Kategoriearchiv: Meine Hummeln 2026
Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren
Die Hummelnestmotte (Aphomia sociella) findet ihre Wirte nicht mit den Augen. Die Weibchen fliegen in der Dämmerung und suchen gezielt nach dem typischen Duft eines Hummelvolkes. Optische Merkmale des Nestes spielen für den ersten Anflug keine Rolle. Ein Nest, das für das menschliche Auge unauffällig oder gut versteckt wirkt, ist für die Motte also nicht automatisch schwerer zu finden, solange der Duft nach außen dringt.
Auch die Larven verlassen sich nach dem Schlüpfen auf den Geruchssinn. Findet das Weibchen keinen direkten Zugang zum Nest, legt es die Eier in der Nähe ab. Die jungen Raupen suchen sich den Weg zum Nest dann selbst, ebenfalls geruchsgeleitet.
Trotzdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Verstecktheit und Befallsrisiko, nur wirkt er indirekt. Bei einem natürlichen Nest kann der Eingang zwischen Grashalmen, feinen Wurzeln, Moospolstern oder Steinchen gut verborgen liegen. Das erschwert auch einer duftorientierten Motte den letzten Schritt, denn der Gang von der Öffnung bis zur eigentlichen Nestkammer, etwa einem ehemaligen Mäusegang, kann lang, verwinkelt und verzweigt sein. Der Duft führt die Motte grob in die richtige Richtung, das konkrete Eindringen bleibt aber schwierig und zeitaufwendig.
Hummelkästen: kurzer Weg, starker Duft
Bei künstlichen Hummelkästen fällt dieser natürliche Umweg weitgehend weg. Der Eingang ist meist leicht auffindbar, und der Weg vom Flugloch bis zum Nest ist kurz. Stehen mehrere Kästen dicht beieinander, verstärkt sich der Effekt zusätzlich, weil die einzelnen Duftquellen sich zu einem besonders starken Signal summieren. Wachsmotten haben es dadurch in Kästen tendenziell leichter als in gut kaschierten Naturnestern.
Geruch von Bienenständen
Forscher aus Lettland haben untersucht, ob Hummelvölker in der Nähe von Bienenständen häufiger von Wachsmotten befallen werden. Dafür stellten sie 25 Hummelvölker in unterschiedlichem Abstand, von direkt daneben bis 600 Meter entfernt, zu sechs Bienenständen auf und prüften über den Sommer regelmäßig Befall, Nachwuchs und Immunsystem der Tiere. Ergebnis: Je näher ein Volk am Bienenstand stand, desto öfter war es befallen, desto weniger Nachwuchs hatte es und desto schwächer war die Immunabwehr. Bei 600 Metern war das Risiko fast verschwunden.
Der Grund liegt in zwei Effekten. Zum einen können Wachsmotten auch geschwächte Honigbienenvölker besiedeln, an Bienenständen gibt es also grundsätzlich mehr Motten in der Umgebung. Zum anderen konkurrieren Hummeln und Honigbienen um dieselben Blüten. Nahe am Bienenstand bekommen Hummeln weniger Nahrung, das schwächt ihr Immunsystem, und ein geschwächtes Volk wehrt sich schlechter gegen eindringende Raupen. Beides zusammen erklärt, warum der Befall mit sinkender Entfernung deutlich zunimmt.
Quellen
- wildbienen.de: Hummelschutz, Wachsmotten, Biologie, wildbienen.de/hus-wmo0.htm
- wildbienen.de: Wildbienen-Parasiten: Wachsmotten (Galleriinae), wildbienen.de/wbi-p711.htm
- Krams, R., Grigorjeva, T., Willow, J., Popovs, S., Munkevics, M., Trakimas, G., Contreras-Garduño, J., De Souza, A. R., Adams, C. B., Rantala, M. J., Garajeva, S. J., Sledevskis, E., Krama, T. und Krams, I. A. (2025): Infestation levels of Aphomia sociella in bumblebees increase with proximity to apiaries and result in lower reproductive output and weaker immune response. Frontiers in Bee Science, 3, doi.org/10.3389/frbee.2025.1550560
- inaturalist.org
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Die Virusvariante DWV B bei Hummeln: aktueller Forschungsstand
Das Flügeldeformationsvirus, kurz DWV, gehört zu den bekanntesten Viruserkrankungen bei Honigbienen. In den vergangenen Jahren wurde vor allem die Variante DWV-B genauer untersucht, weil sie sich weltweit stark verbreitet hat. Ihre Auswirkungen auf Honigbienen sind inzwischen gut erforscht, über die Folgen für Hummeln weiß man dagegen deutlich weniger. Untersuchungen zeigen aber, dass sich auch Hummeln mit DWV-B infizieren können. Das Virus könnte damit eine zusätzliche Belastung für wild lebende Bestäuber wie Hummeln und andere Insekten darstellen.
Bei Hummeln wurde DWV bereits vor mehreren Jahren nachgewiesen. Am häufigsten untersucht wurde dabei die Erdhummel (Bombus terrestris), weit verbreitet und in der Forschung eine gängige Modellart. Die Studien zeigen, dass Hummeln Viren von Honigbienen aufnehmen können, wenn beide Gruppen dieselben Blüten besuchen. Auf diesem Weg können Krankheitserreger zwischen bewirtschafteten Honigbienenvölkern und wild lebenden Bestäubern wandern.
Übertragung zwischen Honigbienen und Hummeln
Wie Viren zwischen verschiedenen Bestäuberarten übertragen werden, ist ein zentrales Forschungsthema. Honigbienen und Hummeln nutzen oft dieselben Blütenpflanzen, und dabei können Viruspartikel über Speichel, Körperkontakt oder verunreinigte Blütenoberflächen weitergegeben werden.
Forscher fanden Hinweise darauf, dass hohe Virusbelastungen in Honigbienenvölkern mit einem häufigeren Nachweis von DWV bei Wildbienen zusammenhängen können. In Landschaften mit vielen bewirtschafteten Bienenvölkern rückt deshalb die Frage in den Vordergrund, welche Folgen das für Wildbestäuber hat.
Der Nachweis eines Virus bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Tier erkrankt oder geschädigt ist. Bei Hummeln wurden zwar DWV-Infektionen festgestellt, schwere Krankheitsverläufe wie bei stark belasteten Honigbienenvölkern sind bei ihnen bislang aber deutlich seltener dokumentiert.
Warum Hummeln offenbar widerstandsfähiger sind
Eine Untersuchung mit Erdhummeln aus dem Jahr 2024 zeigte, dass DWV-B zwar in den Körper der Tiere gelangen kann, sich dort aber nur begrenzt ausbreitet. Die Forscher vermuten dahinter bestimmte natürliche Barrieren im Körper der Hummeln. Vor allem der Verdauungstrakt scheint das Virus zurückzuhalten, wenn es über Nahrung oder Blütennektar aufgenommen wird, sodass es sich nicht stark im Körper verteilt.
Diese Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass DWV-B für Hummeln völlig unproblematisch ist. Wie stark sich eine Infektion auswirkt, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa der Virusmenge, dem Gesundheitszustand der Tiere und zusätzlichen Belastungen durch Nahrungsmangel, Pestizide oder andere Krankheitserreger.
Flügelverformungen und DWV bei Hummeln
Das Flügeldeformationsvirus verdankt seinen Namen dem Umstand, dass infizierte Honigbienen häufig mit verkürzten oder verformten Flügeln aus dem Puppenstadium schlüpfen. Auch bei Hummeln wurden Tiere mit ähnlichen Veränderungen gefunden. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen sichtbaren Flügelschäden und DWV-B lässt sich jedoch schwerer nachweisen, weil dafür auch andere Ursachen infrage kommen.
Eine frühe Untersuchung aus dem Jahr 2006 wies DWV bei Erdhummeln und Ackerhummeln (Bombus pascuorum) mit Flügelveränderungen nach. Seitdem kamen weitere Virusnachweise hinzu, doch es fehlen noch umfangreiche Untersuchungen, die zeigen, wie häufig DWV-B tatsächlich zu Schäden in natürlichen Hummelpopulationen führt.
Aktuelle Bewertung der Bedeutung für Hummeln
Nach dem derzeitigen Forschungsstand gilt DWV-B nicht als Hauptursache für den Rückgang von Hummelarten. Die bisher bekannten Daten sprechen eher dafür, dass die Virusvariante ein zusätzlicher Stressfaktor sein kann, der zusammen mit anderen Belastungen die Widerstandskraft von Hummeln schwächt.
Wichtig bleiben deshalb weitere Untersuchungen an Wildhummeln in unterschiedlichen Landschaften. Laborstudien zeigen, wie sich ein Virus im Körper entwickelt, Felduntersuchungen geben dagegen Aufschluss darüber, welche Bedeutung eine Infektion tatsächlich für ganze Populationen hat.
Die Forschung zu DWV-B bei Hummeln steht noch am Anfang. Der Austausch von Krankheitserregern zwischen Honigbienen und Wildbienen wird inzwischen aber in mehreren Forschungsgruppen systematisch untersucht, unter anderem um herauszufinden, wie stark einzelne Viren den Bestand von Wildbestäubern belasten.
Quellen
- Streicher, Tabea; Brinker, Pina; Tragust, Simon; Paxton, Robert J. (2024): Host Barriers Limit Viral Spread in a Spillover Host: A Study of Deformed Wing Virus in the Bumblebee Bombus terrestris. Viruses 16(4), 607. https://doi.org/10.3390/v16040607
- Fürst, Matthias A.; McMahon, Dino P.; Osborne, Juliet L.; Paxton, Robert J.; Brown, Mark J. F. (2014): Disease associations between honeybees and bumblebees as a threat to wild pollinators. Nature 506, 364 bis 366. https://doi.org/10.1038/nature12977
- McMahon, Dino P.; Fürst, Matthias A.; Caspar, Jesicca; Theodorou, Panagiotis; Brown, Mark J. F.; Paxton, Robert J. (2015): A sting in the spit: widespread cross-infection of multiple RNA viruses across wild and managed bees. Journal of Animal Ecology 84, 615 bis 624. https://doi.org/10.1111/1365-2656.12345
- Genersch, Elke; Yue, Constanze; Fries, Ingemar; de Miranda, Joachim R. (2006): Detection of Deformed wing virus, a honey bee viral pathogen, in bumble bees Bombus terrestris and Bombus pascuorum with wing deformities. Journal of Invertebrate Pathology 91, 61 bis 63. https://doi.org/10.1016/j.jip.2005.10.002
- Tehel, Anja; Brown, Mark J. F.; Paxton, Robert J. (2016): Impact of managed honey bee viruses on wild bees. Current Opinion in Virology 19, 16 bis 22. https://doi.org/10.1016/j.coviro.2016.06.006
- Wilfert, Lena; Long, Gavin; Leggett, Helen C.; Schmid-Hempel, Paul; Butlin, Roger; Martin, Stephen J. M.; Boots, Mike (2016): Deformed wing virus is a recent global epidemic in honeybees driven by Varroa mites. Science 351, 594 bis 597. https://doi.org/10.1126/science.aac9976
- Manley, Robyn; Boots, Mike; Wilfert, Lena (2015): Emerging viral disease risk to pollinating insects: ecological, evolutionary and anthropogenic factors. Journal of Applied Ecology 52, 331 bis 340. https://doi.org/10.1111/1365-2664.12385
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Die Glockenblumen-Schmalbiene: Wildbiene des Jahres 2026
Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) wirkt auf den ersten Blick wie viele andere kleine, dunkle Wildbienen. Das Kuratorium Wildbiene des Jahres hat sie trotzdem für das Jahr 2026 ausgewählt. Das Gremium, das vom Arbeitskreis Wildbienen-Kataster getragen wird, möchte damit ein Schlaglicht auf die gefährdete Lebenssituation dieser spezialisierten Hautflügler werfen.
Optisch präsentiert sich das Insekt eher unauffällig. Der Körper ist tiefschwarz gefärbt und zeigt als charakteristisches Merkmal feine, weiße Haarflecken. Doch die wahre Besonderheit liegt in der Lebensweise der Weibchen. Sie leben oligolektisch. Das bedeutet, dass sie beim Sammeln von Pollen für die Brut extrem wählerisch sind. Die Aufzucht der Larven gelingt ihnen nur mit der Nahrung von Glockenblumengewächsen. Pflanzen wie die Knäuelglockenblume, die Rapunzelglockenblume oder die Rundblättrige Glockenblume sind für das Fortbestehen der Art unverzichtbar.
Lebensräume und Bedrohung der Spezialistin
Die enge Bindung an bestimmte Pflanzenarten macht die Biene verwundbar. Sie benötigt strukturreiche Landschaften, in denen die passenden Blütenpflanzen reichlich vorkommen. Typische Habitate sind sonnige Waldränder, Bahndämme und extensiv genutzte Mähwiesen. Neben der richtigen Flora ist das Vorhandensein von Nistplätzen entscheidend. Die Weibchen graben ihre Nester in die Erde und sind dafür auf offene, sandige Bodenstellen angewiesen.
Schutzmaßnahmen für die Zukunft
Der Verlust von naturnahen Lebensräumen setzt der Art stark zu. Sterile Schottergärten, intensiv bewirtschaftete Agrarflächen und der übermäßige Einsatz von Pestiziden entziehen den Tieren die Lebensgrundlage. Seit 2011 gilt die Glockenblumen-Schmalbiene bundesweit als gefährdet, nur in Baden-Württemberg ist der Bestand derzeit stabil. Der Schutz dieser Wildbienenart erfordert daher ein Umdenken in der Landschaftspflege. Das Stehenlassen von Wildkräutern an Wegrändern und das bewusste Anpflanzen von heimischen Glockenblumen in Gärten sind erste wichtige Schritte. Nur durch den Erhalt offener Bodenstrukturen und eines kontinuierlichen Blütenangebots kann diese spezialisierte Schmalbiene auch in Zukunft überleben.
Quellen und weiterführende Literatur
- Arbeitskreis Wildbienen-Kataster: Wildbiene des Jahres 2026: Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum). Online verfügbar unter: https://www.wildbienen-kataster.de/wildbiene-des-jahres/
- Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer, R. (2001): Apidae 3: Halictus, Lasioglossum. Fauna Helvetica 6. Centre suisse de cartographie de la faune, Neuchâtel.
- Müller, A. (1996): Host-Plant Specialization in Western Palearctic Anthidine Bees (Hymenoptera: Apoidea: Megachilidae). Ecological Monographs 66(2), 235–257. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.2307/2963476
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Hummelnester gesucht!
In wenigen Schweizer Feuchtgebieten nistet noch die vom Aussterben bedrohte Mooshummel Bombus muscorum. Damit sie erfolgreich geschützt werden kann, müssen ihre Niststandorte besser bekannt sein.
Dazu wurde in Zusammenarbeit mit Artenspürhunde Schweiz ein Projekt zum Aufspüren von Hummelnestern mittels spezifisch ausgebildeter Spürhunde gestartet. Die Hunde sollen generalisiert ausgebildet werden, also Nester aller Hummelarten anzeigen. Die Nester werden dabei nicht beschädigt, denn sie werden passiv angezeigt.
Für die Ausbildung der Hunde werden nun Hummelnester gesucht.
Gesucht wird Zugang zu einem Hummelnest, die Hummelart spielt dabei keine Rolle, das für ein Training zur Verfügung gestellt werden könnte. Interessant sind sowohl geborgene Nester als auch aktive oder inaktive Nester. Auch Nester aus Zuchten oder Fragmente, zum Beispiel beschädigte Nester, werden gesucht.
Für geborgene Nester bzw. Nistmaterial, das verschickt werden kann, spielt der Standort keine Rolle. Bei Neststandorten von unberührten Nestern sollte der Standort im Schweizer Mittelland / in der Nordostschweiz liegen, damit er fürs Training erreichbar ist.
Meldungen bitte an: Hummelnest Suche
Der Aufruf darf gerne im Hinterkopf behalten werden, denn voraussichtlich werden auch im Winter 2026/2027 noch Nester benötigt.
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Nahrungssuche der Hummel und Glyphosat
Der weltweite Rückgang von Bestäubern steht auch im Fokus der Umweltforschung. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2025 ging der Frage nach wie sich glyphosatbasierte Herbizide auf das Verhalten von Insekten auswirken. Die Forscher untersuchten ob Tiere kontaminierte Pflanzen meiden und welche gesundheitlichen Folgen die unbeabsichtigte Aufnahme der chemischen Substanzen nach sich zieht.
Untersuchungsaufbau und fehlende Barrieren beim Blütenbesuch
Die Versuche wurden sowohl in offenen Freilandparzellen als auch in geschlossenen Flugkäfigen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Versuchstiere frisch behandelte Pflanzen genauso häufig besuchten wie völlig unbehandelte Kontrollpflanzen. Die optischen Signale und die von den Blüten verströmten Duftstoffe veränderten sich durch das Herbizid nur so geringfügig, dass die Insekten keinen Unterschied wahrnehmen konnten. Die behandelten Pflanzen sahen mehrere Tage lang gesund aus und wirkten weiterhin attraktiv auf die Nahrungssucher.
Auswirkungen auf das Sammelverhalten
Die orale Aufnahme des Unkrautvernichtungsmittels führte zu deutlichen Verhaltensänderungen bei den Hummeln. Ein hoher Anteil der Tiere stellte die Flugaktivität zeitweise komplett ein und verblieb inaktiv. So ein Verhalten schädigt ein Hummelvolk nachhaltig.
Hintergrund
Glyphosat gehört weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Die enorme Popularität dieses Unkrautvernichtungsmittels lässt sich auf mehrere zentrale Eigenschaften zurückführen, die es aus Sicht der Anwendenden besonders effizient und wirtschaftlich machen.
Ein Hauptgrund ist die universelle Wirkung des Stoffes. Als sogenanntes Breitbandherbizid wirkt Glyphosat nicht selektiv, sondern vernichtet praktisch jede grüne Pflanze, mit der es in Kontakt kommt. Der Wirkstoff blockiert ein spezifisches Enzym, das für die Synthese lebenswichtiger Aminosäuren in Pflanzen verantwortlich ist. Da dieses Enzym in fast allen Pflanzenarten vorkommt, lassen sich mit einem einzigen Mittel verschiedenste Unkräuter gleichzeitig bekämpfen.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die systemische Wirkungsweise. Das Mittel wird über die grünen Blätter der Pflanze aufgenommen und anschließend über die Saftströme bis in die feinsten Wurzelspitzen transportiert. Dies führt dazu, dass auch hartnäckige, tief wurzelnde Unkräuter vollständig absterben und nicht nach kurzer Zeit wieder austreiben. Zudem ist die Anwendung im Vergleich zu mechanischen Methoden wie dem Pflügen oder Jäten extrem zeitsparend und kostengünstig.
Schließlich schätzen landwirtschaftliche Betriebe die Flexibilität des Wirkstoffes. Glyphosat wird über den Boden kaum von den Wurzeln aufgenommen und dort relativ schnell biologisch abgebaut. Dadurch ist es möglich, bereits kurz nach der Behandlung eine neue Nutzpflanze auf dem Feld auszusäen, ohne dass diese durch Rückstände im Boden geschädigt wird.
Quellenverzeichnis
- ScienceDirect: Wissenschaftlicher Artikel über glyphosatbasierte Herbizide und das Sammelverhalten von Bestäubern – https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0013935125022704
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Wirkungsweise von Herbiziden in der Praxis – https://www.ble.de
- Nabu Deutschland: Hintergrundinformationen zum Einsatz von Totalherbiziden – https://www.nabu.de
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Schwarzhandel mit Ameisenköniginnen
Wer an Wildtierschmuggel denkt, hat meist Elfenbein, Nashornhörner oder seltene Papageien vor Augen. Inzwischen rücken jedoch auch Insekten in den Fokus. Zoll und Naturschutzbehörden stellen immer häufiger Koffer sicher, in denen sich Hunderte oder sogar Tausende lebende Ameisenköniginnen befinden – sorgfältig in Reagenzgläsern, Kunststoffröhrchen oder kleinen Behältern verpackt, damit sie unbemerkt über Landesgrenzen gelangen. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, ist inzwischen ein einträgliches Geschäft mit spürbaren Folgen für Natur und Artenschutz.
Der eigentliche Wert einer Ameisenkolonie steckt in ihrer Königin. Nur sie legt über Jahre hinweg Eier und begründet eine neue Kolonie; Arbeiterinnen können ohne sie nicht dauerhaft überleben. Wer eine einzelne fruchtbare Königin besitzt, kann daraus eine Kolonie mit Tausenden Tieren aufziehen. Genau deshalb erzielen seltene Arten auf dem internationalen Sammlermarkt teils erstaunlich hohe Preise.
Angetrieben wird die Nachfrage vor allem durch Liebhaber sogenannter Formikarien – künstlicher Ameisennester aus Glas oder Kunststoff, in denen sich das Leben einer Kolonie beobachten lässt. Manchen Haltern geht es um das Verhalten der Tiere, anderen darum, möglichst seltene oder besonders große Arten zu besitzen. Vor allem auffällig gefärbte oder außergewöhnlich große Ameisen aus Afrika, Asien und Südamerika gelten als begehrte Sammlerstücke.
Wo werden Ameisen geschmuggelt?
Besonders häufig tauchen Fälle in Ostafrika auf. Kenia gilt inzwischen als einer der wichtigsten Ausgangspunkte für den illegalen Export großer Ernteameisen, die vor allem nach Europa und Asien gelangen – auch China ist ein wichtiger Absatzmarkt. Immer wieder entdecken Zollbeamte die Tiere an Flughäfen oder in Paketsendungen, teils zwischen Alltagsgegenständen versteckt oder in speziell präparierten Behältern, die das Überleben der Tiere sichern sollen.
Der Schmuggel beschränkt sich aber nicht auf Afrika: Auch in Südamerika und Südostasien werden regelmäßig seltene Ameisenarten gesammelt und außer Landes gebracht. Manche Arten stehen unter nationalem Schutz, andere dürfen nur mit behördlicher Genehmigung ausgeführt werden. Ohne entsprechende Dokumente handelt es sich um Wildtierhandel, der in vielen Ländern strafbar ist.
Warum der Handel mit Ameisenköniginnen problematisch ist
Das Entnehmen einzelner Königinnen wirkt zunächst unbedeutend, tatsächlich kann der Schaden aber erheblich sein: Jede entnommene Königin fehlt bei der Gründung einer neuen Kolonie. Werden in kurzer Zeit Hunderte oder Tausende Königinnen aus einem Gebiet entfernt, kann sich das auf die natürlichen Bestände auswirken – besonders kritisch bei seltenen Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet.
Ameisen übernehmen in vielen Ökosystemen wichtige Aufgaben: Sie lockern den Boden, verbreiten Samen, beseitigen tote Tiere und beeinflussen zahlreiche andere Insektenarten. Verschwinden sie aus einer Region, bleibt das nicht ohne Folgen. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass eingeschleppte Arten in fremden Ländern entkommen und sich dort dauerhaft ansiedeln – einige invasive Ameisenarten verursachen bereits heute erhebliche ökologische und wirtschaftliche Schäden.
Ein wachsender Markt
Der Handel findet längst nicht mehr nur auf Börsen statt. Viele Angebote erscheinen in Internetforen, über soziale Medien oder auf spezialisierten Verkaufsplattformen, wo Königinnen, junge Kolonien oder ganze Nester weltweit angeboten werden. Seriöse Züchter vermehren erlaubte Arten in Gefangenschaft und handeln im Rahmen der geltenden Gesetze. Daneben existiert jedoch ein Schwarzmarkt, auf dem frisch gefangene Wildtiere verkauft werden – für Käufer ist dabei oft kaum nachvollziehbar, aus welcher Quelle die Tiere stammen.
Naturschutzbehörden beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Der Schmuggel zeigt: Nicht nur große Säugetiere oder exotische Vögel sind begehrte Handelsware, auch kleine, unscheinbare Insekten geraten zunehmend ins Visier organisierter Händler.
Quellen
- Reuters: Kenya arrests man trying to smuggle over 2,000 live ants in his luggage, 12.03.2026.
- Associated Press: Chinese man jailed for one year by Kenyan court over ant trafficking, April 2026.
- The Guardian: Smuggled in syringes: how Nairobi became a nexus for the black market in giant harvester ants, 13.05.2026.
- CBS News: Kenya accuses four men of trying to smuggle thousands of ants, April 2025.
- The Straits Times: Kenya court fines four men for trafficking thousands of queen ants, Mai 2025.
- Kenya Wildlife Service (KWS): Pressemitteilungen und Informationen zum Schutz der heimischen Tierwelt und zur Bekämpfung des Wildtierschmuggels.
- CITES Secretariat: Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora. www.cites.org
- Bert Hölldobler, Edward O. Wilson: The Ants. Harvard University Press.
- Deborah M. Gordon: Ant Encounters. Princeton University Press.
- inaturalist.org
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Die Wachsmotte aus einem anderen Blickwinkel
Wachsmotten nehmen eine bemerkenswerte Stellung im Insektenreich ein. Während sie für Imker und Hummelfreunde eine absolute Herausforderung darstellen, bietet das Verhalten der Tiere der Wissenschaft eine Fülle an Erkenntnissen. Vor allem die Große Wachsmotte zeigt biologische Fähigkeiten, die in der Natur außergewöhnlich sind.
Besonderheiten des Hörvermögens
In der Tierwelt besitzen Tiere mit ausgeprägten Sinnesorganen oft ein exzellentes Gehör. Die Große Wachsmotte übertrifft jedoch viele Wirbeltiere bei Weitem.
- Das menschliche Gehör nimmt Schallwellen bis zu einer Frequenz von 20000 Hertz auf.
- Manche Fledermausarten nutzen Ultraschalllaute mit Frequenzen von bis zu 212000 Hertz zur Orientierung.
- Die Große Wachsmotte kann Schallfrequenzen von bis zu 300000 Hertz wahrnehmen.
Dieser Sinn dient in erster Linie dem Schutz vor Fledermäusen. Die Motten registrieren die Annäherung ihrer natürlichen Feinde frühzeitig und reagieren mit Ausweichmanövern oder einem abrupten Fallenlassen, um zu entkommen.
Der Abbau von Kunststoff
Ein viel beachteter Aspekt der Wachsmotte ist die Fähigkeit ihrer Larven, Polyethylen abzubauen. Die chemische Struktur von Bienenwachs ähnelt in ihrer Beschaffenheit den langkettigen Kohlenwasserstoffen in Kunststoffen.
- Die Larven verfügen über spezifische Enzyme in ihrem Verdauungstrakt.
- Diese biologischen Katalysatoren ermöglichen den Abbau von Kunststoffstrukturen in kurzer Zeit.
- Die Forschung untersucht aktuell Möglichkeiten, diese biologischen Prozesse für die Reduktion von Kunststoffmüll nutzbar zu machen.
Die Entwicklung der Wachsmotte
Der Lebenszyklus der Großen Wachsmotte ist eng mit dem Aufenthalt in Hummel- und Bienenstöcken verbunden. Die Falter dringen in der Dunkelheit in die Nester ein und legen dort ihre Eier ab. Die Larven ernähren sich dabei von den Inhaltsstoffen der Waben. Sie bilden dichte Gespinste, die den Schutz der Larven sicherstellen, jedoch das bewohnte Nest nachhaltig schädigen und schließlich zerstören.
Singen mit den Flügeln
Während die meisten Schmetterlinge und Motten lautlos sind, nutzen die Männchen der Wachsmotte echte Ultraschallserenaden. Sie sitzen in der Nähe von Bienenstöcken und Hummelnestern und besitzen an der Flügelbasis spezielle Tymbalorgane, die sie in extrem schneller Folge vibrieren lassen. Das erzeugt ein für Menschen unhörbares Ultraschalllied. Die Weibchen nutzen ihre empfindlichen Ohren, um den Partner in der Dunkelheit zu orten.
Die Wachsmotte in der medizinischen Forschung
Wachsmottenlarven dienen in der modernen Wissenschaft als Modellorganismen. Sie ersetzen in zunehmendem Maße Versuche an Säugetieren wie Mäusen oder Ratten.
- Das Immunsystem der Larven weist Ähnlichkeiten zum angeborenen Immunsystem des Menschen auf.
- Untersuchungen konzentrieren sich auf die Wirksamkeit neuer antibiotischer Wirkstoffe.
- Die Larven werden zur Prüfung der Aggressivität von Pilzen und Bakterien verwendet.
Quellenverzeichnis
- Bombelli, P., Howe, C. J., Bertocchini, F.: Polyethylene bio-degradation by caterpillars of the wax moth Galleria mellonella, Current Biology, https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(17)30231-2
- Moir, H. M., Jackson, J. C., Windmill, J. F. C.: Extremely high frequency sensitivity in a ‘simple’ ear, Biology Letters, https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsbl.2013.0241
- Tsai, C. J.-Y., Loh, J. M. S., Proft, T.: Galleria mellonella infection models for the study of bacterial diseases and for antimicrobial drug testing, Virulence, https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21505594.2015.1135289
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Wildpflanzen für Raupen und Falter
Wer Schmetterlinge anlocken möchte, muss den Blick auch auf die oft unscheinbaren Raupen richten. Ohne die gefräßigen Larven gibt es keine Schmetterlinge. Viele heimische Schmetterlingsarten sind bei der Eiablage und Nahrungssuche hochspezialisiert. Sie benötigen ganz bestimmte Pflanzen, um das Überleben ihrer Nachkommen zu sichern.
Zehn Wildpflanzen für Raupen und Falter
Brennessel
Die Große Brennnessel ist die wichtigste Kinderstube für heimische Falter. Die Raupen von Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner Fuchs und Landkärtchen ernähren sich fast ausschließlich von ihren Blättern. Ein sonniger Flecken im Garten mit einem Brennnesselhorst ist daher das wirksamste Naturschutzprojekt auf kleinem Raum.
Wilde Möhre
Diese zweijährige Wildpflanze bildet im zweiten Jahr weiße Dolden, die eine Vielzahl von Insekten anziehen. Für die auffällig gefärbten Raupen des Schwalbenschwanzes ist die Wilde Möhre eine der Hauptnahrungsquellen. Sie lässt sich auch gut im tiefen Kübel auf dem Balkon ziehen.
Gewöhnlicher Natternkopf
Mit seinen blauen Blütenständen ist der Natternkopf vor allem für ausgewachsene Schmetterlinge attraktiv. Die Pflanze gedeiht auf mageren, trockenen Böden und verträgt Hitze gut. Als Raupenfutter spielt sie kaum eine Rolle, gelegentlich frisst jedoch die Raupe des Distelfalters an ihren Blättern.
Wiesen Flockenblume
Die violetten Blütenköpfe dieser ausdauernden Wildpflanze bieten Schmetterlingen wie dem Großen Ochsenauge oder dem Hauhechel Bläuling eine verlässliche Nahrungsquelle von Juni bis Oktober. Sie ist anspruchslos und wächst sowohl im Gartenbeet als auch im größeren Balkonkasten.
Echter Thymian
Der wild wachsende oder im Garten kultivierte Thymian fällt durch seinen intensiven Duft auf. Die winzigen Lippenblüten enthalten zuckerreichen Nektar, der für kleine Schmetterlingsarten wichtig ist. Die Raupen des Thymian-Bläulings sind außerdem auf die Blütenknospen angewiesen.
Wegwarte
Die himmelblauen Blüten der Wegwarte öffnen sich meist nur am Vormittag. Dennoch werden sie in dieser Zeit intensiv von verschiedenen Weißlingen und Edelfaltern besucht. Die tiefe Pfahlwurzel macht die Pflanze unempfindlich gegenüber längeren Trockenperioden im Sommer.
Gewöhnlicher Hornklee
Der Hornklee ist eine Schlüsselpflanze für die Biodiversität. Seine gelben Blüten sind eine der wichtigsten Futterquellen für die Raupen des Hauhechel-Bläulings. Gleichzeitig nutzen erwachsene Falter den reichlich angebotenen Nektar.
Knautie
Auch als Witwenblume bekannt, zieht diese Pflanze mit ihren purpurfarbenen Blütenköpfen vor allem den Skabiosen-Scheckenfalter an. Sie blüht den ganzen Sommer über und lässt sich gut mit Wildgräsern im Garten kombinieren.
Rote Lichtnelke
Diese Wildpflanze öffnet ihre Blüten tagsüber und zieht dadurch vor allem Tagfalter an. In ihren Samenkapseln findet sich mitunter die Raupe der Lichtnelken-Kapseleule, die sich von den Samen ernährt.
Fenchel
Der wilde Fenchel ist mit seinem fiedrigen Laub nicht nur dekorativ, sondern neben der Wilden Möhre die wichtigste Futterpflanze der Schwalbenschwanzraupen. Die filigranen gelben Doldenblüten im Spätsommer bieten zudem Nahrung für späte Faltergenerationen.
Zehn Stauden für Blütenpracht und Artenschutz
Wasserdost
Der Gewöhnliche Wasserdost wird im Volksmund nicht umsonst Kunigundenkraut oder Hirschheiderich genannt. Seine großen, rosa Blütenstände stehen im Spätsommer in voller Blüte und werden oft von Dutzenden Faltern gleichzeitig belagert, darunter der seltene Russische Bär.
Blaukissen
Als Teppichstaude eignet sich das Blaukissen ideal für die Einfassung von Beeten oder für Balkonkästen. Da es bereits im zeitigen Frühjahr ab April blüht, stellt es eine der ersten wichtigen Energiequellen für überwinterte Falter wie den Zitronenfalter dar.
Purpur Sonnenhut
Die Echinacea ist ein Klassiker im Staudenbeet. Mit ihren großen, strahlenförmigen Blüten zieht sie im Hochsommer Admiral, Distelfalter und Kaisermantel an. Die Staude benötigt einen sonnigen Standort und nährstoffreichen Boden.
Fetthenne
Die Große Fetthenne lagert Wasser in ihren dickfleischigen Blättern und eignet sich perfekt für trockene Standorte und Balkone. Ihre späte Blütezeit im September und Oktober hilft den Faltern, sich wichtige Fettreserven für den Winterschlaf oder den langen Flug in den Süden anzufressen.
Kugeldistel
Die stahlblauen, kugelrunden Blütenköpfe dieser Staude sind namensgebend und bilden einen auffälligen Blickfang. Schmetterlinge sitzen oft stundenlang darauf, da jede einzelne Kugel aus Hunderten kleinen Einzelblüten besteht, die kontinuierlich Nektar nachproduzieren.
Phlox
Der Flammenblume genannte Phlox verströmt einen intensiven, süßlichen Duft. Dieser Duft lockt vor allem Schmetterlinge mit sehr langen Rüsseln an, wie zum Beispiel Taubenschwänzchen, die im Kolibriflug vor den Blüten verharren.
Herbstaster
Wenn sich das Gartenjahr dem Ende neigt, blühen die Herbstastern auf. Sie bieten Admiralen und Tagpfauenaugen den letzten reichhaltigen Nektar vor dem Wintereinbruch. Astern sind absolut winterhart und pflegeleicht.
Salbei
Der Steppensalbei bietet mit seinen violetten Blütenkerzen eine langanhaltende Blütezeit, wenn er nach dem ersten Flor zurückgeschnitten wird. Er zieht vor allem Dickkopffalter und verschiedene Weißlingsarten an, die den leicht zugänglichen Nektar schätzen.
Mädchenauge
Mit gelben Blüten von Juli bis zum Frost ist diese Staude sehr ausdauernd und wird von vielen kleineren Edelfaltern als Landeplatz und Nahrungsquelle genutzt.
Gelenkblume
Diese feuchtigkeitsliebende Staude eignet sich gut für halbschattige Gartenbereiche. Ihre rosa oder weißen Blütenlippen werden vor allem von Faltern mit längerem Saugrüssel angeflogen, die an den tief sitzenden Nektar gelangen.
Garten und Balkon nicht zu früh aufräumen!
Um die Raupen und auch die im Puppenstadium überwinternden Generationen nicht zu gefährden, sollten Stauden, Wildpflanzen und verblühte Stängel auf keinen Fall im Herbst zurückgeschnitten werden. Viele Schmetterlingsarten heften ihre Eier im Spätsommer an die Pflanzenteile, oder die Raupen verpuppen sich direkt an den vertrockneten Stängeln und überwintern dort bodennah oder in Bodennähe.
Der ideale Zeitpunkt für den Rückschnitt ist daher das zeitige Frühjahr, am besten erst ab Mitte März oder April, wenn die Temperaturen dauerhaft steigen und die ersten Falter bereits geschlüpft sind. Wer den Garten im Winter dennoch etwas aufräumen möchte, sollte das Schnittgut nicht häckseln oder entsorgen, sondern locker in einer geschützten Gartenecke aufschichten, damit die darin festsitzenden Puppen und Raupen im Frühling ihren Lebenszyklus unbeschadet vollenden können.
Quellen und weiterführende Literatur
- Bundesamt für Naturschutz: Pflanzen für Schmetterlinge und ihre Raupen, abrufbar unter www.bfn.de
- Naturschutzbund Deutschland: Den Garten schmetterlingsfreundlich gestalten, abrufbar unter www.nabu.de
- Naturgarten e.V.: Wildpflanzen für Raupen und Falter, abrufbar unter www.naturgarten.org
- Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Franckh Kosmos Verlag, Stuttgart.
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Die geheime Symbiose der Ameisenbläulinge
Bestimmte heimische Schmetterlinge aus der Familie der Bläulinge sind eng an Ameisen gebunden, ein Phänomen, das als Myrmekophilie bezeichnet wird. Bei diesen Faltern nimmt die Bindung die Form von Brutparasitismus an: Anstatt ihre Raupen selbst großzuziehen, schleusen sie diese durch gezielte Täuschung in die Nester von Ameisen ein. Dort verbringen die Larven den Winter im geschützten Mikroklima des Baus und werden von den Ameisen wie deren eigene Brut versorgt.
Chemische Tarnung und Aufnahme ins Nest
Die Tarnung beruht auf einem chemischen Trick. Ameisen erkennen ihre Nestgenossen und die eigene Brut vor allem über den Geruch, genauer über ein spezifisches Muster aus Kohlenwasserstoffen auf der Körperoberfläche. Im Lauf der Stammesgeschichte haben sich die Raupen der Ameisenbläulinge so entwickelt, dass sie genau dieses Duftprofil ihrer jeweiligen Wirtsameisen nachbilden. Hat die Raupe eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht, lässt sie sich von ihrer Futterpflanze auf den Boden fallen und wartet, bis eine Ameise sie findet.
Stößt eine Ameise der Gattung Myrmica auf die Raupe, betastet sie diese zunächst mit den Fühlern und nimmt den vertrauten Duft wahr: Die Raupe riecht für sie wie eine eigene Larve. Zusätzlich sondern die Raupen über spezielle Drüsen eine zuckerhaltige Flüssigkeit ab, die den Ameisen als Nahrung dient. Die Tarnung funktioniert so gut, dass die Ameise die im Verhältnis riesige Raupe packt und direkt in die Brutkammern des Nestes trägt.
Zwei Strategien im Ameisennest
Im Ameisenbau selbst unterscheidet sich das Verhalten je nach Bläulingsart. Die Larven des Lungenenzian-Ameisenbläulings verhalten sich wie Kuckucksküken. Sie lassen sich von den Arbeiterinnen direkt füttern und erhalten dabei sogar bevorzugt Nahrung, noch vor den echten Ameisenlarven. Andere Arten wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ernähren sich dagegen räuberisch. Sie fressen im Schutz der Dunkelheit systematisch die Eier und Larven ihrer Wirtsameisen.
Die Ameisen bemerken den Betrug während des gesamten Winters nicht, weil die chemische Tarnung der Raupe zuverlässig funktioniert. Wird das Nest angegriffen, verteidigen sie die Schmetterlingsraupe oft entschiedener als den eigenen Nachwuchs. Erst im folgenden Sommer verpuppt sich die Raupe im Nest. Schlüpft der fertige Schmetterling, besitzt er den schützenden Duft nicht mehr und muss den Ameisenbau so schnell wie möglich verlassen, bevor die Tarnung auffliegt und die Ameisen ihn angreifen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Dossier des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zur Ökologie der Ameisenbläulinge: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
- Forschungsergebnisse der Naturwaldakademie zur Symbiose zwischen Bläulingen und Ameisen: Naturwaldakademie
- Artenporträts und Schutzprogramme für gefährdete Schmetterlingsarten: BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
- inaturalist.org
- inaturalist.org
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Die Schlupfwespe – Freund und Feind im Hummelnest
In der ökologischen Betrachtung sozialer Insekten nehmen Hummeln eine fundamentale Rolle als Bestäuber in Agrarökosystemen und natürlichen Habitaten ein. Der Schutz dieser staatenbildenden Insekten hat in den vergangenen Jahrzehnten sowohl in der Wissenschaft als auch in der breiten Öffentlichkeit stark an Bedeutung gewonnen. Werden künstliche Nisthilfen (Hummelkästen) etabliert oder Wildnester beobachtet, stößt man unweigerlich auf den Begriff der „Schlupfwespe“. Diese taxonomisch diverse Gruppe von Hautflüglern (Hymenoptera) geht mit Hummelvölkern biologische Wechselbeziehungen ein, die gegensätzlicher nicht sein könnten.
Der Begriff vereint in der Praxis zwei völlig unterschiedliche ökologische Rollen: Einerseits agieren bestimmte Schlupfwespen als unverzichtbare Nützlinge im Kampf gegen verheerende Nestschädlinge, andererseits existieren spezialisierte Arten, die als hochgradig destruktive Parasitoide das direkte Absterben der Hummelbrut verursachen. Für Hummelfreunde und Forscher entsteht dadurch eine große Verwirrung, da das Wort „Schlupfwespe“ im Alltag als Sammelbegriff genutzt wird. Wer nach Informationen sucht, muss die nützlichen Helfer strikt von den tödlichen Feinden trennen.
Der nützliche Helfer: Biologischer Schutz vor der Wachsmotte
Der wohl größte Feind in künstlichen wie natürlichen Hummelnestern ist die Hummel-Wachsmotte (Aphomia sociella). Die adulten Falter dringen meist in der Dämmerung in die Nester ein, um dort ihre Eier abzulegen. Die daraus resultierenden Larven fressen die Wachswaben, den Pollenvorrat und nicht zuletzt die Hummelbrut selbst. Ein unkontrollierter Befall führt unweigerlich zur vollständigen Zerstörung des Nestes. Im Zuge des biologischen Hummelschutzes hat sich der gezielte Einsatz von winzigen Nützlingen der Gattung Trichogramma (insbesondere Trichogramma brassicae und Trichogramma evanescens) etabliert. Diese Tiere zählen biologisch zu den Erzwespen, werden im Alltag aber überwiegend zu den Schlupfwespen gezählt.
Diese mikroskopisch kleinen Wespen (oft unter 1 mm groß) besitzen eine spezialisierte Lebensweise: Sie suchen gezielt nach den frisch gelegten Eiern der Wachsmotte. Die weibliche Wespe sticht das Mottenei an und legt ihr eigenes Ei hinein. Die sich entwickelnde Wespenlarve konsumiert das Schmetterlingsei von innen heraus. Statt einer zerstörerischen Wachsmottenraupe schlüpft nach kurzer Zeit eine neue Generation nützlicher Wespen. Da sich diese Gattung strikt auf Schmetterlingseier beschränkt, besteht für die Hummeln und ihre Brut zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr.
Anwendung im Hummelkasten
Die Kärtchen mit den parasitierten Eiern werden ab Mai in den Hummelkasten gelegt. Da die Wespen nur wenige Tage leben und ausschließlich das Eistadium der Motte bekämpfen können, muss die Ausbringung alle drei Wochen wiederholt werden. Wichtig ist zudem ein abgedunkelter Kasten, da die winzigen Tiere sonst zum Licht fliegen und das Nest verlassen.
Für den erfolgreichen Einsatz der nützlichen Trichogramma-Schlupfwespen spielt die Temperatur im Hummelkasten eine wichtige Rolle. Die winzigen Helfer entwickeln sich bei Werten zwischen 22 und 28 °C optimal. Zwar sind sie in einem Bereich von 15 bis 35 °C aktiv, jedoch stellt eine Temperatur unter 15 °C eine kritische Grenze dar, da sich die Entwicklung der Wespen dann stark verlangsamt und sie ihre Aktivität weitgehend einstellen. Extreme Hitze über 35 °C kann für die Nützlinge sogar tödlich sein. Sollten die Kärtchen nicht sofort ausgebracht werden, lassen sie sich kurzzeitig für 1 bis 2 Tage bei 8 bis 12 °C lagern. Ein großer Vorteil beim Hummelschutz ist die biologische Eigenregulation, da Hummeln ihr Nest aktiv auf etwa 28 °C aufheizen und somit im Inneren des Stockes von Natur aus optimale Bedingungen für die Parasitierung der Wachsmotteneier herrschen.
Übersicht der Temperaturbereiche
| Über 35 °C | Es droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere. |
| 22 bis 28 °C | Ideale Bedingungen für eine schnelle Entwicklung. |
| 15 bis 35 °C | Allgemeiner Aktivitätsbereich der Wespen. |
| Unter 15 °C | Die Entwicklung stagniert stark, und die Tiere verfallen in Inaktivität. |
| 8 bis 12 °C | Empfohlener Bereich für eine kurzzeitige Lagerung von maximal zwei Tagen. |
Der tödliche Parasit: Natürliche Feinde der Hummelbrut
Dem positiven Nutzen der Helfer-Wespen steht eine weitaus düstere, natürliche Facette gegenüber. Verschiedene parasitische Hautflügler haben sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert, Hummelstaaten direkt auszubeuten. Ein prominentes und gefürchtetes Beispiel ist die Art Melittobia acasta. Auch sie gehört biologisch zu den Erzwespen, verhält sich im Nest jedoch wie eine parasitische Kleinst-Schlupfwespe und wird in der Praxis oft so genannt.
Diese Schädlinge dringen aufgrund ihrer geringen Größe oft völlig unbemerkt in das Hummelnest ein. Im Inneren angekommen, suchen sie die Kokons der frisch verpuppten Hummellarven auf. Ein einziges Weibchen durchbohrt den schützenden Kokon und legt hunderte Eier direkt auf die wehrlose Hummelpuppe. Die Larven des Parasiten fressen die Hummel von außen auf. Anstelle einer lebenswichtigen Hummelarbeiterin schlüpfen nach kurzer Zeit dutzende neue Parasiten aus dem Kokon. Diese paaren sich sofort im Nest und befallen die nächsten Hummelpuppen. Dieser Kreislauf führt schnell zu einer totalen Ausrottung der Brut, wodurch das Hummelvolk mangels Nachwuchs komplett kollabiert.
Zusammenfassung
Die Biologie zeigt, dass „Schlupfwespe“ nicht gleich „Schlupfwespe“ ist. Im Hummelschutz entscheidet die genaue Art über Leben und Tod des Volkes. Während die Gattung Trichogramma als biologische Wunderwaffe den verheerendsten Schädling (die Wachsmotte) im Ei erstickt und somit den Hummeln das Leben rettet, bewirkt die Art Melittobia acasta als Brutparasit das genaue Gegenteil. Für eine erfolgreiche Recherche und Anwendung im eigenen Garten ist die Kenntnis dieser wissenschaftlichen Namen und der gezielte Einsatz der richtigen Suchbegriffe daher auch für Laien unerlässlich.
Bild-, Literatur- und Quellenverzeichnis
- Čmeláci PLUS (2026): Die tödliche Wespe Melittobia acasta und Hummeln. Fachportal für Hummelschutz und -zucht.
- Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Biologische Bekämpfung von Wachsmotten (Aphomia sociella) durch den Einsatz von Trichogramma brassicae. Arbeitskreis Hummelschutz.
- Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Erzwespen als Wildbienen-Parasiten: Die Biologie von Melittobia acasta. Sektion Parasitismus bei Stechimmen.
- inaturalist.org
- inaturalist.org
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