkennen können.

Fazit

Zusammenfassend zeigt die Untersuchung, dass glänzende Blumen sowohl Vorteile als auch Nachteile haben. Sie werden von Hummeln schneller entdeckt, weil sie das Licht stark reflektieren. Gleichzeitig erschwert der Glanz aber die genaue Unterscheidung der Farben.

Der Glanz von Blumen ist deshalb eine besondere Strategie der Natur. Pflanzen nutzen ihn, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Bestäuber anzulocken. Die Forschung macht deutlich, wie wichtig Licht, Farben und Oberflächen in der Kommunikation zwischen Pflanzen und Tieren sind.

Quelle

science.org

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m