Königin oder Arbeiterin: Wie Arbeiterinnen die Kaste der Hummellarven beeinflussen

Aus demselben Ei kann bei Hummeln eine Arbeiterin oder eine Königin hervorgehen. Königinnen sind deutlich größer als Arbeiterinnen und leben länger. Ein Team der Pennsylvania State University um Etya Amsalem hat bei der nordamerikanischen Art Bombus impatiens untersucht, was während der Larvenentwicklung darüber entscheidet, und ein Hormon als beteiligten Faktor gefunden. Es wirkt nicht unmittelbar auf die Larve, sondern über die Arbeiterinnen, die sie füttern. Die Studie erschien 2026 in Insect Biochemistry and Molecular Biology, die Universität stellte sie am 18. Mai 2026 vor.

Zwei Kasten aus einem Ei

Bombus impatiens auf Löwenzahn, laut Beobachtungseintrag eine KöniginBei Hummeln pflanzen sich Königinnen fort, Arbeiterinnen zunächst nicht. Beide Formen, in der Fachsprache Kasten, unterscheiden sich in Verhalten, Physiologie und Körperbau. Welche entsteht, wird während der Larvenentwicklung festgelegt, durch Umwelteinflüsse und genetische Faktoren. Nach der gängigen Vorstellung setzen sich äußere Einflüsse in Hormonänderungen um, die Häutungen und die Körpermasse beeinflussen. Im Einzelnen ist diese Regulation nur bei wenigen Arten bekannt.

Bombus impatiens ist eine wichtige Modellart für die Erforschung sozialen Verhaltens. Wie bei ihr aus demselben Ei so verschiedene Tiere entstehen, war bisher ungeklärt. Das Team untersuchte die Rolle des Juvenilhormons, eines Hormons, das bei Insekten Entwicklung und Häutung mitsteuert. Dazu gaben die Forscher es während der Larvenentwicklung künstlich zu.

Versuchsaufbau

Nach der Pressemitteilung der Universität bestand eine Versuchsgruppe aus drei Arbeiterinnen und einer Gruppe von Larven. Das Juvenilhormon wurde in verschiedenen Dosen und zu verschiedenen Zeitpunkten entweder auf Arbeiterinnen oder unmittelbar auf Larven aufgetragen. Um den Weg des Hormons zu verfolgen, setzten die Forscher markiertes Hormon ein und wiesen es mit chromatographischen Verfahren nach. Gemessen wurden außerdem das Gewicht der Larven und die Kaste, zu der sie sich entwickelten.

info hummelDie Larven reagierten auf das Hormon nur in einem engen Zeitfenster. Nach der Pressemitteilung der Universität lag es an den Tagen 7 und 8 der Larvenentwicklung. Direkt auf die Larven aufgetragen, führte das Hormon nicht zu Königinnen. Die Arbeiterinnen beseitigten die meisten dieser Larven.

Was die Versuche zeigten

Wurden Arbeiterinnen mit dem Hormon behandelt, bauten sie es in die Nahrung der Larven ein. Das markierte Hormon fand sich später im Körper der Larven wieder. Diese Larven wurden schwerer und entwickelten sich mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Königinnen. Je mehr Hormon die Larven erhielten, desto wahrscheinlicher wurden sie Königinnen. Die Zusammenfassung der Studie nennt dafür ein enges kritisches Zeitfenster gegen Ende der Larvenentwicklung.

Ein zweiter Befund betrifft das Hormon selbst. Die künstliche Gabe senkte die körpereigenen Hormonspiegel. Die Autoren deuten das als Rückkopplung zwischen dem Hormonspiegel in der Hämolymphe, der Blutflüssigkeit der Insekten, und der Hormonbildung. Aus den Befunden schließen sie, dass die Kaste bei Bombus impatiens hormonell reguliert wird, und zwar über eine Weitergabe des Juvenilhormons durch die Arbeiterinnen.

Wie das im Volk zusammenhängen könnte

Die Pressemitteilung verbindet den Befund mit dem Jahreslauf eines Hummelvolks. Danach pflanzen sich Arbeiterinnen in einem jungen Volk nicht fort. Mit dem Alter des Volks können sie ihre Eierstöcke aktivieren und Männchen hervorbringen, was den Juvenilhormonspiegel in ihrem Körper erhöht. In der Folge geben sie mit der Zeit mehr Hormon an die Larven weiter. Sind es viele Arbeiterinnen gleichzeitig, erreichen die Larven im empfindlichen Zeitfenster Dosen, die für die Entwicklung zur Königin ausreichen. Das geschieht meist gegen Ende der Saison. Die Zusammenfassung der Studie enthält diese Erklärung nicht, sie beschränkt sich auf den Nachweis, dass Arbeiterinnen zugeführtes Hormon in die Larvennahrung einbauen und es in den Larven ankommt.

Was offen bleibt

Untersucht wurde nur Bombus impatiens. Ob andere Hummelarten die Kaste auf demselben Weg festlegen, zeigt die Studie nicht. Das Hormon wurde in den Versuchen künstlich aufgetragen. Wie viele Kolonien und Larven in die Versuche eingingen, geht aus der frei zugänglichen Zusammenfassung und aus der Pressemitteilung nicht hervor, die Universität nennt auch keine Einschränkungen der Studie.

Praktische Bedeutung sehen die Forscher in der Hummelzucht. Wer weiß, wie Königinnen entstehen, könnte die kommerzielle Zucht und den Umgang mit Hummelvölkern verbessern. Allgemein soll die Arbeit helfen zu verstehen, wie hormonelle und soziale Signale in Insektenstaaten zusammenwirken. Gefördert wurde die Arbeit von der amerikanischen National Science Foundation.

Quellen

  • Modarres Hasani S. A., Derstine N., Santos P. K. F. & Amsalem E. (2026): The making of a queen: Hormonal regulation of female caste in the social bee Bombus impatiens. Insect Biochemistry and Molecular Biology 191: 104558, doi 10.1016/j.ibmb.2026.104558 (ausgewertet wurde die Zusammenfassung, PubMed-ID 41974214)
  • Pennsylvania State University (18.05.2026): Worker bumble bees help determine which baby bee will become queen, psu.edu/news/agricultural-sciences/story/worker-bumble-bees-help-determine-which-baby-bee-will-become-queen
  • Foto: Joe Bartok (joebartok), Beobachtung vom 07.05.2021, Tweed, ON, Canada. inaturalist.org/observations/77785533, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert. Das Bild zeigt Bombus impatiens auf Löwenzahn, der Beobachtungseintrag bezeichnet das Tier als Königin

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Mooshummel: Museumsproben zeigen den Verlust genetischer Vielfalt

Am 17. September 2026 ist in der Zeitschrift Molecular Biology and Evolution eine Studie erschienen, die das Erbgut von 101 Museumstieren der Mooshummel (Bombus muscorum) auswertet. Die Tiere wurden zwischen 1894 und 2019 in Großbritannien und Irland gesammelt. Die genetische Vielfalt der britischen Bestände ist demnach um rund ein Viertel gesunken. In England und Wales nahmen Erbgutabschnitte, die auf beiden Chromosomensätzen identisch sind, um das 2,86-Fache zu. Erstautorin ist Victoria Mullin vom Trinity College Dublin und vom Natural History Museum in London, beteiligt sind 16 Forscher.

Die Art und ihr Rückgang

Mooshummel (Bombus muscorum) auf Klee, ShetlandDie Mooshummel ist über Eurasien weit, aber lückenhaft verbreitet. Auf den Britischen Inseln kam sie früher fast überall vor. Nach den Angaben der Autoren beschränkt sie sich heute zunehmend auf das schottische Festland und die schottischen Inseln, dazu kommen einzelne Restvorkommen an den Küsten Englands und von Wales. Sie nistet in offenem, blütenreichem Grünland, etwa auf Wiesen und Heiden, und bevorzugt feuchtere Lebensräume wie Marschen und Küstengrünland. Ihre Völker sind klein, und die Tiere legen nach der zitierten Literatur nur kurze Strecken zurück.

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt die Art in einer Bewertung von 2023 als gefährdet (Vulnerable). In England und Wales gehört sie zu den Arten von besonderer Bedeutung nach dem Natural Environment and Rural Communities Act von 2006. Öffentliche Stellen müssen ihre Belange daher bei Entscheidungen berücksichtigen, zum Beispiel in Planungsverfahren. Untersuchungen an lebenden Tieren hatten mit Mikrosatelliten, also kurzen, stark variablen Erbgutabschnitten, bereits geringe genetische Vielfalt und Anzeichen von Inzucht gefunden. Offen war, wie schnell die Vielfalt verloren ging und ob sie früher höher lag.

Museumstiere als Vergleichsmaßstab

Für einen Vergleich über ein Jahrhundert braucht man Erbgut aus der Zeit vor dem Rückgang. Das Team entnahm deshalb von 130 aufgespießten Hummeln je ein Bein. Die Tiere stammen aus fünf britischen Sammlungen: dem Natural History Museum in London, dem Oxford University Museum of Natural History, dem Tullie House Museum in Carlisle, dem World Museum in Liverpool und den National Museums Scotland in Edinburgh. Wegen des Schutzstatus wurden keine lebenden Tiere gefangen. Die einzige Ausnahme ist ein Tier von South Uist auf den Äußeren Hebriden, das erst nach seinem Tod eingesammelt wurde. Das Erbgut der Museumstiere ist abgebaut, deshalb lief die gesamte Laborarbeit vor der Vervielfältigung in einem Labor für alte DNA. Die Sequenzen wurden mit einem veröffentlichten Referenzgenom der Mooshummel abgeglichen.

Dabei zeigte sich, dass 29 der 130 Tiere keine Mooshummeln waren. 18 gehörten zur Ackerhummel (Bombus pascuorum), 11 zur Veränderlichen Hummel (Bombus humilis). Elf der falsch bestimmten Ackerhummeln hatte ein einziger Sammler zwischen 1890 und 1903 zusammengetragen, sie stammen aus der Sammlung in Oxford. Die Autoren sehen darin ein Problem für alle Auswertungen, die sich auf Sammlungskataloge stützen, weil unüberprüfte Bestimmungen Aussagen über Verbreitung und Trends verfälschen können. Besonders häufig waren einander ähnliche Arten der Untergattung Thoracobombus vertauscht.

info hummelVon 130 Tieren, die in den Sammlungen als Mooshummel geführt wurden, gehörten 29 zu anderen Arten. Der Vergleich des Erbguts deckte das auf. Übrig blieben 101 richtig bestimmte Mooshummeln aus den Jahren 1894 bis 2019.

Nicht jedes dieser 101 Erbgüter reichte für jede Auswertung. Die Sequenzierungstiefe schwankte stark, der Median lag beim 1,43-Fachen, die Spanne reichte vom 0,1-Fachen bis zum 15,7-Fachen. Für die räumliche Gliederung wurden 90 Genome mit mindestens 0,4-facher Abdeckung genutzt. Die Heterozygosität berechneten die Autoren für 32 Tiere mit mindestens dreifacher Abdeckung, die Inzuchtabschnitte für 22 Tiere mit mindestens sechsfacher Abdeckung. Die wichtigsten Zahlen beruhen also auf deutlich weniger Tieren als die 101 insgesamt.

Die genetische Vielfalt sinkt um rund ein Viertel

Die Heterozygosität gibt an, an welchem Anteil der Genompositionen die beiden Erbgutkopien eines Tieres verschieden sind. Sie ist ein Maß für die genetische Vielfalt eines Bestands. Bei den 32 Tieren fiel sie zwischen 1894 und 2019 im Mittel um etwa 2,82 Prozent je Jahrzehnt, insgesamt um rund 35,3 Prozent. Schließt man drei Tiere an den Enden der Zeitreihe als mögliche Ausreißer aus, sind es 32,2 Prozent. Das Sammeljahr erklärt etwa 63 Prozent der Streuung.

Die in der Zusammenfassung genannten 24,6 Prozent beziehen sich auf einen anderen Vergleich: Sie beschreiben den Rückgang zwischen den Tieren vor 1926 und denen nach 1975. Der Verlust betrifft ganz Großbritannien einschließlich Schottlands. Die Autoren betonen, dass die Vielfalt über das ganze Jahrhundert weiter sank und in den Daten keine Erholung zu erkennen ist.

England und Wales im Vergleich zu Schottland

Mooshummel (Bombus muscorum), Benbecula, Äußere HebridenHeterozygosität allein misst keine Inzucht. Dafür werteten die Autoren Abschnitte von mindestens 50 Kilobasen Länge aus, in denen beide Erbgutkopien identisch sind (runs of homozygosity). Sie entstehen, wenn sich nah verwandte Tiere paaren, und werden in kleinen, isolierten Beständen häufiger. Die Gesamtlänge dieser Abschnitte lag bei den acht Tieren vor 1926 im Median bei 3902 Kilobasen. Bei den 13 Tieren nach 1975 streuten die Werte von 1055 bis 20593 Kilobasen, der Median betrug 9875 Kilobasen.

Die große Streuung erklärt sich durch die Herkunft. Trennt man die jüngeren Tiere nach Regionen, liegen die Werte aus Schottland auf dem Niveau der frühen Tiere (P = 0,810). In England und Wales stiegen sie signifikant (P = 0,037), um das 2,86-Fache. Auch zwischen den beiden jüngeren Gruppen besteht ein Unterschied (P = 0,023). In Schottland, zu dem die Highlands und die Äußeren Hebriden gehören, ist die Art nach den Angaben der Autoren weiterhin häufiger als in den zersplitterten Beständen Englands und von Wales.

Zwei schottische Tiere fallen aus dem Muster. Ein Tier von Rattray Head aus dem Jahr 1975 hat die höchsten Werte des gesamten Datensatzes, was auf akute Inzucht hindeutet. Das Tier von South Uist aus dem Jahr 2019 hat kurze Abschnitte, aber im Vergleich zu Tieren vom schottischen Festland eine erhöhte Gesamtlänge. Die Autoren lesen das als Folge langer Isolation auf einer Insel. Sie interpretieren die regionalen Unterschiede als Ausdruck unterschiedlicher Bestandsgeschichten innerhalb eines räumlich gegliederten Bestands und nicht als Trennung in zwei Populationen.

Keine Zunahme schädlicher Mutationen nachweisbar

An denselben 22 Genomen prüfte das Team, ob sich Mutationen angehäuft haben, die Proteine wahrscheinlich beeinträchtigen. Verglichen wurden Varianten, die ein Protein vermutlich ausschalten, Varianten mit ausgetauschter Aminosäure und stille Varianten. Zwischen den drei Gruppen (vor 1925, nach 1975 in Schottland, nach 1975 in England und Wales) gab es bei keiner dieser Klassen einen signifikanten Unterschied (P = 0,881, 0,364 und 0,503).

Räumliche Gliederung

Die Analyse von 90 Genomen trennt Tiere aus Irland und von den Äußeren Hebriden von denen des britischen Festlands. Innerhalb Großbritanniens ändert sich das Erbgut allmählich von Nordschottland nach Südengland, es gibt keine scharf getrennten Gruppen. Das passt zu einem Bestand, in dem der Austausch mit der Entfernung abnimmt. Die Tiere aus Kent weichen ab, die Autoren halten Zufallsdrift durch Isolation für möglich. Über das Jahrhundert blieb die Gliederung weitgehend gleich. Wegen der geringen Ausbreitung der Art und der örtlichen Unterschiede halten die Autoren es für plausibel, dass das heutige Muster durch regionale Gruppen mit unterschiedlich starker Inzucht und unterschiedlicher Anpassungsfähigkeit abgelöst wird.

Was die Studie nicht klären kann

Die Studie belegt den Verlust genetischer Vielfalt, aber nicht seine Ursache. Die Autoren nennen die Ausweitung der Landwirtschaft, den langfristigen Rückgang geeigneter, blütenreicher und strukturreicher Lebensräume, Pestizide und den Klimawandel als mögliche Faktoren, trennen sie aber nicht voneinander. Ebenso wenig lässt die zeitliche Auflösung eine Aussage darüber zu, ob sehr junge Schutzmaßnahmen wirken.

Die Gruppen sind klein. Die acht Tiere vor 1926, an denen die Inzuchtabschnitte gemessen wurden, stammen zu sechs aus England und Wales und zu zwei aus Schottland. Die Autoren fassten sie zusammen, weil ein Test keinen signifikanten Unterschied zeigte (P = 0,64). Bei zwei schottischen Tieren ist das eine schmale Grundlage. Ob der Verlust genetischer Vielfalt nur einzelne Arten betrifft oder Insekten allgemein, lassen die Autoren offen. Die Studie untersucht Großbritannien und Irland. Aussagen über die Mooshummel in Deutschland oder anderen Ländern lassen sich aus ihr nicht ableiten.

Folgerungen der Autoren

Die Autoren halten es für wichtig, die Verbindung zwischen Lebensräumen wiederherzustellen und Bestände in tragfähiger Größe zu erhalten. Die Umsiedlung von Tieren zwischen Beständen könnte die Vielfalt in isolierten Vorkommen theoretisch erhöhen. Sie verlangen dafür eine sorgfältige Prüfung der Eignung des Lebensraums und des Risikos, Krankheiten zu übertragen. Die Methode selbst sei auf andere Insektensammlungen übertragbar.

Quellen

  • Mullin V. E., Merchant H. N., Arce A. N., Nash W., Notton D. G., Whiffin A., Blagoderov V., Broad G. R., Hogan J., Hunter T., Jackson S., Judd S., Ollerton J., Brace S., Gill R. J. & Barnes I. (2026): Museum specimens reveal the genomic consequences of long-term population decline in an insect pollinator. Molecular Biology and Evolution 43 (9): msag223, doi 10.1093/molbev/msag223 (frei zugänglich, Lizenz CC BY 4.0, online erschienen am 17.09.2026)
  • Foto: hotpotofnoodles, Beobachtung vom 22.06.2026, Shetland Islands, UK. inaturalist.org/observations/382195513, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert. Das Bild zeigt die Mooshummel (Bombus muscorum) auf Shetland
  • Foto: kidneymoth, Beobachtung vom 28.05.2021, Isle of Benbecula HS7 5LX, UK. inaturalist.org/observations/80703825, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert. Das Bild zeigt die Mooshummel (Bombus muscorum) auf Benbecula, Äußere Hebriden

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Ein Jahr Zugriffszahlen auf pollenhoeschen.de

Die Hummelsaison ist vorbei, und bevor die nächste anfängt, wollte ich wissen, was hier im vergangenen Jahr eigentlich los war.

Wie viele Leute kommen hier eigentlich vorbei? Die Frage taucht regelmäßig auf, und ich habe sie bisher immer aus dem Bauch beantwortet. Dieser Beitrag holt das nach. Er wertet dreizehn Monate Serverstatistik aus, von August 2025 bis einschließlich August 2026, für pollenhoeschen.de und für die Schwesterseite hummelfoto.de.

Vorweg eine Warnung: Die naheliegende Zahl ist die falsche. Wer Zugriffsstatistiken für bare Münze nimmt, überschätzt sein Publikum um ein Mehrfaches. Warum das so ist, steht weiter unten, und es ist der interessanteste Teil der Auswertung.

Drei Zahlen, die gern verwechselt werden

Jede Statistik dieser Art nennt mehrere Größen, die sich um mehr als eine Zehnerpotenz unterscheiden. Ohne diese Unterscheidung ist jeder Vergleich wertlos.

  • Abrufe zählen jede einzelne Datei, die der Server herausgibt. Eine Artikelseite besteht aus dem Text, dem Seitengerüst, den Schriftarten und jedem Bild. Ein einziger Seitenaufruf kann so zwanzig Abrufe und mehr erzeugen.
  • Seitenaufrufe zählen nur die Seiten, nicht das Beiwerk. Allerdings gelten dem Zählprogramm auch technische Adressen als Seite, die kein Mensch je zu Gesicht bekommt.
  • Besuche fassen alles zusammen, was innerhalb einer halben Stunde von derselben Adresse kommt. Das liegt am nächsten an dem, was man umgangssprachlich einen Besucher nennt.

Ein Jahr in Zahlen

Für pollenhoeschen.de summieren sich die dreizehn Monate auf 41,9 Millionen Abrufe, 20,8 Millionen Seitenaufrufe und 4,0 Millionen Besuche. Der Server hat dabei 1.270 Gigabyte ausgeliefert.

info hummel1.270 Gigabyte sind rund 1,24 Terabyte. Wer das auf handelsübliche DVDs brennen wollte, bräuchte etwa 270 Stück.Ein Stapel aus DVDs in ihren Hüllen würde eine beachtliche Höhe von fast 4 Metern erreichen. Der größte Teil davon sind Hummelfotos, denn Bilder machen den Löwenanteil des Datenvolumens aus, nicht der Text.

Diese Zahlen schwanken über das Jahr erheblich, und zwar sehr regelmäßig.

Der Jahresverlauf folgt den Hummeln

Gestapeltes Balkendiagramm der Abrufe je Monat, getrennt nach erkannten Bots und uebrigen Abrufen

Die Kurve bildet das Hummeljahr ab. Ab Februar steigen die Zahlen steil an, im März und Mai liegen sie bei mehr als dem Doppelten des Winterniveaus, danach fallen sie über den Sommer wieder ab. Das passt genau zu dem, was die Leute suchen: Im Frühjahr entdecken sie die ersten Königinnen im Garten, sehen Hummelkästen im Baumarkt oder eine erschöpfte Hummel auf dem Gehweg.

Die Bestmarken im Einzelnen. Den stärksten Monat nach Seitenaufrufen stellte der März 2026 mit 2.567.845, den schwächsten der Januar 2026 mit 1.022.259. Zählt man stattdessen Besuche, liegt der Mai 2026 mit 428.248 vorn, das Schlusslicht bildet der August 2025 mit 174.819.

Dass die beiden Bestenlisten unterschiedliche Monate nennen, ist kein Widerspruch, sondern der erste Hinweis auf das eigentliche Thema. Seitenaufrufe und Besuche laufen auseinander, wenn einzelne Besucher sehr viele Seiten abrufen.

Der stärkste und der schwächste Tag

Der besucherstärkste einzelne Tag im ganzen Zeitraum war der 2. Mai 2026, ein Samstag, mit 24.424 Besuchen. Am anderen Ende steht der 25. August 2025, ein Montag, mit 3.393 Besuchen. Zwischen dem stärksten und dem schwächsten Tag liegt also mehr als der Faktor sieben.

Nach Seitenaufrufen sieht die Rangfolge anders aus. Hier führt der 9. März 2026 mit 237.175 Seiten an einem einzigen Tag, das Minimum fällt auf den 22. November 2025 mit 16.349.

Wer da tatsächlich zugreift

Jetzt zu der Einschränkung, die alle bisherigen Zahlen betrifft. Die Serverstatistik zählt jeden Zugriff, gleich ob dahinter ein Mensch sitzt oder ein Programm. Und der weitaus größere Teil sind Programme.

Von den 41,9 Millionen Abrufen entfallen 25,7 Millionen auf Bots, die sich eindeutig als solche zu erkennen geben, das sind 61,4 Prozent. Der mit Abstand größte Einzelposten ist GPTBot, der Datensammler von OpenAI: allein 17,7 Millionen Abrufe oder 42,3 Prozent des gesamten Aufkommens. Dahinter folgen mit großem Abstand AhrefsBot, ClaudeBot, Barkrowler, der Facebook-Sammler und Baiduspider.

Der Anteil hat sich im Lauf des Jahres verschoben. Im August 2025 gingen 28,7 Prozent aller Abrufe auf GPTBot zurück, bis Juni 2026 stieg der Wert auf 52,3 Prozent. Im August 2026 brach er dann auf 3,7 Prozent ein. Eine Sperre habe ich nicht eingerichtet, die Entscheidung lag also bei OpenAI, den Grund kenne ich nicht.

Ein Beweis aus dem Kalender

Man muss den Bot-Kennungen nicht einmal glauben. Die Wochentage verraten dasselbe.

Balkendiagramm der durchschnittlichen Besuche je Wochentag, alle sieben Tage nahezu gleich hoch

Über dreizehn Monate gemittelt liegt der schwächste Wochentag bei 9.930 Besuchen, der stärkste bei 10.374. Der Unterschied zwischen Montag und Samstag beträgt keine fünf Prozent.

Menschliches Leseverhalten sieht anders aus. Bei einem Freizeitthema wie Hummeln wäre am Wochenende und abends deutlich mehr los als am Dienstagvormittag, und ein Gartenthema müsste bei schönem Wetter einbrechen. Eine derart glatte Kurve entsteht nur, wenn Maschinen rund um die Uhr gleichmäßig durcharbeiten. Sie überdecken das menschliche Muster fast vollständig.

Was hinter der Sperre bleibt

Damit ist die ehrliche Antwort auf die Eingangsfrage: Ich weiß es nicht genau. Aus dieser Statistik lässt sich die Zahl der menschlichen Leser nicht sauber herausrechnen, und jede Schätzung wäre geraten. Sicher ist nur die Richtung. Die echte Leserzahl liegt erheblich unter den 4,0 Millionen Besuchen, und der Abstand ist im Frühjahr größer als im Winter, weil die Bots dann besonders aktiv waren.

Belastbar bleiben trotzdem zwei Aussagen. Erstens ist das saisonale Muster echt: Auch wenn man die erkennbaren Bots komplett abzieht, bleibt der März mit 2,4 Millionen verbleibenden Abrufen weit über dem November mit 531.000. Zweitens stimmen die Größenverhältnisse zwischen den Seiten, weil beide unter denselben Bedingungen gemessen werden.

Die kleine Schwester hummelfoto.de

Balkendiagramm der monatlichen Besuche auf hummelfoto.de

hummelfoto.de kommt in denselben dreizehn Monaten auf 1,67 Millionen Abrufe, 1,12 Millionen Seitenaufrufe und 418.354 Besuche bei 15,2 Gigabyte Datenvolumen. Gemessen an den Abrufen ist sie damit rund 25 mal kleiner als pollenhoeschen.de.

Ihr Jahresverlauf ist ein anderer. Wo die Hauptseite im Frühjahr explodiert, bleibt die Fotoseite das ganze Jahr über bemerkenswert gleichmäßig, und ihr bester Monat ist der Juli 2026 mit 47.857 Besuchen. Am schwächsten lief der November 2025 mit 21.729. Der stärkste Einzeltag war der 14. August 2026 mit 4.151 Besuchen, der schwächste der 23. November 2025 mit 406.

Auffällig ist noch etwas anderes: Der Bot-Anteil liegt hier bei 46,8 Prozent statt 61,4, und GPTBot machte nur 7,5 Prozent aus. Eine reine Bildersammlung ist für Textsammler offenbar weniger interessant.

Was ich daraus mitnehme

Die Seite wird gelesen, und zwar deutlich mehr im Frühjahr als im Winter. Das war zu erwarten und ist jetzt belegt. Überrascht hat mich das Ausmaß des maschinellen Anteils. Dass ein einzelner Datensammler zeitweise jeden zweiten Abruf verursacht, war mir vor dieser Auswertung nicht klar.

Für den Betrieb hat das eine sehr praktische Folge. Die Last, die den Server im Frühjahr an seine Grenzen bringt, stammt zu einem guten Teil nicht von Lesern, sondern von Programmen. Das ist eine andere Baustelle als mehr Speicher oder ein schnellerer Server, und ich werde mir das vor der nächsten Saison genauer ansehen.

Quellen

  • Aufrufstatistik pollenhoeschen.de und hummelfoto.de, erzeugt mit Webalizer Xtended (RB30) auf Grundlage der Apache-Logdateien des Webspace. Ausgewertet wurden die Monatsberichte August 2025 bis August 2026, abgerufen am 11. September 2026.
  • Die Zuordnung der automatischen Zugriffe beruht auf den Kennungen, die die Programme beim Abruf selbst übermitteln, etwa GPTBot mit dem Verweis auf openai.com/gptbot oder AhrefsBot mit dem Verweis auf ahrefs.com/robot. Programme, die sich als normaler Browser ausgeben, sind darin nicht enthalten, der tatsächliche Anteil liegt also höher als der genannte.

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Das Hornissennest

Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte in Mitteleuropa heimische Faltenwespe. Königinnen erreichen eine Körperlänge von bis zu 35 Millimetern, Arbeiterinnen messen zwischen 18 und 25 Millimetern, Drohnen liegen mit 21 bis 28 Millimetern dazwischen. Kopf, Brustabschnitt und Hinterleib zeigen neben Schwarz und Gelb einen ausgedehnten rotbraunen Anteil, der den kleineren heimischen Wespenarten fehlt und eine sichere Unterscheidung ermöglicht. Auch die Kopfform ist ein verlässliches Bestimmungsmerkmal: Von oben betrachtet ist der Bereich hinter den Facettenaugen deutlich verbreitert, wodurch die drei Punktaugen weiter vom Hinterrand des Kopfes entfernt liegen als bei anderen Faltenwespen.

HornisseDie Art kommt in nahezu ganz Europa und in weiten Teilen Asiens vor, im 19. Jahrhundert wurde sie zudem nach Nordamerika eingeschleppt, wo sie sich in den USA und in Kanada etabliert hat. In Deutschland galt die Hornisse jahrzehntelang als selten und stand auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Erst seit Ende der 1970er Jahre hat sich der Bestand wieder ausgeweitet, unter anderem, weil hochgiftige Insektizide wie DDT seltener eingesetzt werden.

Nestgründung durch die Königin

Eine begattete Jungkönigin überwintert einzeln, versteckt unter loser Baumrinde oder in morschem Holz. Mitte April oder Anfang Mai verlässt sie ihr Winterquartier und sucht einen dunklen, trockenen Hohlraum: eine Baumhöhle, einen Rollladenkasten, einen Vogelnistkasten oder einen offenen Dachboden. Ursprüngliche Nistplätze in alten Laubbäumen sind in weiten Teilen Mitteleuropas selten geworden, weshalb Hornissen zunehmend auf solche sekundären Nistmöglichkeiten im Siedlungsbereich ausweichen. Aus zernagten Holzfasern, die mit Speichel zu einer papierartigen Masse verarbeitet werden, fertigt die Königin die erste Wabe und legt die ersten Eier hinein. Die daraus schlüpfenden Larven versorgt sie zunächst allein mit erbeuteten Insekten. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, geben sie den weiteren Nestbau, die Nestverteidigung und die Nahrungsbeschaffung an diese ab, während die Königin sich von da an ausschließlich der Eiablage widmet.

Aufbau und Größe des Nests

Das fertige Nest besteht aus mehreren übereinanderliegenden Waben, umhüllt von einer mehrschichtigen Papierhülle mit brauner Marmorierung, die durch die unterschiedliche Holzherkunft im Baumaterial entsteht. Je nach Platzangebot im Hohlraum kann ein Nest bis zu 60 Zentimeter Länge und 50 Zentimeter Durchmesser erreichen. Reicht der vorhandene Raum nicht aus, gründen Hornissen mitunter in der Nähe eine zweite Kolonie, eine sogenannte Filiale. Nach dem Ende der Saison wird das Nest nicht erneut besiedelt. Im Folgejahr verwerten spezialisierte Käfer und andere Insekten das Material.

     

info hummelHornissen sind die einzige heimische Wespenart, die regelmäßig auch nachts fliegt. Wie Nachtfalter orientieren sie sich dabei am Mond und halten zu dessen Licht einen festen Winkel von rund 40 Grad ein, was ihnen einen geraden Kurs sichert. Eine künstliche Lichtquelle wie ein erleuchtetes Fenster bringt dieses Navigationssystem durcheinander, sodass die Tiere immer wieder auf die Lampe zusteuern, statt weiterzufliegen.

Nachtaktivität und Orientierung am Licht

Tagsüber sehen Hornissen gut und jagen aktiv, in der Dämmerung und bei Dunkelheit lässt ihre Sehleistung dagegen deutlich nach. Trotzdem verlassen sie ihr Nest auch nach Einbruch der Nacht, etwa um ein zuvor begonnenes Beutestück abzuschließen oder auf zusätzliche Nahrungssuche zu gehen. Fehlt der Mond als Fixpunkt oder taucht stattdessen eine künstliche Lichtquelle auf, richten sich die Tiere nach dieser aus und geraten so gelegentlich durch ein offenes Fenster in Wohnräume. Der NABU rät deshalb, Außenbeleuchtung an Haus und Terrasse während der Sommermonate auf ein Minimum zu beschränken und Zimmerlicht erst nach dem Schließen der Fenster einzuschalten. Hat sich bereits eine Hornisse verirrt, genügt es meist, das Licht zu löschen und das Fenster weit zu öffnen, damit sie von selbst wieder hinausfindet.

Volksstärke und Nahrung im Sommer

Im Hochsommer kann ein gut entwickeltes Hornissenvolk 400 bis 700, in günstigen Jahren bis zu 1000 Tiere umfassen. Die Larven werden ausschließlich mit tierischem Eiweiß versorgt, ein starkes Volk kann dafür an einem einzigen Tag bis zu einem halben Kilogramm Insekten erbeuten. Erwachsene Hornissen selbst ernähren sich dagegen überwiegend von Kohlenhydraten: Baumsäften, Nektar, Fallobst und Honigtau. Diese Säfte beschaffen sie sich häufig, indem sie mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen junge Äste beringen, also die Rinde ankratzen, sodass Saft austritt.

Jagdverhalten und ökologische Bedeutung

HornisseAls Beute dienen Hornissen nahezu alle Insekten, die sie überwältigen können: Fliegen, Bienen, andere Wespenarten, Heuschrecken, Käfer, Raupen und Libellen, gelegentlich auch Spinnen. Andere Wespen stehen dabei besonders häufig auf dem Speiseplan. Weil ein Hornissenvolk auf diese Weise die Bestände der lästigeren, süßspeisenaffinen Wespenarten wie der Deutschen und der Gemeinen Wespe spürbar dezimiert, wird ein Vorkommen im eigenen Garten von Gärtnern und Landwirten häufig als Vorteil wahrgenommen. Anders als diese beiden Wespenarten interessieren sich Hornissen kaum für Kuchen, Fallobst am Grillbuffet oder süße Getränke, was Begegnungen bei sommerlichen Mahlzeiten im Freien deutlich seltener macht.

Giftwirkung und der Volksglaube vom tödlichen Stich

Kaum ein Insekt in Mitteleuropa hat einen derart schlechten Ruf wie die Hornisse, dabei hält sich die Vorstellung, drei Stiche würden einen erwachsenen Menschen töten und sieben ein Pferd, seit Generationen hartnäckig. Untersuchungen zur Giftzusammensetzung widerlegen diesen Volksglauben eindeutig: Das Gift der Hornisse ist nicht stärker als das von Wespen oder Bienen, teilweise sogar schwächer. Lebensgefährlich wird eine Vergiftung für einen gesunden Erwachsenen erst bei mehreren Hundert Stichen gleichzeitig, eine Zahl, die in der Praxis so gut wie nie erreicht wird, da bereits ein einziges Nest selten mehr als wenige hundert Tiere umfasst und Hornissen nur bei unmittelbarer Bedrohung ihres Nests angreifen. Schmerzhafter als ein Wespen oder Bienenstich wird ein Hornissenstich vor allem wegen des längeren, dickeren Stachels und eines im Gift enthaltenen hohen Anteils an Acetylcholin empfunden, einem Neurotransmitter, der bei den anderen beiden Insekten in dieser Konzentration nicht vorkommt.

Eine echte Gefahr besteht für Allergiker, bei denen bereits ein einzelner Stich eine schwere allergische Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen kann. Betroffen sind schätzungsweise zwei bis vier Prozent der Bevölkerung. Ebenfalls kritisch sind Stiche im Mund oder Rachenraum, da die entstehende Schwellung die Atemwege verlegen kann. Weil Hornissen aber, anders als Wespen, kaum an Speisen und Getränken interessiert sind, kommt ein versehentliches Verschlucken deutlich seltener vor als bei anderen Wespenarten.

Gesetzlicher Schutz

Seit 1987 zählt die Hornisse zu den nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützten Tierarten. Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Hornissen nachzustellen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten, ebenso dürfen ihre Nist, Brut, Wohn oder Zufluchtsstätten nicht beschädigt oder zerstört werden. Wer ein Hornissennest entfernen oder umsiedeln lassen möchte, benötigt daher eine Ausnahmegenehmigung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde. Eine solche Genehmigung wird nur bei einer konkreten Gefährdung erteilt, etwa wenn sich das Nest in unmittelbarer Nähe eines Kinderspielplatzes befindet oder ein Allergiker im betroffenen Haushalt lebt. In den meisten übrigen Fällen empfehlen Naturschutzbehörden, das Nest bis zum natürlichen Ende der Kolonie im Herbst einfach zu belassen. Verstöße gegen die Schutzvorschriften gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit Bußgeldern geahndet werden.

Ende der Kolonie im Herbst

Ende September oder Anfang Oktober paaren sich an milden Tagen die im Spätsommer geschlüpften Jungköniginnen und Drohnen. Die Drohnen sterben bald nach der Paarung. Auch die Arbeiterinnen und die alte Königin überleben die kalte Jahreszeit nicht, spätestens der erste Nachtfrost beendet das Volk. Nur die zuvor begatteten Jungköniginnen überstehen den Winter, jede für sich allein in einem geschützten Versteck, um im folgenden Frühjahr an anderer Stelle ein neues Nest zu gründen. Das alte Nest wird nie ein zweites Mal besiedelt.

 

Quellen

  • Institut für Schädlingskunde: “Hornisse – Vespa crabro”, https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/wespen/hornisse-vespa-crabro/hornisse-vespa-crabro/
  • Planet Schule: “Biologie: Im Nest der Königin – wie leben Hornissen?”, https://www.planet-schule.de/schwerpunkt/frage-trifft-antwort/wie-leben-hornissen-film-100.html
  • Umsiedlungen.ch: “Hornissen (Vespa crabro)”, https://www.umsiedlungen.ch/wespenarten/hornissen-vespa-crabro/
  • Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland: “Umgang mit Hornissen”, https://www.saarland.de/mukmav/DE/portale/naturschutz/informationen/artenschutz/umgang-mit-hornissen
  • NABU Bundesverband: “Keine Panik: NABU-Tipps zum Umgang mit Wespen und Hornissen”, https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/wespen-und-hornissen/02624.html
  • NABU Niedersachsen: “Richtiger Umgang mit einem Wespen- oder Hornissennest”, https://niedersachsen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/hautfluegler/wespen/14039.html
  • BUND: “Unser Tipp im Mai: Die Hornisse”, https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/unser-tipp-im-mai-die-hornisse/
  • Weltderwunder.de: “Wie gefährlich ist ein Hornissenstich?”, https://www.weltderwunder.de/wie-gefahrlich-ist-ein-hornissenstich/
  • Ingo Heinemann: “Ist ein Hornissenstich gefährlich? Die Wahrheit über die vermeintlichen Killer”, https://www.ingo-heinemann.de/ist-ein-hornissenstich-gefaehrlich-die-wahrheit-ueber-die-vermeintlichen-killer/
  • Gartenjournal.net: “Sind Hornissen nachtaktiv? Wissenswertes zu Ruhe und Schlaf”, https://www.gartenjournal.net/hornissen-nachtaktiv
  • Foto: Rasto (rasto2), Beobachtung vom 27.02.2026, Bratislava V, Bratislava, SK. inaturalist.org/observations/370324089, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: mi777, Beobachtung vom 09.06.2026, Nordrhein-Westfalen, DE. inaturalist.org/observations/370196969, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: ufuk karaca (karacam), Beobachtung vom 30.05.2010, Kırklareli Merkez/Kırklareli, Türkiye. inaturalist.org/observations/391077240, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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Wo Hummeln nisten, entscheidet über ihre Hitzeanfälligkeit

Dass Erwärmung Hummeln zusetzt, gilt als ausgemacht. Die Tiere stammen aus kühlen Regionen, tragen ein dichtes Haarkleid und geraten in der Hitze schnell an Grenzen. Eine Untersuchung im Journal of Animal Ecology kommt bei genauerer Betrachtung zu einem differenzierteren Bild: Für das Sammeln bringt Wärme den Kolonien sogar Vorteile. Das Problem sitzt an einer anderen Stelle, nämlich im Nest, und es trifft nicht alle Arten gleich.

Vier Datensätze für eine Frage

Francis Mullan und sein Team haben das Problem von mehreren Seiten angegangen. Zunächst maßen sie über längere Zeit die Temperaturen in nachgebauten Nestern, unterirdisch und oberirdisch, zunächst ohne Bienen darin. So ließ sich feststellen, welche Bedingungen ein Volk am jeweiligen Standort überhaupt vorfindet.

Im Labor folgten kontrollierte Versuche mit Mikrokolonien der nordamerikanischen Art Bombus impatiens. Dort wurde gemessen, ab welcher Temperatur die Arbeiterinnen mit den Flügeln fächeln, um Luft durch das Nest zu bewegen, und wie viel Zeit sie umgekehrt für das Wärmen der Brut aufwenden. Im Feld erfassten die Forscher an sechs Standorten zwischen Georgia und Michigan, wie sich die Besuchszahlen an Gurkenblüten mit der Umgebungstemperatur ändern. Am Ende führte ein Modell alle vier Datensätze zusammen und rechnete sie auf die Klimaprojektionen für die Mitte und das Ende des Jahrhunderts hoch.

Mehr Flugstunden, weniger Heizarbeit

Das erste Ergebnis widerspricht der Erwartung der Autoren. Unter wärmeren Bedingungen weitet sich das Zeitfenster, in dem die Temperaturen fürs Sammeln günstig liegen. In kühlen Regionen und in den Randzeiten des Tages fällt damit weniger Sammelzeit aus.

Dazu kommt eine Entlastung im Nest. Hummeln halten ihre Brut bei etwa dreißig Grad, und diese Wärme muss jemand erzeugen. Arbeiterinnen legen sich dafür auf die Brutklumpen und geben Wärme aus der Flugmuskulatur ab, was Zucker kostet und Arbeitskraft bindet. Steigt die Außentemperatur, sinkt dieser Aufwand. Rechnerisch werden dadurch Arbeiterinnen frei, die stattdessen sammeln können.

info hummelHummeln haben für die Kühlung ihres Nests nur ein einziges Werkzeug: Sie stellen sich an den Eingang und bewegen Luft mit den Flügeln. Anja Weidenmüller hat gezeigt, dass die Arbeiterinnen einer Kolonie dabei sehr unterschiedliche Schwellen haben. Manche beginnen früh zu fächeln, andere erst spät, und wer bereits fächelt, senkt die Schwelle der übrigen. Honigbienen können zusätzlich Wassertröpfchen im Stock verteilen und Verdunstungskälte nutzen. Diese Möglichkeit fehlt den Hummeln.

Der Nistplatz macht den Unterschied

Bei den Nesttemperaturen trennen sich die beiden Bauweisen deutlich. Erdreich puffert. Ein Nest in einem verlassenen Mäusebau liegt in einer Umgebung, deren Temperatur langsam und gedämpft der Luft folgt, und selbst an heißen Nachmittagen bleiben die Werte in einem Bereich, den die Kolonie bewältigt. In den Modellrechnungen zeigten unterirdische Nester deshalb keine nennenswerten Nachteile durch die Erwärmung.

Oberirdische Nester haben diesen Puffer nicht. Sie folgen der Außentemperatur unmittelbar und heizen sich in der Sonne zusätzlich auf. Am wärmsten der untersuchten Standorte in Georgia liegen solche Nester derzeit etwa neun Stunden im Jahr über der Schwelle, ab der die Arbeiterinnen fächeln müssen. Unter den Klimaprojektionen der Studie steigt dieser Wert auf annähernd zweihundert Stunden pro Jahr.

Jede dieser Stunden ist doppelt teuer. Die fächelnden Arbeiterinnen sammeln nicht, versorgen die Brut nicht und verbrauchen dabei selbst Energie. Bei anhaltender Hitze kann eine Kolonie in eine Lage geraten, in der ein wachsender Teil der Belegschaft nur noch damit beschäftigt ist, das Nest bewohnbar zu halten. Und selbst dann gibt es eine Obergrenze dessen, was sich durch Luftbewegung erreichen lässt. Wird die überschritten, hilft kein zusätzlicher Aufwand mehr.

Was das für heimische Arten und für Gewächshäuser bedeutet

Die Studie hat mit einer nordamerikanischen Art gearbeitet, das Prinzip hängt aber nicht an der Art, sondern an der Bauweise des Nests. In Mitteleuropa nistet ein Teil der Hummeln unterirdisch, etwa die Erdhummel in verlassenen Nagerbauten. Andere Arten legen ihre Nester an oder über der Bodenoberfläche an. Die Ackerhummel baut bevorzugt in Moospolstern und Grashorsten, die Baumhummel in Baumhöhlen und regelmäßig auch in Vogelnistkästen. Nach der Logik dieser Untersuchung stünden gerade solche Arten bei zunehmender Sommerhitze unter höherem Druck. Belegt ist das für Mitteleuropa bisher nicht, es wäre eine Frage für die hiesige Forschung.

Direkt betroffen ist die kommerzielle Nutzung. Hummelvölker für den Gewächshausanbau stecken in Kartons oder Kunststoffboxen, also in oberirdischen Behausungen ohne jede Dämmung durch Erdreich. Was die Studie über oberirdische Nester sagt, gilt für diese Kisten unmittelbar. Beschattung, Dämmung und die Wahl des Aufstellorts sind damit keine Nebensächlichkeiten, sondern Teil der Betriebssicherheit.

Für den Naturschutz folgt daraus ein Hinweis, der über Blühstreifen hinausgeht. Wer Hummeln fördern will, muss auch an das Nest denken. Strukturreiche, beschattete Flächen, ungestörte Böschungen und alte Nagerbaue sind Lebensraum, dessen Wert mit jedem heißen Sommer steigt.

Quellen

  • Mullan, F. R.; Green, N. S.; Youngsteadt, E.; McCluney, K. E.; Penick, C. A. (2026): Nesting biology shapes climate vulnerability of social bees (Bombus spp.). Journal of Animal Ecology. DOI: 10.1111/1365-2656.70267, besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2656.70267
  • North Carolina State University (2026): How Higher Temperatures Can Benefit (or Devastate) Bumble Bee Populations. Pressemitteilung vom Mai 2026, news.ncsu.edu/2026/05/higher-temperatures-bumble-bees
  • Weidenmüller, A. (2004): The control of nest climate in bumblebee (Bombus terrestris) colonies: interindividual variability and self reinforcement in fanning response. Behavioral Ecology 15(1), Seiten 120 bis 128
  • Heinrich, B. (2004): Bumblebee Economics. Revised Edition, Harvard University Press, Cambridge
  • Westrich, P. (2018): Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart. Angaben zu Nistweisen von Bombus pascuorum und Bombus hypnorum
  • Amiet, F. (1996): Hymenoptera Apidae, 1. Teil: Allgemeiner Teil, Gattungsschlüssel, Gattungen Apis, Bombus und Psithyrus. Insecta Helvetica Fauna 12, Schweizerische Entomologische Gesellschaft

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Begehbare und blühende Alternativen zum herkömmlichen Rasen

Eine Rasenfläche ist botanisch gesehen eine reine Grasmonokultur, die regelmäßig gemäht, gedüngt und in trockenen Sommern zusätzlich bewässert werden muss, um dauerhaft grün zu bleiben. Wer stattdessen etwas Blühendes im Garten haben möchte, denkt meist zuerst an eine Wiese oder ein Beet, also an Flächen, die man eigentlich nicht betreten soll. Dass auch blühende Pflanzen begehbar sein können, ist deutlich weniger bekannt, als es sein müsste.

Standort und Bodenvorbereitung

PoleiminzeBevor überhaupt eine Pflanze in die Erde kommt, entscheidet der Standort darüber, ob eine Umstellung gelingt. Die meisten geeigneten Pflanzen stammen aus mageren, offenen Lebensräumen und vertragen keine Staunässe. Ein durchlässiger, nicht zu nährstoffreicher Boden ist deshalb wichtiger als eine besonders sonnige Lage, auch wenn viele Arten volle Sonne bevorzugen. Schwerer, lehmiger Boden lässt sich mit Sand oder feinem Kies auflockern, bevor die Fläche neu bepflanzt wird.

Der alte Rasen und mit ihm alle Wurzelunkräuter müssen vor der Neupflanzung gründlich entfernt werden, am besten samt Wurzelfilz und nicht nur oberflächlich abgemäht. Wer die Grasnarbe stehen lässt oder nur oberflächlich bearbeitet, hat die neuen Pflanzen bald wieder im Wettbewerb mit dem alten Gras. Für die eigentliche Anlage lockert man den Boden auf etwa zwanzig bis dreißig Zentimeter Tiefe, befreit ihn von Steinen und Wurzelresten und ebnet ihn ein.

Der wichtigste Punkt betrifft die Geduld. Anders als eine fertige Rollrasenfläche braucht ein blühender Bodendecker Zeit, um sich zu schließen. Bei einem Kamillenrasen etwa sollte die Fläche in den ersten zehn bis zwölf Wochen nach der Pflanzung möglichst gar nicht betreten werden, damit sich die Pflanzen richtig verwurzeln können. Erst wenn die Fläche geschlossen ist, verträgt sie regelmäßigen Tritt.

Blühende Alternativen im Überblick

Die folgenden Pflanzen eignen sich grundsätzlich als begehbarer Rasenersatz.

  • Römische Kamille (Chamaemelum nobile): Bildet einen dichten, aromatisch duftenden Teppich und verträgt Sonne bis Halbschatten. Für stark genutzte Flächen wird meist die nicht blühende Sorte Treneague verwendet, die dafür besonders dicht wächst. Wer Blüten möchte, greift zur wildtypischen Art und muss dann mit etwas geringerer Trittfestigkeit rechnen.
  • Teppich-Poleiminze (Mentha pulegium, etwa die Sorte Cunningham Mint): Wächst kriechend und relativ weich, verströmt beim Betreten einen kräftigen Minzduft und blüht von Sommer bis Herbst in Rosa bis Violett. Bevorzugt eher feuchten Boden im Halbschatten und ist bedingt trittfest.
  • Sand-Thymian (Thymus serpyllum) und verwandte Thymianarten: Niedrige, sehr trittfeste Halbsträucher für vollsonnige, eher trockene und magere Standorte. Blüht von Frühsommer bis Spätsommer in Rosa bis Purpur, zahlreiche Wildbienenarten fliegen die Blüten an.
  • Gänseblümchen (Bellis perennis): Die aus vielen Rasenflächen bekannte Rosettenpflanze übersteht das Mähen unbeschadet, weil ihre Blätter unterhalb der Schnitthöhe liegen. Sie blüht fast ganzjährig weiß, verträgt Sonne wie Halbschatten und ist gut trittfest.
  • Weißklee (Trifolium repens) und Kleine Braunelle (Prunella vulgaris): Beide Arten lassen sich einer bestehenden Rasenmischung beimischen oder gezielt fördern, statt sie herauszujäten. Klee bindet Luftstickstoff und kommt deshalb mit wenig Dünger aus. Beide Arten blühen weiß bis rosa und gelten als ergiebige Nahrungsquelle für Bienen.
  • Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis): Diese Art wird kaum gezielt gepflanzt, sondern breitet sich meist von selbst über abgerissene, wurzelnde Sprossteile im Rasen aus. Regelmäßiges Mähen begünstigt diese Ausbreitung zusätzlich. In vielen Gärten gilt sie deshalb eher als unerwünschtes Wildkraut, das bekämpft wird. Wer eine bestehende Ehrenpreisdecke stattdessen stehen lässt, bekommt im zeitigen Frühjahr eine hellblau blühende, sehr trittfeste Fläche ganz ohne eigenes Zutun.
info hummelDer Name Kamille geht auf das griechische Wort chamaimelon zurück, zusammengesetzt aus chamai für am Boden und melon für Apfel. Gemeint war der apfelartige Duft, den zertretene Kamillenblätter freisetzen. Der Name beschreibt also unmittelbar das, was beim Betreten passiert.

Vor- und Nachteile gegenüber dem klassischen Rasen

Ein klassischer Zierrasen aus wenigen Grasarten lässt sich leicht nachsäen, verträgt intensive Nutzung durch Ballspiele oder Gartenmöbel und wächst überall dort, wo genug Licht und Wasser vorhanden sind. Kamille, Poleiminze oder Thymian vertragen gelegentliches Betreten gut. Für stark frequentierte Flächen wie einen Kinderspielbereich oder eine Terrassenzufahrt sind sie dagegen ungeeignet.

Dafür sind die Ansprüche in anderen Bereichen oft geringer. Ein etablierter Thymian oder ähnlicher genügsamer Bodendecker kommt ohne Düngung aus und braucht deutlich weniger Wasser als klassischer Rasen.

PoleiminzeDer deutlichste Unterschied liegt beim Nutzen für Insekten. Ein regelmäßig kurz gehaltener Rasen bietet praktisch keine Nahrung. Blühende Alternativen dagegen schon, oft über einen langen Zeitraum im Jahr verteilt. Dem stehen einige praktische Nachteile gegenüber: Die Anlage dauert länger als eine einfache Rasenneuansaat, in der Etablierungsphase muss regelmäßig von Hand gejätet werden, und die fertige Fläche wirkt selten so gleichmäßig wie ein gepflegter Rasen. Manche Arten, etwa die Poleiminze, sind zudem nicht in jeder Region zuverlässig winterhart.

Pflege im laufenden Betrieb

Nach der Etablierungsphase ist der Pflegeaufwand allgemein geringer als bei klassischem Rasen, allerdings anders verteilt. Statt wöchentlichem Mähen reicht bei Kamille, Poleiminze oder Thymian vorwiegend ein gelegentlicher Rückschnitt mit der Heckenschere oder dem Rasenmäher auf hoher Schnitthöhe. Oft genügt das ein bis zweimal im Jahr. Wer Klee oder Braunelle in eine bestehende Rasenfläche integriert, mäht weiterhin regelmäßig, sollte die Schnitthöhe aber anheben, damit die Blüten überhaupt zur Entfaltung kommen, bevor sie wieder abgemäht werden.

Gegossen werden muss vor allem in der Anwuchsphase, danach kommen die meisten Arten mit den natürlichen Niederschlägen aus, sofern der Standort passt. Unkraut muss vor allem im ersten und zweiten Standjahr entfernt werden, bis die gewünschten Pflanzen die Fläche vollständig geschlossen haben. Danach unterdrücken sie unerwünschten Aufwuchs weitgehend selbst. Auf Dünger und chemische Unkrautvernichtung sollte grundsätzlich verzichtet werden. Beides schadet den blühenden Arten ebenso wie den Insekten, die sie eigentlich anlocken sollen.

Wann sich ein Wechsel lohnt

Ein sofortiger, kompletter Austausch der gesamten Rasenfläche ist selten sinnvoll und vornehmlich auch gar nicht nötig. Wer Kinder hat, die auf der Fläche Fußball spielen, oder Gartenmöbel regelmäßig verrückt, kommt um einen strapazierfähigen Rasenanteil kaum herum. Realistischer ist ein schrittweiser Wechsel: ein Wegesrand mit Thymian, ein sonniger Randbereich mit Kamille, ein bestehender Rasen, in dem Klee und Gänseblümchen einfach nicht mehr bekämpft, sondern toleriert werden. So lässt sich in Ruhe beobachten, wie gut eine Fläche mit der neuen Bepflanzung zurechtkommt, bevor eine größere Umstellung ansteht.

Quellen

  • Royal Horticultural Society: Chamomile Lawns and Alternatives. rhs.org.uk/lawns/chamomile-lawns-and-alternatives
  • Royal Horticultural Society: Mentha pulegium ‘Cunningham Mint’. rhs.org.uk/plants/331643/mentha-pulegium-cunningham-mint/details
  • BBC Gardeners’ World Magazine: Mentha pulegium. gardenersworld.com/plants/mentha-pulegium/
  • Gartendialog.de: 13 begehbare Bodendecker, immergrün und trittfest als Rasenersatz. gartendialog.de/begehbare-bodendecker/
  • Gartenjournal.net: Trittfester Thymian, Arten und Verwendung im Garten. gartenjournal.net/thymian-trittfest
  • Naturadb.de: Gänseblümchen, Bellis perennis. naturadb.de/pflanzen/bellis-perennis/
  • Garten-Wissen.com: Gänseblümchen, Bellis perennis. garten-wissen.com/pflanzen/bellis-perennis-gaensebluemchen/
  • Gartendatenbank.de: Veronica filiformis, Fadenehrenpreis identifizieren. gartendatenbank.de/wiki/veronica-filiformis
  • University of Minnesota Extension: Planting and Maintaining a Bee Lawn. extension.umn.edu/landscape-design/planting-and-maintaining-bee-lawn
  • Popular Science: Should You Plant a Clover Lawn? The Pros and Cons. popsci.com/diy/clover-lawns-pros-cons/
  • Deutsche Rasengesellschaft e.V.: Wieviel Wasser benötigt ein Rasen für das Wachstum? rasengesellschaft.de/rasenthema-detailansicht/august-2023-2.html
  • Abendzeitung München: Rasenpflege wird teurer, was ein Garten wirklich kostet, und welche Alternativen es gibt. abendzeitung-muenchen.de/panorama/ratgeber/garten/rasenpflege-wird-teurer-was-ein-garten-wirklich-kostet-und-welche-alternativen-es-gibt-art-1108918

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Britischer Abgeordneter sichtet nach zehn Jahren die seltene Feldhummel

Der Cambridge-Abgeordnete Daniel Zeichner engagiert sich seit mehr als zehn Jahren als parlamentarischer Pate für die Feldhummel (Bombus ruderatus). Anfang August 2026 sah er die seltene Art bei einem Besuch der Hope Farm im englischen Knapwell erstmals in freier Wildbahn. Organisiert hatte den Termin der Bumblebee Conservation Trust im Rahmen seines wiederbelebten Species-Champion-Programms, das Abgeordnete mit bedrohten heimischen Arten verbindet.

Ein Programm für gefährdete Arten

Im Rahmen des Species-Champion-Programms übernehmen britische Parlamentsmitglieder die Patenschaft für eine bedrohte Art. Ziel ist es, politische Entscheidungsträger enger mit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu verbinden und für den Zustand der Natur zu sensibilisieren. Zeichner hatte sich die Feldhummel bereits vor über zehn Jahren als Patenart ausgesucht, ohne sie je zu Gesicht bekommen zu haben. Unter Naturschützern war die erfolglose Suche längst zu einem stehenden Scherz geworden.

info hummelDie Feldhummel ist die größte Hummelart Großbritanniens. Eine Eigenheit ist unter den dortigen Hummelarten einzigartig: Im Anflug auf eine Blüte streckt sie ihren langen Rüssel bereits vorab aus, statt ihn erst beim Landen einzusetzen.

Lebensraum auf der Hope Farm

Die Hope Farm bei Knapwell wird vom britischen Vogelschutzverband RSPB als landwirtschaftlicher Betrieb mit naturverträglicher Bewirtschaftung geführt. Blütenreiche Säume, Nistmöglichkeiten und ein zusammenhängendes Netz an Lebensräumen haben den Betrieb zu einem wichtigen Rückzugsort für die Feldhummel gemacht. Insgesamt sind auf der Fläche sieben Hummelarten nachgewiesen, darunter die landesweit seltene Feldhummel, die in Großbritannien als Art von besonderer Bedeutung im nationalen Biodiversitätsplan geführt wird.

Eine Art im Rückgang

Die Feldhummel war einst in weiten Teilen Englands und Wales verbreitet, ist inzwischen aber stark zurückgegangen und gilt in Großbritannien als landesweit selten. Verbliebene Vorkommen konzentrieren sich auf Kalkmagerrasen, Küstengrünland und blütenreiches Ackerland im Süden des Landes. Die Art ähnelt der nah verwandten Gartenhummel (Bombus hortorum) so stark, dass beide über Jahrzehnte hinweg in Kartierungen verwechselt wurden; eine sichere Unterscheidung gelingt oft erst durch genaue Vermessung von Kopf und Rüssellänge. Neben der gelb-schwarzen Zeichnung mit weißer Hinterleibsspitze kommt bei der Feldhummel auch eine vollständig schwarze Farbvariante vor.

Reaktionen zum Fund

Zeichner beschrieb den Moment als Erleichterung nach jahrelangem Warten und nutzte den Anlass, um auf die Bedeutung von Bestäubern für Landwirtschaft und Ökosysteme hinzuweisen, die weiterhin unter Lebensraumverlust und Umweltveränderungen litten. In seiner Zeit als Regierungsmitglied im Umweltressort hatte er zuvor an der Entscheidung mitgewirkt, den Notfalleinsatz bienenschädlicher Neonicotinoid-Pestizide in England zu beenden. Bei dem Besuch traf er außerdem Andrew Impey, den neuen Geschäftsführer des Bumblebee Conservation Trust. Dieser betonte, Species Champions bauten eine wichtige Brücke zwischen politischen Entscheidungsträgern und der Natur, für die sie Verantwortung trügen, und der Nachweis der Feldhummel auf der Hope Farm zeige, dass gezielte Pflegemaßnahmen auch bei seltenen Arten Wirkung zeigten.

Quellen

  • Bumblebee Conservation Trust: MP’s decade-long search for rare Ruderal bumblebee finally ends, 5. August 2026, www.bumblebeeconservation.org/news/mps-decade-long-search-for-rare-ruderal-bumblebee-finally-ends/
  • Cambridge Independent: Daniel Zeichner MP finally meets the rare Ruderal bumblee he’s been championing for 10 years, August 2026, www.cambridgeindependent.co.uk/news/daniel-zeichner-mp-finally-meets-the-rare-ruderal-bumblee-he-9476717/
  • RSPB: Hope Farm, Artenmonitoring und Lebensraummanagement, www.rspb.org.uk/helping-nature/what-we-do/influence-government-and-business/farming/hope-farm
  • Bumblebee Conservation Trust: Artensteckbrief Ruderal bumblebee, Species Guide, www.bumblebeeconservation.org/learn-about-bumblebees/species-guide/ruderal-bumblebee/
  • HoneyBee & Co.: Large Garden Bumblebee (Bombus Ruderatus): Britain’s Largest And Rarest, honeybeeandco.uk/large-garden-bumblebee/

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Wie Hummeln elektrische Felder spüren und lesen

Farbe, Form und Duft locken Bestäuber zu einer Blüte, das ist seit Langem bekannt. Ein Forscherteam um den Biologen Daniel Robert von der University of Bristol beschrieb 2013 im Fachmagazin Science einen weiteren Kanal: elektrische Felder. Erdhummeln (Bombus terrestris) nehmen diese Felder wahr und richten ihr Verhalten danach aus.

Negative Blüte, positive Hummel

Blütenpflanzen stehen über die Wurzel in Kontakt mit dem Erdboden und tragen dadurch eine schwache negative Ladung. Fliegende Hummeln laden sich unterdessen durch Reibung mit Luftpartikeln positiv auf, ein Effekt, den man von der Triboelektrizität kennt: Ähnlich lädt sich ein Wollpullover im Wäschetrockner auf. Zwischen den entgegengesetzt geladenen Körpern entsteht ein elektrisches Feld, das schon vor der Landung aus einigen Zentimetern Entfernung messbar ist.

Landet die Hummel auf der Blüte, findet ein kleiner Ladungsausgleich statt. Das Feld der Pflanze bricht dadurch für eine Weile zusammen und baut sich erst über die Erdverbindung allmählich wieder auf.

Der Nachweis im Experiment

Um zu klären, ob Hummeln diesen Unterschied überhaupt registrieren, stellte das Team künstliche Blüten auf. Eine Gruppe stand unter leichter elektrischer Spannung und bot Zuckerwasser, eine zweite Gruppe war spannungsfrei und enthielt bitteres Chininwasser. Nach wenigen Anflügen steuerten die Hummeln überwiegend die geladenen, zuckerhaltigen Blüten an.

Schalteten die Forscher die Spannung ab, verschwand dieser Unterschied. Die Tiere flogen süße und bittere Blüten dann nur noch zufällig verteilt an. Ohne das elektrische Signal blieb ihnen offenbar nur die Erinnerung an Form und Farbe, die für eine zuverlässige Unterscheidung allein nicht ausreichte.

info hummelElektrorezeption war vor der Bristol-Studie nur aus dem Wasser bekannt, etwa bei Haien und Rochen, die die elektrische Leitfähigkeit von Salzwasser nutzen. Bei Hummeln wiesen Forscher diese Fähigkeit erstmals auch in einem nicht leitenden Medium wie Luft nach.

Das Feld als Anzeige für den Nektarstatus

Der Ladungsausgleich beim Landen verändert nicht nur die Gesamtladung der Blüte, sondern auch die räumliche Verteilung des Feldes über ihrer Oberfläche. Da sich die Pflanze erst über einige Minuten wieder aufladen kann, bleibt diese Veränderung eine Zeit lang bestehen. Eine nachfolgende Hummel kann das veränderte Feld bereits im Anflug registrieren, bevor sie Zeit und Energie in eine Landung investiert, die bei einer bereits geleerten Blüte verschwendet wäre.

Härchen als Sinnesorgan, nicht die Fühler

Wie Hummeln das elektrische Feld überhaupt registrieren, blieb nach der ersten Studie zunächst offen. Gregory Sutton und Kollegen aus Bristol untersuchten die Frage 2016 in einer Arbeit für die Fachzeitschrift PNAS genauer. Mit einem berührungslosen Laserverfahren maßen sie, wie sich Fühler und Körperhärchen von Hummeln in einem schwachen elektrischen Feld bewegen.

Beide Strukturen reagierten auf das Feld, die feinen Härchen jedoch deutlich stärker und schneller als die Fühler. Elektrophysiologische Messungen zeigten außerdem: Nur die Härchen lösten dabei Nervensignale aus, die Fühler blieben stumm. Schon Spannungen ab etwa 25 Millivolt reichten aus, um die Härchen in Bewegung zu versetzen, ein Wert im Bereich der Feldstärken, die tatsächlich um eine Blüte herum auftreten.

Bedeutung für die Insektenforschung

Die Ergebnisse legen nahe, dass Elektrorezeption über die feine Körperbehaarung kein Einzelfall bei Bombus terrestris ist, sondern bei weiteren Insektenarten mit ähnlichem Haarkleid vorkommen könnte. Die Autoren verweisen unter anderem auf mögliche elektrostatische Effekte beim Schwänzeltanz der Honigbiene, deren Rolle bislang kaum untersucht ist. Damit rückt neben Sehsinn und Geruchssinn ein dritter, für Menschen unzugänglicher Wahrnehmungskanal in den Fokus der Bestäuberforschung.

Quellen

  • Clarke, D., Whitney, H., Sutton, G., Robert, D. (2013): Detection and learning of floral electric fields by bumblebees. In: Science, Vol. 340, Issue 6128, S. 66–69.
  • Sutton, G. P., Clarke, D., Morley, E. L., Robert, D. (2016): Mechanosensory hairs in bumblebees (Bombus terrestris) detect weak electric fields. In: PNAS, Vol. 113, No. 26, S. 7261–7265.
  • University of Bristol (2013): Bumblebees can detect electric fields of flowers. Pressemitteilung der University of Bristol. (Abrufbar unter bristol.ac.uk/news).
  • Spektrum der Wissenschaft (2020): Wie Hummeln elektrische Felder von Blüten spüren. (Abrufbar unter spektrum.de).
  • scinexx.de (2018): Tanzende Haare als Elektrosensoren – Forscher enträtseln den Elektrosinn der Hummeln. (Abrufbar unter scinexx.de).

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Gezielte Anwendung von Insektengiften in der Medizin

Bienengift besteht aus mehr als 50 verschiedenen Substanzen: Peptiden, Enzymen und kleinen Botenstoffen, die im Zusammenspiel Fressfeinde abwehren oder Angreifer bekämpfen sollen. Andere Insekten wie Wespen, Hornissen oder bestimmte Käfer produzieren ähnlich komplexe Giftgemische. Für die Pharmakologie sind solche Mischungen deshalb interessant, weil einzelne Bestandteile sehr gezielt in Zellmembranen, Entzündungsprozesse oder Nervenbahnen eingreifen. Genau diese Eigenschaften, die am eigenen Körper schmerzhaft oder gefährlich sein können, lassen sich unter kontrollierten Bedingungen therapeutisch nutzen.

Die medizinische Nutzung von Insektengiften ist dabei kein einheitliches Feld. Sie reicht von seit Jahrzehnten zugelassenen Therapien über aktuelle Forschung bis zu alternativmedizinischen Verfahren mit unterschiedlich guter Beleglage.

Hyposensibilisierung: die am besten belegte Anwendung

Am gründlichsten erprobt ist die medizinische Nutzung von Insektengift ausgerechnet bei jenen Menschen, die besonders empfindlich darauf reagieren. Bei einer spezifischen Immuntherapie gegen Insektengiftallergie, umgangssprachlich Hyposensibilisierung genannt, erhalten Patienten mit einer Bienen- oder Wespengiftallergie über mehrere Jahre steigende Dosen genau jenes Giftes injiziert, auf das ihr Immunsystem überschießend reagiert. Ziel ist eine Toleranz, die im Ernstfall vor einer erneuten anaphylaktischen Reaktion schützt.

In Deutschland reagieren bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung auf einen Insektenstich mit einem anaphylaktischen Schock. Die Standarderhaltungsdosis der Therapie liegt bei 100 Mikrogramm Gift, bei Risikopatienten mitunter bei 200 Mikrogramm. Die Aufdosierung beginnt mit sehr kleinen Mengen und wird meist stationär innerhalb von drei bis fünf Tagen gesteigert, da während dieser Phase jederzeit eine allergische Reaktion auftreten kann. Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten schützt die abgeschlossene Therapie zuverlässig vor schweren Folgereaktionen auf künftige Stiche.

Cantharidin: ein Käferwirkstoff gegen Warzen

Nicht jedes medizinisch genutzte Insektengift stammt von Bienen oder Wespen. Cantharidin wird von Ölkäfern wie der Spanischen Fliege als Abwehrsekret produziert und dient dort dem Schutz vor Fressfeinden. Beim Menschen löst es auf der Haut heftige Blasenbildung aus, die narbenlos abheilt. Genau diese Eigenschaft nutzt die Dermatologie seit dem Altertum, überliefert bereits bei Hippokrates.

info hummelCantharidin soll schon den Truppen Napoleons beim Ägyptenfeldzug zum Verhängnis geworden sein. Sie fingen und verspeisten Frösche aus den Sümpfen des Nildeltas, die sich von Cantharidin produzierenden Käfern ernährt und den Giftstoff eingelagert hatten, ohne selbst Schaden zu nehmen.

Heute wird Cantharidin vor allem gegen Dellwarzen, medizinisch Mollusca contagiosa, und gegen gewöhnliche Warzen eingesetzt. Eine Lösung wird auf die Haut aufgetragen und nach einigen Stunden wieder abgewaschen. Die entstehende kleine Blase löst eine Immunreaktion aus, die zur Abheilung der virusbedingten Hautveränderung führt. In den USA ist ein entsprechendes Präparat zugelassen, in Europa fehlt bislang eine reguläre Zulassung, weshalb der Wirkstoff hier vor allem in individueller Rezeptur genutzt wird. Wegen der Instabilität des Extrakts und des hohen Preises bleibt die Anwendung aufwendig.

Melittin in der Krebsforschung

Bienengift enthält mit Melittin ein Peptid aus 26 Aminosäuren, das sich in Zellmembranen einlagert und dort Poren bildet. Diese Eigenschaft untersucht ein Forschungsteam des Harry Perkins Institute of Medical Research seit 2020 an Zellkulturen von Brustkrebs. In den Experimenten mit Gift von 312 Honigbienen und Hummeln zerstörte das bienenspezifische Melittin innerhalb von 60 Minuten bis zu 100 Prozent der untersuchten Brustkrebszellen, während gesundes Gewebe weitgehend unversehrt blieb. Hummelgift, das kein Melittin enthält, zeigte kaum Wirkung. Wurde Melittin gezielt mit einem Antikörper blockiert, verschwand der Effekt vollständig, was den Wirkstoff als entscheidende Komponente bestätigte.

Eine 2026 veröffentlichte Folgestudie im Fachjournal Nature Precision Oncology testete Melittin in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Docetaxel an Mäusen. Die Kombination reduzierte das Tumorwachstum wirksamer als jede Substanz allein, und künstlich hergestelltes Melittin erzielte vergleichbare Ergebnisse wie natürliches Gift. Zwischen solchen Laborergebnissen und einer zugelassenen Therapie liegt allerdings noch ein weiter Weg. Ein Wirkstoff muss im Körper in ausreichender Menge zum Tumor gelangen, dort wirken und gleichzeitig gesundes Gewebe schonen. Viele Substanzen, die in Zellkulturen überzeugen, scheitern später an Sicherheit oder Dosierung im menschlichen Organismus.

Wespengiftpeptide gegen resistente Bakterien

Auch Wespengift liefert Kandidaten für neue Medikamente. Aus dem Gift der sozialen Wespe Polybia paulista isolierten Forscher das Peptid Polybia-MP1, auch Mastoparan genannt, bestehend aus nur 14 Aminosäuren. Es wirkt gegen ein breites Spektrum grampositiver und gramnegativer Bakterien, darunter auch antibiotikaresistente Stämme, zusätzlich gegen Pilze und in Zellkulturen gegen bestimmte Krebszellen. Anders als viele vergleichbare Peptide schädigt es menschliche rote Blutkörperchen dabei kaum, weil es besonders stark an Membranbestandteile bindet, die auf Bakterien und Tumorzellen häufiger vorkommen als auf gesunden menschlichen Zellen.

Ein Hindernis für den klinischen Einsatz ist die geringe Stabilität solcher Peptide im Körper, wo körpereigene Enzyme sie rasch abbauen. Chemisch modifizierte Varianten des Peptids zeigten im Labor eine deutlich höhere Beständigkeit gegen diesen Abbau, ohne die antibakterielle Wirkung zu verlieren. Angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen gilt diese Forschungsrichtung als vielversprechend, auch wenn bislang klinische Studien am Menschen fehlen.

Bienengiftakupunktur: alte Praxis, begrenzte Evidenz

In der koreanischen und chinesischen Medizin wird verdünntes oder unverdünntes Bienengift gezielt auf Akupunkturpunkte appliziert, eine Praxis, die als Bienengiftakupunktur oder Api-Akupunktur bekannt ist. Sie verbindet den mechanischen Reiz der Akupunktur mit der pharmakologischen Wirkung des Giftes und wird unter anderem bei chronischen Gelenkerkrankungen, Schmerzen nach einem Schlaganfall und Psoriasis eingesetzt. Die zugrundeliegende Theorie der Meridiane, in denen die Lebensenergie Qi fließen soll, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Die verfügbaren Studien sind meist klein und methodisch eingeschränkt. Eine Untersuchung zu Gelenkentzündungen der Schulter kombinierte stark verdünntes Bienengift mit Physiotherapie und verglich das Ergebnis über ein Jahr mit reiner Physiotherapie. Die Kombination schnitt bei den Schmerzskalen signifikant besser ab, allerdings ließ sich die Behandlung nicht verblinden, sodass Patienten wussten, welche Therapie sie erhielten. Eine Pilotstudie mit lediglich acht Patienten nach einem Schlaganfall zeigte ebenfalls einen Vorteil gegenüber Kochsalzinjektionen, der Wirkmechanismus blieb aber unbekannt. Akupunktur selbst gilt bei chronischen Schmerzen als spezifisch wirksam, jedoch nicht als Wundermittel. Ob das zusätzliche Bienengift einen eigenständigen Nutzen über die Akupunktur hinaus liefert, lässt sich aus der bisherigen Datenlage nicht sicher beantworten. Moderne Praktiker setzen inzwischen häufig standardisierte Injektionslösungen statt lebender Bienen ein, der Kern der Methode bleibt jedoch unverändert.

Sicherheit: die Grenze zwischen Reiz und Risiko

Bei allen genannten Anwendungen steht die Sicherheit an erster Stelle. Insektengifte sind im Erwachsenenalter der häufigste, im Kindesalter der zweithäufigste Auslöser anaphylaktischer Reaktionen. Erfahrene Anwender testen deshalb vor jeder umfangreicheren Behandlung mit einer minimalen Dosis, ob eine Unverträglichkeit besteht, und steigern die Dosis erst nach einem beschwerdefreien Verlauf schrittweise. Eine unkontrollierte Anwendung ohne fachkundige Aufsicht und ohne Notfallausrüstung kann lebensgefährlich sein.

Quellen

  • DocCheck Flexikon: Bienengift, Wespengift und Cantharidin
  • Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie, S2k-Leitlinie, AWMF-Register Nr. 061-020
  • Altmeyers Enzyklopädie Fachbereich Dermatologie: Cantharidin
  • Gelbe Liste: Dellwarzen bei Kleinkindern, Cantharidin-Lösung als schmerzfreie Alternative
  • rosenfluh.ch, Dermatologie und ästhetische Medizin: Mollusca contagiosa, mit „Spanischer Fliege” gegen Dellwarzen
  • Wikipedia: Cantharidin
  • Harry Perkins Institute of Medical Research, Studie zu Melittin und Brustkrebs, zusammengefasst unter anderem bei aponet.de und ad-hoc-news.de, Fachjournal Nature Precision Oncology
  • LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik, Goethe-Universität Frankfurt: Pharmaforschung, mildes Bienengift zeigt größeres Anwendungspotenzial, Fachjournal Toxins
  • biosyn.com und MedChemExpress: Polybia-MP1, antimikrobielles Peptid aus Wespengift
  • Heilpraxisnet: Hochwirksames natürliches Antibiotikum in Wespengift entdeckt
  • Thieme E-Journals, Aktuelle Dermatologie: Übersicht zu Studien zur Bienengiftakupunktur
  • Deutsches Ärzteblatt: Akupunktur, „spezifisch” wirksam, aber kein Wundermittel

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Dokuserie: Die geheimnisvolle Welt der Bienen

Die geheimnisvolle Welt der BienenSeit dem 1. April 2026 läuft bei Disney+ die zweiteilige Dokuserie “Die geheimnisvolle Welt der Bienen”, im Original “Secrets of the Bees”. Wer auf einen deutschen Kinostart gewartet hat, kann also direkt einschalten, eine Wartezeit gibt es nicht mehr. Regie führte Nadège Laici. Moderiert und erzählt wird die Serie vom britischen Tierfilmer und National-Geographic-Explorer Bertie Gregory. Als wissenschaftlicher Berater tritt der Insektenforscher Dr. Samuel Ramsey auf, ebenfalls National-Geographic-Explorer.

Ausführender Produzent ist James Cameron, bekannt als Regisseur von “Titanic” und “Avatar”. Cameron hat bereits mehrere Folgen der “Geheimnisvolle Welt”-Reihe produziert, darunter die Ausgaben über Wale, Elefanten und Oktopusse. Bei den Bienen kommt ein persönlicher Bezug hinzu: Auf seiner Farm betreibt er selbst rund 300 Bienenstöcke.

Drei Jahre Beobachtung: Inhalt der ersten Folge

Für die Serie filmte das Team drei Jahre lang denselben Honigbienenstock mit eigens entwickelter Kameratechnik. Die erste Folge begleitet ein Bienenvolk durch die Monate vor dem Winter. Gezeigt werden der Wabenbau, die Arbeitsteilung im Stock und die Verständigung der Tiere untereinander.

Neben dem klassischen Honigbienenstock zeigt die Folge auch Bienenarten, die deutlich anders leben: eine Art, die freistehende, aus Pflanzenmaterial gebaute Nester errichtet, sowie eine Bienenart aus dem Amazonasgebiet, die sich nicht von Nektar, sondern von totem Tiergewebe ernährt.

info hummelFür die Serie hielt das Team auch Aufnahmen von Hummeln fest, die Kugeln hin und her rollen. Dieses Verhalten wird von Forschern als eine Form von Spiel bei Hummeln eingeordnet, ein Effekt, der bereits vor der Dokuserie wissenschaftlich beschrieben wurde. Ein weiterer Fund aus der Recherche zur Serie: Eine sich entwickelnde Bienenlarve wird von Ammenbienen etwa 10.000 Mal gefüttert, im Schnitt alle 40 Sekunden.

Bedrohungen und Lösungsansätze: Inhalt der zweiten Folge

Die zweite Folge widmet sich den Gefahren, denen Bienenvölker ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt steht die Varroamilbe, ein Parasit, der Honigbienenvölker weltweit schwächt und mitverantwortlich für hohe Völkerverluste ist. Gregory und Ramsey ordnen ein, welche Ansätze zur Eindämmung bereits erprobt werden und wie sich die Bestäubungsleistung der Bienen langfristig absichern lässt.

Verfügbarkeit in Deutschland

Die Serie läuft in Deutschland regulär über ein Disney+-Abonnement, ebenso über Magenta TV+ als Zweitanbieter. Beide Folgen stehen bereits vollständig zum Abruf bereit, ein wöchentlicher Ausstrahlungsrhythmus wie bei manchen anderen Serien entfällt also.

Warum die Serie auch über Honigbienen hinaus interessant ist

Wer sich vor allem für Hummeln und andere Wildbienen interessiert, findet in der Serie auch Zahlen, die über den gezeigten Honigbienenstock hinausgehen. Weltweit sind mehr als 20.000 Bienenarten bekannt, sie leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Der Honigbienenstock, um den sich die Serie dreht, ist dabei eher die Ausnahme als die Regel: Rund drei Viertel aller Wildbienenarten nisten unterirdisch im Boden, und etwa 90 Prozent der Bienenarten leben einzelgängerisch statt in einem Staat. Auch bei der Fortpflanzung unterscheidet sich die Honigbiene von vielen anderen Arten kaum: Nach der Paarung sterben die männlichen Bienen, da dabei innere Organe reißen.

Quellen

  • National Geographic / Disney Press UK: “National Geographic Releases Un-bee-lieveable Trailer for Secrets of the Bees” (3. März 2026), press.disney.co.uk/news/national-geographic-releases-un-bee-lieveable-trailer-for-secrets-of-the-bees-led-by-award-winning-national-geographic-explorer-bertie-gregory
  • Disney+ Explore: “Secrets of the Bees: Now Streaming, Trailer & Where To Watch”, disneyplus.com/explore/articles/secrets-of-the-bees-national-geographic
  • Disney Wiki (Fandom): “Secrets of the Bees”, disney.fandom.com/wiki/Secrets_of_the_Bees
  • Schweizer Bauer: “«Die geheimnisvolle Welt der Bienen»” (9. April 2026), schweizerbauer.ch/artikel/land-leute/leben-geniessen/die-geheimnisvolle-welt-der-bienen
  • Prisma: “Die geheimnisvolle Welt der Bienen (2026): Wer streamt es? Anbieter & Infos”, prisma.de/streaming/Die-geheimnisvolle-Welt-der-Bienen-sq0k7rY40
  • KinoCheck: “Die geheimnisvolle Welt der Bienen Serien-Information und Trailer”, kinocheck.de/serie/a7a/die-geheimnisvolle-welt-der-bienen-2026
  • JustWatch: “Die geheimnisvolle Welt der Bienen (2026)”, justwatch.com/de/Serie/secrets-of-the-bees
  • WDW News Today: “Watch Bees Play in ‘Secrets of the Bees,’ Now Streaming on Disney+” (6. April 2026), wdwnt.com/2026/04/watch-bees-play-in-secrets-of-the-bees-now-streaming-on-disney

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